Siegfried Beyschlag
deutscher Mediävist und Linguist
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Alfred Julius Wilhelm Siegfried Beyschlag (* 2. Oktober 1905 in Fürth; † 26. Juli 1996 in Erlangen) war ein deutscher germanistischer und skandinavistischer Mediävist und Linguist sowie Dialektologe. Er lehrte von 1950 bis 1971 als Professor für Germanische und deutsche Philologie und Skandinavistik an der Universität Erlangen.
Leben
Der Sohn von Roswitha Beyschlag, geborene Weiskopf, und des Kaufmanns Alfred Beyschlag, erhielt seinen späteren Rufnamen „Siegfried“ erst durch eine amtliche Namensänderung im Jahr 1918.[1] Nach dem Abitur am Wilhelmsgymnasium München 1925[2] studierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München Germanistik, Geschichte und Geographie und wurde dort 1931 bei Carl von Kraus zum Dr. phil. promoviert. Thema seiner Dissertation war der mittelalterliche Zeilen- und Hakenstil sowie dessen künstlerische Verwendung in der Nibelungenstrophe und im Hildebrandston.[3] Nach den beiden Lehramts-Staatsexamen wurde Beyschlag 1933 Studienassessor in München. Er trat zum 1. Mai 1933 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 1.924.350).[4] Von 1934 bis 1939 wirkte er als Mitarbeiter am von den Brüdern Grimm begründeten Deutschen Wörterbuch der Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin mit.[5]
Im Jahr 1940 habilitierte sich Beyschlag Berlin mit einer Schrift zu Idee, Stoff und Form der Wiener Genesis. Im selben Jahr trat er dem NS-Dozentenbund bei und erhielt einen Lehrauftrag für Deutsche Volksdichtung an der Universität Innsbruck. Danach trat er 1941 als Studienrat an der Oberschule in Forchheim in den Schuldienst, zusätzlich wurde er im folgenden Jahr zum Privatdozenten für Germanische und deutsche Philologie an der Universität Erlangen ernannt. Von beiden Positionen war er jedoch ab 1942 beurlaubt, um als Lektor für Deutsche Sprache, Literatur und Volkskunde an der Universität Kopenhagen im von NS-Deutschland besetzten Dänemark zu lehren. Diese Position behielt er auch nach Kriegsende bis August 1946, danach blieb er bis 1948 zu einer Forschungstätigkeit an der Königlichen Bibliothek in Kopenhagen.[5]
Im Rahmen der Entnazifizierung wurde Beyschlag 1948 zunächst aus dem bayerischen Staatsdienst entlassen, nach seiner Einstufung als „Mitläufer“ durch die Spruchkammer aber schon im Folgejahr wieder eingestellt. An der Jahr Universität Erlangen lehrte er als Privatdozent (mit Vergütung) für Germanistische und deutsche Philologie und Skandinavistik, 1950 wurde er zum außerplanmäßigen Professor ernannt. Als Nachfolger Friedrich Strohs wurde er 1957 ebendort zum planmäßigen außerordentlichen und 1960 zum ordentlichen Professor für Germanistische und deutsche Philologie und Skandinavistik ernannt.[5]
Er befasste sich insbesondere mit der Pflege mittelalterlicher Musik, mit Forschungen zur altdeutschen, nordischen und skandinavischen Literatur sowie zur deutschen Volksdichtung. 1959 wurde er Mitglied der Kommission für Mundartforschung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und gründete im selben Jahr die in Erlangen angesiedelte Arbeitsstelle Ostfränkisches Wörterbuch, die er bis 1985 leitete. 1961/1962 amtierte er als Dekan der Philosophischen Fakultät. Zu Beyschlags akademischen Schülern zählten Konrad Goehl,[6] Hugo Steger und Bernd Naumann. Seine Emeritierung erfolgte 1971. Für seine Verdienste um die bayerische Mundartforschung erhielt er 1975 von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften die Johann-Andreas-Schmeller-Medaille.[5]
Siegfried Beyschlag war evangelischer Konfession. In erster Ehe war er von 1959 bis zu ihrem Tod 1966 mit Erna Beyschlag, geborene Schmitz, verheiratet. Eine zweite Ehe ging er drei Jahre vor seinem Tod mit der ebenfalls verwitweten Sophie Sebald (geb. Grädler) ein.[5]
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Monographien
- Zeilen- und Hakenstil. Seine künstlerische Verwendung in der Nibelungenstrophe und im Hildebrandston. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur. Band 56, 1932, S. 225–313. Zugleich philosophische Dissertation München 1931.
- Die Wiener Genesis: Idee, Stoff und Form (= Sitzungsberichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse. Band 220, 3), Wien 1942. Zugleich Habilitationsschrift Berlin 1940.
- Metrik der mittelhochdeutschen Blütezeit in Grundzügen. Kopenhagen 1944. (1. Auflage in Deutschland: Nürnberg 1950; 6., neu bearbeitete Auflage 1969 als Altdeutsche Verskunst in Grundzügen).
- Konungasögur: Untersuchungen zur Königssaga bis Snorri. Die älteren Übersichtswerke samt Ynglingasaga (= Bibliotheca Arnamagnaeana. Band 8). Kopenhagen 1950.
- Altdeutsche Verskunst in Grundzügen. 1969.
- Herausgaben
- Erlanger Beiträge zur Sprach- und Kunstwissenschaft. 1958–1978.
- Walther von der Vogelweide (= Wege der Forschung. Band 112), WBG, Darmstadt 1971.
- Die Lieder Neidharts – Der Textbestand der Pergament-Handschriften und die Melodien. Text und Übertragung, Einführung und Worterklärungen, Konkordanz. Edition der Melodien von Horst Brunner. WBG, Darmstadt 1975. Neuausgabe: Die Lieder Neidharts: Texte, Melodien, Übertragungen. In Auswahl herausgegeben von S. Beyschlag mit Melodieübertragungen von H. Brunner. Kümmerle Verlag, Göppingen 1989 (= Göppinger Arbeiten zur Germanistik. Band 468), ISBN 3-87452-703-4.
- mit Horst Brunner: Herr Neidhart diesen Reihen sang: die Texte und Melodien der Neidhartlieder mit Übersetzungen und Kommentaren Neidhart (= Göppinger Arbeiten zur Germanistik. Band 468). Göppingen 1989.
- Möglichkeiten mundlicher Überlieferung in der Königssaga. I. In: Arkiv för Nordisk Filologi. Band 68, 1953, S. 109–140.
Literatur
- Beyschlag, Siegfried. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 95–96.
- Horst Brunner: Beyschlag, Alfred Julius Wilhelm Siegfried. In: Christoph König (Hrsg.): Internationales Germanistenlexikon 1800–1950. Band 1: A–G. De Gruyter, Berlin/New York 2003, ISBN 3-11-015485-4, S. 173–174 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
- Clemens Wachter (Bearbeiter): Die Professoren und Dozenten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen 1743–1960. Teil 3. Philosophische Fakultät, Naturwissenschaftliche Fakultät. (= Erlanger Forschungen: Sonderreihe; 13), [Universitätsbund Erlangen-Nürnberg e. V.] im Auftr. des Rektors, hrsg. von der Universitätsbibliothek, Erlangen 2009, ISBN 978-3-930357-96-3, ISSN 0940-4694, S. 16–17.
- Beyschlag, Siegfried, in: Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am Main : S. Fischer, 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 50