Simone Wicha
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Simone Wicha (* in El Paso, Texas[1]) ist eine amerikanische Museumsdirektorin. Seit 2011 leitet sie das Blanton Museum of Art der University of Texas at Austin. In dieser Rolle gestaltete sie das Museumsgelände und die beiden Museumsgebäude um und führte die Institution zu Besucherrekorden.
Leben
Wicha wurde als Tochter mexikanischer Einwanderer im texanischen El Paso geboren und wuchs in Mexiko-Stadt auf.[1] Sie erhielt einen Bachelorabschluss in Mathematik von der University of Texas at Austin. Sie arbeitete als Director of Development für die Isamu Noguchi Foundation and Garden Museum in Long Island City, Queens, New York City und Director of Annual Giving der Juilliard School in New York City. Am Blanton Museum of Art war sie erst vier Jahre lang Director of Development und betreute in dieser Funktion die Kampagne, die 83,5 Millionen Dollar für den Bau des neuen Museumsgebäudes eingeworben hat. Sie stärkte zudem das jährliche Fundraising. 2008 wurde Wicha zum Deputy Director External Affairs and Operations befördert.[2]
Nach dem plötzlichen Rücktritt des Direktors Ned Rifkin zum 31. Mai 2011 wurde sie im Juni 2011 zur Direktorin des Museums befördert. Kurz nach ihrer Amtsübernahme tauschte sie sich unter anderem mit den Direktoren der Harvard Art Museums und des Armand Hammer Museum of Art der UCLA sowie Kuratoren von anderen Kunstmuseen in Texas aus. Sie hatte das Ziel das Programm des Museums verstärkt auf die Stadt Austin auszurichten, wozu verstärkt mit den verschiedenen Communities in der Stadtgesellschaft zusammengearbeitet werden sollte. Als Direktorin eines Universitätsmuseums war es ihr ein besonderes Anliegen, dass Studierende der verschiedensten Fachrichtung Kontakt zum Museum im Rahmen der Lehre erhielten. Um Studierende darüber hinaus besser zu erreichen, richtete sie eine Taskforce über die verschiedenen Abteilungen des Museums hinweg ein, die den digitalen Outreach zu dieser Zielgruppe verbessern sollte.[3] Wicha interpretierte ihre Rolle als Direktorin nicht als Künstlerin oder Kuratorin, sondern als Managerin, die ihr Team in die Lage versetzt, seine Projekte umzusetzen.[3]
Bis 2024 wuchs die Sammlung des Blanton unter Wichas Leitung von 16.250 auf 21.500 Werke an. Wicha hatte zu dem das kuratorische Programm und sowie die Kunstvermittlung des Museums auf eine neue Basis gestellt. Mit diesem Wandel sorgte sie dafür, dass das Museum sowohl innerhalb der Universität und der Stadt als auch in der Kunstwelt mit seinem Profil hervorstand. Das wachsende Austin hat somit ein Museum erhalten, das der Ambition des Ortes entsprach.[4]
Während der COVID-19-Pandemie setzte Wicha ihre Mitarbeiter vor allem in Hinblick auf Projekte ein, die aus der Distanz zu bearbeiten waren und im normalen Museumsalltag nur eine nachrangige Priorität hatten wie zum Beispiel die Aktualisierung der Museumsdatenbank mit neuer Forschung und das Ergänzen von Alternativtexten für die Bilder auf der Museumswebsite. Auch nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz wurden einige dieser Arbeiten noch fortgeführt. Die besondere Herausforderung während der Pandemie stellte die Einbindung des Museums in die Lehre dar, die für das Blanton als Universitätsmuseum zentral ist. Das reguläre Lehrprogramm konnte nicht in Form von Zoom-Calls überführt werden, stattdessen gab es eine Serie von Roundtable-Gesprächen, in denen Universitätsmitarbeitenden über Alternativangebote nachdachten. So wurden neue digitale Programme und Ressourcen für den Einsatz in der Lehre und Vermittlung entwickelt. Neben den Herausforderungen der Pandemielage lief zudem das Fundraising für die vom Architekturbüro Snøhetta verantworteten Umgestaltung des Museumsgeländes weiter.[5]

Diese Umgestaltung des Museumsgeländes stellte eine signifikante Aufwertung dar. Die beiden recht zurückgenommenen Museumsgebäuden, die sich gegenüberstehen und bis dahin von einer Grünfläche mit zwei Baumreihen getrennt waren, gingen am Eingang zum Campus der Universität unter. Die Aufenthaltsqualität war gering und das Munseumsgelände fungierte als eine Transitzone für die Studierenden. Mit den „Petals“ (Blütenblätter) genannten Strukturen, die Schatten spenden und Regenwasser in den Boden ableiten, den neu angelegten Beeten und Wegen und einem größeren Angebot an Sitzgelegenheiten sowie der von Ellsworth Kelly gestalteten Kapelle Austin erhielt die Fläche zwischen den beiden Gebäuden und am Eingang zum Campus eine charakteristische Gestaltung. Die monochromatischen Gebäude wurden zudem als Teil dieser Umgestaltung durch vier Kunstinstallationen aufgelockert.[6] Nach der Umgestaltung konnte das Museum im Jahr 2024 mit mehr als 260.899 Besuchern einen neuen Rekord aufstellen, während die Hälfte der amerikanischen Kunstmuseen Besucherzahlen meldete, die nicht wieder das Niveau vor der Pandemie erreicht hatten.[7]
Neben der Pandemie musste Wicha vor allem die politische Lage in Texas navigieren. Während etwa 2025 im Modern Art Museum of Fort Worth von der Polizei Fotografien von Sally Mann abgehängt wurden, weil sie nackte Kinder zeigten, und die Texas Legislature versuchte, ein Gesetz zu verabschieden, das Museen für das Ausstellen „obszönen oder schädlichen“ Materials sanktioniert hätte. Für einen Artikel in der Zeitschrift Monocle gab Wicha an, dass diese politischen Bedingungen das Blanton nicht betroffen hätten, das Museum jedoch mit Entwicklungen umgehen mussten, die sich nun auch in anderen Bundesstaaten abzeichneten. So sagte sie: „Sie [die politische Entwicklung, Anm. d. Verf.] hat das Programm des Blanton nicht betroffen. Texas war immer ein Ort, der herausforderte und antreibt. Es gab Waffengesetze, die wir navigieren mussten und sich davon unterschieden, womit Museen in anderen Teilen des Landes zu tun hatten. Es gab ein bundesstaatliches Verbot von DEI (Diversity Equity and Inclusion), das früher kam als auf der nationalen Ebene. Einige meiner Kollegen im ganzen Land müssen sich nun in ähnlichen Gewässern bewegen.“[8]
Für die Periode 2025/2026 gehörte Wicha zum Board of Trustees der Association of Art Museum Directors.[9]