Snakeboard

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Ein Snakeboard (auch Streetboard oder Pivotboard oder Sydewynder genannt) ist eine Variation eines traditionellen Skateboards, welche 1989 von James Fisher, Oliver Macleod Smith und Simon King erfunden wurde. Es ist inspiriert von Elementen von Snowboards und Surfboards.

Snakeboard „Competition“ von 1993

Im Unterschied zum im Wesentlichen starren Skateboard besteht ein Snakeboard aus drei in Fahrtrichtung hintereinander liegenden Segmenten, die über vertikale Gelenkachsen verbunden sind. Die zwei endständigen Segmente tragen jeweils ein Paar Walzen (Laufräder) auf einer starren Achse unter oder sehr nahe dem jeweiligen Segmentgelenk.

Auf halber Länge des Boards (ohne Bindungen) steht vertikal eine Spiegelebene, es gibt also mechanisch keinen Unterschied zwischen Vorne und Hinten. Ein Snakeboard kann in beide Richtungen gefahren werden. Die Endsegmente sind unabhängig voneinander verdrehbar.

Eine gewisse Torsionsweichheit in der Längsachse stellt sicher, dass auch auf tordierter Fahrbahn, oder wenn nur ein Rad in eine Mulde einsinkt, alle 4 Räder Bodenkontakt haben.

Unter dem vorderen und dem hinteren Segment befindet sich jeweils eine – starre – Achse mit den Laufrädern. Die Füße des Fahrers stehen über den Achsen auf den Endsegmenten, die sich in einer Art „Lenkbewegung“ gegenüber dem mittleren Segment verdrehen lassen. Indem die Füße rhythmisch zueinander und wieder auseinander gedreht werden und gleichzeitig mit dem Oberkörper unterstützende Drehbewegungen ausgeführt werden, nimmt das Board fahrt auf. Ohne dass die Füße den Boden berühren, können so relativ hohe Geschwindigkeiten erreicht werden. Für spezielle Tricktechniken sind separate Bindungen erhältlich, in die der Fahrer seine Füße steckt. Aktuelle Boards haben Holzdecks und sind damit für Freestyle-Skaten geeignet.

Streetboard von 2010 mit Bindungen

Name

Der Name Snakeboard ist eigentlich ein Markenname.[1] Die Rechte wurden von den Erfindern des Boards gehalten. Die Bezeichnung ist inspiriert vom „Snaken“, also der schlängelnden Bewegung die das Board beim Fortbewegen macht.[2][3][4]

Die World Streetboard Association änderte im Jahr 2000 den Namen des Sports zu Streetboarding.[5] Dementsprechend wird das Sportgerät Streetboard genannt.

Der Begriff Streetboard beschreibt ein generisches Board dessen Räder und Achsen sich zusammen mit den Füßen des Fahrers bewegen und ist nicht an eine Marke oder ein Patent gebunden. Die Idee des Namens Streetboard kommt von einem Snowboard, das für Straßen ausgelegt ist.[2]

Fortbewegung

Anders als beim Skateboard, beschleunigt der Fahrer das Snakeboard, ohne den Boden zu berühren. Dies wird durch eine Drehbewegung und resultiert in einer nicht-holonomen Bewegung.[6] Dabei stehen die Füße des Fahrers über den Achsen auf den Fußplatten, welche sich gegenüber dem mittleren Segment verdrehen lassen. Indem die Füße rhythmisch, horizontal zueinander und wieder auseinander gedreht werden, bewegt der Fahrer das Snakeboard nach vorne.[7] Der Fahrer kann zusätzlich, synchron zu der Fußbewegung, den Oberkörper drehen und die Arme bewegen, um die Geschwindigkeit zu erhöhen oder um das Gleichgewicht zu halten.

„In der Praxis muss die Drehung des Oberkörpers sowie das Öffnen und Schließen der Füße ohne Pause ineinander übergehen. Die Bewegungen sollen sich sogar überlappen, damit das typische Bild des Snakens entstehen kann. An dieser Stelle wird ganz wichtig, die Drehung der Füße unter die Lupe zu nehmen. Um eine nahtlose Verbindung zwischen den Kurven zu erreichen, dürfen die Füße jetzt nicht mehr gleichzeitig ein- oder auswärts gedreht werden, sondern leicht zeitversetzt. Der Fuß, der in Bewegungsrichtung steht, muss die Drehung einleiten.“[8.1]

Tricks

Die Tricks können von der Benennung und Ausführung mit Skateboardtricks gleichgesetzt werden und werden auch entsprechend gleich benannt.[9] Es ist Grinden möglich, aber auch ein Slide (Streetskating) sowie auch Snowboardtricks.

Forschung

Auch für die Forschung in der Robotik ist die Art und Weise der Fortbewegung interessant. Einem zweibeinigen Roboter ist es gelungen ein Snakeboard zu fahren und Hindernissen auszuweichen.[10]

Geschichte

Das Streetboard, ursprünglich unter dem Markennamen Snakeboard bekannt, wurde in seiner Grundform bereits Ende 1988 patentiert.

Das Snakeboard wurde 1988 in Johannesburg, Südafrika erfunden. Drei College-Studenten, James Fisher, Eric O. M. Smith und Simon King, suchten nach einem neuen Boardtyp, um an steilen Straßen wie beim Snowboarden (Carving) Kurven fahren zu können.[3] Abbremsen sollte ebenso funktionieren. Ihr erster Entwurf, das Ursnakeboard, trug den Namen „Wobbel-Board“. Dieses erste Board bestand aus einem Wasserrohr als Verbindungsstück („Bar“) zwischen den Fußplatten („Plates“, diese wiederum waren ausgesägte Stücke einer Tischtennisplatte) und als Achse dienten auseinandergesägte Rollschuhe.

Zeitgleich entwickelten die Firmen Alterskate und TomTom ebenfalls Streetboards. Da Fisher und McLeod-Smith den Bewegungsablauf und Grundaufbau patentierten, musste Alterskate die Produktion einstellen. Die beiden Südafrikaner gründeten die Firma Snakeboard. Absatzschwierigkeiten trieben das Unternehmen Ende der 1990er Jahre in den Bankrott. Die Patente und Namensrechte wurden von dem englischen Spielwarenhersteller „MV-Sports“ übernommen, die Firma wurde Anfang 2000 an „Toll-Collect“ weiterverkauft und produziert auch wieder.[11]

Anfang der 2000er Jahre begann die amerikanische Firma Dimension Streetboards mit der Produktion neuer Boards und trieb die Weiterentwicklung des Sports voran.[12] Dies war auch der Anfang der „From Riders for Riders“-Firmen, die von ehemaligen Pro Fahrern gegründet wurden.[13]

Snakeboard "Stiffy"
Snakeboard "Stiffy"
Modell „Stiffy“ von Snakeboard USA

Wettkämpfe

Für einheitliche Bewertungskriterien wurde die Streetboarding Association gegründet. Dies sollte die Grundlage für eine Weltrangliste sein.[14] Das festgelegte Bewertungskriterium legte eine Jury von 3 Personen fest:

  1. Person bewertet die Schwierigkeit
  2. Person bewertet den Stil und die Nutzung der Obstacle
  3. Person bewertet die Linienwahl und Ausführung

Disziplinen

Neben den aus dem Skateboarding bekannten Skateboard-Disziplinen gibt es im Streetboarding zusätzlich noch Downhill und Slalom.

Slalom

Beim Slalom sind 21 Pylonen auf 20 Meter in gerader Linie mit einem Abstand von jeweils 1 Meter aufgestellt.[8.2] Einer der Erfinder (James Fisher) hatte 1992 den Rekord in dieser Disziplin aufgestellt mit einer Zeit von 4,50 Sekunden.[15] Hanno Windisch hat 1996 diesen Rekord mit einer Zeit von 3,82 Sekunden übertroffen. Bis heute ist diese Zeit ungebrochen.[15]

Parallelslalom

In dieser Disziplin sind zwei Slalom Strecken parallel zueinander aufgebaut.[8.3] Die Streetboarder treten paarweise in dieser Disziplin an.[15]

Weltmeisterschaften

Die erste Weltmeisterschaft wurde 1994 in Guernsey ausgetragen, in der Jay Beatty (USA) den ersten Platz belegte.[16] Dies erreichte er, indem er einen 720 schaffte.[17] Austragungsort 1995 war die Olympiahalle München, wo Ingo Fohre (Deutschland) Weltmeister wurde.[18]

Die USA dominierte die Weltmeisterschaft 1996, welche in London ausgetragen wurde. Dies war die erste Weltmeisterschaft, die Großkonzerne wie Burger King, Coca-Cola oder Foster’s Lager als Sponsoren hatte. Von den 80 Teilnehmern konnte sich Rob Nye (USA) den Weltmeistertitel erkämpfen.[9]

Boardtypen

Seit der Erfindung von Streetboards sind immer wieder leicht veränderte Varianten auf den Markt gekommen. Aufgrund des eingetragenen Warenzeichens der Firma „Snakeboard USA“ wurde es von anderen Firmen unter verschiedenen Namen wie Streetboard/Sydewynder/Pivotboard vermarktet.[1]

Das Klassische Snakeboard unterscheidet sich von anderen Streetboards besonders durch die Mittelstange (Bar) aus Kunststoff.

„Sydewynder“ der Firma (PMS UK)

Heutige Streetboards besitzen als Bar oft eine Breite Fläche aus Holz, welches das Grinden vereinfachen soll.

Als Weiterentwicklung des typischen Streetboards gibt es das Snakeboard 2.0. Dieses besitzt an vorderen Achse ein weiteres Gelenk zur Footplate hat, wodurch eine leichte Bewegung der vorderen Plate seitlich zur Fahrtrichtung möglich wird.[19] Die meisten Boards besitzen Möglichkeiten zur Befestigung von Halterungen für die Füße. Diese Halterungen gehen von schmalen Schlaufen über „Toe Hooks“ bis hin zu Halterungen, die Snowboard-Bindungen ähneln.

Streetboard der Firma Streetboards USA

Bekannte Personen

James Fisher

  • Miterfinder des Snakeboards
  • Erfinder des James-Fisher-Slalom[8.2]
  • ehemaliger Weltrekordhalter des James-Fisher-Slaloms[8.2]

Jay "The Captain" Nowman

  • seit 1994 in der Snakeboard-Szene aktiv[20]
  • sowohl Fahrer als auch Moderator und Veranstalter von Wettbewerben[20]

Lothar "Lohde" Christoph

  • einziger Slalom-Fahrer ohne Bindungen[21]
  • bekannt für seine Technik und Schnelligkeit[21]

Literatur

Siehe auch

Einzelnachweise

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