Venezianisches Fenster
Abwandlung des Triumphbogenschemas
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Das Venezianische Fenster (auch Palladio-Motiv oder Serliana) ist die vor allem bei Portal- oder Fensteröffnungen verwendete Verbindung eines mittleren, breiteren Bogens mit zwei schmaleren Seitenöffnungen, die von einem Gebälk in Höhe des Bogenkämpfers abgeschlossen sind.[1]

Eng verwandt mit der Serliana ist der Syrische Bogen, bei dem die Gebälkprofile am Ansatz des Bogens umknicken und dessen Rundung folgen, also nicht auf dem Architrav der seitlichen Fenster aufsitzen.
Ursprung
Ursprünglich wurde eine derartige Struktur in der antiken römischen Triumphbogenarchitektur verwendet (Schema I).
In der Renaissance wurde sie zunächst in den Architekturbüchern (Sette Libri d’architettura) des Sebastiano Serlio beschrieben, weshalb man auch von „Serliana“ spricht. Die Baumeister des 16. Jahrhunderts griffen dieses Motiv auf. Ursprünglich sollte die Höhe (der Radius) des Gewölbebogens ein Drittel der Höhe der Rechtecke ausmachen; von diesen starren Proportionen ging man jedoch bald ab.
Bekannt wurde das Venezianische Fenster (Schema II) erst durch Andrea Palladio, der es vor allem in seinen frühen Werken einsetzte; besonders die Basilica Palladiana in Vicenza wurde weltberühmt. Spätere Architekten stellten sich ganz bewusst in die Nachfolge Palladios und benutzten es als Architekturzitat.
Neuzeit
Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Motiv mit der Neurenaissance auch für bürgerliche Mehrfamilienhäuser recht populär und wandelte sich Anfang des 20. Jahrhunderts zu einer stilisierten Form (Schema III) bis zum Art déco.
Heute taucht es nur noch gelegentlich bei Fensteranordnungen oder Loggien als Zitat auf, dessen weit zurückreichende Tradition und Bedeutung den Betrachtern meist nicht mehr auffällt.
Galerie
- Palazzo del Te in Mantua (frühes 16. Jh.)
- Basilica Palladiana in Vicenza (Mitte 16. Jh.)
- Santi Barnaba e Paolo in Mailand (16./17. Jh.)
- Palazzo Grassi in Venedig (Mitte 18. Jh.)
- Orangerieschloss im Park Sanssouci (Mitte 19. Jh.)
- Portalseite der St. Petersburger U-Bahn-Station Puschkinskaja; nach 1950
Literatur
- Manuel Parada López de Corselas: La serliana en el Imperio Romano: paradigma de la arquitectura del poder: una lectura de la arquitectura y la iconografía arquitectónica romanas. L'Erma di Bretschneider, Roma 2015, ISBN 978-88-913088-6-3.
- Manuel Parada López de Corselas: La serliana en Europa. Fortuna y funciones de un elemento arquitectónico (siglos VII-XVIII). Centro de Estudios Europa Hispánica, Madrid 2019, ISBN 978-84-15245-83-4.
Weblinks
- Das Palladio-Motiv (veröffentlicht: 10. September 2013).