Sechsthal

Gemeindeteil der Stadt Zeil am Main im unterfränkischen Landkreis Haßberge in Bayern From Wikipedia, the free encyclopedia

Sechsthal ist ein Gemeindeteil der Stadt Zeil am Main im unterfränkischen Landkreis Haßberge in Bayern.[1]

Schnelle Fakten Stadt Zeil am Main ...
Sechsthal
Wappen von Sechsthal
Koordinaten: 50° 3′ N, 10° 35′ O
Höhe: 260 m ü. NHN
Einwohner: 70[Ohne Beleg]Vorlage:Infobox Ortsteil einer Gemeinde in Deutschland/Wartung/NoEinwQuelle
Eingemeindung: 1. Januar 1978
Postleitzahl: 97475
Vorwahl: 09524
Am Ortseingang von Sechsthal
Am Ortseingang von Sechsthal
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Die erste urkundliche Erwähnung Sechsthals vom 23. September 1260: Hierin löst Wolfram von Euerheim Güter in Sechsthal von Degen von Lichtenstein ab. Dieser verpfändet den Ort weiter an Gerlach von Thüngfeld.

Geographie

Das Dorf Sechsthal liegt etwa vier Kilometer nördlich der Kernstadt von Zeil. Rund um den Ort befindet sich das Naturschutzgebiet Hohe Wann. An Sechsthal vorbei führt die Staatsstraße 2427 nach Zeil.

Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung Sechsthals erfolgte im Jahr 1260 unter dem Namen „Sechestal“. Die tatsächliche Gründung des Ortes könnte jedoch bereits um 1150 erfolgt sein, möglicherweise durch Ansiedlung von Bauern im Auftrag des Würzburger Bischofs – ein Umstand, der jedoch nicht belegt ist.[2]

Herkunft des Namens

Die Herkunft des Namens ist nicht eindeutig geklärt. Wahrscheinlich leitet er sich nicht von der Zahl „sechs“ ab, sondern von einem Personennamen oder einer Örtlichkeit. Der Name „Sechsthal“ wird umgangssprachlich mit sechs Tälern in Verbindung gebracht. Die Einheimischen sprechen ihn als „Seck-schtahl“ aus, was auf die Silbe „Sech“ hindeuten könnte – möglicherweise ein Hinweis auf das Pflugmesser, das vor der Pflugschar läuft. Dieses Werkzeug diente nun auch als Vorlage für das neue Ortswappen, das von Günter Lipp aus Ebern gestaltet wurde. Der Ortsname Sechsthal lässt sich auch auf weitere Weisen deuten. Nach dem Historischen Atlas von Alexander Tittmann weist die Endung „-tal“ auf eine relativ spät gegründete Rodungssiedlung hin, was angesichts der Nähe zum Wald auch für Sechsthal plausibel erscheint. Der Namensforscher Walter Radl hält es für möglich, dass dem Namen ein Personenname zugrunde liegt, der sich heute jedoch nicht mehr eindeutig rekonstruieren lässt. Wahrscheinlicher sei laut Radl eine Ableitung aus dem mittelhochdeutschen Begriff „Sege-stal“, was auf den Standort einer Säge oder Mühle am Krumbach hindeuten könnte. Eine weitere Interpretation liefert der Heimatforscher Berninger aus Roßstadt, der 1928 ein Geschichtsbuch für die örtlichen Schulen verfasste. Er führt die alte Schreibweise „Seckesthal“ auf die mittelhochdeutschen Wörter „sagan“ oder „sachan“ zurück, die „Streit“ bedeuten. Daraus ergibt sich die Vorstellung eines Tales, um das einst gestritten wurde.[3.1]

Sechsthal 19: Das Bauernhaus von 1827 besitzt ein verputztes Erdgeschoss, ein Fachwerkobergeschoss und ein Halbwalmdach. Auffällig ist die hohe Fußgängertür von 1845 mit Treppe und Segmentbogen zwischen zwei Pfeilern.[4]

Zwischen Konfessionen und Grenzen – Sechsthal im Wandel der Zugehörigkeiten

Aus den folgenden Jahrhunderten sind nur wenige schriftliche Quellen überliefert. Besonders bedauerlich ist der Verlust der Dorfordnung von 1653, die vermutlich wichtige Einblicke in das damalige Leben gegeben hätte – sie wurde im 19. Jahrhundert vernichtet. Fest steht jedoch, dass Sechsthal aufgrund seiner geringen Größe stets auf die Zusammenarbeit mit benachbarten Gemeinden angewiesen war. Vor der Reformation war der Ort kirchlich an Prappach angebunden. Nachdem Sechsthal unter der Herrschaft der Familie von Fuchs evangelisch wurde, wechselte es zur Pfarrei Altershausen. Dennoch mussten die Einwohner weiterhin Kirchenabgaben an das katholische Prappach leisten – eine Praxis, die erst um 1890 endete, als Sechsthal der evangelisch-lutherischen und zugleich bayerischen Pfarrei Unfinden zugeordnet wurde. Auch die schulische Versorgung war von dieser Grenzlage geprägt: Die Kinder wurden zeitweise nach Altershausen geschickt oder von dort aus unterrichtet – was bedeutete, dass sie das nichtbayerische „Ausland“ besuchen mussten.[2]

Stein statt Stamm – Der Wandel der Bauweise in Sechsthal

Waldweg im Schirmschlag, östlich von Sechsthal

Bis ins frühe 18. Jahrhundert gehörte Sechsthal der Adelsfamilie Fuchs. Die Bewohner waren zu Frondiensten verpflichtet. Der umliegende Wald diente der Herrschaft als Jagdrevier und Holzquelle – eine Nutzung, die bis heute in Form von Nutzungsrechten der sogenannten „Rechtler“ fortbesteht.[2] Der Holzreichtum beeinflusste auch die Bauweise in Sechsthal. Im Jahr 1700 erließ der Bamberger Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn eine Verordnung, die den Bau mit reinem Stein steuerlich begünstigte. Ziel war es, die durch den Dreißigjährigen Krieg stark geschrumpften Wälder zu schonen, indem der Verbrauch von Bauholz reduziert wurde. Auch in Sechsthal, obwohl reich an Holz, machte man ähnliche Erfahrungen. So wurde 1826 im Protokollbuch festgehalten, dass Balthasar Habermann das Erdgeschoss seines Wohnhauses und der Mühle dauerhaft aus Stein errichten und erhalten müsse – künftig sollte ihm dafür kein Holz mehr aus dem Gemeindewald zur Verfügung gestellt werden. Bis dahin hatten Holz-Rechtler in Sechsthal Anspruch auf Holz aus dem Gemeindewald, und zwar in dem Umfang, wie sie es für ihre Hofgebäude benötigten. Das ermöglichte den Bau von Wohnhäusern, Scheunen, Stallungen und mehreren Holzremisen. Teilweise wurden dafür enorme Mengen Holz bereitgestellt – etwa 100 Eichen für ein Wohnhaus und bis zu 80 Eichen allein für die Umfassung einer Scheune. Mit der Zeit änderten die Rechtler jedoch die Satzung: Fortan sollte nicht nur das Erdgeschoss, sondern das gesamte Gebäude massiv aus Stein gebaut werden. Holz wurde nur noch für den Innenausbau und den Dachstuhl gewährt. Der Gemeinderat unterstützte diese Entwicklung und forderte regelmäßig, dass sowohl Wohn- als auch Nebengebäude zumindest im unteren Bereich aus Stein errichtet werden sollten. Dies war auch praktisch, da es in Prappach geeignete Steinbrüche gab und in Sechsthal bereits seit 1608 ein eigener Steinbruch belegt ist. Im Jahr 1838 wurden alle Gemeindemitglieder zusammengerufen. Man stellte fest, dass Steinbauten durch ihre längere Haltbarkeit der Gemeinde Vorteile brachten, insbesondere durch die Einsparung von Holz. Deshalb sollte die bisherige Entschädigung für den Bau von Stallungen aus Stein weiterhin gewährt werden.[3.2]

Zwischen Bayern und Sachsen – Schmugglerpfade in Sechsthal

Die alte Mühle ist ein Fachwerkbau mit einem Walmdach, der ein- bis zweigeschossig ausgeführt ist. Sie besitzt einen winkelförmigen Grundriss, wobei das Erdgeschoss zum Teil in massiver Bauweise errichtet wurde.[5]

Im 19. Jahrhundert war Sechsthal größtenteils Teil des Königreichs Bayern, doch verlief die Grenze zum Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha mitten durch das Dorf, was zu kuriosen Situationen wie innerörtlichem Schmuggel führte. Die ehemalige Dorfmühle in Sechsthal ist ein bemerkenswertes Beispiel für die einstige Grenzlage des Ortes. Obwohl Sechsthal zum Königreich Bayern gehörte, verlief die frühere Landesgrenze zum Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha mitten durch das Mühlenanwesen. Die Mühle selbst lag auf bayerischem Boden, während die dazugehörigen landwirtschaftlichen Gebäude auf sächsischem Gebiet standen. An der Kreuzung zwischen Dorf und Mühle markierten grün-weiße und weiß-blaue Tafeln die Landesgrenze – diese wurden später entfernt. Vor 1840 war die Grenzregion bei Sechsthal ein beliebter Ort für Schmuggel, insbesondere Salz wurde häufig illegal über die Grenze gebracht. Mit der Eingliederung der sächsischen Enklave Königsberg in Bayern im Jahr 1920 wurde auch das landwirtschaftliche Anwesen der Mühle offiziell bayerisch, und die Grenzpfähle verloren ihre Funktion. Während des Krieges zwischen Bayern und Preußen im Jahr 1866 kam es in der Region zu ungewöhnlichen Situationen. Da Sachsen mit Preußen verbündet war, wurden an der Grenze zur sächsisch-coburgischen Enklave bei Sechsthal Wachen aufgestellt, um mögliche Truppenbewegungen zu beobachten. In dieser Zeit durften die sächsischen Bauern aus dem benachbarten Dörflis ihre Wiesen im Maintal nicht nutzen. Ein eindrucksvolles Relikt dieser Grenzgeschichte – ein großes gusseisernes Grenzschild – ist heute im Eingangsbereich des Zeiler Rathauses zu sehen.[3.3]

Eingemeindung

Im Zuge der bayerischen Gemeindegebietsreform wurde Sechsthal am 1. Januar 1978 zusammen mit dem Nachbarort Krum in die Stadt Zeil am Main eingemeindet.[3.4]

Dorferneuerung

Ab 1995 fand eine umfangreiche Dorferneuerung statt, die bis zum Jahr 2001 im Wesentlichen abgeschlossen war. Insbesondere die Sanierung des Gemeindehauses in Sechsthal war eine Herausforderung, da finanzielle Mittel knapp waren und Vorgaben zur Erhaltung bestanden. Die Wünsche der Bürger nach mehr Platz machten eine Erweiterung unumgänglich. 1999 begann der Neubau – nur die Außenmauer blieb erhalten. Das Gebäude wurde umfassend modernisiert, inklusive Glockenturm, Feuerwehrhaus und Ausstattung. Die Sechsthaler leisteten tatkräftige Eigenhilfe mit Holz aus dem Rechtlerwald und vielen Arbeitsstunden.[3.5]

Heute zählt der Ort rund 70 Einwohner und ist damit der kleinste Gemeindeteil von Zeil am Main.

Ortswappen

Anlässlich des 750-jährigen Bestehens des Ortes im Jahr 2010 wurde ein Ortswappen eingeführt. Das Wappen wurde von Kreisheimatpfleger Günter Lipp, Ebern-Frickendorf entworfen.[3.6]

In Gold drei gesenkte, schwarze Flachwellenbalken, oben bedeckt von einem schräggestellten grünen Pflugmesser (Sech).

Wappenbegründung: Die flachen Wellen ergeben sechs Täler, und die Figur, die sie von oben bedeckt, ist ein Pflugmesser, ein „Sech“, der den Boden aufschneidet.

Die Farben: Grün steht für die Landwirtschaft, Schwarz für den Boden und Gold für das Getreide. Schwarz und Gold könnten auch zur Zugehörigkeit zur Stadt Zeil angesehen werden.

Freizeit

Sechsthal liegt im Herzen des Naturparks Haßberge und bietet damit ideale Voraussetzungen für Freizeitaktivitäten in der Natur. Die abwechslungsreiche Landschaft mit Wäldern, Hügeln und historischen Wegen lädt zum Wandern, Radfahren und Erkunden ein. Ob gemütlicher Spaziergang oder sportliche Tour – hier kommen Naturliebhaber voll auf ihre Kosten.

Baudenkmäler

Anekdoten

Der Mordstein

Früher zogen die Mädchen aus Sechsthal abends mit ihren Spinnrädern nach Prappach, um dort gemeinsam in Spinnstuben zu arbeiten, Geschichten auszutauschen und zu singen. Auf einem nächtlichen Heimweg kam es einmal zu einem heftigen Streit, bei dem eines der Mädchen mit einem Spinnrocken erschlagen wurde. Am nächsten Morgen fand man die Tote neben einem Stein am Ortsrand – dieser wird bis heute als „Mordstein“ bezeichnet.[3.7]

Zappenduster

Im Jahr 1929 gönnte sich Sechsthal zwei einfache Straßenlampen. Eine wurde am Haus von Armin Käb installiert, die andere erhielt Strom aus dem Haus von Christian Liebender. Armin Käb übernahm die Aufgabe, in den Herbst- und Wintermonaten das Licht ein- und auszuschalten – dafür erhielt er eine Entschädigung von der Gemeinde. Sobald er schlafen ging, wurde die Beleuchtung abgeschaltet, und das Dorf lag im Dunkeln – es sei denn, der Vollmond spendete Licht. Bereits nach dem Ersten Weltkrieg zählte Sechsthal zu den ersten Orten der Region mit elektrischem Licht. Die Finanzierung des Projekts erfolgte während der Inflation – mit Geld, das zunehmend an Wert verlor.[3.7]

Commons: Sechsthal (Zeil am Main) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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