Siegfried Palm
deutscher Cellist
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Siegfried Palm (* 25. April 1927 in Barmen; † 6. Juni 2005 in Frechen) war ein deutscher Cellist, der besonders als Interpret zeitgenössischer Musik bekannt wurde und zahlreiche Komponisten zu Werken anregte. Er war außerdem als Hochschullehrer, Theaterleiter und Musikfunktionär tätig und hatte Konzertauftritte im Europa, Afrika, Asien und Amerika.

Leben
Siegfried Palm, Sohn von Martha Palm, geborener Platz († 1975), und des Cellisten Siegfried Palm († 1955), besuchte ein Realgymnasium in Wuppertal. Das Violoncello-Spiel begann er mit neun Jahren bei seinem Vater zu erlernen. Später studierte er als Meisterschüler bei Enrico Mainardi. Nach seinem Studium spielte Palm als Solocellist in verschiedenen Orchestern, so u. a. in Lübeck, von 1947 bis 1962 als I. Solocellist des Sinfonieorchesters des Nordwestdeutschen Rundfunks, im NDR Sinfonieorchester Hamburg und dem WDR Sinfonieorchester Köln. Diese letzte Orchester-Anstellung behielt er bis 1968, danach widmete er sich als Cellist ausschließlich seiner Lehrtätigkeit sowie seiner solistischen und kammermusikalischen Karriere, die ihn auf viele Festivals zeitgenössischer Musik führte. In Hamburg wurde er Mitglied der Freimaurerloge Zur deutschen Nordmark.
Palm spielte sowohl Uraufführungen von Cellokonzerten als auch zeitgenössische Kammermusik, er war von 1951 bis 1962 Mitglied des Hamann-Quartetts, spielte lange Jahre im Duo mit Aloys Kontarsky (Klavier) und war Mitglied des Klaviertrios Rostal/Schröter/Palm. Er war von 1962 bis 1977 Professor an der Musikhochschule Köln, dort Leiter einer Meisterklasse für Violoncello und von 1972 bis 1976 Direktor der Musikhochschule.
Palm hatte neben dem Cellospiel zahlreiche andere Engagements und Ämter, so war er von 1970 bis 1980 auch Mitglied im Programmbeirat der Internationalen Ferienkurse für Neue Musik in Darmstadt-Kranichstein, von 1972 bis 1977 Präsident der Sektion Bundesrepublik Deutschland in der European String Teacher’s Association (ESTA), 1973 bis 1979 Mitglied im Hauptausschuss Musikwettbewerb der Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) in München und 1976 bis 1981 Generalintendant der Deutschen Oper Berlin. Er war ab 1976 Mitglied des Präsidiums des Deutschen Musikrats, ab 1978 Präsident des Verbands Deutscher Musikerzieher und Konzertierender Künstler (VDMK), von 1982 bis 1987 Präsident der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM, ISCM, SIMC), des Weiteren war er Präsident des Deutsch-Französischen Kulturrates, Dozent bei den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt und leitete Meisterkurse und Workshops wie an der Carl-Flesch-Akademie in Baden-Baden, am Banff Centre for Continuing Education in Kanada und am Dartmouth College in den USA. Auch war er Juror und Jury-Vorsitzender bei internationalen Wettbewerben.
Palm regte Komponisten zu neuen Werken für sein Instrument an und verfasste selbst auch Lehrwerke wie Studien zum Spiel neuer Musik. Palm hat nicht unerheblichen Anteil daran, dass das Violoncello in der zeitgenössischen Musik zu einem der wichtigsten (Solo-)Instrumente avancierte. Siegfried Palm spielte ein Violoncello aus dem Jahre 1708, erbaut von Gianbattista Grancino in Mailand, das zuvor von Julius Klengel gespielt worden war.
Siegfried Palm war evangelisch, verheiratet, interessierte sich privat für Römische Geschichte, lebte in Frechen-Buschbell und hatte drei Kinder (Stefan, Detlef und Corinna).
Aufnahmen (Auswahl)
Einspielungen von Siegfried Palm erschienen bei verschiedenen Schallplattenlabels, u. a. Deutsche Grammophon, EMI – Electrola, Philips und Teldec.
- Grosse Interpreten neuer Musik: Siegfried Palm, Wergo.
- Intercomunicazione, DG.
Uraufführungen
Folgende Komponisten schrieben neue Stücke für Palm, viele widmeten sie ihm: Dieter Acker, Sven-Erik Bäck; Boris Blacher; Hans Ulrich Engelmann; Morton Feldman; Johannes Fritsch (SUL B); Cristóbal Halffter; York Höller; Mauricio Kagel (Match für zwei Cellisten und einen Schlagzeuger); Milko Kelemen; Rolf Liebermann, György Ligeti (Cellokonzert); Tilo Medek; Krzysztof Penderecki (Sonate für Cello und Orchester, „Capriccio per Siegfried Palm“); Robert HP Platz; Aribert Reimann; Wolfgang Rihm; Giuseppe Sinopoli; Dimitri Terzakis; Graham Waterhouse (Three Pieces for Solo Cello); Robert Wittinger (* 1945); Iannis Xenakis (Nomos Alpha); Isang Yun; Bernd Alois Zimmermann (Konzert, Canto di Speranza, Solosonate).
Weitere Ämter und Mitgliedschaften
- Ehren-Präsident der ESTA (European String Teachers Association)
- Präsident des „Internationalen Jugendfestspieltreffens Bayreuth“
- Ehren-Präsident der GNM (Gesellschaft für Neue Musik; Deutsche Sektion in der IGNM)
- Ehrenmitglied der Deutschen Oper Berlin
- Ehrenbürger von Marsciano/Italien (Provincia Perugia)
- Honorarprofessor der Musikhochschule Lübeck
- Direktor der Hochschule für Musik Köln
- Mitglied der Akademie der Freien Künste Mannheim
- Mitglied des Dozenten-Teams beim Marlboro-Festival (USA)
- Mitglied des Präsidiums der Ensemble-Akademie
- Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung SinfoniMA
- Mitglied des Kuratoriums der Max-Reger-Stiftung
Preise und Auszeichnungen
- Deutscher Schallplattenpreis 1969 und 1976
- Grand Prix International du Disque 1972 und 1975 (für beispielhafte Interpretation des Cello-Konzerts von Bernd Alois Zimmermann)
- Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 1979
- „Fournier Award of Distinction“ Manchester
- „Chevalier du Violoncelle“ Indiana University, Bloomington USA
- Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
- Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen
- Offizier des Ordre des Arts et des Lettres
- Ritter (Chevalier) des Ordre national du Mérite de la République Française
Schriften
- Studien zum Spielen neuer Musik. Edition Breitkopf 8334, Wiesbaden 1985.
Literatur
- Michael Schmidt: Capriccio für Siegfried Palm. Ein Gesprächsporträt. ConBrio, Regensburg 2005, ISBN 3-932581-71-7.
- Palm, Siegfried. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 927–928.
Weblinks
- Werke von und über Siegfried Palm im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Gerhard Rohde: Das komponierende Cello unter Anleitung des Herrn Palm. In: Neue Musikzeitung. 7/54 (2005), 2005.
- Celebrated musicians’ concert tours of Southern Africa 1953–1978 – 1971 on – Siegfried Palm, German avant-garde Cellist. In: classicalmusicianstoza.blogspot.com. 21. Juni 2014 (englisch).
- Siegfried Palm bei Discogs
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Palm, Siegfried |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Cellist |
| GEBURTSDATUM | 25. April 1927 |
| GEBURTSORT | Barmen |
| STERBEDATUM | 6. Juni 2005 |
| STERBEORT | Frechen |