Siegfried Mehl
deutscher Designer, Künstler und Ausstellungsgestalter
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Siegfried Mehl (* 22. Februar 1942 in Posen; † 6. Januar 2026[1] in Schwedt/Oder) war ein deutscher Designer, Künstler und Ausstellungsgestalter.[2] Bekannt wurde er als Mitentwickler von Kunststoffmöbeln der sogenannten PUR-Serie in der DDR[3] sowie durch Kunstwerke im öffentlichen Raum von Schwedt/Oder.[4]
Leben
Siegfried Mehl wurde 1942 in Posen geboren. Nach einer Lehre als Betonfacharbeiter studierte er Bauwesen an der Ingenieurschule in Wismar. Anschließend war er auf Großbaustellen in Schwedt tätig. Anfang der 1970er Jahre nahm Mehl ein Fernstudium im Fach Produktdesign an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle in Halle (Saale) auf, das er nach sieben Jahren abschloss. In dieser Zeit begann er sich verstärkt mit industrieller Formgestaltung und künstlerischen Ausdrucksformen zu beschäftigen.
Nach dem Ende der industriellen Möbelproduktion in der Nachwendezeit wandte sich Mehl verstärkt der freien Kunst zu. Zudem arbeitete er über mehrere Jahre im Umfeld der Uckermärkische Bühnen Schwedt, wo er unter anderem Plakate gestaltete und Ausstellungen organisierte[5]. Mehl lebte und arbeitete überwiegend in Schwedt/Oder. Er starb im Januar 2026 im Alter von 83 Jahren nach längerer Krankheit.
Werk
In den 1970er Jahren war Mehl an der Entwicklung der sogenannten PUR-Möbel beteiligt, einer Serie von Kunststoffmöbeln, die in der DDR industriell produziert wurden. Diese Möbel wurden unter anderem im petrochemischen Kombinat in Schwedt hergestellt und fanden weite Verbreitung in ostdeutschen Haushalten. Zu den bekannten Entwürfen der Serie zählt der Sessel „Karat“. Die PUR-Stühle werden in der Designforschung teilweise als Beispiel für industrielles Möbeldesign der DDR betrachtet und sind in einzelnen musealen Sammlungen vertreten.
Neben seiner Tätigkeit als Designer schuf Mehl ein umfangreiches Werk in der Bildenden Kunst, darunter Gemälde, Collagen und Objektkunst. Ein wiederkehrendes Motiv seiner Arbeiten war der Stuhl, den er sowohl als Gebrauchsgegenstand als auch als künstlerisches Objekt interpretierte. Mehrere seiner Arbeiten befinden sich im öffentlichen Raum von Schwedt/Oder.[6] Dazu zählen unter anderem
- eine großformatige Stuhlskulptur an einer Wohnblockfassade in der Ehm-Welk-Straße
- die Installation „Büroleiden“ im Rathaus
- die sogenannte „Bürgerbrücke“ vor dem Verwaltungsgebäude der Stadt
Zu seinen späteren Werkgruppen gehören Collagen aus Zeitungsausschnitten („Presse-Landschaften“), farbintensive Porträts sowie Darstellungen von architektonischen Konstruktionen.
Ausstellungen und Nachlass
Mehl stellte seine Arbeiten vor allem regional aus. Zu seinen späteren Einzelausstellungen gehörte 2022 die Ausstellung „Raumkapsel“[7] in der Galerie am Kietz in Schwedt/Oder anlässlich seines 80. Geburtstags.[8]
Entwürfe, Möbel und Dokumente aus Mehls Werkzusammenhang werden unter anderem im Stadtmuseum und im Stadtarchiv von Schwedt/Oder aufbewahrt. Mehrere seiner Arbeiten sind dauerhaft im öffentlichen Raum der Stadt präsent.
Literatur
- Oliver Voigt: Was der Künstler aus Schwedt für Generationen hinterlässt. In: Märkische Oderzeitung, 7. Januar 2026.