Singwitz
Ortsteil von Obergurig
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Singwitz, sorbisch , ist ein Dorf im Süden des sächsischen Landkreises Bautzen. Es zählt zum offiziellen sorbischen Siedlungsgebiet in der Oberlausitz und gehört seit 1950 zur Gemeinde Obergurig. Singwitz ist mit 672 Einwohnern der einwohnerstärkste Ortsteil der Gemeinde.
Singwitz Dźěžnikecy Gemeinde Obergurig | |
|---|---|
| Koordinaten: | 51° 8′ N, 14° 24′ O |
| Höhe: | 230 m ü. NN |
| Fläche: | 2,23 km²[1] |
| Einwohner: | 672 (31. Dez. 2022)[2] |
| Bevölkerungsdichte: | 302 Einwohner/km² |
| Eingemeindung: | 1. Juli 1950 |
| Postleitzahl: | 02692 |
| Vorwahlen: | 03591, 035938 |

Geographie
Singwitz liegt sechs Kilometer südlich von Bautzen im Übergang des Oberlausitzer Gefildes zum Lausitzer Bergland zwischen 219 m und 240 m ü. NHN. Die Umgebung ist hügelig. Der Ort zieht sich von der Spree im südlichen Teil den Talhang hinauf.
Der Ort war ursprünglich ein Bauernweiler oberhalb des Flusses, der durch zahlreiche Industriebauten vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts deutlich erweitert wurde. Südlich von Singwitz erhebt sich der Mönchswalder Bergrücken bis auf 471 m Höhe.
Geschichte
Der Ort wurde erstmals 1221 als Herrensitz des Cunimanus de Synkewicz erwähnt. Die heutige Namensform tauchte erstmals 1590 auf.
Vom 13. bis zum 19. Jahrhundert war Singwitz mit einigen umliegenden Orten im Besitz des Hochstifts Meißen. Es unterstand nicht dem Landvogt und der Amtshauptmannschaft in Bautzen, sondern wurde von Stolpen aus verwaltet. Die Grundherrschaft übte das Domstift Bautzen aus.
Der Ort bildete eine eigenständige Landgemeinde, bevor er am 1. Juli 1950 mit Großdöbschütz und Mönchswalde die neue Gemeinde Obergurig bildete.
Bevölkerung
Die letzten Bevölkerungsdaten für die eigenständige Gemeinde Singwitz geben für 1946 761 Einwohner an. 1890 hatte der Ort nur 269 Einwohner. Die Bevölkerungszahl ist vor allem durch die Industrieansiedlungen und die Ortserweiterung zwischen 1900 und 1940 stark gestiegen und seit 1990 wieder leicht gesunken.
Für seine Statistik über die sorbische Bevölkerung in der Oberlausitz ermittelte Arnošt Muka in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine Bevölkerungszahl von 221 Einwohnern; davon waren 194 Sorben (88 %) und 27 Deutsche[3]. Wie überall im evangelischen Teil des Siedlungsgebiets ist der Anteil der Sorbisch-Sprecher seitdem stark gesunken.
Religion
Die letzten Angaben zur Religionszugehörigkeit stammen von 1925. Damals waren 516 von 562 Einwohnern evangelisch-lutherisch (92 %). Der Ort gehört seit dem 17. Jahrhundert zur ev.-luth. Kirchgemeinde Großpostwitz, anteilsweise zwischenzeitlich auch zur Bautzener Gemeinde. Der katholische Bevölkerungsteil ist seit mindestens 1525 nach Bautzen gepfarrt.
Wirtschaft und Infrastruktur
Industriegelände Singwitz
Singwitz ist ein wichtiger Industriestandort der Gegend. Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert siedelten sich mehrere Unternehmen im Tal der dadurch regulierten Spree an. 1916 erhielt das Spreetal ein Industriestammgleis, das abzweigend von der Bahnstrecke Bautzen–Bad Schandau bei Großdöbschütz bis zum Werk der Königlich-Sächsischen Pulverfabrik (heute in Besitz der Czechoslovak Group) in Gnaschwitz führte. Des Weiteren stellte das Kombinat Fortschritt Landmaschinen hier Mähdrescher im Mähdrescherwerk Bischofswerda/Singwitz her. Dieser Industriezweig wurde von den Firmen MDW Mähdrescherwerke GmbH und HEMAS Hege Erntemaschinen Singwitz GmbH bis 2015 weitergeführt.[4][5] Ein weiterer Betrieb war das VEB Schreibgerätewerk Markant Singwitz – vor der Enteignung 1946 „Gerhard Joh. Quaas Füllhalter-Fabrik“ –, das die international vertriebenen markant-Stifte produzierte. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde das Schreibgerätewerk von Edding sowie der Porex Technologies GmbH übernommen. Später zog Edding nach Bautzen in einen Neubau, Porex verblieb im Singwitzer Werk und stellt weiterhin Kunststoffprodukte her.[6]
Gewerbegebiet „Bautzener Blick“
Seit 2023 plant die Gemeindeverwaltung Obergurig die im Norden der Singwitzer Ortsflur liegenden und einst zum Mähdrescherwerk gehörenden Industriebrachen als neues Gewerbegebiet zu erschließen. Gegenwärtig wird die „vorbelastete“ Fläche als Lager genutzt.[7][8]
Verkehr
Der Ort liegt etwas abseits der Staatsstraße 114 (Bautzen–Großpostwitz) an den Nebenstraßen in Richtung Gnaschwitz und Schwarznaußlitz.
Singwitz verfügte über einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Bautzen–Bad Schandau. Der Personenverkehr ist hier 2004 eingestellt und die Strecke zwischen Bautzen und Wilthen 2007 stillgelegt aber nicht abgebaut worden.
Der bereits bestehende Regionalbusverkehr ist in dem Zusammenhang erweitert worden – es werden einige Linien von der Kreisstadt ausgehend ins Bautzener Oberland angeboten, die im Ort mehrere Haltestellen bedienen.
Kultur und Tourismus
Im Tal der Spree unweit des Ortes befindet sich das KesselhausLager Singwitz, das von den 1990er Jahren bis 2025 als Konzertsaal, Kino und Diskothek diente. Hier traten vor allem sowohl in Deutschland als auch international bekannte Musiker und Bands – überwiegend aus der Blues-/Bluesrockszene – auf.
Singwitz liegt am Fernwanderweg Lausitzer Schlange.