Sextius Niger
römischer Arzt und Pharmakologe
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Sextius Niger war ein römischer Arzt und Pharmakologe des frühen 1. Jahrhunderts n. Chr., der auf Griechisch ein Werk über Heilmittel („Περὶ ὕλης“) verfasste, das als wichtige Quelle für Plinius den Älteren und Pedanios Dioskurides gilt.
Plinius schätzte ihn hoch und nannte ihn diligentissimus medicinae („äußerst gewissenhaft in der Medizin“). Er diente Plinius als wichtige Quelle, insbesondere in den Büchern 12–16 und 20–30 der Naturalis historia. Plinius zitiert ihn explizit an mehreren Stellen, z. B. in 16,51 (eine Eibenart); 20,126 (Malve und Kresse); 20,129, 28,120. 131 (Käse); 28,120 den Scincus (eine ägyptische Eidechsenart); 29,74 den Salamander; 29,76 den Biber; 32, 26 den Biber erneut.
Auch Pedanios Dioskurides nutzte Sextius Niger als eine seiner Hauptquellen für De materia medica. Obwohl Dioskurides ihn nicht immer namentlich nennt, zeigen zahlreiche Übereinstimmungen zwischen beiden Autoren (besonders in den Büchern 20–30 bei Plinius und entsprechenden Abschnitten bei Dioskurides), dass Dioskurides das Werk des Niger intensiv heranzog – oft sogar wortgetreuer als Plinius. Max Wellmann vermutete in seiner Quellenanalyse (Hermes 24, 1889, 530 ff.) , dass Dioskurides Sextius Niger in nicht mehr genau feststellbarem Maße verarbeitete. Er führte Übereinstimmungen mit Theophrastos von Eresos, Diokles von Karystos, Philistion von Lokroi, Chrysippos von Knidos (Lehrer des Erasistratos) sowie dem Iatrologen Apollodoros zurück, den Niger offenbar durch die Theriaka des Herakleides von Tarent kennenlernte.
Galenos schätzte Sextius Niger hoch und erwähnt ihn mehrfach als Νίγερ.[1] Der Grammatiker Erotianos bestätigt den Titel „Περὶ ὕλης“ explizit, wo er Niger als Quelle für eine synonyme Bezeichnung der Narzisse als λείριον (Lilie) nennt.[2]
Sextius Niger war wahrscheinlich stoisch orientiert und wird häufig mit dem stoischen Philosophen Quintus Sextius in Verbindung gebracht, dessen Sohn er vermutlich war. Er war Freund des Arztes Iulius Bassus,[3] der den Asklepiadeern nahestand. Weitere zeitliche Anhaltspunkte ergeben sich aus der Erwähnung bei Caelius Aurelianus sowie daraus, dass er nach Juba II. (der über die Euphorbia schrieb) und vor Plinius († 79 n. Chr.) sowie vor der Abfassungszeit des Scribonius Largus (ca. 40er Jahre n. Chr.) anzusetzen ist – also in die späte augusteische Zeit bis in die erste Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr.
Literatur
- Max Wellmann: Sextius Niger. Eine Quellenuntersuchung zu Dioscorides. In: Hermes. Zeitschrift für classische Philologie. Band 24, Heft 4 (1889), S. 530–569.
- Karl Deichgräber: Sextius 33a. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Supplementband V, Stuttgart 1931, Sp. 971 f.
- Prosopographia Imperii Romani (PIR) ² (2006) S 674.