Singer Vogue Mark V
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Der Singer Vogue Mark V (alternativ: Singer New Vogue) ist ein Mittelklassewagen des britischen Rootes-Konzerns, der von 1967 bis 1970 unter der Marke Singer verkauft wurde. Er ist die fünfte und letzte Generation der Vogue-Reihe. Der Vogue war ein besser ausgestattetes und teureres Schwestermodell des ansonsten baugleichen Hillman Hunter und gehört wie dieser zur Rootes-Arrow-Familie. Ein weiteres Schwestermodell ist der Singer Gazelle Mark VII, der etwas schwächer ausgestattet ist als der Vogue. Nachdem Rootes die Marke Singer 1970 eingestellt hatte, wurde der Vogue für einen kurzen Zeitraum als Sunbeam Vogue verkauft.
| Singer | |
|---|---|
Singer Vogue (1969) | |
| Vogue | |
| Produktionszeitraum | 1966–1970 |
| Klasse | Mittelklasse |
| Karosserieversionen | Limousine, Kombi |
| Motoren | Ottomotor: 1,7 Liter (54–60 kW) |
| Länge | 4343 mm |
| Breite | 1600 mm |
| Höhe | 1422 mm |
| Radstand | 2500 mm |
| Leergewicht | 953 kg |
| Vorgängermodell | Singer Vogue (1961–1967) |
| Nachfolgemodell | Sunbeam Vogue |
Entstehungsgeschichte
Die 1956 in den Rootes-Konzern integrierte Marke Singer stellte nach einer kurzen Übergangsphase mit eigenen Konstruktionen ihre Modellpalette schrittweise auf Rootes-Entwicklungen um, sodass die Singer-Autos ab der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre abgesehen von Design- und Ausstattungsdetails baugleich mit den Fahrzeugen der anderen Konzernmarken Hillman, Humber und Sunbeam waren. Singer war dabei in der Konzernhierarchie über der Marke Hillman, aber unterhalb der teuren Humber-Linie positioniert.[1]

In der ersten Hälfte der 1960er-Jahre war Singer in der unteren Mittelklasse mit dem Gazelle und in einem etwas höheren Segment mit dem Vogue vertreten. Beide Modelle hatten zu dieser Zeit eigenständige Technik und unterschiedliches Karosseriedesign. 1966 ersetzte Singer die beiden bis dahin eigenständigen Modelle durch zwei Varianten der neu eingeführten Rootes-Arrow-Familie. Der neue Vogue und der neue Gazelle waren nun äußerlich und technisch fast identisch; Unterschiede betrafen vor allem die Ausstattung und die Motorisierung. Eine entsprechende Modellpaarung gab es auch bei der Rootes-Marke Hillman, die mit dem Hunter ein Schwestermodell des Singer Vogue und mit dem Minx ein Schwestermodell des Gazelle Mark VII anbot. Die Hillman- und die Singer-Varianten lagen hinsichtlich Technik und Preis „extrem dicht“ beieinander.[2] In diese Familie gehört schließlich auch der Humber Sceptre Mark III, der oberhalb des Singer Vogue positioniert war. Dieses Nebeneinander mehr oder weniger gleicher Modelle ist ein typisches Beispiel für Badge Engineering, das speziell bei britischen Autokonzernen in jener Zeit stark ausgeprägt war und bei dem „immer ein paar Modelle zu viel“ im Programm waren.[3]
Nach der Übernahme des Rootes-Konzerns durch Chrysler 1967 begann das neue Management, die Produktvielfalt zwecks Rationalisierung einzuschränken. Deshalb stellte Chrysler 1970 die Marke Singer komplett ein, sodass danach im PKW-Bereich nur noch Hillman, Humber und Sunbeam übrigblieben.
Modellbeschreibung
Aufbau

Der Singer Vogue hat eine selbsttragende Karosserie aus gepresstem Stahlblech. Das Auto war als viertürige Stufenhecklimousine und als Kombi mit großer Heckklappe erhältlich. Eine Coupéversion gab es bei Singer nicht; sie war der Schwestermarke Sunbeam vorbehalten.[Anm. 1] Die Form entstand in Rootes’ eigenem Designstudio; verantwortlicher Designer war Rex Fleming.
Die Karosserie gleicht nahezu vollständig der des zeitgenössischen Hillman Hunter. Die auffälligsten Unterschiede betreffen die Verkleidung der Kühlluftöffnung, die beim Singer einen schildförmigen Aufsatz trägt, und die Schriftzüge an den Vordertüren. Im Innenraum gibt es im Gegensatz zum einfacheren Hillman Hunter Holzimitatfolie auf dem Instrumententräger und an den Oberkanten der Türverkleidung[4] sowie mehr Anzeigen als beim Hunter.[5]
Fahrwerk
Die Vorderräder sind wie bei allen Arrow-Modellen einzeln an MacPherson-Federbeinen und Querlenkern mit Zugstreben aufgehängt, dazu ein Stabilisator. Die Hinterachse ist wie beim Vorgängermodell eine an Längsblattfedern aufgehängte Starrachse. Das Auto hat eine Kugelumlauflenkung. Vorn sind serienmäßig Scheiben- und hinten Trommelbremsen eingebaut.[6]
Antrieb und Kraftübertragung
Im Vogue war während der gesamten Bauzeit ausschließlich ein 1725 cm³ großer Reihenvierzylindermotor von Hillman mit einem Leichtmetallzylinderkopf und fünf Kurbelwellenlagern erhältlich; die 1,4-Liter-Version, die im Hillman Minx und im Singer Gazelle erhältlich war, gab es im Vogue nicht. Die Grundkonstruktion des Motors mit seitlicher Nockenwelle und hängenden Ventilen geht auf das Jahr 1953 zurück.[7] Die im Vogue verwendete 1,7-Liter-Version war 1965 noch im Vorgängermodell eingeführt worden. Die viertürige Stufenhecklimousine wurde serienmäßig mit einer 81 PS (60 kW; 80 bhp) leistenden Version dieses Motors ausgeliefert; diese Variante war im Hillman Hunter nur gegen Aufpreis erhältlich. Der fünftürige Vogue Estate kam ausschließlich mit einer 74 PS (55 kW; 73 bhp) starken Version des 1,7-Liter-Motors auf den Markt; 1968 war allerdings auch im Kombi die stärkere Ausführung erhältlich.[8]
Die Kraft überträgt serienmäßig ein handgeschaltetes Vierganggetriebe, das gegen Aufpreis mit einem Overdrive für den dritten und vierten Gang verbunden werden konnte, das die Übersetzung um knapp 25 % erhöht. Wahlweise war außerdem eine Dreigangautomatik von BorgWarner erhältlich.
Preise
1967 betrug der Listenpreis für einen Singer Vogue 911 £, 115 £ weniger als der für den Gazelle. Der Humber Sceptre Mark III lag zur gleichen Zeit bei 1138 £.[9]
Produktion
Produktionsprozess
Die Rohkarosserien des Singer Vogue wurden von 1966 bis 1968 bei dem Karosseriehersteller Pressed Steel Company in Cowley, Oxfordshire, gebaut und im Rootes-Werk in Ryton-on-Dunsmore bei Coventry komplettiert.[8] 1968 übernahm Rootes Pressings (Scotland) im schottischen Linwood die Fertigung der Rohkarosserien. Für eine Übergangszeit blieb die Endmontage noch in Ryton-on-Dunsmore, sodass die Rohkarosserien mit Güterzügen durchs Land transportiert werden mussten. 1970, unmittelbar vor Einstellung der Marke Singer, ging schließlich auch die Endfertigung der Arrow-Modelle nach Schottland.[10]
Produktionsumfang
Die Angaben zum Produktionsumfang des Singer Vogue weichen stark voneinander ab. Während die Fachliteratur von einer Gesamtproduktion von 47.665 Vogues ausgeht,[11] nennt ein Markenclub die Zahl von 56.814 Fahrzeugen.[8]
Sunbeam Vogue

Als die Marke Singer im April 1970 eingestellt wurde, waren noch nicht alle bereits produzierten Vogue-Fahrzeuge abverkauft. Die verbliebenen Autos – ausschließlich Haldenfahrzeuge – wurden daraufhin der weiterhin bestehenden Marke Sunbeam zugeordnet und als Sunbeam Vogue verkauft.[12] Sie waren sie die einzigen viertürigen Arrow-Versionen, die auf dem Heimatmarkt unter der Marke Sunbeam erschienen: Von ihnen abgesehen hatte Sunbeam dort nur die Arrow-Coupés Rapier und Alpine im Programm.[Anm. 2]
Die Sunbeam Vogue wurden in Großbritannien nur von April bis Oktober 1970 verkauft. Sie waren die seltenste Variante des Rootes Arrow. Wie viele Sunbeam Vogue verkauft wurden, ist nicht dokumentiert. In den Produktionsstatistiken werden sie regelmäßig den Singer Vogue zugeordnet.[13]
Literatur
- David Culshaw, Peter Horrobin: The Complete Catalogue of British Cars 1895–1975. Veloce Publishing PLC, Dorchester 1997, ISBN 1-874105-93-6
- Geoff Carverhill: The Rootes Story Vol. 2 - The Chrysler Years, Crowood Press 2023, ISBN 978-0-7198-4179-8.
- Graham Robson: The Cars of the Rootes Group, London 2007, ISBN 978-1-903088-29-6
Weblinks
Anmerkungen
- Dort wurde das Coupé als Sunbeam Rapier mit stärkerer und als Sunbeam Alpine mit schwächerer Motorisierung verkauft.
- Auf vielen Exportmärkten hingegen, auf denen Marken wie Hillman, Humber und Singer kaum bekannt waren, verkaufte Rootes die Arrow-Limousinen unter der Marke Sunbeam. Die Autos hießen dort Sunbeam Arrow (USA), Sunbeam Hunter, Sunbeam Minx und Sunbeam Sceptre (jeweils Kontinentaleuropa).
