Siegfried Gelles
Rabbiner
From Wikipedia, the free encyclopedia
Siegfried Gelles (geboren 30. Dezember 1884 in Krotoschin, Deutsches Reich; gestorben 3. September 1947 in London) war ein deutscher Rabbiner.
Leben
Siegfried Gelles war ein Sohn des Dajans und Schächters Benjamin Gelles und der Marie Peshe Tobianski, die beide aus Litauen nach Preußen eingewandert waren, er hatte fünf Geschwister, zwei davon wurden Opfer des Holocaust.
Er besuchte das Königliche Wilhelms-Gymnasium in Krotoschin. Er studierte an der Universität und am Jüdisch-Theologischen Seminar in Breslau und wurde 1908 an der Universität Erlangen promoviert. Ab 1913 war er Hauptrabbiner und Religionslehrer in Lissa. Im Jahr 1915 heiratete er Lydia Guttmann (1890–1969), sie hatten den Sohn Benjamin Gelles (1916–2004), der ebenfalls Rabbiner wurde[1]. Lissa wurde 1919 polnisch, und Gelles ging 1921 als Rabbiner nach Mönchengladbach. Er war dort auch bis zur Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 Religionslehrer an höheren Schulen. Gelles wurde Vorsitzender des Rheinisch-Westfälischen Rabbinerverbandes. Er war Mitglied von B’nai B’rith.
Nach der Reichspogromnacht 1938 wurde er von den Nationalsozialisten vorübergehend inhaftiert. Im Februar 1939 gelang der Familie die Flucht nach Großbritannien. Nach Kriegsausbruch war er wie sein Sohn als Enemy Alien für eine Zeit auf der Isle of Man interniert. Gelles arbeitete noch als Geschäftsführer der British Rabbis Association.
Schriften (Auswahl)
- Die pantheistischen Gedanken in Leibniz' "Theodizee" und Schleiermachers "Reden über die Religion". Berlin: Trenkel, 1908 Diss. Erlangen 1908
- Vom wahren Leben. Berlin: Lamm, 1916
- Aus jüdischer Seele. Mönchen-Gladbach: Rosenberg, 1925
Literatur
- Gelles, Siegfried, in: Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. München: Saur, 1980, S. 217
- Gelles, Siegfried, in: Michael Brocke, Julius Carlebach (Hrsg.): Biographisches Handbuch der Rabbiner. Teil 2: Die Rabbiner im deutschen Reich 1871–1945. Bearbeitet von Katrin Nele Jansen. München: de Gruyter, 2009, S. 222f.