Siegfried Thannhauser
deutsch-amerikanischer Internist
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Leben
Er war der Sohn von Josef Salomon Thannhauser aus einer ursprünglich in Mönchsdeggingen ansässigen jüdischen Familie und seiner Frau Charlotte, geb. Langermann. Der Kunsthändler Heinrich Thannhauser war sein Cousin.
Nach dem Medizin-Studium habilitierte er sich 1917 an der Universität München und wurde zu einem Experten für Stoffwechselkrankheiten.
1930 übernahm er die Leitung der Medizinischen Klinik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.
Am 17. April 1934 wurde er per Beschluss des Wissenschaftsministerium gemäß § 5 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums zum Hilfsarbeiter degradiert und als solcher nach Heidelberg an die Universitätsklinik versetzt.[1]
Später gelang Thannhauser die Emigration in die USA und der Aufbau einer neuen Existenz in Boston. Hier beschrieb er zusammen mit dem gleichfalls emigrierten Alfred Hauptmann im Jahre 1941 erstmals eine autosomal dominant vererbte Myopathie, die heute als Hauptmann-Thannhauser-Muskeldystrophie bezeichnet wird.
Mitgliedschaft
1946 wurde Thannhauser in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.[2] Seit 1953 war er korrespondierendes Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.[3]
Ehrungen und Nachwirken
1998 wurde eine vorher nach Paul Uhlenhuth benannte Straße in Freiburg nach ihm umbenannt.
Die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten vergibt seit 1969 die Thannhauser Medaille.
Schriften
- Ueber den chemischen Aufbau des Nucleinsäuremoleküles und seine Veränderungen im Stoffwechsel des Menschen. [s. l.]: [s. n.] (München: Wolf) 1917 (Habil.)
- Lehrbuch des Stoffwechsels und der Stoffwechselkrankheiten. München: J. F. Bergmann 1929
- Die Bedeutung der Tradition für die Erziehung zum Arzte. Freiburg: Speyer & Kaerner 1932
- Stoffwechselprobleme. Berlin: J. Springer, 1934
- (mit Alfred Hauptmann): Muscular shortening and dystrophy. A heredofamilial disease. In: Archives of Neurology and Psychiatry 1941; Vol. 46: 654–664
- Thannhausers Lehrbuch des Stoffwechsels und der Stoffwechselkrankheiten. Stuttgart: Thieme 1957, 2. Aufl.
Literatur
- Dieter Mecke: Thannhauser, Siegfried. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 26. Duncker & Humblot, Berlin 2016, ISBN 978-3-428-11207-4, S. 81 (deutsche-biographie.de).
- Alan F. Hofmann & Nepomuk Zöllner: Siegfried Thannhauser (1885–1962): Ein Leben als Arzt und Forscher in bewegter Zeit. Falk Foundation, Freiburg 2000, 2. neub. Auflage 2001, ISBN 3-933186-10-2 (mit Bibliographie)
- Rudolf Nissen: Siegfried Thannhauser 1885 – 1962 in: Zs. Medizinische Klinik, Jg. 58, 1963, S. 268, wieder in ders.: Fünfzig Jahre erlebter Chirurgie. Ausgewählte Vorträge & Schriften Schattauer, Stuttgart 1978, ISBN 3-7945-0615-4, S. 349–351