Soriculus nivatus
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Soriculus nivatus ist eine Spitzmausart aus der Gattung Soriculus. Sie lebt im südöstlichen Teil des tibetischen Hochlands und nutzt höhere Gebirgslagen als Lebensraum. Die weitere Lebensweise ist unbekannt. Es handelt sich um einen mittelgroßen Vertreter der Gattung mit einem typischen spitzmausartigen Erscheinungsbild, einem dunkelbraunen Rückenfell und zweifarbigen Schwanz. Markant ist auch der große, allerdings vergleichsweise schmale Schädel. Die Art wurde im Jahr 2023 wissenschaftlich eingeführt. Ihre Entdeckung erfolgte im Rahmen mehrere Expeditionen nach Tibet, in deren Zuge zahlreiche Individuen der Gattung Soriculus gesammelt und genetisch untersucht werden konnten.
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| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Soriculus nivatus | ||||||||||||
| Chen & Jiang, 2023 |
Merkmale
Habitus
Soriculus nivatus ist ein mittelgroßer Vertreter der Gattung Soriculus, der eine Kopf-Rumpf-Länge von 7,0 bis 9,0 cm und eine Schwanzlänge von 4,6 bis 5,8 cm aufweist. Der Schwanz erreicht somit rund 63 % der Länge des restlichen Körpers. Das Gewicht variiert von 9,6 bis 15,3 g. In der Größe entspricht die Art damit weitgehend der Sikkim-Großklauenspitzmaus (Soriculus nigrescens), übertrifft aber Soriculus minor. Der Habitus gleicht dem anderer Angehöriger der Gattung, hervorzuheben sind die typischen vergrößerten Krallen der Vorderfüße. Das Rückenfell kennzeichnet ein dunkelbrauner Farbton. Die einzelnen Haare sind im Sommer rund 5 mm, im Winter etwa 8 mm lang. Die Kolorierung fällt etwas dunkler aus als bei der Sikkim-Großklauenspitzmaus. Der Schwanz ist zweifarbig mit einer dunkelbraunen Ober- und einer helleren Unterseite. Auf der Oberseite der Füße wachsen hellbraune bis schwärzliche Haare. Die Hinterfüße sind 1,3 bis 1,7 cm lang, die Ohrlänge beträgt 0,7 bis 1,2 cm.[1]
Schädel- und Gebissmerkmale
Der Schädel ist 22,8 bis 24,1 mm lang. Seine Breite am Hirnschädel beträgt 11,2 bis 11,7 mm, seine Höhe 6,8 bis 7,5 mm. Das Rostrum wird wiederum 6,3 bis 6,6 mm breit. Im gesamten Bau wirkt der Schädel robust, im Vergleich zu anderen Mitgliedern der Gattung aber relativ schmal. Dies zeigt sich nicht nur in der Breite des Rostrums, sondern auch im Abstand der beiden zweiten Molaren zueinander, der mit 6,0 bis 6,6 mm geringer ausfällt als bei der Sikkim-Großklauenspitzmaus. Gleiches gilt für die Distanz zwischen dem linken und rechten Foramen infraorbitale, der bei der Sikkim-Großklauenspitzmaus größer, bei Soriculus nivatus aber kleiner als 4 mm ist. Die Stirnlinie wölbt am Hirnschädel auf, allgemein ist letzterer aber flach gestaltet. Das Hinterhaupt ist deutlich ausgebaucht. Auf den Scheitelbeinen erhebt sich ein schwacher Scheitelkamm. Dieser teilt sich nach hinten in zwei moderat entwickelte Lambdaleisten auf. Der Unterkiefer erreicht eine Länge von 12,5 bis 13,7 mm. Sein Kronenfortsatz ragt steil auf und endet spatelförmig. An ihm setzt in einem Winkel von 45° der Gelenkfortsatz an. Der Winkelfortsatz am hinteren Ende ist gerade, lang und dünn geformt.[1]
Wie bei allen Angehörigen der Gattung Soriculus besteht das Gebiss aus 30 Zähnen mit folgender Zahnformel: . Die Zähne sind vergleichsweise grazil im Bau. Ihre Spitzen zeigen eine typische orangefarbene Pigmentierung, die kräftiger ausfällt als bei Soriculus minor. Der obere vordere Schneidezahn ist zweispitzig und steht senkrecht im Kieferknochen. Die vordere Spitze wirkt sichelförmig, die hintere ist flach. Anschließend folgen vier einspitzige Zähne. Hiervon ist der zweite am größten, gefolgt vom ersten und dritten, der nur noch die Hälfte der Höhe des zweiten erreicht, und vom sehr kleinen vierten. Der untere innere Schneidezahn richtet sich nach vorn und ist flach gestaltet. Hinter ihm setzt ein einspitziger Zahn an, der klein ist und sich leicht nach vorn neigt. Unter den Molaren haben die oberen ersten beiden etwa die gleiche Größe. Der dritte Mahlzahn ist sowohl in der oberen wie in der unteren Gebisshälfte jeweils am kleinsten. Die obere Zahnreihe misst 10,0 bis 10,7 mm in der Länge, die untere 8,9 bis 9,7 mm.[1]
Verbreitung und Lebensraum
Soriculus nivatus kommt in Ostasien vor und ist dort in der kreisfreien Stadt Nyingchi im Südosten des Autonomen Gebiets Tibet verbreitet. Die Tiere bewohnen Gebirgslagen in Höhen von 2560 bis 4200 m über dem Meeresspiegel. Im Kreis Mainling treten sie am Oberlauf des Brahmaputra in rund 3000 m Höhe sympatrisch mit der Sikkim-Großklauenspitzmaus auf.[1]
Lebensweise
Informationen zur Lebensweise von Soriculus nivatus liegen nicht vor.[1]
Systematik
Innere Systematik der Gattung Soriculus nach Zhang et al. 2025[2]
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Soriculus nivatus ist eine Art aus der Gattung Soriculus innerhalb der Familie der Spitzmäuse (Soricidae). Zur Gattung Soriculus werden momentan insgesamt sechs Arten gezählt, von denen die Sikkim-Großklauenspitzmaus (Soriculus nigrescens) die bekannteste ist und zuvor zudem die einzig anerkannte war.[3][4] In den 2020er Jahren deckten jedoch molekulargenetische und morphologische Untersuchungen mehrere kryptische Arten auf, wodurch die Gattung nun wesentlich formenreicher ist. Ihre Angehörigen sind im Himalaya verbreitet und kennzeichnen sich durch ihre vergrößerten Krallen der Vorderfüße, die wahrscheinlich dem Graben im Untergrund dienen. Innerhalb der Spitzmäuse steht die Gattung Soriculus in der Unterfamilie der Soricinae, was durch die orangefarbene Pigmentierung der vorderen Zähne unterstützt wird. In die nähere Verwandtschaft lassen sich Gattungen wie Chodsigoa und Episoriculus einordnen. Die einzelnen Linien spalteten sich im Oberen Miozän vor rund 7 Millionen Jahren voneinander ab. Eine stärkere Diversifizierung von Soriculus setzte mit Beginn des Pliozäns ein. Als nächste verwandte Formen kommen Soriculus medogensis und Soriculus dexingensis in Betracht, welche die Schwestergruppe von Soriculus nivatus bilden. Zum weiteren Verwandtschaftskreis gehört außerdem die Sikkim-Großklauenspitzmaus. Die beiden Schwesterarten Soriculus medogensis und Soriculus dexingensis haben sich im Unterpleistozän vor gut 2,3 Millionen Jahre voneinander getrennt, Soriculus nivatus hingegen besteht seit dem ausgehenden Pliozän vor gut 2,96 Millionen Jahren als eigenständige Linie.[5][1][2]
Die wissenschaftliche Erstbeschreibung von Soriculus nivatus erfolgte im Jahr 2023 durch Chen Zhongzheng und Jiang Xuelong. Dafür standen fast zwei Dutzend Individuen zur Verfügung, die bei mehreren Expeditionen in den Himalaya und den Hengduan Shan gemeinsam mit knapp 40 weiteren Exemplaren der Gattung Soriculus gesammelt worden waren. Als Holotyp wählten die Forscher ein ausgewachsenes weibliches Tier, das in der Umgebung der Ortschaft Damu etwa bei Kilometer 81 der Motuo-Autobahn im Kreis Mêdog im Autonomen Gebiet Tibet gesammelt worden war. Das in einer Höhenlage von 3619 m befindliche Gebiet gilt als Typusregion der Art. Das Artepitheton geht auf das lateinische Wort nivātus zurück und bedeutet so viel wie „im Schnee gekühlt“. Es verweist auf das Habitat der Tiere.[1] Der zum Verbreitungsgebiet der Art gehörende Kreis Mêdog ist für seine Biodiversität bekannt, da dort seit den 2010er Jahren häufiger neue Arten entdeckt werden. Hierunter fallen neben weiteren Vertretern der Gattung Soriculus wie Soriculus medogensis, Soriculus dexingensis und Soriculus beibengensis auch die Weißzahnspitzmaus Crocidura medogensis, der Medog-Maulwurf, das Nagetier Neodon medogensis und der Weißwangenmakak.[5][6][2]
Bedrohung und Schutz
Literatur
- Chen Zhongzheng, Pei Xiaoxin, Hu Jiangxiao, Song Wenyu, Laxman Khanal, Li Quan und Jiang Xuelong: Multilocus phylogeny and morphological analyses illuminate overlooked diversity of Soriculus (Mammalia: Eulipotyphla: Soricidae), with descriptions of two new endemic species from the eastern Himalayas. Zoological Journal of the Linnean Society 201 (2), 2024, S. 534–548, doi:10.1093/zoolinnean/zlad131