Semmy Engel

deutsch-jüdischer Architekt From Wikipedia, the free encyclopedia

Semmy Engel (geb. 19. Februar 1864 in Hamburg; gest. 21. Januar 1946 in London) war ein deutscher Architekt.

Bornplatzsynagoge 1906

Leben

Engel kam als Sohn des Kaufmanns Benny Engel und dessen Ehefrau Gella Jenny, geb. Samson zur Welt und wuchs in der Hamburger Neustadt auf. Er erhielt seine Ausbildung nach einer Maurerlehre in den Baugewerkschulen in Hamburg und Eckernförde. Nach anschließender Tätigkeit in verschiedenen Baubüros und bei einem Architekten, eröffnete er 1889 in Hamburg ein eigenes Büro. Sein Sohn Bernd Engel (1902–1973) wurde ebenfalls Architekt und trat 1929 in das Büro seines Vaters ein. 1936 wurde Semmy Engel als Jude von den Nationalsozialisten mit Berufsverbot belegt. 1938 folgte er seinem Sohn ins Exil nach London, der bereits 1935 dorthin emigriert war. Engel wurde zunächst als „Enemy Alien“ mit Kriegsbeginn 1939 interniert im Oktober freigelassen. 1940 wurde er vom NS-Regime ausgebürgert. Er starb 1946 und wurde auf dem Hoop Lane Jewish Cemetery beigesetzt.

Werk

Wohnanlage „Sophieneck“ in Hamburg-Harvestehude, 1928/29

Von Engel stammen die Entwürfe für zahlreiche Neu- und Umbauten von Mietshäusern und Villen in den Hamburger Stadtteilen Harvestehude, Rotherbaum, St. Pauli und Eppendorf. Er gehörte zu den meistbeschäftigten Architekten in Hamburg. Für jüdische Auftraggeber realisierte Engel mehrere Synagogen, so 1904 zunächst die Vereinssynagoge der „Vereinigten Alten und neuen Klaus“.[1] Im selben Jahr reichte er einen Entwurf für den Bau der neuen repräsentativen Hauptsynagoge, der Bornplatzsynagoge, ein. Dieser wurde, vereinigt mit einem zweiten Entwurf von Ernst Friedheim, realisiert; die Synagoge wurde 1906 eingeweiht. Es folgen weitere Synagogenbauten in der Hoheluftchaussee (1909), der Gluckstraße in Barmbek (1920) und der Kielortallee (1929).

Engel führte Umbauten am Gebäude der Henry Jones-Loge in der Hartungstraße (1904), an der Kapelle auf dem Friedhof Langenfelde (1911) und der Leichenhalle auf dem Jüdischen Friedhof Ohlsdorf (1919) aus. 1928/1929 entwarf er zusammen mit seinem Sohn die Wohnanlage „Sophieneck“ in Harvestehude im Stil des Neuen Bauens. Eine mit seinem Sohn und Hermann Rickert entworfene Anlage in Lokstedt im Stil des Bauhauses wurde 1931 fertiggestellt.

Literatur

  • Jürgen Sielemann: Semmy Engel. In: Kirsten Heinsohn: Das jüdische Hamburg. Wallstein, Göttingen 2006, ISBN 978-3-8353-0004-0, S. 71.
  • Myra Warhaftig: Deutsche jüdische Architekten vor und nach 1933. Das Lexikon. Reimer, Berlin 2005, ISBN 3-496-01326-5, S. 124f. (Bernd Engel) und S. 127 (Semmy Engel).
  • Susanne Lohmeyer, Sielke Salomon: Semmy Engel (S. 24–27) und Bernd Engel (S. 28–31) in: diess.: Bauhaus-Architektur in Lokstedt?, Hrsg. Galerie Morgenland/Geschichtswerkstatt Eimsbüttel, Hamburg 2008
Commons: Semmy Engel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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