Sewekow

Ortsteil von Wittstock/Dosse From Wikipedia, the free encyclopedia

Sewekow oder Sävko (niederdeutsch) ist ein Ortsteil der Stadt Wittstock/Dosse im Landkreis Ostprignitz-Ruppin im Nordwesten des Landes Brandenburg. Der Ort liegt im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land. Unweit vom Ort verläuft nördlich und östlich die Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern. Die am nächsten gelegenen Seen sind – im Uhrzeigersinn – der Glambecksee, der Sewekowsee, der Langhagensee und der Große Baalsee (siehe Liste der Seen in Brandenburg und Liste der Seen in Mecklenburg-Vorpommern).

Schnelle Fakten Stadt Wittstock/Dosse ...
Sewekow
SävkoVorlage:Infobox Ortsteil einer Gemeinde in Deutschland/Wartung/Alternativname
Koordinaten: 53° 14′ N, 12° 38′ O
Einwohner: 197 (31. Dez. 2022)[1]
Eingemeindung: 26. Oktober 2003
Postleitzahl: 16909
Vorwahl: 033966
Sewekow (Brandenburg)
Sewekow (Brandenburg)
Lage von Sewekow in Brandenburg
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Dorfkirche in Sewekow

Geschichte

Eine Steinaxt aus Tonschiefer aus der Steinzeit und ein Feuersteindolch sowie Randaxt norddeutschen Types, die in der Gemarkung gefunden worden, zeugen von einer Besiedlung schon in vorhistorischer Zeit. Name und die Rundlingsform des Dorfes deuten auf einen slawischen Ursprung seiner frühen Bewohner.

Als „Sevekov“ 1284 das erste Mal urkundlich erwähnt wurde, war es mecklenburgisch und gehörte dem Adligen Otto von Retzow. Nikolaus II. Herr von Werle als Landesherr übereignete den Ort dem Kloster Amelungsborn an der Weser, welches es dem Mönchshof im benachbarten Dranse unterstellte. Ob dies 1284 oder erst 1316 geschah, ist nicht eindeutig geklärt. In der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts zählte die Feldmark 39 Hufen. Der Lehnschulze hatte 2 freie und 2 Pachthufen sowie 2 Kossäten, die Pfarre 4 und die Kirche 1 Hufen. An Bauern gab es 13 Zweihüfner und 2 Einhüfner sowie 6 Kossäten. Außerdem gab es einen Fischer auf dem Sewekower See und einen Priester. Der Lehnschulze hatte ein sog. Lehnpferd zu stellen, eine dem Militär zugute kommende Verpflichtung. Zudem gab es einen Krug.

1431 verkaufte das Kloster den abgelegenen Mönchshof zusammen mit den zugehörigen Dörfern an den Bischof von Havelberg, welcher es von der Burg Zechlin aus verwaltete. Einige Hoheitsrechte der Herren von Mecklenburg wie Bede, Landding und Dienste bestanden jedoch fort und wurden ihnen 1445 im Vertrag von Wittstock zugestanden. Dessen ungeachtet wurde Sewekow 1470 durch Mecklenburger Raubritter überfallen. Anhaltender Streit darüber führte zu weiteren Verträgen 1492, 1529 und später. Nach der Reformation ging der Besitz der Burg Zechlin mit den zugehörigen Dörfern an den Kurfürsten von Brandenburg über und wurde fortan durch das Amt Zechlin verwaltet.

1550 hatte die Gemeinde Sewekow die Wüste Feldmark Herzdorf teilweise in Pacht. 1574 besaß der Lehnschulze 2 freie und 2 Feldhufen, einen Kohlgarten, weitere Ländereien und Wiesen sowie Heuerland auf der Feldmark Raderang, Fischerei- und Holzrechte „hinter seinem Hof.“ 3 Drei- und 13 Zweihüfner hatten allesamt Gärten und Wiesen sowie Heuerland auf der Feldmark Raderang, einige hatten auch Wiesen auf der wüsten Feldmark Schilde. Der Pfarrer wohnte in Dranse und hatte Hebungen von den Bauern des Dorfes sowie den Zehnten von der Feldmark Bale. Daneben erhielt der Küster von jedem Hof einen halben Scheffel Roggen, und die Kirche besaß auch einen Hufen Land. Außerdem wirkte hier ein Schneider. Dem Amt Wittstock standen ein Pferd, Pachtgeld vom Lehnschulzen sowie die Hofpächte der Bauern zu. 1586 soll eine Kirche bestanden haben.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg lebten nur noch 22 Personen in Sewekow, 8 Bauern bearbeiteten je eine Hufe Land. 1686 waren das Lehnschulzengehöft, die 3 Dreihüfner- und 9 der 13 Zweihüfnerstellen wieder besetzt, dazu kam ein Kätner. Neben dem sandigen Acker lebte man von „schlechter Viehzucht“, es gab weder „Mast“ noch Fischerei. Bis 1712 konnten alle Bauernhöfe wieder besetzt werden, außerdem gab es jetzt einen Gemeindeschäfer, einen Kuhhirten und zwei Einlieger, von denen einer als Leineweber tätig war. Auch einen Schulmeister hatte Sewekow damals aufzuweisen, aber in der nächsten Statistik 1734 wurde er nicht mehr erwähnt.

Baudenkmale

Einziges Baudenkmal in Sewekow ist die evangelische Dorfkirche, die wahrscheinlich 1586 erbaut wurde. Die Malerin Birgit Sewekow hat die Dorfkirche in ihrem Landschafts-Zyklus „Bilder des Nordens“ (2010) verewigt.[2]

Fossilienfund

Um 1910 wurde von einem Bauern in etwa 50 cm Tiefe ein fossiler Geschiebefund gemacht, der erst in das gerade begründete Kreismuseum Heiligengrabe und dann in das Geologische Institut der Humboldt-Universität gelangte. Nach eingehender Untersuchung wurde es dort als „Xenusion“ (Fremdartiges Wesen) und als Artbezeichnung „auerswaldae“ katalogisiert und beschrieben. Der Name bezieht sich auf Annemarie von Auerswald, die Stiftsdame und damalige Leiterin des Museums, die wohl für die Entdeckerin gehalten wurde. Die heutige Systematik zählt das Xenusion zu den Stummelfüßern. Es soll mindestens aus der Zeit des Kambriums (545-500 Mio. Jahre) stammen und erregte daher um 1930 großes Aufsehen, da so alte Tiere bis dahin nicht gefunden worden waren.

Literatur

  • Historisches Ortslexikon für Brandenburg – Teil 1 – Prignitz – N–Z. Bearbeitet von Lieselott Enders. In: Klaus Neitmann (Hrsg.): Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs (Staatsarchiv Potsdam) – Band 3. Begründet von Friedrich Beck. Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2012, ISBN 978-3-88372-033-3, S. 824 ff.
  • Kurt Zellmer und Frank Wilcke: Sewekow: Entdeckungen in einem Prignitzer Urlauberdorf. In: Ostprignitz-Ruppin Jahrbuch 2006, Hg: Kreisverwaltung Ostprignitz-Ruppin, S. 129–136

Einzelnachweise

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