Soriculus dexingensis

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Soriculus dexingensis ist eine Spitzmausart aus der Gattung Soriculus. Sie kommt am südöstlichen Rand des tibetischen Hochlands vor und bewohnt mittlere Höhenlagen mit Laubwaldbewuchs. Die Lebensweise ist unbekannt. Die Tiere repräsentieren mittelgroße Vertreter der Gattung und zeichnen sich durch ein bräunliches Fell und einen verhältnismäßig langen Schwanz aus, der den anderer Angehöriger der Artengemeinschaft an Länge übertrifft. Ursprünglich wurden sie Soriculus medogensis zugewiesen, bildeten jedoch innerhalb dieser Form eine gesonderte genetische Gruppe. Weitergehende Untersuchungen führten im Jahr 2025 zu einer Abtrennung der entsprechenden Population und zur Anerkennung als eigenständige Art.

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Soriculus dexingensis

Soriculus dexingensis, Holotyp

Systematik
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Insektenfresser (Eulipotyphla)
Familie: Spitzmäuse (Soricidae)
Unterfamilie: Soricinae
Gattung: Soriculus
Art: Soriculus dexingensis
Wissenschaftlicher Name
Soriculus dexingensis
Zhang, Liu & Chen, 2025
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Merkmale

Habitus

Soriculus dexingensis ist ein mittelgroßer Vertreter der Gattung Soriculus. Die Kopf-Rumpf-Länge variiert von 7,1 bis 8,4 cm, der Schwanz wird 5,0 bis 6,2 cm lang. Mit einer verhältnismäßigen Länge des Schwanzes von gut 74 % der des übrigen Körpers weist die Art damit den höchsten Wert innerhalb der Gattung auf Das Gewicht beträgt 11,7 bis 15,3 g. In der Größe vermittelt die Art zwischen dem größeren Soriculus medogensis und dem kleineren Soriculus beibengensis, die beide ein ähnliches Verbreitungsgebiet aufweisen. Im Habitus ähneln die Tiere anderen Spitzmäusen, als typisches Kennzeichen der Gattung können die vergrößerten Klauen der Vorderfüße hervorgehoben werden. Das Rückenfell ist bräunlich gefärbt, die einzelnen Haare haben schwarzgraue Basen und dunkelbraune Spitzen. Auf der Unterseite überwiegen dunkelgraue Farbtöne, die sich nicht wesentlich von der Farbgebung der Oberseite absetzen. Der Schwanz ist hingegen zweifarbig mit einer dunkelbraunen Ober- und einer etwas helleren Unterseite. Die Oberseiten der Füße sind mit kurzen und ebenfalls dunkelbraunen Haaren bedeckt. Die Hinterfußlänge liegt bei 1,5 cm, die Ohrlänge bei 0,7 cm.[1]

Schädel- und Gebissmerkmale

Schädel und Unterkiefer von Soriculus dexingensis

Der Schädel ist zwischen 22,2 und 23,5 mm lang. Am Hirnschädel wird er 11,2 bis 11,7 mm breit und 6,4 bis 6,8 mm hoch. Das Rostrum besitzt am Ansatz eine Weite von 5,8 bis 6,3 mm. Generell betrachtet ist der Schädel vergleichsweise groß innerhalb der Gattung Soriculus. In Seitenansicht wölbt er im Bereich des Hirnschädels deutlich auf, ist an der Schnauze aber sehr flach. Am Hinterhaupt zeigt er sich eben und nicht so gerundet wie bei Soriculus nivatus. Die beiden Oberkieferhälften stehen eng beieinander, was durch einen geringeren Abstand der beiden zweiten Molaren von 5,9 bis 6,1 mm als im Vergleich zur Sikkim-Großklauenspitzmaus (Soriculus nigrescens) angedeutet wird. Auf den Scheitelbeinen verläuft ein moderat entwickelter Scheitelkamm, der sich am Hinterhaupt in zwei Lambdaleisten aufteilt. Der Unterkiefer variiert zwischen 14,2 und 15,0 mm in der Länge. Der Kronenfortsatz ragt steil auf und ist lang sowie spatelförmig am Ende. Der Gelenkfortsatz steht in einem Winkel von 45° zu diesem. An hinteren Ende setzt sich der Winkelfortsatz lang und dünn ab, seine Spitze richtet sich nach oben.[1]

Im Gebiss bestehen 30 Zähne, die sich zu folgender Zahnformel ordnen: . Die Zähne sind robust gebaut und ihre Spitzen typischerweise rötlich-orange gefärbt. Die Pigmentierung fällt schwächer aus als bei Soriculus nivatus, aber deutlicher als bei Soriculus minor und Soriculus beibengensis. Der obere erste und zweispitzige Schneidezahn ist nach unten gerichtet, seine hintere Spitze zeigt sich breit. Darauf folgen vier einspitzige Zähne, von denen der zweite am größten und der letzte am kleinsten ist. In Relation wirkt der letzte einspitzige Zahn bei Soriculus dexingensis noch einmal kleiner als bei Soriculus medogensis. Im Unterkiefer weist der innere Schneidezahn nach vorn. Ihm schließt sich direkt ein einspitziger Zahn an. Sowohl in der oberen als auch in der unteren Zahnreihe ist der jeweils letzte Molar stark reduziert, während im oberen Gebiss die beiden vorderen Mahlzähne gleich groß sind, im unteren der erste den zweiten jedoch an Größe übertrifft. Die obere Zahnreihe erstreckt sich über eine Länge von 9,9 bis 10,4 mm, die untere über 8,9 bis 9,4 mm.[1]

Verbreitung und Lebensraum

Soriculus dexingensis ist in Ostasien verbreitet. Dort wurde die Art bisher lediglich im Kreis Mêdog im Stadtgebiet von Nyingchi am südöstlichen Rand des tibetischen Hochlands. Die Tiere bewohnen Gebirgslagen in 2100 bis 2830 m über dem Meeresspiegel. Dort bevorzugen sie Laubwaldlandschaften. In der Region kommt sympatrisch auch Soriculus medogensis vor, während tiefere Gebiete von Soriculus beibengensis und höhere von Soriculus nivatus genutzt werden.[1]

Lebensweise

Weiterführende Informationen zur Lebensweise von Soriculus dexingensis liegen nicht vor.[1]

Systematik

Innere Systematik der Gattung Soriculus nach Zhang et al. 2025[1]
 Soriculus  


 Soriculus minor


   

 Soriculus beibengensis



   

 Soriculus nigrescens


   

 Soriculus nivatus


   

 Soriculus medogensis


   

 Soriculus dexingensis






Vorlage:Klade/Wartung/Style

Soriculus dexingensis ist eine Art aus der Gattung Soriculus innerhalb der Familie der Spitzmäuse (Soricidae). Die Gattung Soriculus besteht momentan aus insgesamt sechs Arten. Unter diesen ist die Sikkim-Großklauenspitzmaus (Soriculus nigrescens) die bekannteste und war zuvor zudem die einzig anerkannte.[2][3] Mit Hilfe von molekulargenetischen und morphologischen Untersuchungen in den 2020er Jahren konnten jedoch mehrere kryptische Arten aufgedeckt werden, wodurch die Gattung nun wesentlich formenreicher ist. Ihr Hauptverbreitungsgebiet findet sich im Himalaya. Kennzeichnend für die verschiedenen Arten sind die vergrößerten Krallen der Vorderfüße, die möglicherweise beim Graben im Untergrund Einsatz finden. Innerhalb der Spitzmäuse wird die Gattung Soriculus der Unterfamilie der Soricinae zugerechnet, was die orangefarbene Pigmentierung der vorderen Zähne begründet. Zur näheren Verwandtschaft gehören Gattungen wie Chodsigoa und Episoriculus. Die einzelnen Linien trennten sich im Oberen Miozän vor rund 7 Millionen Jahren voneinander ab. Soriculus selbst diversifizierte sich mit Beginn des Pliozäns. Die nächste verwandte Form repräsentiert Soriculus medogensis, während Soriculus nivatus etwas außerhalb steht. Die gegenseitige Abspaltung der ersteren beiden Arten datiert in das Unterpleistozän vor gut 2,3 Millionen Jahre, letztere hatte sich bereits im ausgehenden Pliozän vor gut 2,96 Millionen Jahren abgesetzt.[4][5][1]

Die wissenschaftliche Erstbeschreibung von Soriculus dexingensis wurde durch Zhang Tao und Kollegen im Jahr 2025 erstellt. Ihr voraus gingen verschiedene Expeditionen nach Tibet und in den Himalaya, bei denen mehrere Dutzend Individuen an Spitzmäusen gesammelt werden konnten. Dieser Fundus erbrachte Exemplare, die sich genetisch und morphologisch von den zuvor bekannten Vertretern der Gattung Soriculus unterschieden. Dadurch konnten bereits in den Jahren 2023 und 2024 mit Soriculus medogensis, Soriculus nivatus und Soriculus beibengensis drei neue Arten benannt werden, die im Kreis Mêdog im Autonomen Gebiet Tibet heimisch sind. Erstere Form schloss dabei insgesamt 11 Individuen ein, die innerhalb der neuen Art eine eigenständige Klade bildeten.[4][6] Nachfolgende genetische Untersuchungen deckten einen hohen genetischen Abstand dieser Gruppe zu den anderen Angehörigen von Soriculus medogensis auf. Die Forscher entschlossen sich daraufhin, diese Gruppe auszusondern und als neue Art anzuerkennen. Als Holotyp wählten sie ein ausgewachsenes Männchen aus, der aus der Umgebung der Ortschaft Dexing im Kreis Mêdog stammt. Die Region gilt als Terra typica der Art, das Fundgebiet liegt in einer Höhe von 2100 m über dem Meeresspiegel. Das Artepitheton dexingensis ist eine Referenz auf die Ortschaft. Insgesamt lässt sich die Mêdog-Region als bedeutend für die Biodiversität erachten. Seit den 2010er Jahren werden dort häufiger neue Arten entdeckt, darunter neben den bereits genannten Vertretern der Gattung Soriculus auch die Weißzahnspitzmaus Crocidura medogensis sowie der Medog-Maulwurf, das Nagetier Neodon medogensis und der Weißwangenmakak.[6][1]

Literatur

  • Zhang Tao, Yang Siyu, Jiang Haijun, Gu Lin, Zou Qingfang, Fu Changkun, Guo Keji, Zhang Tong, Liu Shaoying und Chen Shunde: A New Species of the Genus Soriculus (Soricidae, Eulipotyphla, Mammalia) from Medog, Tibet, China, based on morphological and molecular data. ZooKeys 1262, 2025, S. 175–189, doi:10.3897/zookeys.1262.164459

Einzelnachweise

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