Soltaniye

Stadt in Iran From Wikipedia, the free encyclopedia

Soltaniye (auch Soltanieh, Soltanije; persisch سلطانیه Soltaniyeh, DMG Solṭānīye) ist eine Stadt in der iranischen Provinz Zandschan, etwa 45 km südöstlich der Provinzhauptstadt Zandschan und 240 km nordwestlich von Teheran. Der Name bedeutet sinngemäß „die Kaiserliche“ oder „die Sultanische“ und bezieht sich auf den Titel Sultan.[2.1] Sie ist Verwaltungssitz des Schahrestan Soltaniye und zugleich des zentralen Kreises dieses Bezirks. Die Stadt war im frühen 14. Jahrhundert zeitweise Hauptstadt der Ilchane.

Schnelle Fakten Soltaniye سلطانیه, Basisdaten ...
Soltaniye
سلطانیه
Öldscheitü-Mausoleum
Öldscheitü-Mausoleum
Öldscheitü-Mausoleum
Soltaniye (Iran)
Soltaniye (Iran)
Soltaniye
Basisdaten
Staat:Iran Iran
Provinz:Zandschan
Koordinaten: 36° 26′ N, 48° 48′ O
Höhe: 1784 m
Einwohner: 7638[1] (2016)
Zeitzone:UTC+3:30
Webseite: www.soltaniyeh.ir
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Geografie

Soltaniye befindet sich im Übergangsgebiet der abflachend gestaffelten, östlichen Ausläufer der Gebirgsketten des Zagros einerseits und des Elburs-Randgebirges andererseits. Die Stadt liegt auf etwa 1780 m Höhe über dem Meeresspiegel[3] in einer offenen Talebene nördlich des Soltaniye-Gebirges und südlich der Tarom-Berge. Unweit verläuft die Fernstraße Teheran–Zandschan–Bazargan, eine wichtige Transitroute zwischen Zentraliran und den Grenzgebieten zu Aserbaidschan und der Türkei.[4]

Aufgrund wasserundurchlässiger Bodenschichten staut sich Niederschlagswasser im Untergrund, was die seit Jahrhunderten genutzten Naturwiesen von Soltaniye, die sich auf einer Fläche von etwa 35 km² erstrecken, zu einem besonders ergiebigen Weidegebiet machte.[5.1]

Das Klima ist gemäßigt, tendenziell kühl und halbtrocken. Die windexponierte Lage führt zu kalten Wintern und vergleichsweise milden Sommern.[4]

Geschichte

Palastruinen in Soltaniye um 1840

Archäologische Befunde belegen eine Besiedlung des Gebietes seit vorgeschichtlicher Zeit. Im Raum Soltaniye wurden unter anderem bemalte Keramik des 4. Jahrtausends v. Chr. sowie graue Keramik des 3. und 2. Jahrtausends v. Chr. gefunden.[2.2] Im Mittelalter war das Gebiet von Soltaniye vor der Stadtgründung als ausgedehntes Weideland bekannt und wird in zeitgenössischen Quellen unter dem Namen Qonqur Olāng oder „Prärie der Falben“ beziehungsweise als „Falkenjagdrevier“ überliefert.[2.3]

Unter Arghun begann um 1290 die erste Bebauung des Ortes: Er ließ dort eine Sommerresidenz anlegen, da das Gebiet gute Jagdgründe und ertragreiche Weideflächen für die Pferdezucht bot.[5.2][2.4] Arghuns Sohn und Nachfolger Ghazan ließ auf dem Hügel Tappeh Nur ein Mausoleum errichten. Öldscheitü, der 1304 die Herrschaft antrat, ließ den Platz wenig später zur Residenz- und Hauptstadt Soltaniye ausbauen. Die Hauptphase des Ausbaus war bis 1313 abgeschlossen und dauerte damit nur knapp ein Jahrzehnt.[2.5][5.2][6]

Die neue Hauptstadt war als groß angelegter Residenzkomplex mit verschiedenen Stadtvierteln, Palästen, Mausoleum, Befestigungen, Moscheen, Schulen, Hospital, Basar und Karawanserei geplant und galt als eines der ambitioniertesten Städtebauprojekte der Ilchanenzeit. Durch ihre Lage an den überregionalen Verkehrswegen entwickelte sich Soltaniye im frühen 14. Jahrhundert neben Täbris zu einem wichtigen Handelszentrum auf den Fernhandelsverbindungen zwischen Asien und Europa.[7][2.4][5.2]

Als Residenzstadt der Ilchane war Soltaniye auch in diplomatische Kontakte mit Europa eingebunden. Ab 1318 bestand hier zeitweise ein lateinisches Erzbistum.[8][9]

Nach Öldscheitüs Tod im Jahr 1316 verlor die Stadt allmählich an politischer Bedeutung. 1384 wurde sie von Timurs Heer eingenommen und geplündert, während das Mausoleum verschont blieb. Noch im frühen 15. Jahrhundert wurde Soltaniye jedoch als bedeutender Handelsplatz beschrieben.[2.6] Im 16. und 17. Jahrhundert setzte ein weiterer Niedergang ein, so dass schließlich nur noch ein dörflicher Siedlungskern über den Ruinen der alten Hauptstadt bestand. Im 19. Jahrhundert wurden erste Restaurierungsarbeiten am Mausoleum vorgenommen. Zugleich diente die Ebene als Übungsplatz für das Heer der Kadscharen.[5.2]

Verwaltung und Bevölkerung

Ortsbild

Die Stadt ist Verwaltungssitz des gleichnamigen Schahrestan Soltaniye, der 2013 durch Abtrennung des bisherigen Bezirks Soltaniye vom Schahrestan Abhar geschaffen wurde.[10]

Beim Zensus 2016 hatte Soltaniye 7.638 Einwohner in 2.319 Haushalten.[1] Bei früheren Volkszählungen wurden 5.484 Einwohner (1996), 6.458 Einwohner (2006) und 7.116 Einwohner (2011) ermittelt.[11] Die Bevölkerung spricht überwiegend Aserbaidschanisch-Türkisch und gehört mehrheitlich der schiitischen Zwölferrichtung des Islams an.

Denkmäler und archäologische Stätten

Das heutige Soltaniye ist eine Kleinstadt, deren Siedlungsgebiet Teile der Ruinen der ilchanidischen Hauptstadt überlagert. Vom mittelalterlichen Stadtkomplex ist vor allem das Öldscheitü-Mausoleum als bedeutendster erhaltener Bau erhalten. Es prägt bis heute das Ortsbild inmitten der historischen Weideflächen von Soltaniye.[12]

Öldscheitü-Mausoleum

Das Öldscheitü-Mausoleum – persisch auch Gonbad-e Soltaniyeh (گنبد سلطانیه, ‚Kuppel von Soltaniye‘) genannt – wurde zwischen 1302 und 1312 errichtet. Der achteckige Bau wird von einer rund 50 m hohen, türkisblau gefliesten Kuppel bekrönt und gilt als frühestes erhaltenes Beispiel einer doppelschaligen Ziegelkuppel im Iran. Ihr Außendurchmesser beträgt 38 m, der innere Durchmesser etwa 25 m. Mit dieser Spannweite zählt die Kuppel zu den größten des Mittelalters. Acht schlanke Minarette umgeben den Bau und unterstreichen den monumentalen Charakter des Bauwerks.[12]

Zum Bau gehören neben der eigentlichen Kuppelhalle die südlich anschließende Torbat-chāne und eine darunterliegende Gruftkammer (sardāb). Die Torbat-chāne war als eigentliche Grabkapelle angelegt. Zeitgenössische Quellen überliefern, dass Öldscheitü in der Gruftkammer bestattet wurde.[2.7]

Die Backsteinarchitektur ist durch umfangreiche Fliesen-, Stuck- und Wandmalereidekorationen ausgezeichnet, darunter kalligrafische Bänder und geometrische Muster. Die dekorierten Innen- und Außenflächen umfassen schätzungsweise 9.000 m² und gehören damit zu den umfangreichsten Dekorationsprogrammen der iranischen Architektur. Die Ausstattung entstand in zwei Hauptphasen: Zunächst dominierten Sichtziegel und dunkelblaue Fayencefliesen mit kufischen Schriftbändern, später erhielt der Innenraum eine weitere Schicht aus verputzten und polychrom bemalten Stuckdekorationen, die Teile des älteren Fliesendekors überzieht.[5.3][2.8][13]

Das Bauwerk war ursprünglich als schiitische Wallfahrtsstätte für die Reliquien der Imame Ali und Husain konzipiert, diente letztlich jedoch als Grabmal Öldscheitüs.[5.2][2.9]

Das Mausoleum gilt als eines der bedeutendsten Bauwerke der ilchanidischen Zeit und als ein Hauptwerk der islamischen Architektur in Iran. Seine innovative Kuppelkonstruktion wirkte auf spätere Kuppelbauten der Timuriden und Safawiden ein. In der architekturhistorischen Forschung wird die Kuppel zudem mit der späteren Kuppel des Dom zu Florenz in Florenz verglichen.[12][5.4]

Von 1969 bis 1979 wurde das Mausoleum in Zusammenarbeit mit einem italienischen Team unter Leitung von Piero Sanpaolesi restauriert. Seit 1994 führt die iranische Kulturerbeverwaltung ein systematisches Forschungs- und Konservierungsprogramm durch.[5.5]

Mittelalterliche Stadtanlage

Die ilchanidische Hauptstadt bestand aus mehreren räumlich miteinander verbundenen Zonen. Ihr Mittelpunkt war das Mausoleum Öldscheitüs mit der umgebenden Zitadelle. Außerhalb davon lagen weitere Stadtbereiche mit Wohn- und Funktionsvierteln, religiösen Bauten, Werkstätten und Verkehrsflächen. Archäologische Grabungen außerhalb des Mausoleums erbrachten Reste steinerner Strukturen, architektonischer Einheiten sowie Keramik- und Ostraka-Funde, die auf organisierte Stadtquartiere hinweisen.[2.4]

Unmittelbar um das Mausoleum erstreckte sich eine steinerne Zitadellenplattform von etwa 295 × 315 m. Sie war von einem rund 30 m breiten Graben umgeben. Archäologisch wurden Reste der Plattform, von 16 Türmen und eines Tores nachgewiesen.[2.10][5.1] Das Zusammenspiel von Stadt und Weidelandschaft gilt als charakteristisch für Soltaniye, weil hier die Anforderungen einer mongolisch geprägten Reiterherrschaft mit denen einer sesshaften iranischen Stadtgesellschaft verbunden wurden.[2.11]

Weitere erhaltene Monumente

In der Umgebung des Mausoleums haben sich weitere Bauten der Ilchanenzeit erhalten. Dazu gehören das etwa 500 m südwestlich gelegene Mausoleum des Sufi-Scheichs Tschalabi Oghlu mit angeschlossener Chānegāh aus der Zeit um 1330. Der Grabbau ist achteckig und enthält eine Gruftkammer. Die angrenzende Chānegāh diente als Ort religiöser Gemeinschaft und Wallfahrt.[2.12][5.1]

Das rund 2,5 km südlich gelegene Mausoleum des Gelehrten und Dichters Molla Hassan Kāschī, der am Hof Öldscheitüs wirkte, besitzt eine doppelte Ziegelkuppel. Die Stalaktitendekoration im Innenraum stammt dagegen aus früher Kadscharen-Zeit.[2.13]

Archäologische Stätten

Neben den erhaltenen Monumenten und der Stadtanlage gehören zahlreiche weitere Ruinen- und Denkmalzonen zur historischen Stätte von Soltaniye. Sie umfassen Siedlungshügel, Grabbauten, Werkstattareale und Teile der historischen Weidelandschaft.[14][2.14]

Zu den ausgewiesenen Stätten gehören:

  • Seh Tappeh, mehrere Siedlungshügel im nördlichen Bereich der Stätte mit Funden aus der Ilchanenzeit
  • Tappeh Qal'eh, eine Ruinenzone mit Funden aus der Partherzeit und den Resten einer Lehmziegelfestung des 19. Jahrhunderts
  • Karvangah, zwei Siedlungshügel nordöstlich der Stadt mit Funden aus dem 1. Jahrtausend v. Chr. und der Ilchanenzeit
  • Qush Khaneh, eine Hügelgruppe südwestlich der Stadt mit den Resten einer kleinen quadratischen Festung aus der Ilchanenzeit
  • ein Areal mit Ruinen sowie Überresten von Töpfer- und Ziegelbrennöfen
  • Tappeh Dur, ein kleiner Hügel mit Keramik- und Ziegelfunden aus der Ilchanenzeit
  • Emamzadeh Dur, ein freistehendes Mausoleum aus Ziegeln nordwestlich von Soltaniye
  • Fenjanabad, ein archäologisches Areal mit Resten alter Mauern und Qanaten aus der Ilchanenzeit nordöstlich von Soltaniye
  • Tappeh Nur Kuchak und Tappeh Nur, wo sich die Reste des Mausoleums von Ghazan befinden
  • die historischen Weideflächen von Soltaniye einschließlich der Fundstelle Mostafa Khan

UNESCO-Welterbe

Schnelle Fakten UNESCO-Welterbe, Geschichte der Einschreibung ...
Soltaniye
UNESCO-Welterbe
Vertragsstaat(en): Iran Iran
Typ: Kultur
Kriterien: (ii)(iii)(iv)
Fläche: 790,146 ha
Pufferzone: 349,720 ha
Referenz-Nr.: 1188
UNESCO-Region: Asien und Pazifik
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 2005  (Sitzung 29)
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2005 wurde Soltaniye auf der 29. Sitzung des Welterbekomitees in die Welterbeliste aufgenommen. Die Eintragung erfolgte nach den Kriterien (ii), (iii) und (iv). Im Nominierungsdossier des Iran waren ursprünglich nur die Kriterien (ii) und (iv) beantragt worden, Kriterium (iii) wurde in der endgültigen Entscheidung zusätzlich berücksichtigt.[2.15][12][5.6]

Die Welterbestätte ist eine aus 14 räumlich getrennten Komponenten bestehende serielle Stätte. Die Kernzone des Hauptmonuments, des Öldscheitü-Mausoleums mit seiner Zitadellenterrasse, umfasst 14,8 ha. Hinzu kommen unter anderem Seh Tappeh, Tappeh Qal'eh, Karvangah, Tschalabi Oghlu, Qush Khaneh, das Grab des Molla Hassan Kāschī, ein Areal mit Ruinen und Brennöfen, Tappeh Dur, Emamzadeh Dur, Fenjanabad, Tappeh Nur Kuchak, Tappeh Nur sowie die Soltaniye-Weide mit der Fundstelle Mostafa Khan.[14]

Die Fläche der seriellen Kernzonen beträgt insgesamt rund 790 ha. Für einen Teil der Komponenten bestehen zusätzliche Pufferzonen. Die UNESCO-Kartierung weist für mehrere, aber nicht für alle Teilstätten Pufferzonen aus.[14] Im Nominierungsdossier wurde darüber hinaus eine großräumige Landschaftspufferzone von 4547,38 ha dargestellt, die die historischen Wechselbeziehungen zwischen Stadt, Monumenten und Weidelandschaft berücksichtigen soll.[2.16]

Die Welterbestätte ist Staatseigentum und wird nach dem iranischen Gesetz zum Schutz nationaler Denkmäler von 1930 sowie dem Gesetz über städtische Grundstücke von 1982 geschützt. Zuständige Verwaltungsbehörde ist die iranische Kulturerbeverwaltung über ihre Außenstelle in Zandschan.[5.5][12]

Commons: Soltaniye – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Eintrag auf der Website des Welterbezentrums der UNESCO (englisch und französisch).
  • Offizielle Website (Memento des Originals vom 15. Dezember 2025 im Internet Archive)

Einzelnachweise

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