Schmalspurbahn Gernrode–Hasselfelde

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Die Schmalspurbahn Gernrode–Hasselfelde verbindet Gernrode über Alexisbad mit Hasselfelde in Sachsen-Anhalt. In Alexisbad zweigt zudem eine kurze Stichstrecke nach Harzgerode ab. Beide sind Teil der Selketalbahn genannten Verbindung zwischen Quedlinburg und Eisfelder Talmühle. Dem namensgebenden Fluss Selke folgt die Strecke zwischen Mägdesprung und Albrechtshaus.

Weitere Informationen Gernrode (Harz)–Harzgerode/–Hasselfelde, Gernrode (Harz)–Hasselfelde ...
Gernrode (Harz)–Harzgerode/–Hasselfelde
Kursbuchstrecke (DB):333
Kursbuchstrecke:158k (1934)
Spurweite:1000 mm (Meterspur)
Gernrode (Harz)–Hasselfelde
Übersichtskarte der Selketalbahn
Übersichtskarte der Selketalbahn
Streckennummer (DB):9703
Streckenlänge:40 km
Maximale Neigung: 40,2 
Minimaler Radius:60 m
Streckengeschwindigkeit:40[1] km/h
Strecke
von Quedlinburg
Bahnhof
0,00 Gernrode (Harz) 204 m
Abzweig geradeaus und ehemals nach links
nach Frose
ehemaliger Haltepunkt / Haltestelle
1,30 Osterteich 211 m
Haltepunkt / Haltestelle
1,46 Osterteich 211 m
Brücke über Wasserlauf
Heiliger Teich, Wellbach
Haltepunkt / Haltestelle
5,71 Sternhaus-Haferfeld 381 m
Brücke über Wasserlauf
Wellbach
Bahnhof
6,91 Sternhaus-Ramberg 413 m
Bahnhof
10,17 Mägdesprung 295 m
Brücke über Wasserlauf
Krebsbach
Haltepunkt / Haltestelle
11,61 Drahtzug 298 m
Brücke über Wasserlauf
Friedenstalbach
ehemaliger Haltepunkt / Haltestelle
13,50 Klostermühle 327 m
Bahnhof
14,55 Alexisbad 325 m
Abzweig geradeaus und nach links
nach Harzgerode
Brücke über Wasserlauf
Schwefelbach
Abzweig geradeaus und ehemals von rechts
Anschluss Rinkemühle II
Bahnhof
17,70 Silberhütte/Anhalt 335 m
Abzweig geradeaus und nach links
Anst Heizwerk
Brücke über Wasserlauf
Uhlenbach
Abzweig geradeaus und ehemals nach links
18,41 Anschluss Rinkemühle
Haltepunkt / Haltestelle
21,30 Straßberg (Harz)-Glasebach 363 m
Bahnhof
21,81 Straßberg (Harz) 363 m
Abzweig geradeaus und ehemals nach rechts
22,66 Anschlussgleis Fluor
Abzweig geradeaus und ehemals von rechts
22,92 Anschluss Herzogschacht
Brücke über Wasserlauf
23,00 Selke
Abzweig geradeaus und ehemals von links
24,60 Anschluss Holzverladung Selkewiesen
Haltepunkt / Haltestelle
27,03 Güntersberge 420 m
Bahnhof
30,52 Friedrichshöhe 454 m
Haltepunkt / Haltestelle
31,32 Albrechtshaus 467 m
Abzweig geradeaus und ehemals von links
31,42 Anschluss Albrechtshaus
Kulminations-/Scheitelpunkt
(Scheitelpunkt)
Abzweig geradeaus und von links
von Eisfelder Talmühle
Bahnhof
35,71 Stiege 485 m
Wendeschleife
Brücke über Wasserlauf
Kopfbahnhof Streckenende und Streckenanfang
40,38 Hasselfelde 452 m
Strecke nach rechts
40,78 Anschluss Sägewerk
Alexisbad–Harzgerode
Streckennummer (DB):9704
Streckenlänge:2,9 km
Maximale Neigung: 33,5 
Minimaler Radius:60 m
Streckengeschwindigkeit:20[2] km/h
Strecke
von Gernrode (Harz)
Bahnhof
0,00 Alexisbad 325 m
Abzweig geradeaus und nach rechts
nach Hasselfelde
Brücke über Wasserlauf
Selke
Abzweig geradeaus und ehemals von links
2,60 Anschluss Ziegelei
Kopfbahnhof Streckenende
2,93 Harzgerode 400 m
Schließen

Die Meterspurbahn wurde von 1888 bis 1892 ein mehreren Teilstücken von der Gernrode-Harzgeroder Eisenbahn-Gesellschaft (GHE) eröffnet, wurde 1946 zum großen Teil demontiert und kurz danach fast vollständig wieder aufgebaut und kam 1949 zur Deutschen Reichsbahn. Seit 1993 gehört die Strecke den Harzer Schmalspurbahnen (HSB). Der kurze Streckenabschnitt nach Harzgerode ist seit dem Frühjahr 2025 betrieblich gesperrt.

Namensgebung Selketalbahn

Gernroder-Harzgeroder Eisenbahn und Anhaltische Harzbahn waren verschiedene Bezeichnungen für die Schmalspurstrecken im Unterharz, die ursprünglich der GHE gehörten. Der Name Selketalbahn setzte sich erst in Ende der 1940er Jahre für den Streckenabschnitt Gernrode–Harzgerode/–Straßberg durch.[3] Heute wird nur noch die Bezeichnung Selketalbahn verwendet. Darunter werden die Strecken Quedlinburg–Gernrode (seit 2006) und weiter über Alexisbad nach Hasselfelde, die Strecke Alexisbad–Harzgerode und die Verbindungsstrecke Stiege–Eisfelder Talmühle von der HSB vermarktet.

Geschichte

Eröffnung und Anfangsjahre

Wegen der Geländeverhältnisse und aus Kostengründen hatte die Localbahn-Bau und Betriebs-Gesellschaft Wilhelm Hostmann & Co. aus Hannover die Spurweite von 1000 mm gewählt. Am 7. August 1887 wurde der Abschnitt Gernrode–Mägdesprung der Gernrode-Harzgeroder Eisenbahn-Gesellschaft (GHE) nach einer Bauzeit von 316 Tagen eröffnet. Zunächst wurde nur Personenverkehr durchgeführt, ab dem 5. Januar 1888 auch Güterverkehr.[4]

Am 1. Juli 1888 wurde das Teilstück Mädgesprung–Alexisbad−Harzgerode eröffnet. Noch während das erste Teilstück im Bau war, wurde eine Verlängerung bis Hasselfelde geplant. Der Güterverkehr bis Silberhütte war ab dem 13. Juli 1889 möglich, bis Lindenberg am 18. November 1889. Am 1. Juni 1890 wurde der Abschnitt Lindenberg–Güntersberge eröffnet. Zunächst war Güntersberge nur ein Endbahnhof, denn den bereits geplante Weiterbau Richtung Hasselfelde scheiterte an der Landesgrenze zwischen dem Herzogtum Braunschweig, dem Hasselfelde angehörte und dem Herzogtum Anhalt, auf dessen Gebiet Güntersberge lag. Erst 1891 konnten entsprechende Verträge geschlossen werden und am 1. Dezember 1891 wurde die Strecke bis Stiege eröffnet. Das letzte Teilstück bis Hasselfelde folgte am 29. April 1892.[5]

Mit der Strecke Stiege-Eisfelder Talmühle bestand ab 1905 eine Verbindung zur Harzquerbahn der Nordhausen-Wernigeroder Eisenbahn-Gesellschaft (NWE).

Max Valier führte zwischen Güntersberge und Friedrichshöhe im Frühjahr 1928 Testfahrten mit einem raketengetriebenen Wagen durch,[6] die später auf der Schmalspurbahn Stiege–Eisfelder Talmühle fortgesetzt wurden.[7]

Anfang der 1940er Jahre entstand eine 1,5 km lange Anschlussbahn zum Herzogschacht, wo der für die Rüstung wichtige Rohstoff Flussspat abgebaut wurde. Der Verkehr wurde 1944 aufgenommen.[8]

Zweigeteilte Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg

Den Zweiten Weltkrieg überstand die Bahnstrecke ohne größere Schäden, obwohl es in der unmittelbarer Umgebung noch zu schweren Kämpfen kam. Eine Aufnahme des Zugverkehrs war aber vorerst nicht möglich, da Stiege und Hasselfelde zur britischen und die restliche Strecke ab dem 1. Juli 1945 zur sowjetischen Besatzungszone (SBZ) zählte. Erst nach einem Gebietstausch zwischen Sowjets und Briten am 23. Juli 1945 kam die ganze Strecke zur SBZ, erst danach war wieder Zugverkehr bis Hasselfelde möglich.[9]

Im Frühjahr 1946 wurde die Strecke bis auf die Abschnitte Stiege–Hasselfelde und Herzogschacht–Lindenberg demontiert und das Fahrzeug- und Gleismaterial nahezu vollständig als Reparationsleistung in die Sowjetunion verbracht. Da der Rohstoff Flussspat auch für die Atomwaffenproduktion von großer Bedeutung war, konnte der Abschnitt Lindenberg–Herzogschacht wegen schlechter Straßen zum Grubengelände nicht demontiert werden. Fortan war die Strecke zweigeteilt.

Stiege–Hasselfelde

Die Betriebsführung (Eisfelder Talmühle–)Stiege–Hasselfelde ging ab dem 15. April 1946 auf die NWE über.

Gernrode–Alexisbad–Straßberg

Wegen der Bedeutung für den Transport von Flussspat begann bereits im Herbst 1946 der Wiederaufbau zwischen Gernrode und Lindenberg (seit 1952 Straßberg), der sich wegen Materialmangels bis 1949 hinzog. Der Abschnitt Lindenberg–Stiege wurde zunächst nicht wieder aufgebaut. 1946 wurde die GHE enteignet und am 1. April 1949 von der Deutschen Reichsbahn (DR) übernommen. Der Wiederaufbau der Strecke nach Harzgerode fand 1949/50 statt, neben Holzversand waren die örtliche Ziegelei sowie ein eisenverarbeitender Betrieb größere Verkehrskunden in Harzgerode. Der Verkehr wurde am 1. Juli 1950 wieder aufgenommen. Damit ging auch eine erhebliche Verkehrssteigerung auf dem Abschnitt Gernrode–Alexisbad−Lindenberg einher.[10]

Zug zwischen Gernrode und Alexisbad (1980)

Zunächst stand nur die nicht in die Sowjetunion abtransportierte GERNRODE, der Triebwagen T 1 sowie eine weitere Lok der Nordhausen-Wernigeroder Eisenbahn-Gesellschaft zur Verfügung. Erst ab 1956 konnte mit dem Einsatz weiterer Malletlokomotiven mehr Zugpaare gefahren werden. Am 1. Oktober 1959 wurde der Vereinfachte Nebenbahnbetrieb eingeführt, damit entfielen die bisher zuständigen Fahrdienstleiter in Harzgerode, Mägdesprung, Silberhütte und Straßberg. Sitz des Zugleiters war in Alexisbad.[11]

Ausfahrt einer Mallet nach Harzgerode (1980)

Erstmals wurde 1966 öffentlich über eine Verkehrseinstellung diskutiert, der Kreis Quedlinburg plante eine Stilllegung bis spätestens 1974. Daraufhin wurde die Oberbauinstandhaltung auf das nötigste reduziert, infolgedessen waren immer mehr Langsamfahrstellen notwendig. Daraus resultierten immer längere Reisezeiten, sodass die Personenbeförderungszahlen rückläufig waren. Das Zugangebot wurde daher mehrfach gekürzt. Endgültig beschlossen wurde die Stilllegung 1970. Da der für den Verkehrsträgerwechsel notwendige Straßenausbau sowie die Beschaffung zusätzlicher LKWs und Omnibusse nicht schnell genug möglich war, wurde die Stilllegung weiter aufgeschoben. Im September 1972 wurde die Strecke als Technisches Denkmal eingestuft und die Strecke 1973 dauerhaft für den Weiterbetrieb vorgesehen.[12] Die Anschlussbahn zur Flussspatgrube wurde im Mai 1974 betrieblich gesperrt, nachdem wegen schlechtem Oberbau eine Lokomotive entgleist war. Der geförderte Flussspat wurde danach per LKW zum Bahnhof Straßberg gebracht und dort in Güterwagen verladen.[13]

Am 10. März 1977 kam es zum schwersten Unfall der Streckengeschichte. Bei Rangierarbeiten in Harzgerode wurde eine leere Güterwagengruppe vergessen an die Hauptluftleitung anzuschließen. An der Bahnhofseinfahrt reichte die Bremswirkung der Lokomotive alleine nicht aus und die Rangierfahrt entgleiste etwa 1200 Meter weiter in einem Bogen. Die Güterwagen wurden daraufhin vor Ort verschrottet, während die Lok erst am 29. April mithilfe eines Hilfsgleises geborgen werden konnte.[14]

Wiederaufbau Straßberg–Stiege

Beschlossen wurde der Wiederaufbau bereits 1973, nachdem die Stilllegungspläne nicht umgesetzt werden konnten. Nach der Einstellung des Verkehrs auf der Schmalspurbahn Grünstädtel–Oberrittersgrün war der Güterverkehr nach Straßberg bzw. Harzgerode der letzte ausschließlich mit Schmalspurgüterwagen durchgeführte öffentliche Güterverkehr der DR. Mit dem Lückenschluß sollte der Rollwagenverkehr bis Harzgerode durchgeführt werden. Dazu war unter anderem eine grundlegende Oberbausanierung notwendig, da der Wiederaufbau Ende der 1940er Jahre nur mit gebrauchtem Material erfolgte. Aufgrund fehlender Baukapazitäten ging die Streckensanierung nur langsam vorran, für den Lückenschluss wurden zunächst garkeine Baumaßnahmen durchgeführt. 1974/75 wurde die der Personenverkehr für einige Monate per Schienenersatzverkehr durchgeführt, in der Zwischenzeit wurde zahlreiche Streckenabschnitte wiederum mit gebrauchtem Oberbaumaterial anderer stillgelegter Strecken erneuert.[15]

Lok 99 6001 in Hasselfelde vor dem Eröffnungszug Stiege–Straßberg, 3. Juni 1984
Rollwagengüterzug in Stiege (1990)

Erst mit der zweiten Ölkrise waren ab 1981 entsprechende Möglichkeiten zum Neubau verfügbar, vor allem um die Versorgung des neuen Heizkraftwerkes Silberhütte mit Braunkohle von Nordhausen aus sicherzustellen. Ab 1982 wurde am Planum gearbeitet, zunächst wurde der alte Oberbau bei Straßberg bzw. das Schotterbett auf dem restlichen Abschnitt abgetragen. Im Jahr 1983 der Wiederaufbau des Abschnittes Straßberg–Stiege. Am 3. Juni 1984 wurde der planmäßige Reiseverkehr zwischen Hasselfelde und Gernrode wieder aufgenommen. Seitdem sind die drei Harzer Schmalspurstrecken (Selketalbahn, Harzquerbahn und Brockenbahn) wieder zu einem – heute 140 Kilometer langen – Netz verbunden.

Im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau wurde auch der Einsatz der Baureihe 99.23–24 auf der restlichen Strecke geplant. Dazu mussten der Oberbau verstärkt und Profileinschränkungen beseitigt werden. Ab 1987/88 war dann der Verkehr mit den größeren Lokomotiven möglich. Der Rollwagenverkehr bis Harzgerode wurde im Mai 1989 aufgenommen.[16]

Entwicklung nach 1989

Mit der Wende 1989/90 brachen die Transportleistungen im Güterverkehr ein. Im Mai 1990 letztmalig Güterverkehr mit Schmalspurgüterwagen durchgeführt, danach wurden nur Normalspurgüterwagen auf Rollwagen befördert. Nach Juni 1991 bestand nur auf dem Papier ein täglicher Güterzug aus Nordhausen bis Harzgerode, der aber mangels Fracht defacto nur bis Silberhütte verkehrte. Der Rückgang im Berufsverkehr wurde vorerst durch mehr Ausflügler ausgeglichen.[17]

Doppelausfahrt Alexisbad in den 1990er Jahren

Am 1. Februar 1993 übernahm die Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) von der DR neben der Harzquerbahn und der Brockenbahn auch die Selketalbahn. Im Mai 1993 wurde der Güterverkehr auf der Schmalspurbahn beendet, lediglich ein Kohlenhändler in Hasselfelde wurde noch bedient. Obwohl wochentags noch ein Güterzugpaar im Fahrplan enthalten war, wurden die Wagen für Hasselfelde per PmG befördert.[18] Anfang April 1994 beschädigte ein Hochwasser die Gleisanlagen zwischen Mägesprung und Straßberg sowie auf der Stichstecke nach Harzgerode stark. Ende April bis zum 11. Mai 1994 wurde der Betrieb schrittweise wieder aufgenommen, die Reparaturkosten beliefen sich auf 1,5 Mio. DM.[19]

Ab 1995 verkehrten weniger Personenzüge, die Beförderungsleistungen im Personenverkehr waren seit der Übernahme durch die HSB ebenfalls zurückgegangen. Seit 1996 kommen auch Triebwagen zum Einsatz, zudem wurde der Fahrplan saisonal gestaltet.[20] Der Oberbau wurde von 1993 bis 2000 auf circa 5 km Länge saniert, zudem wurden starke befahrene bislang nur durch Andreaskreuze gesicherte Bahnübergänge mit Schranken ausgerüstet. Insgesamt wurden etwa 14 Mio. DM investiert. Mit dem angepassten Fahrplan konnten die Fahrgastzahlen wieder gesteigert werden.[21]

Am 10. Juni 2001 wurde der schon jahrelang nicht mehr durchgeführte Güterverkehr ins Selketal dann offiziell eingestellt.[22] Der Zugleiter in Alexisbad wurde 2004 eingespart, seitdem ist der Zugleiter in Nordhausen Nord mit für die Strecken zuständig.[23]

Streckenerweiterung nach Quedlinburg

Triebwagen in Bad Suderode (2006)

Auf der normalspurigen Bahnstrecke Quedlinburg–Gernrode–Ballenstedt–Frose endete nach einem Stellwerksbrand in Ballenstedt der Zugverkehr bereits in Gernrode. Daraufhin sah sich die Deutsche Bahn AG nicht mehr in der Lage, die Strecke wirtschaftlich zu betreiben, und es kam zu einem Stilllegungsverfahren sowie der Stilllegung des Abschnitts Gernrode–Frose. Die Harzer Schmalspurbahnen übernahmen den Abschnitt Quedlinburg–Gernrode und begannen am 18. April 2005 im Bahnhof Gernrode mit dem Bau des rund 8,5 Kilometer langen Verlängerung bis nach Quedlinburg durch Umspurung der Strecke auf Meterspur – ein zuerst angedachter Ausbau auf ein Dreischienengleis scheiterte an den Mehrkosten. Die am 17. Februar 2006 von der Eisenbahnaufsichtsbehörde Sachsen-Anhalts freigegebene Strecke wurde am 4. März mit einer Festveranstaltung und mit Sonderzügen eröffnet. Da zu Beginn des Sommerfahrplans am 29. April 2006 noch verschiedene Arbeiten auszuführen waren, fuhren zunächst nur mehrere Sonderzüge. Der reguläre Reisezugverkehr wurde erst am 26. Juni 2006 aufgenommen.

Seit 2006

Seit den 2010er Jahren wird bei Straßberg ein Hochwasserrückhaltebecken geplant. Die Strecke soll mit einem Tunnel durch den Damm geführt werden, die bei einem Hochwasserereignis mit einem Tor verschlossen werden kann. Der ursprünglich für 2023 geplante Baubeginn wurde mittlerweile mehrfach verschoben. Während der Bauarbeiten soll die Strecke für einige Jahre gesperrt werden.[24]

Am 25. April 2025 wurde die Strecke Alexisbad–Harzgerode aufgrund von Oberbauschäden betrieblich gesperrt.[25]

Streckenbeschreibung

Verlauf

Bahnhof Alexisbad mit Neubautriebwagen
Dampfzug im Bahnhof Harzgerode

Ab Bahnhof Gernrode (Harz) führt die Trasse vorbei am Haltepunkt Osterteich, neben dem gleichnamigen Standgewässer und weiter durch den Ostergrund. Vorbei am Heiligen Teich steigt die Strecke über den Bahnhof Sternhaus-Haferfeld und weiter bis zum Bahnhof Sternhaus-Ramberg stark an. Dieser liegt wie der vorherige mitten im Wald. Hinter dem Bahnhof Sternhaus-Ramberg senkt sich die Strecke hinab ins Tal der Selke. Dieses Streckenstück ist das steilste im gesamten Netz der Harzer Schmalspurbahnen. Beim Bahnhof Mägdesprung wird das enge Tal der Selke erreicht. Die Bahn folgt nun dem Flussverlauf bis nach Alexisbad. Zahlreiche Felsdurchbrüche, die die Bahn passieren muss, zeugen vom aufwändigen Bau der Strecke. Vorbei am kleinen Haltepunkt Drahtzug wird die Ortschaft Alexisbad erreicht. Der gleichnamige Bahnhof, der auch der Ausgangspunkt des Streckenabschnitts nach Harzgerode ist, liegt erst am Ende des kleinen Ortes.

Im folgenden Streckenverlauf nach Harzgerode zwängt sich die Schmalspurbahn aus dem engen Tal der Selke heraus auf die Hochebene von Harzgerode. Hier endete die Strecke am Bahnhof Harzgerode.

Vom Bahnhof Alexisbad Richtung Hasselfelde führt die Strecke weiter durch das Selketal Richtung Stiege zunächst nach Silberhütte. Vorbei an kleineren Industriebetrieben setzt der Zug seine Reise über Straßberg, welches neben dem Bahnhof auch noch einen Haltepunkt besitzt, weiter bis Güntersberge fort. Hinter Güntersberge gewinnt die Bahn weiter an Höhe, bis über die Stationen Friedrichshöhe und Albrechtshaus der Bahnhof Stiege erreicht wird. Hier zweigt seit 1905 die Verbindung zur Harzquerbahn ab. Nach kurzer Fahrt endet der Zug in dem ebenfalls auf einer Hochfläche gelegenen Ort Hasselfelde, der Endpunkt der Strecke.

Betriebsstellen

Gernrode

Empfangsgebäude der Schmalspurbahn vor dem Empfangsgebäude der Normalspurbahn

Der Bahnhof Gernrode (Harz) wurde 1868 zusammen mit dem Abschnitt Ballenstedt-Quedlinburg der Bahnstrecke Frose–Quedlinburg eröffnet. Als Ausgangspunkt der Strecke Richtung Alexisbad sind in Gernrode umfangreiche Gleisanlagen gegenüber dem ehemaligen Normalspurteil des Bahnhofs sowie ein Lokschuppen samt Behandlungsanlagen vorhanden.

Osterteich

Der Haltepunkt Osterteich befindet sich nahe des gleichnamigen Stausees. Zwischen 1946 und 1983 wurde der Haltepunkt nicht bedient. Der 1983 eröffnete Haltepunkt liegt etwa 150 m weiter südlich als der bis 1946 genutzte.

Sternhaus-Haferfeld

Zug am Haltepunkt Sternhaus-Haferfeld (2012)

Bis 1946 bestand die Station aus dem durchgehenden Hauptgleis und einem Ladegleis. Eine hier ursprünglich vorhandene Wartehalle wurde in den 1940er Jahren abgerissen. Die HSB errichtete 2005 eine neue Wartehalle.

Sternhaus-Ramberg

DIe Gleisanlage des Bahnhofs Sternhaus-Ramberg war ähnlich wie Sternhaus-Haferfeld ausgestattet. Neben der Holzverladung diente das Nebengleis vor allem als Abstellgleis für in Mägdesprung aufgrund der Steigung geteilte Güterzüge. Ein Wagenkasten diente bis 1994 als Wartehalle und wurde danach durch neue hölzerne Wartehalle ersetzt.

Mägdesprung

Kurzzeitig war der Bahnhof Mägdesprung Endbahnhof. Nach der Demontage wurden nur noch 2 der ursprünglich 3 Durchgangsgleise wiederaufgebaut. Auch das früher dem Güterverkehr zu den zahlreichen metallverarbeitenden Betrieben der Umgebung dienende Stumpfgleis wurde mittlerweile abgerissen.

Drahtzug

Bedarfshaltepunkt Drahtzug (2024)

Der Haltepunkt Drahtzug ist sehr einfach ausgeführt, außer einem kurzen Bahnsteig, einer Bank und einem Stationsschild bestehen keine Anlagen.

Klostermühle

Der Haltepunkt Klostermühle wurde nur von 1888 bis 1892 bedient.

Alexisbad

Mit dem Streckenbau Richtung Hasselfelde wurde der Bahnhof erheblich ausgebaut. Kurzzeitig war sogar ein Lokschuppen vorhanden. Heute liegen im Bahnhof noch drei durchgehende Gleise sowie ein Stumpfgleis am den ehemaligen Ladestraße.

Harzgerode

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg besaß der Endbahnhof auch einen Lokschuppen. Beim Wiederaufbau wurden wesentlich weniger Gleise, als ursprünglich vorhanden waren, wiederaufgebaut. Mittlerweile sind nur noch ein Umsetz- und ein Stumpfgleis zum ehemaligen Güterschuppen vorhanden.

Silberhütte (Anhalt)

Bahnhof Silberhütte (Anhalt)

Obwohl der Bahnhof Silberhütte (Anhalt) mit zwei Gleisen einfach ausgeführt war, so hatte er im Güterverkehr durch die hier abzweigenden Anschlussgleise zur Rinkemühle sowie zu J.F.Eisfeld erhebliche Bedeutung. Der Bahnhof wurde 1983/84 mit Rückfallweichen ausgestattet, zugleich entstand die neue Anschlussbahn zum Heizkraftwerk. Diese wurde bis 1992 bedient.

Straßberg (Harz) Glasebach

Der Haltepunkt Straßberg (Harz) Glasebach wurde 1994 eröffnet.

Straßberg

Bis 1990 war der Bahnhof Straßberg vor allem im Güterverkehr von Bedeutung. Von 1949 bis 1983 war die Station zudem Endbahnhof.

Güntersberge

Kurzzeitig war der Bahnhof Güntersberge 1890/91 ein Endbahnhof. Bis mindestens in die 1920er Jahre war ein Lokschuppen vorhanden. Heute liegt nur noch das durchgehende Hauptgleis.

Friedrichshöhe

Bahnhof Friedrichshöhe (2012)

Ursprünglich wurde die Station mit drei Gleisen eröffnet. Seit dem Wiederaufbau 1983 sind nur noch zwei Gleise mit Rückfallweichen vorhanden. Auch wurde 1983 das baufällige zweistöckige Empfangsgebäude samt angebauten Güterschuppen abgerissen und durch eine Betonwartehalle ersetzt.[26]

Albrechtshaus

Der Haltepunkt Albrechtshaus bestand nur aus einem Bahnsteig und einer entfernt stehenden Wartehalle. Diese wurde mittlerweile abgerissen und durch eine Betonwartehalle ersetzt. In unmittelbarer Nähe zum Haltepunkt befand sich auch das Anschlussgleis zur gleichnamigen Heilstätte.

Stiege

Zunächst nur ein einfacher Durchgangsbahnhof, so erhielt der Bahnhof Stiege mit der Eröffnung der Schmalspurbahn Stiege–Eisfelder Talmühle 1905 eine größere verkehrliche Bedeutung. Seit 1983 ist als betriebliche Besonderheit eine Wendeschleife vorhanden.

Hasselfelde

Historischer Lokschuppen Hasselfelde mit ausgestellten Fahrzeugen (2012)

Im wesentlichen besteht die Gleislage im Bahnhof Hasselfelde seit der Eröffnung 1892. Auf der Seite des repräsentativen Empfangsgebäudes mit angebautem Güterschuppen befindet sich auch die Ladestraße. Zum Bahnhof gehörten auch zwei bis 1991 bediente Gleisanschlüsse, die zu einem Lagerschuppen der Bäuerlichen Handelsgenossenschaft sowie zu einem Sägewerk führten. Gegenüber vom Empfangsgebäude liegt der Lokschuppen. Bis 1992 wurde er als Lokeinsatzstelle genutzt und beherbergt heute ein Museum. Ursprünglich war hier die 99 7244-9 ausgestellt, mittlerweile wird die 99 5606 gezeigt.

Zugbetrieb

Personenverkehr

Zugkreuzung in Friedrichshöhe

Die Strecke wird täglich von einem Dampfzug und Triebwagen befahren. Auf der Gesamtstrecke gibt es laut Sommer- und Winterfahrplan in beiden Richtungen täglich jeweils fünf Verbindungen, teilweise mit Umsteigen in Alexisbad und Stiege sowie Befahren der Seitenäste nach Harzgerode und Hasselfelde (Stand: Fahrplan 2016/2017). Weitere Züge verkehren zwischen Quedlinburg oder Gernrode und Alexisbad. Der Großteil der Zugleistungen wird durch Triebwagen erbracht. Während die Selketalbahn auf dem Streckenabschnitt Quedlinburg–Gernrode einige Bedeutung im Regionalverkehr hat, sind die Fahrgäste auf den anderen Streckenabschnitten meist Touristen, Ausflügler und Wanderer.

Betriebseinrichtungen

In Gernrode und in Nordhausen Nord befinden sich die Lokeinsatzstellen für die Selketalbahn. In Nordhausen Nord werden die Dieseltriebwagen der Selketalbahn eingesetzt.

Fahrzeugeinsatz

Lokomotive der Erstausstattung

Der Betrieb wurde zunächst mit drei Dampflokomotiven aufgenommen, die auf die Namen GERNRODE, HARZGERODE und SELKE getauft wurden. Wegen des gestiegenen Bedarfs sowohl beim Personen- als auch beim Güterverkehr waren noch vor der Jahrhundertwende drei weitere Dampfloks in Dienst gestellt worden, die GÜNTERSBERGE, die ALEXISBAD und die HASSELFELDE.

Literatur

  • Dirk Endisch: Von der GHE zur HSB – Tradition und Innovation auf Meterspurgleisen im Harz. Band 1: Die Selketalbahn. Verlag Dirk Endisch, Stendal 2011, ISBN 978-3-936893-70-0.
  • Dirk Endisch: Von der GHE zur HSB – Tradition und Innovation auf Meterspurgleisen im Harz. Band 2: Die Harzer Schmalspurbahnen GmbH. Verlag Dirk Endisch, Stendal 2011, ISBN 978-3-936893-70-0.
  • Ludger Kenning: Damals bei der Selketalbahn: Das Meterspurnetz zwischen Gernrode, Alexisbad, Harzgerode, Straßberg, Stiege, Hasselfelde und Eisfelder Talmühle in der Reichsbahnzeit. Verlag Kenning, Nodhorn 2022, ISBN 3-944390-25-3.
  • Gerhard Zieglgänsberger, Hans Röper: Die Harzer Schmalspurbahnen. transpress Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-613-71103-6.

Einzelnachweise

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