Selegilin

chemische Verbindung From Wikipedia, the free encyclopedia

Selegilin ist ein Arzneistoff, der vorrangig zur symptomatischen Behandlung der Parkinson-Krankheit eingesetzt wird, im Ausland aber auch als Antidepressivum Verwendung findet. Seine Wirkung vermittelt diese Substanz über eine irreversible Hemmung des Enzyms Monoaminooxidase B (MAO-B-Hemmer) und damit einer Hemmung des Dopamin-Abbaus im Gehirn. Selegilin unterliegt der ärztlichen Verschreibungspflicht.

Schnelle Fakten Strukturformel, Allgemeines ...
Strukturformel
Strukturformel von Selegilin
Allgemeines
Freiname Selegilin
Andere Namen
  • (R)-N-Methyl-N-[1-methyl-2-phenylethyl]prop-2-in-1-amin (IUPAC)
  • L-Deprenyl
  • Selegilinum (Latein)
Summenformel C13H17N
Kurzbeschreibung

Weißes bis fast weißes, kristallines Pulver (Hydrochlorid)[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer (Listennummer) 604-507-3
ECHA-InfoCard 100.109.269
PubChem 26757
ChemSpider 24930
DrugBank DB01037
Wikidata Q47495783
Arzneistoffangaben
ATC-Code

N04BD01

Wirkstoffklasse

MAO-B-Hemmer, Antiparkinsonmittel

Wirkmechanismus

Enzymhemmung der Monoaminooxidase–B

Eigenschaften
Molare Masse 187,28 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

141–142 °C (Hydrochlorid)[1]

Siedepunkt

92–93 °C (1,07 kPa)[2]

Löslichkeit

Leicht löslich in Wasser, Chloroform und Methanol, schwer löslich in Aceton (Hydrochlorid)[1]

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[3]

Hydrochlorid

keine GHS-Piktogramme

H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze[3]
Toxikologische Daten
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000 hPa).
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Das pharmakologische Profil von Selegilin (E-250, Deprenyl) wurde erstmals 1965 von József Knoll beschrieben.[4]

Stereoisomerie

N-Methyl-N-(1-methyl-2-phenylethyl)prop-2-in-1-amin hat ein Stereozentrum und ist folglich eine chirale Verbindung, von der es zwei Isomere gibt. Als Selegilin bezeichnet man die (R)-Form (auch L-Selegilin oder (−)-Selegilin). Pharmazeutisch eingesetzt wird das Hydrochlorid.[S 1]

Das Racemat, ein 1:1-Gemisch aus (R)- und (S)-Form, wird auch als Deprenyl[S 2] bezeichnet, von dem auch ein Hydrochlorid[S 3] beschrieben ist.

(+)- bzw. (S)-Selegilin[S 4] hat dagegen keine Bedeutung.

Pharmakologie

Anwendungsgebiete

In Kombination mit Levodopa wird Selegilin zur symptomatischen Behandlung der Parkinson-Krankheit eingesetzt. In erster Linie findet Selegilin dabei Einsatz bei Patienten mit einem fluktuierenden Krankheitsbild (Dyskinesien, End-of-Dose-Fluktuationen, On-off-Phänomene). Darüber hinaus ist Selegilin als Monotherapeutikum zur Behandlung früher Stadien der Parkinson-Krankheit zugelassen.

In den USA wird Selegilin unter dem Handelsnamen Emsam zur Behandlung von Depressionen eingesetzt. Es wird dabei transdermal durch ein Pflaster verwendet. In Deutschland besteht jedoch keine Zulassung für dieses Anwendungsgebiet.

Eine diskutierte mögliche Wirksamkeit von Selegilin zur Verbesserung der Symptome der Alzheimer-Krankheit wurde nach einer Metaanalyse von Patientendaten negativ beurteilt.[5]

Experimentell kommt der Gebrauch von Selegilin in der Nootropicszene vor, wo dem Stoff in niedriger Dosierung ein Anti-Aging Effekt zugeschrieben wird.[6][7]

In der Tiermedizin wird Selegilin zur Behandlung von Verhaltensstörungen emotionalen oder geriatrischen Ursprungs bei Hunden verwendet.[8]

Wirkmechanismus

Als MAO-B-Hemmer ist Selegilin ein Hemmstoff des Enzyms Monoaminooxidase B. Die Hemmung dieses Enzyms führt zu einer Hemmung des Abbaus von Dopamin und somit zu einer Erhöhung der pathologisch erniedrigten Dopaminkonzentration im Gehirn.

Nebenwirkungen

Unter der Anwendung von Selegilin sind insbesondere folgende Nebenwirkungen beschrieben worden: Mundtrockenheit, Appetitverlust, Schwindel, Schlafstörungen, Verwirrtheit, Angst, Halluzinationen, Transaminasenanstieg, orthostatische Hypotonie und Herzrhythmusstörungen.

Wechselwirkungen

Der Abbau von Arzneistoffen, der über die Monoaminooxidasen abläuft, kann durch Selegilin verlangsamt werden. Keine unerwünschten Wirkungen sind hingegen durch die kombinierte Einnahme von Selegilin (max. 10 mg/Tag) mit tyraminhaltigen Nahrungsmitteln zu erwarten, da durch die MAO-B-Selektivität noch die Monoaminooxidase A für den Abbau von Tyramin zur Verfügung steht.[9]

Selegilin kann die Wirkungen und Nebenwirkungen von Sympathomimetika, Psychostimulanzien, Nasentropfen, Antihypotonika, Antihypertonika, Sedativa und Ethanol verstärken.

Die gleichzeitige Einnahme von Selegilin und Antidepressiva (insbesondere SSRI) kann zu schwerwiegenden Reaktionen, wie z. B. Flush, Hyperthermie, Krampfanfällen, Herz-Kreislauf-Störungen, psychischen Störungen (Verwirrtheit, Halluzinationen) bis hin zum Koma führen.

Selegilin verstärkt darüber hinaus die MAO-hemmenden Nebenwirkungen von Linezolid.

Herstellung

Eine mehrstufige Synthese für Selegilin, ausgehend von (RS)-Methamphetamin, ist in der Literatur beschrieben.[10]

Handelsnamen

Movergan (D, a.H.), Eldepryl (UK, S, F, DK), Emsam (USA), Zelapar (USA), Generika

Tiermedizin
Selgian

Commons: Selegilin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Anmerkungen

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