Skimpflation

weniger Produkt-Qualität bei gleichzeitig höheren Preisen From Wikipedia, the free encyclopedia

Als Skimpflation wird in der Volkswirtschaftslehre und Wirtschaft eine Art der Inflation bezeichnet, bei der erhöhte Produktionskosten z. B. infolge gestiegener Rohstoff-Preise durch (stillschweigende bzw. heimliche) Verringerung einer Produkt- oder Dienstleistungsqualität (bei gleichbleibenden Verkaufspreisen) ausgeglichen werden;[1] hierzu zählen auch Einschränkungen bei Dienstleistungen.[2]

Etymologie

Skimpflation ist ein Kofferwort aus englisch to skimp, dt. „knausern“ oder „einsparen“ und Inflation;[3] der Begriff wurde 2021 vom US-amerikanischen Radiosender National Public Radio (NPR) geprägt.[4][5]

Beispiele

  • Hotelzimmer werden – bei gleichbleibenden oder gestiegenen Zimmerpreisen – nicht mehr täglich gereinigt, sondern nur noch zwischen Abreise des Gastes und Neubelegung des Zimmers. Diese Sparmaßnahme wird teils als Umweltschutzmaßnahme beworben. Bei der Bewirtung von Gästen wird vermehrt auf Selbstbedienung und vorgefertigte bzw. abgepackte Produkte gesetzt.[8]

Reaktionen

Hersteller

In vielen Fällen beziehen sich Lebensmittelhersteller darauf, nur den aktuellen Wünschen ihrer Kunden nachzukommen: Z. B. senke ein erhöhter Wasseranteil in Brotaufstrichen den physiologischen Brennwert und mache das Produkt gleichzeitig streichfähiger; bei Schokoladenerzeugnissen sorge ein geringerer Kakaogehalt für einen milderen Geschmack.[3][13] Die positiven Nebeneffekte werden dabei in der Werbung oft durch Aussagen wie z. B. „verbesserte Rezeptur“ oder „extra cremig“ hervorgehoben und suggerieren den Kunden eine gesteigerte Produktqualität, obwohl in Wirklichkeit das Gegenteil der Fall ist.[3][10]

Außerdem seien die Maßnahmen eine „notwendige Reaktion“ z. B. auf stark gestiegene Rohstoffpreise, gestörte Lieferketten, neue gesetzliche Vorgaben oder auch freiwillige Selbstverpflichtungen zur Reduzierung von Zucker-, Fett- und Salz-Gehalten.[11]

Interessensverbände

Deutsche Verbraucherschützer fordern eine klare und verpflichtende Kennzeichnung von Rezepturänderungen.[11]

Kunden

Bei einer Kundenbefragung des Marktforschungsunternehmens Gartner Inc. aus dem Jahr 2022 gaben 62 % der befragten Kunden an, Produkte nicht mehr zu kaufen, wenn die Hersteller zur Kostensenkung die Produktgröße (Shrinkflation) oder die Produktqualität (Skimpflation) gesenkt hätten.[14]

2023 registrierte die Verbraucherzentrale Hamburg einen Anstieg der Beschwerden wegen verschlechterten Lebensmittel-Rezepturen.[3]

Regelmäßige Benchmarks von großen Dienstleistungsunternehmen wie beispielsweise FedEx, McDonald’s oder Ritz-Carlton ergaben, dass die Kundenzahl durch eine Verschlechterung des Services stärker sinke als durch gestiegene Preise.[15]

Politik

Der Ausschuss für Konsumentenschutz des österreichischen Parlaments begann im März 2023, sich mit dem Phänomen zu befassen: Es soll zukünftig Herstellern gesetzlich verboten sein, Produkte unter gleichem Namen zu verkaufen, falls bei deren Herstellung im Lauf der Zeit auf billigere Grundstoffe umgestellt wird.[16]

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI