Josef Bradl

österreichischer Skispringer und Skisprungtrainer From Wikipedia, the free encyclopedia

Josef „Sepp“ Bradl (auch Bubi oder Buwi Bradl; * 8. Januar 1918 in Wasserburg am Inn, Bayern; † 3. März 1982 in Mühlbach am Hochkönig, Salzburg) war ein österreichischer Skispringer und Skisprungtrainer; von 1938, nach dem „Anschluss“ Österreichs, bis 1941 startete er in der Mannschaft des Deutschen Reiches. 1936 sprang er als erster Mensch auf Skiern über 100 m weit.

Schnelle Fakten Karriere, Medaillenspiegel ...
Sepp Bradl
Bradl 1939 in Zakopane
Voller Name Josef Bradl
Nation Osterreich Österreich
Deutsches Reich NS Deutsches Reich
Osterreich Österreich
Geburtstag 8. Januar 1918
Geburtsort Wasserburg am Inn, Deutschland
Beruf Einzelhandelskaufmann,
Gastronom und Hüttenwirt
Sterbedatum 3. März 1982
Sterbeort Innsbruck, Österreich
Karriere
Disziplin Skispringen
Skilanglauf
Nordische Kombination
Ski Alpin
Verein SC Mühlbach am Hochkönig,
SC Bischofshofen, SC Salzburg
Nationalkader seit 1936
Karriereende 1956
Medaillenspiegel
WM-Medaillen (Sprunglauf) 1 × Goldmedaille 0 × Silbermedaille 0 × Bronzemedaille
DM-Medaillen (Sprunglauf) 2 × Goldmedaille 0 × Silbermedaille 0 × Bronzemedaille
ÖM-Medaillen (Sprunglauf) 7 × Goldmedaille 1 × Silbermedaille 0 × Bronzemedaille
ÖM-Medaillen (Nord. Kombination) 1 × Goldmedaille 0 × Silbermedaille 1 × Bronzemedaille
ÖJM-Medaillen (Dreierkombination) 2 × Goldmedaille 0 × Silbermedaille 0 × Bronzemedaille
 Nordische Skiweltmeisterschaften
Gold 1939 Zakopane Sprunglauf
 Österreichische Meisterschaften
Gold 1947 Tschagguns Großschanze
Gold 1948 Bad Hofgastein Großschanze
Gold 1951 Windischgarsten Sprunglauf
Gold 1952 Semmering Sprunglauf
Gold 1953 Igls / Innsbruck Sprunglauf
Gold 1954 Bad Hofgastein Sprunglauf
Silber 1955 Semmering Sprunglauf
Gold 1956 Lienz Sprunglauf
 Österreichische Meisterschaften
Bronze 1947 Tschagguns Nordische Kombination
Gold 1955 Semmering Nordische Kombination
 Deutsche Meisterschaften
Gold 1939 Oberhof Großschanze
Gold 1941 Spindlermühle Großschanze
Österreichische JugendmeisterschaftenVorlage:Medaillen_Wintersport/Wartung/unerkannt
Gold 1936 Mallnitz Dreierkombination
Gold 1938 Aflenz Dreierkombination
Platzierungen bei der Vierschanzentournee
Vierschanzentournee 1. (1953), 3. (1953/54), 2. (1955/56)
 
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Werdegang

Bradl kam 1918 als Kind eines Tiroler Bergmannes, der im Kupferbergwerk in Mühlbach am Hochkönig arbeitete, und einer Oberösterreicherin zur Welt. Sein Vater starb bei einem Unfall beim Bergsteigen am Hochkönig in den Armen seines damals 12-jährigen Sohnes. In Mühlbach war 1908 ein Skiclub gegründet worden und die Kinder konnten im Rahmen des schulischen Turnunterrichtes Ski fahren. 1912 wurde, initiiert von dem norwegischen Direktor des Bergwerks, die erste Skisprungschanze des Landes errichtet, auf der auch Bradl zu trainieren begann. 1933, als 15-Jähriger, stand er dort seinen ersten 50-Meter-Sprung. Im selben Jahr schickte ihn Peter Radacher, selbst nordischer Skisportler und damals Pächter des Arthurhauses unweit der Sprungschanze, nach Innsbruck, wo der Skispringer Birger Ruud (Sieger auf der Normalschanze bei den Olympischen Winterspielen 1932) unterrichtete.[1]

Im Vorfeld der IV. Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen erreichte er am 1. Jänner 1936 beim Eröffnungsspringen auf der Olympiaschanze den fünften Platz mit einer Weite von 82 Meter.[2] Da er mit den Händen den Boden berührt hatte, wurde der Sprung als „gestürzt“ gewertet.[3] Am 11. Februar 1936 erzielte er bei einem Probespringen auf der Olympiaschanze beim dritten Sprung 79 Meter, stürzte jedoch und blieb bewusstlos liegen. Er wurde ins Olympiaspital gebracht, wo die Ärzte außer einer leichten Gehirnerschütterung keine weiteren Verletzungen diagnostizierten und dem Patienten zwei Tage Bettruhe verordneten.[4] Am 16. Februar belegte er bei den Olympischen Spielen mit Weiten von 64 und 70½ Meter mit einer Gesamtnote von 204 als bester Österreicher Platz 19.[5][6]

Am 24. Februar 1936 belegte er beim Skispringen in Seefeld in Tirol mit einer Note von 321,9 den sechsten Platz und wurde damit zweitbester Österreicher hinter Rudolf Rieger.[7][8] Bei der Österreichischen Ski-Meisterschaft in Mallnitz wurde er am 28. Februar 1936 in der Klasse der Jungmannen Zweiter im Langlauf über 9 km.[9] Einen Tag später belegte er den zweiten Platz im Abfahrtslauf.[10]

Einen Monat nach den Olympischen Spielen fand ein Skispringen auf der neu errichteten Bloudkova velikanka, der damals größten Schanze, im slowenischen Planica statt. Am 15. März gelang Bradl im zweiten Durchgang mit einer Weite von 101 m[11][12] der erste Sprung eines Menschen mit Skiern über 100 m.[12][13] Josef Bradl wurde der Ehrenbecher des Königs überreicht, wobei die Österreichische Bundeshymne intoniert wurde und das „anwesende Publikum in stürmische Zivio- und Heil-Rufe ausbrach“.[11]

Bradl wurde im Sommer 1937 wegen Betätigung für die NSDAP verhaftet, er war Mitglied der illegalen SA.[14]

Seit seiner Schulzeit war er arbeitslos, weil seine verwitwete Mutter das Lehrgeld für eine Lehrstelle nicht aufbringen konnte, und hatte nur unregelmäßig ein wenig Verdienst im Freiwilligen Arbeitsdienst. Nun erhielt er eine Lehrstelle bei dem Trachtenmodenunternehmen Lanz, von dessen Inhaber Willi Lanz er gefördert und stets zum Training freigestellt wurde. Bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften 1937 in Chamonix wurde er Fünfter, im Jahr darauf bei den Weltmeisterschaften 1938 in Lahti Vierter. Im selben Jahr gelang ihm, wieder auf der Schanze in Planica, die Verbesserung seines Weltrekordes auf 107 Meter.[1]

Mit dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 wurde er Teil der deutschen Mannschaft. Bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften 1939 auf der Großschanze in Zakopane wurde er Weltmeister. Im selben Jahr gewann er auch in Oberhof die Deutsche Meisterschaft, ein Erfolg, den er 1941 in Spindlermühle wiederholen konnte.[15]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges stand er 1946 „aus politischen Gründen bei Skirennen nicht zur Verfügung“.[16] Er wurde wegen seiner NS-Belastung im Lager Glasenbach inhaftiert.[17] Jedoch konnte er im Jänner 1947 nach Mühlbach am Hochkönig zurückkehren und an der Bischofshofener Sprungschanze das Training wieder aufnehmen.[18] Kurz zuvor hatte „Österreichs bisher erfolgreichster Skispringer“ wieder eine Starterlaubnis erhalten.[19] Bei den ASKÖ-Skimeisterschaften in Villach konnte er mit einem Sprung über 72,5 m an seine alten Erfolge anknüpfen.[20] Im Dezember 1947 zählte er zu den vierzehn besten Skispringern Österreichs und fungierte als Trainingsleiter.[21] Zu einem Eklat kam es im Jänner 1948, als er nicht zu den Olympischen Winterspielen 1948 in St. Moritz reisen durfte.[22] Hierüber berichtete die Presse:

„Josef Bradl wurde bekanntlich während des nationalsozialistischen Regimes für seine erfolgreiche sportliche Betätigung ohne sein Zutun in der Stufenleiter der SA von Fall zu Fall höher gereiht, so daß er schließlich als ‚Obersturmführer‘ rangierte. Diese ‚ehrenhalber‘ verliehene Charge ist nunmehr der Anlaß, daß Bradl von der Fremdenpolizei in Bern die Einreise in die Schweiz verweigert wird, obwohl Bundespräsident Dr. Renner auf Grund der Besonderheit des Falles den Skispringer Josef Bradl, für dessen Entregistrierung sich auch die Vertreter der drei politischen Parteien einsetzten, im Gnadenweg von den Sühnefolgen befreit hat.“

Salzburger Volksblatt vom 22. Jänner 1948[23]

Ende Jänner wurde Bradl die Einreise endgültig verweigert, was in Österreich kritisiert wurde:

„Damit hat der ‚Fall Bradl‘ den Schlußpunkt erhalten und geht als unrühmliches Kapitel in die Geschichte der Olympischen Winterspiele ein, die doch bei jeder Gelegenheit als das Symbol des Friedens und der Völkerverbundenheit hingestellt werden.“

Artikel in der Salzburger Volkszeitung vom 29. Jänner 1948[24]

Bei den Winterspielen 1952 in Oslo trug er als erster Skispringer seit dem Finnen Armas Palmros 1924 während der Eröffnungsfeier die Fahne seines Landes.[25] Im Wettbewerb stürzte Bradl jedoch im ersten Durchgang. Am 7. Jänner 1951 hatte er hingegen auf der Bergiselschanze in Innsbruck vor Kjell Knarvik (NOR) und Fritz Tschannen (SUI)[26][27] gewonnen und erfolgreich beendete er auch im Jahr 1953 als Gesamtsieger die erste Vierschanzentournee. Er ist mit 35 Jahren und 3 Tagen bei seinem Triumph in der Saison 1953 bis heute der älteste Gesamtsieger der Vierschanzentournee und zugleich auch mit genau 38 Jahren, bei seinem zweiten Platz in der Saison 1955/56, der älteste Springer, der jemals auf dem Podest war.[28] Von 1947, den ersten Österreichischen Meisterschaften nach dem Zweiten Weltkrieg, bis 1956 gewann Bradl bei österreichischen Meisterschaften acht Gold- und je eine Silber- und Bronzemedaille.

Ab 1958 war Bradl als Trainer aktiv. Unter anderem betreute er die deutsche und viele Jahre die österreichische Skisprung-Nationalmannschaft. Unter den von ihm betreuten Springern waren unter anderem Otto Leodolter, Reinhold Bachler, Willi Egger, Walter Habersatter, Willi Köstinger, Walter Steinegger, Peter Müller und Baldur Preiml. 1973 beendete er seine Tätigkeit als Trainer. Bis zu seinem Tod führte er zusammen mit seiner Frau Paula den Alpengasthof Rupertihaus in Mühlbach am Hochkönig, den er mit Trainingsräumen und zwei Sprungschanzen zu einem Trainingszentrum ausgebaut hatte.

Das Sepp-Bradl-Stadion in Bischofshofen mit der Paul-Außerleitner-Schanze ist nach ihm benannt. An der rechten Seite des Aufsprunghügels steht dort das ihm zu Ehren errichtete Buwi-Bradl-Denkmal.[29]

Erfolge

Olympische Winterspiele

Weltmeisterschaften

Nationale Meisterschaften

Österreichische Ski-Meisterschaften:

  • Tschagguns 1947: 1. Sprunglauf; 3. Nordische Kombination (1. Kombinationssprunglauf, 7. Kombinationslanglauf)
  • Bad Hofgastein 1948: 1. Sprunglauf
  • Windischgarsten 1951: 1. Sprunglauf
  • Semmering 1952: 1. Sprunglauf
  • Innsbruck 1953: 1. Sprunglauf
  • Bad Hofgastein 1954: 1. Sprunglauf
  • Semmering 1955: 2. Sprunglauf; 1. Nordische Kombination
  • Lienz 1956: 1. Sprunglauf

Deutsche Ski-Meisterschaften:

  • Oberhof 1939: 1. Sprunglauf
  • Spindlermühle 1941: 1. Sprunglauf

Weltrekorde

Weitere Informationen #, Schanze ...
#SchanzeOrtLandWeiteaufgestellt amRekord bis
42Bloudkova velikanka (K106)PlanicaJugoslawien Konigreich 1918 Jugoslawien101,5 m15. März 1936  15. März 1938  
43Bloudkova velikanka (K106)PlanicaJugoslawien Konigreich 1918 Jugoslawien107,0 m15. März 1938  2. März 1941  
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Schanzenrekorde

Weitere Informationen Schanze, Ort ...
SchanzeOrtLandWeiteaufgestellt amRekord bis
Paul-Außerleitner-SchanzeBischofshofenOsterreich Österreich86,0 m26. Dezember 1947  27. Dezember 1947  
Paul-Außerleitner-SchanzeBischofshofenOsterreich Österreich94,0 m27. Dezember 1948  27. Februar 1949  
Paul-Außerleitner-SchanzeBischofshofenOsterreich Österreich107,5 m27. Dezember 1948  6. Januar 1952  
Paul-Außerleitner-SchanzeBischofshofenOsterreich Österreich101,0 m11. Januar 1952  11. Januar 1953  
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Literatur

  • Mein Weg zum Weltmeister. Mit einem Geleitwort von Hans Hofmann. Schlüsselverlag, Innsbruck 1948.
Commons: Josef Bradl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Josef Bradl in der Datenbank des Internationalen Skiverbands (englisch)
  • Josef Bradl in der Datenbank von Olympedia.org (englisch)
  • 101 Meter weit. In: Steierische Alpen-Post / Steierische Alpenpost. Wochen-Zeitung für Ober-Steiermark / Wochen-Spiegel. Illustrierte Beilage in Kupfertiefdruck / Bilder-Woche der „Steierischen Alpenpost“, Bad Aussee / Bilder-Welt / Steierische Alpenpost. Wochenzeitung für das Ausseerland und die angrenzenden Gebiete der Gaue Steiermark und Oberdonau / Alpenpost. Wochenzeitung für das Ausseerland im Salzkammergut und die angrenzenden Gebiete der Reichsgaue Oberdonau und Steiermark / Ostmark-Woche, 29. März 1936, S. 6 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/apt (Foto des Rekordsprungs; Bildunterschrift: „So springt und fliegt man über die 100-Meter-Marke! Josef Bradl, der Held von Planica 1366, während seines Weltrekordsprunges. (Man beachte die wunderbare ‚stromlinige‘ Vorlage des Skifliegers.) Phot. E. Lorenzutti“)
  • Foto des Buwi-Bradl-Denkmals auf der Website des Skiclubs Bischofshofen

Einzelnachweise

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