Sebastian Gryphius
deutsch-französischer Buchdrucker und Übersetzer
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Sebastian Gryphius (* 1492 in Reutlingen;[1] † 7. September 1556 in Lyon[2]) war ein bedeutender deutsch-französischer Buchdrucker, Übersetzer und Humanist.

Leben
Gryphius war ein Sohn des Buchdruckers Michael Greyff (Greif); die Buchdrucker Johann Gryphius und Franz Gryphius waren seine Brüder. Gleich seinen Brüdern erlernte er die Kunst des Bücherdruckens bei seinem Vater und danach in Basel. Seine anschließenden Wanderjahre führten ihn u. a. nach Venedig in die Werkstatt von Aldus Manutius. In dieser Stadt gründete sein Bruder Johann auch eine Druckerei.[3]
1523 oder 1524, je nach Quellen,[4] ging Gryphius nach Lyon und ließ sich dort nieder. Die ersten Jahre dort arbeitete er meistenteils im Auftrag venezianischer Buchhändler. Daneben konnte er sich mit den Jahren auch einen Ruf als exzellenter Übersetzer griechischer und lateinischer Klassiker erwerben. Als Buchdrucker waren eher juristische und wirtschaftliche Werke sein Metier; aber auch Bestseller wie Guillaume Budé, Erasmus von Rotterdam Angelo Poliziano und 1529 Thesaurus linguae sanctae des Santes Pagninus. Die erste Hippocrates-Galenus-Ausgabe 1532 stammte ebenfalls von ihm.
1536 gründete Gryphius in Lyon zusammen mit dem Unternehmer Hugues de la Porte (1500–1572) das „Atelier du Griffon“. Mit dieser Werkstatt erreichte er endgültig seinen wirtschaftlichen wie auch künstlerischen Durchbruch. Bereits in den frühen 1540er Jahren sprach man von ihm bewundernd als „Prince de libraires lyonnais“. Er druckte lateinische, griechische, hebräische, französische und italienische Schriften in guter Qualität. 1550 erschien die Biblia Latina in drei Bänden.[5]
Sein Haus wie auch seine Werkstatt wurde bald schon zum Zufluchtsort verfolgter Schriftsteller. Der Schriftsteller Étienne Dolet (der 1546 in Paris als Ketzer verbrannt wurde) wohnte die erste Zeit nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis bei Gryphius und erlernte von ihm das Druckerhandwerk.[6] Er druckte 1536 bis 1538 dessen Commentaria linguae Latinae. Aber auch Freunde, wie Andrea Alciati, Barthélémy Aneau, François Rabelais, Clément Marot oder Guillaume Scève fanden sich immer wieder bei ihm ein. Von Rabelais druckte er Gargantua und Pantagruel und von Marot 1538 die Oeuvres.
Sein gebildeter Sohn Antoine führte die Druckerwerkstatt nach dem Tod des Vater bis zu seinem Tod 1593 weiter, er war ebenfalls wegen seiner Gelehrsamkeit bekannt, aber er kam zeitweise wegen Schulden ins Gefängnis.[7]
Ehrungen
- Der Zürcher Universalgelehrte Conrad Gesner widmete ihm 1548 das 12. Buch seiner Pandectae, die eine Liste von über 300 hebräischen, griechischen und lateinischen Drucken Gryphius enthielt.
- Eine Straße in Lyon trägt im 20. Jahrhundert seinen Namen.[8]
Familie
Sebastian Gryphius war verheiratet, der Name seiner Frau ist nicht überliefert. Sie hatten einen Sohn Antoine, der auch Buchdrucker wurde und nach 1593 starb. Ein Neffe namens Sebastian wurde Drucker in Venedig.[9]
Literatur
- Robert G. Babcock: At the Sign of the Gryphon: 1527-1556, in: Marginalia, The Yale University Library Gazette, Vol. 70, 1996, S. 175.
- Henry−Louis Baudrier: Bibliographie Lyonnaise VIII, Lyon 1910, S. 11 ff.
- Richard Copley Christie: Etienne Dolet, the Martyr of the renaissance, London 1880.
- Richard Copley Christie: Historical Essays First Published in 1902 in Commemoration of the Jubilee of the Owens College, Manchester. Sebastian Gryphius Printer, herausgegeben von T. F. Tout und James Tait, Manchester University Press, Manchester, 1902, S. 307–323.
- Lucien, Martin, Henri-Jean Febvre: The Coming of the Book: The Impact of Printing 1450-1800, übersetzt von Gerard David, Verso, London 2010, S. 149.
- Ferdinand Geldner: Gryphius, Sebastian. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 7. Duncker & Humblot, Berlin 1966, ISBN 3-428-00188-5, S. 55–56 (deutsche-biographie.de).
- William Kemp: Printing Erasmus in Italic in Lyon: Jacques Modnerne to Sebastian Gryphius, Yale University Library, Gazette, Oktober 2000.
- Johann Theodor Leubscher: Schediasma de claris Gryphiis, Brieg 1702.
- Lexikon des gesamten Buchwesens II, Karl W. Hiersemann, Leipzig 1935–1937, S. 29.
- Ian McLean: Competitors or Collaborators? Sebastian Gryphius and His Colleagues, 1528-1556, in: Learning and the Market Place; Essays in the History of the Early Modern Book, Library of the Written Word, Brill, Leiden 2009, Band 9, S. 273–289, doi:10.1163/ej.9789004175501.i-460.29.
- Raphaële Mouren (Hrsg.): Quid novi? Sébastien Gryphe à l’occasion du 450e anniversaire de sa mort. Edition Enssib, Villeurbanne 2008, ISBN 978-2-910227-68-5.
- Margaret Mann Phillips: Erasmus in France in the Later Sixteenth Century, Journal of the Warburg and Courtauld Institutes, Vol. 34, 1971, S. 246–261.
- Antoine Augustin Renouard: Des Trois Annales de l’imprimerie Des Alde: Ou, Histoire Manuce et de Leurs Éditions, Jules Renouard, 1834.
- Aimé Vingtrinier: Histoire de l'imprimerie à Lyon, Lyon 1894, S. 177.
- Hanna-Christina Weber: Buchdrucker, in: Helga Schnabel-Schüle: Reformation. Historisch-kulturwissenschaftliches Handbuch, J. B. Metzler, Stuttgart 2017, ISBN 978-3-476-02593-7, S. 93–109.
Weblinks
- Marianna Stell: Sebastian Gryphius and the Gryphius Collection, Website blogs.loc.gov (22. August 2024, englisch, ISSN 2836-7529).
- Gryphius Collection at the Library of Congress, Research Guides, Website guides.loc.gov (englisch).
- pingpong#10: the griffin, Website imprimerie.lyon.fr (englisch).
- Turning Tiny Pages 3: ‘The Trained Hand and Mind of Sebastian Gryphius’, Website norfolkheritagecentre.wordpress.com (1. Februar 2022, englisch).