Sosarme
Oper von Georg Friedrich Händel
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Sosarme, Re di Media (HWV 30) ist eine Oper (Dramma per musica) in drei Akten von Georg Friedrich Händel, die am 15. Februar 1732 im King’s Theatre am Haymarket in London uraufgeführt wurde.
| Werkdaten | |
|---|---|
| Originaltitel: | Sosarme, Re di Media |
Titelblatt des Librettos, London 1732 | |
| Form: | Opera seria |
| Originalsprache: | Italienisch |
| Musik: | Georg Friedrich Händel |
| Libretto: | unbekannt |
| Literarische Vorlage: | Antonio Salvi: Dionisio, Re di Portogallo (1707) |
| Uraufführung: | 15. Februar 1732 |
| Ort der Uraufführung: | King’s Theatre, Haymarket, London |
| Spieldauer: | 2 ½ Stunden |
| Ort und Zeit der Handlung: | Sardes in Lydien, um 600 v. Chr. |
| Personen | |
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Das Werk sollte ursprünglich Fernando, Re di Castiglia heißen. Mutmaßlich unter Rücksichtnahme auf Interessen des britischen Hofes verlegte Händel die Handlung von Portugal nach Medien.
Entstehung und Uraufführung
Sosarme ist eine von zwei neuen Opern, die Händel für die Saison 1731–1732 komponierte. Nachdem sein Ezio im Januar 1732 keinen Erfolg hatte und nur fünf Aufführungen erlebte, sah Händel sich offenbar gezwungen einige Vorstellungen seines „Publikumsrenners“ Giulio Cesare zu geben, um Zeit für die Vorbereitung des Sosarme zu gewinnen, dessen Komposition am 4. Februar beendet war.[2] „Fine dell’ Opera. G.F. Handel li 4 di Febraro. 1732“, lautet die Notiz am Ende des Autographs; nachträglich wurde darüber noch der Wochentag „Venerdy“ (Freitag) geschrieben.[3]
Händel hatte die Oper ursprünglich unter dem Titel Fernando, Re di Castiglia begonnen, aber Titel, Figuren und Schauplatz der Oper nach der Komposition der ersten beiden Akte geändert (siehe unten: Libretto).
Sosarme, Re di Media erlebte seine Premiere am 15. Februar in der folgenden Besetzung:
- Sosarme – Francesco Bernardi, genannt „Senesino“ (Altkastrat)
- Haliate – Giovanni Battista Pinacci (Tenor)
- Elmira – Anna Maria Strada del Pò (Sopran)
- Erenice – Anna Bagnolesi (Alt)
- Melo – Francesca Bertolli (Alt)
- Altomaro – Antonio Montagnana (Bass)
- Argone – Antonio Gualandi, genannt „Campioli“ (Altkastrat)
Obwohl – oder weil (?) – das damalige Publikum die Opernhandlung mit dem Krieg zwischen König Haliate und seinem Sohn Argone als „Anspielung auf die gespannte politische Situation am englischen Hofe zwischen König Georg II., dem Kronprinzen Friedrich, Prince of Wales, und dem Premierminister Robert Walpole“ ansah,[4] war die Oper ein großer Erfolg und lief bis zum 21. März an elf Abenden.[5] Im „Opera Register“, welches lange Zeit fälschlicherweise Francis Colman zugeschrieben war, wurde berichtet:
“In Febry Sosarmes – a New Opera – by Hendell – took much & was for many Nights much crowded to some peoples admiration.”
„Im Februar ‚Sosarme‘ – eine neue Oper – von Händel – zog gut und war zur Verwunderung einiger Leute viele Abende lang gut besucht.“
Auch Viscount Percival, der spätere 1. Earl of Egmont, schrieb am 22. Februar in sein Tagebuch:
“I went to the Opera Sosarmis, made by Hendel, which takes with the town, and that justly, for it is one of the best I ever heard.”
„Ich war in der Oper ‚Sosarme‘ von Händel, sie kommt in der Stadt an und das zu Recht, denn sie ist eine der besten, die ich jemals gehört habe.“
Zweite Fassung
Händel brachte Sosarme nochmals 1734 auf die Bühne, mit drei Vorstellungen vom 27. April bis zum 4. Mai.[9] Da er zu diesem Zeitpunkt ganz andere Sänger zur Verfügung hatte, nahm er dafür zahlreiche Änderungen vor: Die Partie des Sosarme wurde für den Mezzosopran Giovanni Carestini, dessen Stimme wesentlich höher lag als Senesinos (der eigentlich ein Alt war) nach oben transponiert, ebenso die Rollen des Argone, der von dem Sopran Carlo Scalzi gesungen wurde, und die (ursprüngliche Tenor-)Partie des Haliate, der nun von Margherita Durastanti als Hosenrolle dargestellt wurde. Vier Arien, ebenfalls in transponierter Form, wurden aus Riccardo Primo übernommen – zwei davon für Argone, der in der Urfassung gar keine Arie hat – stattdessen andere Nummern und Rezitative gekürzt oder gestrichen.[10]
Mrs. Pendarves, Händels Nachbarin in der Brook Street und lebenslange Verehrerin, besuchte die Vormittagsprobe am 26. April und eine Vorstellung und fand Sosarme[11]
“[…] a most delightful opera […, …] a charming one, and yet I dare say it will be almost empty! ‘Tis vexatious to have such music neglected.”
„[…] eine der schönsten Opern […, …] ein bezauberndes Stück, und doch wage ich zu sagen, es wird fast keiner hingehen! Es ist ein Ärger, solche Musik so vernachlässigt zu sehen.“
Weitere Aufführungsgeschichte
Mrs. Pendarves sollte recht behalten, denn es gab keine weiteren Inszenierungen des Stückes im 18. Jahrhundert. Eine Aufführung des zweiten Aktes von Sosarme war erstmals wieder als Radiosendung der BBC im Dezember 1948 zu hören. Eine konzertante Aufführung aller drei Akte, wenngleich gekürzt, wurde in der Goldsmiths’ Hall am 28. Januar 1955 im Zusammenhang mit einer Schallplattenproduktion des Werkes mit dem „St. Cecilia Orchestra“ unter der Leitung von Anthony Lewis ausgestrahlt.[13][14]
Die erstmalige Bühnenaufführung der Oper in der Neuzeit fand am 8. September 1970 im Unicorn Theatre Club in Abingdon (Großbritannien) in einer englischen Textfassung von Alan Kitching statt. Die musikalische Leitung hatte Antony le Fleming. Schon kurze Zeit danach wurde die Oper das erste Mal in Originalsprache und historischer Aufführungspraxis während des Kent-Festivals am 22. Juni 1972 in Stour (Olantigh) gespielt. Der Initiator dieser Aufführung war der Pionier der stilgetreuen Wiederaufführung Alter Musik und Countertenor Alfred Deller, der die Titelpartie sang und gleichzeitig das Deller Consort und das Collegium Aureum leitete.
Am 18. Februar 2005 wurde die Oper erstmals in einer „rekonstruierten“ Version als Fernando, Re di Castiglia mit Il complesso barocco unter der Leitung von Alan Curtis im Teatro Nacional de São Carlos in Lissabon aufgeführt. Curtis hatte dafür nicht nur die ursprünglichen portugiesischen Namen wiederhergestellt, sondern auch Händels Änderungen bei der Umarbeitung in musikalischen Passagen rückgängig gemacht.
Libretto
Vorlage
Lange Zeit dachte man, die Vorlage für Händels Libretto sei Alfonso Primo von Matteo Noris gewesen, das 1694 in Venedig mit Musik von Carlo Francesco Pollarolo uraufgeführt wurde. Reinhard Strohm wies jedoch darauf hin, dass Händels Sosarme in Wahrheit auf Antonio Salvis Dionisio, Re di Portogallo zurückgeht, welches zuerst 1707 in einer Vertonung von Giacomo Antonio Perti (die Musik ist verloren) in Pratolino, am Hofe des Ferdinando de’ Medici auf die Bühne gebracht wurde. Da Händel zu der Zeit höchstwahrscheinlich in Florenz war, könnte er die Oper dabei kennengelernt oder zumindest Salvis Textbuch dort erworben haben.[15][16]
Händels Bearbeiter ist nicht bekannt (eventuell war er es selber), aber es wurden vor allem die Rezitative stark gekürzt: Von ursprünglich 1095 Rezitativzeilen bei Salvi blieben bei Händel noch 520 übrig, wodurch laut Winton Dean die dramatische Struktur beeinträchtigt wurde.[17][18] Der Grund dafür lag wahrscheinlich (und wie immer) in der „Abneigung der Engländer gegen lange Passagen in italienischer Sprache“.[2][17]
Von Fernando zu Sosarme

Salvis Libretto spielt im mittelalterlichen Portugal und dreht sich um einen durch Familienkonflikte zwischen König Dom Diniz (1261–1325) und dessen Sohn Afonso IV. (1291–1357) ausgelösten Bürgerkrieg, was auf historischen Tatsachen beruht. Dom Diniz wird bis heute (Stand 2025) in Portugal als Begründer der Universität von Coimbra und als Dichter-König verehrt, während Afonso IV. vor allem wegen des schrecklichen Mordes an Inês de Castro, der Geliebten seines Sohnes Dom Pedro I., berüchtigt ist. Im Libretto kommt auch ein unehelicher Sohn des Dom Diniz namens „Sancio“ vor, hinter dem sich offenbar die historische Person des Afonso Sanches, Herzog von Alburquerque verbirgt.[19] Salvis „Isabella“ ist identisch mit der 1625 heiliggesprochenen und in Portugal als „Rainha Santa Isabel“ bekannten Isabel de Aragón.[20]
Zunächst hatte Händel nur den Titel in Fernando, Re di Castiglia geändert, womit er das Gewicht auf die Figur des Königs Fernando „El Emplazado“ von Kastilien (1285–1312) verschob.[21] Doch mitten in der Komposition verlegte er die Handlung schließlich vom Coimbra des frühen 14. Jahrhunderts in ein Medien aus mythischen Vorzeiten und machte einen (vermutlich erfundenen) König „Sosarme“ zur Titelfigur.[22] Die neuen Personennamen bei Händel entsprechen folgenden Figuren des Salvi-Librettos:[23]
- Sosarme = Fernando, König von Kastilien und Verlobter Elvidas
- Haliate = Dionisio, König von Portugal
- Elmira = Elvida, Dionisos Tochter
- Erenice = Isabella, Dionisios Frau, Königin von Portugal
- Melo = Sancio, Dionisios unehelicher Sohn und Rivale seines Halbbruders Alfonso
- Altomaro = Altomaro, Dionisios Hofrat
- Argone = Alfonso, Dionisios und Isabellas Sohn, rechtmäßiger Thronerbe
Als Grund für diese plötzlichen Änderungen wird seit Dean vermutet, dass Händel und sein Mitarbeiter (?) befürchtet hätte(n), in diplomatische Probleme verwickelt zu werden, wenn sie eine aus portugiesischer Sicht derart „unvorteilhafte“ Opernhandlung im Londoner King’s Theatre auf die Bühne brachten, da Portugal (und dessen damaliger Monarch Dom Joao V.) der „älteste traditionelle Verbündete“ Englands war.[22][24] Beweise, z. B. in Form von Äußerungen Händels, gibt es dafür jedoch nicht. Ob es – wie Silke Leopold meinte – tatsächlich ein Problem gewesen wäre, die „Rainha Santa Isabel“ als Opernfigur auf die Bühne zu bringen,[25] ist ebenso Spekulation – immerhin scheint dies zuvor im katholischen Italien kein Problem gewesen zu sein und bei Salvi wie bei Händel wird die Figur vollkommen positiv dargestellt.
Handlung
Vorgeschichte
König Haliate möchte gegen die Tradition seinen illegitimen Sohn Melo zu seinem Nachfolger bestimmen und hat dadurch den Zorn und Widerstand seines ehelichen Sohnes und eigentlichen Thronfolgers Argone und einen Bürgerkrieg ausgelöst.
Erster Akt
Platz in Sardes mit Truppen in Aufstellung
Im Krieg gegen seinen Vater Haliate befindet sich Prinz Argone in einer schwierigen Situation, da er mit seinen Leuten im belagerten Sardes eingeschlossen ist und die Lebensmittelvorräte schwinden. Er wendet sich daher an seine Soldaten und kann sie überzeugen, das Lager Haliates vor der Stadt anzugreifen und zu plündern.
Ein Zimmer
Königin Erenice leidet sehr unter dem Krieg ihres Sohnes Argone gegen seinen Vater und berichtet ihrer Tochter Elmira von einem Traum, in dem ihr Hekate die frohe Botschaft verkündete, das Ende des Krieges stehe kurz bevor, aber zuvor müsse „königliches Blut von dem Sohn vergossen“ werden. Erenice ist deswegen sehr besorgt, aber Elmira versucht, sie zu beruhigen und auf den Himmel und das gute Ende zu vertrauen. Kurz nachdem sie Erenice verlassen hat, kehrt sie jedoch mit den neuesten Nachrichten über den Angriff Argones gegen das Lager seines Vaters zurück. Erenice ist entschlossen, Argone daran zu hindern.
Feldlager
Der ehrgeizige Altomaro versucht, seinen Enkel Melo, den illegitimen Sohn Haliates, davon zu überzeugen, gegen Argone zu intrigieren, um selber auf den Thron zu gelangen. Der ehrenwerte Melo lehnt das jedoch ab, er wolle nicht durch Verbrechen Größe erlangen.
Nachdem Altomaro abgegangen ist, erscheint Sosarme und versucht Melo zu überzeugen, dass er wegen seiner Tugendhaftigkeit vielleicht doch der richtige Kandidat für die Herrschaft ist. Melo empfindet das jedoch als ungerecht gegenüber Argone und zu seiner Freude bietet sich Sosarme als Vermittler zwischen Haliate und Argone an.
Während Haliate überlegt, wie er seinen Sohn Argone für dessen Ungehorsam bestrafen könne, versucht Sosarme Haliate zu Vergebung und Gnade zu bewegen und damit für Frieden zu sorgen. Als Haliate jedoch auf seinem Recht beharrt, droht Sosarme, dass er zu den Rebellen überlaufen werde, um für Gerechtigkeit zu sorgen und der Grausamkeit Haliates Einhalt zu gebieten. Haliate ist enttäuscht und schwört Rache.
Hof im Königspalast
Als Argone bewaffnet mit einigen Soldaten im Palast erscheint, versuchen seine Mutter Erenice und seine Schwester Elmira ihn zurückzuhalten und werfen ihm Vatermord vor. Argone beginnt zu zweifeln, lässt sich aber vom Chor seiner Soldaten wieder auf den Weg der Gewalt zurückrufen. Die verzweifelte Erenice ist hin- und hergerissen zwischen ihrer Liebe zu ihrem Mann und ihrem Sohn. Elmira bleibt bestürzt zurück und bittet die Göttin Hekate und den Himmel, das prophezeite Blutvergießen für den Frieden abzuwenden.
Zweiter Akt
Königlicher Saal
Elmira ist über die schreckliche Situation in Tränen aufgelöst, als Erenice erscheint und sich erkundigt, ob es Neuigkeiten über den Ausgang der Schlacht gebe. Als Argone mit blutigem Schwert erscheint und antwortet, das Blut stamme von Sosarme, sinkt Elmira in Ohnmacht. Erenice, im Glauben er habe Sosarme umgebracht, lässt Argone nicht zu Wort kommen und macht ihm bitterste Vorwürfe.
Im königlichen Zelt
Altomaro versucht, den mittlerweile zaudernden Haliate zu überzeugen, dass Argones Sieg nur ein letztes Aufbäumen vor dem Ende sei. Melo kommt jedoch hinzu und berichtet, dass die Meder ihm den Gehorsam verweigern und Sosarmes Freilassung fordern. Im ersten Moment gibt Haliate Melo selber daran die Schuld, wird jedoch von diesem überzeugt, Argone ein Friedensangebot zu machen.
Nachdem Haliate abgegangen ist, macht Altomaro Melo Vorwürfe, dass er die Situation nicht zu seinen Gunsten ausnutze und den Thron besteige. Melo lehnt ein derart unehrenhaftes Verhalten nach wie vor empört ab und ist überzeugt, dass Altomaros Intrigen am Ende vom Himmel bestraft werden. Dieser hält trotzdem an seinen Plänen fest und sinnt weiterhin darauf, Melo auf den Thron zu bringen.
Königliche Kammer
Elmira ist überglücklich, dass Sosarme doch überlebt hat und pflegt seine Wunden. Die beiden schwelgen im Glück ihrer Liebe (Duett: „Per le porte del tormento“; Akt II, Nr. 18). Erenice bringt die frohe Botschaft von Haliates Friedensangebot. Sosarme ist entschlossen, sich weiterhin für die gute Sache einzusetzen.
Audienzzimmer mit Thron
Sosarme versucht Argone davon überzeugen, den Frieden anzunehmen; dieser willigt ein, wenn sein Vater ihn wieder in seine angestammten Rechte einsetze und ist sogar bereit, um Verzeihung zu bitten. Elmira und Erenice kommen hinzu und freuen sich über diese Wendung. Da erscheint Altomaro und behauptet, Haliate fordere Argone zu einem Zweikampf, um den Krieg zu beenden. Alle sind entsetzt, doch Argone nimmt die Forderung an.
Während Erenice zu ihrem Mann eilt, um ihn umzustimmen, beschließt Sosarme, dasselbe bei Argone zu tun, und ist voller Freude und Zuversicht auf sein zukünftiges Glück mit Elmira.
Diese bleibt allein zurück und vergleicht ihren Bruder mit einem Vogel, der davonfliegt, aber am Ende zu seinem Nest zurückkehrt.
Dritter Akt
Vorstädte von Sardes mit Kriegszelten in der Ferne
Während der nichtsahnende Haliate auf die Nachricht von Frieden und Versöhnung mit Argone wartet, strickt Altomaro weiter an seiner Intrige und belügt nun Haliate, dass Argone von seiner Mutter Erenice dazu angestiftet worden sei, seinen Vater zum Zweikampf zu fordern. Melo und Haliate sind entsetzt.
Als Erenice persönlich erscheint, lässt Haliate sie gefangen nehmen und gibt ihr die Schuld, falls er von seinem eigenen Sohn ermordet werden sollte. Erenice bitte Melo um Hilfe, dieser lehnt aber zunächst ab, weil er sie für schuldig hält, doch dann begreift er, dass die ganze Intrige von Altomaro eingefädelt wurde und eilt davon. Erenice ist völlig verzweifelt und wird von den Wachen abgeführt.
Melo bleibt allein zurück und beschließt, sich Argone als Ersatz für den Vater anzubieten und ihm dann brüderlich um den Hals zu fallen.
Königlicher Garten
Elmira und Sosarme versuchen vergeblich, den wütenden Argone von dem Duell abzubringen – dieser stürmt wutentbrannt davon. Sosarme und Elmira beschließen, nicht aufzugeben und das Duell zu verhindern.
Ein Feld für das Duell
Angestiftet von Altomaro bereitet sich Haliate auf das Duell vor. Altomaro frohlockt bereits, dass Jupiters Blitz „nur die Frevler treffen“ möge. Melo erscheint und fleht seinen Vater an, auf das Duell zu verzichten, aber dieser bleibt hart. Als Argone kommt, beginnen er und Haliate auf Drängen Altomaros mit dem Schwertkampf. Doch da werfen sich Erenice und Melo zwischen die Kämpfenden und werden verletzt. Haliate und Argone halten entsetzt inne und werfen die Schwerter von sich. Altomaro ist klar, dass seine Lügen jetzt aufgedeckt werden, er flüchtet und begeht (hinter den Kulissen) Selbstmord. Alles klärt sich nun auf, Argone gesteht seine Schuld ein und bittet Haliate um gerechte Strafe, dieser vergibt Argone und setzt ihn wieder als Thronfolger ein. Elmira und Sosarme sind glücklich und Alle besingen Liebe und Frieden.
Musik

Die nur sehr selten gespielte Oper (Stand 2025) beginnt mit einer Ouvertüre im französischen Stil in A-Dur, deren langsame Einleitung überraschenderweise im 3/2-Takt, in einer Art festlichem Sarabanden-Rhythmus, steht.[26][27] Nach dem Fugato erklingt ein Menuett, das in erster Linie von Oboen und Fagott getragen wird. Das Streicher-Tutti fällt regelmäßig nur alle paar Takte ein und in den Wiederholungen erklingen Variationen mit Streichergirlanden.
Im ersten Akt wird ein relativ düsteres Bild der schwierigen dramatischen Situation gezeichnet: Fünf von acht Arien stehen in Moll-Tonarten, hinzu kommt der zweimal erklingende kurze Coro militare „Alla stragge, alla morte!“ (Nr. 2) in D-Dur (und mit Trompeten). In den beiden übrigen Akten überwiegt dagegen Dur: Im zweiten Akt sind von zehn Gesangsnummern nur Elmiras einleitendes Arioso „Padre, germano, e sposo“ (Nr. 12) und Melos Arie „So ch’il Ciel ben spesso gode“ (Nr. 16) in Moll, während im dritten Akt drei von acht Gesangsnummern in Moll stehen. Hinzu kommen zwei Sinfonien in Dur (Akt II, Nr. 13 und Akt III, 23).
Ein auffälliges Merkmal der Oper ist die Sänger-Konstellation mit nur einem einzigen Sopran, vier Altstimmen (davon ursprünglich zwei Kastraten), einem Tenor und einem Bass – Händels einzige Oper mit dieser Besetzung.[28] Dabei ist anzumerken, dass eine der Altstimmen (Argone) musikalisch nur eine kleine Nebenrolle ist, während die beiden tiefen Männerstimmen für eine Opera seria der Entstehungszeit relativ wichtig sind.
Wahrscheinlich eine logische Folge dieser Konstellation ist eine ungewöhnlich ausgewogene Verteilung der wichtigen Gesangsnummern. Die beiden Rollen von prima donna und primo uomo, Elmira und Sosarme, die ursprünglich von Anna Maria Strada und Senesino gesungen wurden, sind hier also weniger herausgehoben als in vielen anderen Opern Händels. Sie haben jeweils nur 4 große Arien und zwei gemeinsame Duette, Elmira zusätzlich ein Arioso. Erenice ist mit 4 Dacapo-Arien, einem Accompagnato und dem Duett „Se m’ascolti. / E udir potrei?“ (Akt II, Nr. 14), wo sie aber den Löwenanteil zu singen hat (das also fast als fünfte Arie gelten kann),[29] den beiden gleichgestellt. Die Partien von Haliate, Melo und Altomaro haben je drei Dacapo-Arien.[30] Etwas merkwürdig erscheint, dass Argone, dessen Konflikt mit seinem Vater für die Handlung so zentral ist, nur ein Accompagnato und das genannte Duett (Nr. 14) mit Erenice zu singen hat, bei dem er aber nur als Stichwortgeber dient. Dean erklärte sich letzteres damit, dass der ursprüngliche Darsteller des Argone, Antonio Gualandi, vermutlich kein sonderlich guter Sänger war.[31]
Auch wenn die Dramaturgie der Oper von moderneren Autoren (Streatfeild, Dent, Dean) kritisiert wurde,[32] ist die Musik, wie bei Händel üblich, allgemein von hoher Qualität. Besondere Sorgfalt ließ Händel der Figur der Elmira, also dem Sopran, zukommen. Ihre erste Arie „Rendi’l sereno al ciglio“ (Nr. 4), mit der sie ihre Mutter zu beruhigen versucht, ist ein ungewöhnlich schlichtes Stück in der noch viel ungewöhnlicheren Tonart H-Dur – tatsächlich ist es Händels einzige Arie in dieser Tonart.[33] Zu Elmiras besonders bemerkenswerten Nummern zählen außerdem das A-moll-Arioso „Padre, germano, e sposo“ (Nr. 12) zu Beginn des zweiten Aktes und die beiden Dacopo-Arien, mit denen sie den ersten und den zweiten Akt beschließt. Die erste, „Dite pace, e fulminante“ (Nr. 11), ist eine virtuose Bravour-Arie in B-Dur, wo die zwei im Text erwähnten Affekte Frieden („pace“) und Krieg („guerra“) effektvoll in zwei abwechselnden Tempi dargestellt werden. In „Vola l’augello del caro nido“ (Akt II, Nr. 22) illustriert die Gesangsstimme perfekt den Text, indem sie in gleichmäßigen Sechzehntelfigurationen über stehenden Bordunnoten im Bass den Flug eines Vogels imitiert. Winton Dean attestierte dieser Arie „verführerischen Charme“.[34]

Von den beiden Duetten Elmiras mit Sosarme, die Dean beide als „marvels of beauty“ („Wunder an Schönheit“) bezeichnete,[35] ragt besonders das E-Dur-Siciliano „Per le porte del tormento“ (Akt II, Nr. 18) als „eines der schönsten und ergreifendsten Liebesduette“ Händels heraus.[36] Händel selber verwendete es 1742 in Dublin nochmals als Zusatznummer in Imeneo[37] und heute ist es zu Recht das wohl bekannteste Stück aus Sosarme.[38]
Unter Sosarmes Arien sind besonders das reich mit solistischen Hörnern und Oboen orchestrierte „Alle sfere della gloria“ (Akt II, Nr. 19) und „M’opporò da generoso“ (Akt III, Nr. 27) zu erwähnen; die erste steht in F-Dur und in einem tänzerischen 3/8-Takt, die zweite in B-Dur und in einem etwas martialischen 2/4-Gavotte-Rhythmus. Beide Stücke sind prachtvolle, joviale Heldenarien, wie Händel sie typischerweise für Senesino und seine offenbar sehr voluminöse Altstimme schrieb.[39] „In mille dolci modi“ (Akt II, Nr. 21) zeigt den Helden von einer lieblich-anmutigen Seite und ist formal ein etwas unregelmäßiges Rondo.[40]
Unter den weiteren Personen sticht Erenice nicht nur durch die Zahl ihrer Solonummern (siehe oben), sondern auch durch deren Qualität hervor – offensichtlich war ihre erste Interpretin Anna Bagnolesi eine fähige und ausdrucksstarke Sängerin und eine Inspiration für Händel. Drei ihrer fünf Gesänge stehen in Moll, passend dazu, dass sie als Frau und Mutter der beiden zerstrittenen Männer Haliate und Argone doppelt unter der Situation zu leiden hat. Allerdings ist sie Alles andere als eindimensional gezeichnet, sondern bereits ihre erste Arie „Forte inciampo al suo furore“ (Nr. 5) in düsterem f-moll zeichnet sie als temperamentvolle Person. Das bereits erwähnte Duett „Se m’ascolti. / E udir potrei?“ (Akt II, Nr. 14) mit Argone ist eigentlich eher eine Arie für Erenice, da sie ihn jedes Mal, wenn er ein paar Worte sagen möchte, wütend unterbricht und damit dem Missverständnis Vorschub leistet, dass er Sosarme umgebracht hätte – obwohl dies als Situation rein theoretisch komisch hätte wirken können, kommt es hier angesichts des komplett tragisch gezeichneten Charakters der Erenice ganz anders herüber.[41]
Ähnlich fulminant ist Erenices „Vado al campo“ (Akt II, Nr. 20), ein eiliges Presto in Es-Dur mit einer pausen-durchsetzten, atemlos wirkenden Gesangsstimme über einer vibrierenden Streicherbegleitung von repetierten Akkorden. Das wohl bewegendste Stück der Oper im melancholischen Genre ist Erenices Fis-moll-Lamento „Cuor di madre, e cuor di moglie“ (Nr. 25) im dritten Akt, wo die Stimme von stockenden, einzelnen Streicher-Akkorden begleitet wird, die von fließenden Girlanden einer Solo-Violine umspielt werden.[42] Von Charles Burney wissen wir, dass Pietro Castrucci die Solovioline spielte; für die im The New Grove geäußerte Behauptung, dass Castrucci die Arie auf der von ihm erfundenen Violetta marina gespielt habe, gibt es dagegen kein zeitgenössisches Zeugnis.[28] Dean verglich dieses Stück ebenso wie Melos Arien „Sì, minaccia, e vinta l’ira“ (Akt I, Nr. 7) und „So ch’il Ciel ben spesso gode“ (Akt II, Nr. 16) mit Bach.[43]
Alle drei Arien für den Tenor Haliate sind von hoher Qualität,[44] aber sein versöhnliches B-Dur-Andante „Se discordia ci disciolse“ (Akt II, Nr. 15) im 3/8-Takt kann als besonders gelungen gelten; auffallend schön ist dabei die Streicherbegleitung mit streckenweise dreistimmig geführten kaskadenartigen Akkordbrechungen.
Im Gegensatz zu allen anderen Figuren hat die unsympathische Figur des – für den bedeutenden Bass Antonio Montagnana komponierten – Intriganten Altomaro nur Arien in Dur-Tonarten. Am interessantesten sind seine erste Aria „Fra l’ombre e gl’orrori“ (At I, Nr. 6) – ein Larghetto in einem dumpf brütenden Es-Dur (und eine Überarbeitung einer Arie aus Händels Aci, Galatea e Polifemo von 1708) –, sowie das G-Dur Allegro „Sento il cor che lieto gode“ (Akt II, Nr. 17), wo er in auftrumpfender Freude seine betrügerischen („...frode...“) Pläne besingt.[45] Burney erlebte Montagnana in dieser Rolle und lobte noch Jahrzehnte später des Sängers „Tiefe, Kraft, Weichheit, und besondere Genauigkeit der Intonation beim Anschlagen weit entfernter Intervalle“ („depth, power, mellowness, and peculiar accuracy of intonation in hitting distant intervals“).[46]
Der prachtvolle fünfstimmige und mit vollem Orchester (mit Hörnern und Holzbläsern) besetzte Schlusschor „Dopo l’ire si funeste“ (Nr. 31) im wiegenden 9/8-Takt ist, wie Scheibler betonte, nur von den Solisten aufzuführen,[47] die auch den Chor im ersten Akt – hinter der Bühne – gesungen haben sollen.[28]
Orchester
Struktur der Oper
Ouverture. – (Menuetto.) (2 Ob, Fg, Str, BC)
Erster Akt
| Scena I | Recitativo. Argone Di mio padre al furore |
| 1. Recitativo accompagnato. Argone (Str, BC) Voi miei fidi compagni ora mirate | |
| 2. Coro militare. (2 Ob, 2 Trp, Str, BC) Alla stragge, alla morte! | |
| Scena II | Recitativo. Elmira, Erenice Madre, e Regina. Elmira. E tanta fede |
| 3. Recitativo accompagnato. Erenice, Elmira (Str, BC) Rasserena Erenice il mesto ciglio | |
| 4. Aria. Elmira (Fg, Str, BC) Rendi’l sereno al ciglio, madre, non pianger più | |
| Scena III | Recitativo. Erenice, Elmira Giusti Numi, conforto |
| Scena IV | Recitativo. Erenice Così un figlio ribelle |
| 5. Aria. Erenice (2 Ob, Str, BC) Forte inciampo al suo furore | |
| Scena V | Recitativo. Altomaro, Melo Melo, mio prence, soffri ch’io nipote t’appelli |
| 6. Aria. Altomaro (Str, BC) Fra l’ombre e gl’orrori farfalla confusa | |
| Scena VI | Recitativo. Sosarme, Melo Come più dell’usato |
| 7. Aria. Melo (2 Vl, BC) Sì, minaccia, e vinta l’ira | |
| Scena VII | Recitativo. Haliate, Sosarme Il cessar dagli assalti |
| 8. Aria. Sosarme (2 Ob, 2 Vl, BC) Il mio valore ch’albergo in petto | |
| Scena VIII | Recitativo. Haliate Così dunque sospiran |
| 9. Aria. Haliate (Str, BC) La turba adulatrice da me ritiri’l piè | |
| Scena IX | Recitativo. Argone Amici, troppo oscuro |
| Scena X | Recitativo. Erenice, Elmira, Argone Ferma, o figlio, ove vai? |
| 2. Coro militare. Da capo | |
| Recitativo. Argone, Erenice Ma chi ritorna in vita | |
| 10. Aria. Erenice (2 Ob, Str, BC) Due parti del core tra’l figlio e’l consorte | |
| Scena XI | Recitativo. Elmira Oh Diva Hecate |
| 11. Aria. Elmira (Str, BC) Dite pace, e fulminante |
Zweiter Akt
| Scena I | 12. Arioso. Elmira (Str, BC) Padre, germano, e sposo di voi chi vincera |
| Scena II | Recitativo. Erenice, Elmira E ben dall’alta torre, di, che sorgesti, oh figlia? |
| 13. Sinfonia. (2 Ob, 2 Trp, Str, BC) | |
| Recitativo. Erenice Ma, oh Dei! ritorna il figlio | |
| Scena III | Recitativo. Argone, Erenice, Elmira Madre, Germana |
| 14. Duetto. Erenice, Argone (Str, BC) Se m’ascolti. / E udir potrei? | |
| Scena IV | Recitativo. Altomaro, Haliate Mio Re l’ultimo sforzo |
| Scena V | Recitativo. Melo, Haliate, Altomaro Padre, Signor! Che fia? |
| 15. Aria. Haliate (2 Ob, Str, BC) Se discordia ci disciolse | |
| Scena VI | Recitativo. Altomaro, Melo E così tu disprezzi |
| 16. Aria. Melo (2 Vl, BC) So ch’il Ciel ben spesso gode | |
| Scena VII | Recitativo. Altomaro Quanto più Melo ha sdegno |
| 17. Aria. Altomaro (Str, BC) Sento il cor che lieto gode | |
| Scena VIII | Recitativo. Elmira, Sosarme Grazie al Cielo, Signor |
| 18. Duetto. Elmira, Sosarme (Str, BC) Per le porte del tormento passan l’anime a gioir | |
| Scena IX | Recitativo. Erenice, Sosarme, Elmira Signor, tuo regio sangue |
| 19. Aria. Sosarme (2 Ob, 2 Hr, Str, BC) Alle sfere della gloria | |
| Scena X | Recitativo. Sosarme, Argone Son tuo congiunto |
| Scena XI | Recitativo. Erenice, Elmira, Sosarme, Argone, Altomaro A queste voci, io riconosco il figlio |
| Scena XII | Recitativo. Erenice, Sosarme, Elmira Oh Dei! pria che succeda |
| 20. Aria. Erenice (Str, BC) Vado al campo, a combatter col pianto | |
| Scena XIII | Recitativo. Elmira, Sosarme Mio sposo, ahi qual orror |
| 21. Aria. Sosarme (2 Vl, BC) In mille dolci modi al sen ti stringerò | |
| Scena XIV | Recitativo. Elmira Parmi ch’un dolce ragio di bella speme |
| 22. Aria. Elmira (2 Vl, BC) Vola l’augello del caro nido |
Dritter Akt
| Scena I | 23. Sinfonia. (2 Ob, Str, BC) |
| Recitativo. Altomaro, Haliate, Melo Mi siegue la Regina, ajuto, o frodi! | |
| Scena II | Recitativo. Altomaro, Erenice, Haliate Ella giunge. Consorte |
| 24. Aria. Haliate (2 Vl, BC) S’io cadrò per tuo consiglio | |
| Scena III | Recitativo. Erenice, Melo Melo dov’è’l tuo zelo? |
| 25. Aria. Erenice (Vl solo, Str, BC) Cuor di madre, e cuor di moglie | |
| Scena IV | Recitativo. Melo A deluder le frodi |
| 26. Aria. Melo (2 Vl, BC) Sincero affetto dolce preghiere | |
| Scena V | Recitativo. Argone Per la segreta porta |
| Scena VI | Recitativo. Elmira, Argone, Sosarme E amor di figlio? Un padre reo l’estinse |
| Scena VII | Recitativo. Elmira, Sosarme Fermati, ingrato! Ah! mostro |
| 27. Aria. Sosarme (2 Ob, Str, BC) M’opporò da generoso | |
| Scena VIII | Recitativo. Elmira Correte pur a fiumi |
| 28. Aria. Elmira (2 Ob, Str, BC) Vorrei, ne pur saprei che la spene nel mio core | |
| Scena IX | Recitativo. Haliate, Altomaro Altomaro si renda libero lo steccato |
| 29. Aria. Altomaro (2 Ob, Str, BC) Tiene Giove in mano il folgore gl’empi sol per fulminar | |
| Scena X | Recitativo. Melo, Haliate Ah padre! eccoti al piede |
| Scena XI | Recitativo. Altomaro, Argone, Haliate Signor qui giunge Argone |
| Scena XII | Recitativo. Melo, Erenice, Haliate, Argone, Altomaro Oh! padre! Ah! figlio mio! |
| Scena XIII | Recitativo. Elmira, Sosarme, Argone, Haliate, Erenice Io fui presente. Io testimon ne sono |
| 30. Duetto. Elmira, Sosarme (2 Ob, Fg, Str, BC) Tu caro sei il dolce mio tesoro | |
| Recitativo. Sosarme Fugga da questo suol | |
| 31. Coro. (2 Ob, 2 Hr, Str, BC) Dopo l’ire si funeste |
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“We have likewise had two Operas, Etius and Sosarmes, the first most Masterly, the last most pleasing, and in my mind exceeding pretty: There are two Duetto’s which Ravish me, and indeed the whole is vastly Genteel; (I am sorry I am so wicked) but I like one good Opera better than Twenty Oratorio’s.”
„Es gab ebenfalls zwei Opern, Etius und Sosarmes: die erste war meisterlich, die letztere ausgesprochen gefällig, und für mein Empfinden wirklich sehr schön. Es sind darin zwei Duette, die mich entzückten, und tatsächlich ist die ganze Oper äußerst liebenswürdig. Entschuldigung, ich bin so gottlos: aber ich mag eine gute Oper lieber als zwanzig Oratorien.“
„Sosarme erlebte in diesem Jahrlaufe zehn [elf] Vorstellungen, stand also in der öffentlichen Gunst höher, als Ezio. Daß lediglich sein innerer Werth solches bewirkte, kann man eben nicht sagen, denn im Ezio sind einige große Züge, welcher Sosarme sich nicht rühmen kann. Aber eine reiche Mannigfaltigkeit musikalischer Ausdrucksweisen, schöne sangbare Melodien (zum Beispiel gleich die erste Arie der Strada ‚Rendi’l sereno al ciglio‘, die Duette ‚Per le porte del tormente‘ und ‚Tu caro‘, die Menuet für Senesino, und viele andere), ein glückliches Anlehnen an die neue Richtung (man betrachte unter andern nur die ausgezeichneten Tenorgesänge ‚La turba adulatrice‘ und ‚Se discordia‘) und eine wohlberechnete Kürze verliehen ihm damals das Uebergewicht. Es bleibt auch immerhin ein vorzügliches Werk. Der Schlußchor ist glänzend und gehaltvoll. Tenor und Baß sind im Sosarme neben den oberen Stimmen wieder auf’s beste bedacht, Montagnana besonders in dem bedeutenden Gesange ‚Sento il cor‘, wie überhaupt jeder Stimme und jeder dramatischen Person ihr Recht geschieht ohne ängstliche Rücksichtnahme auf die Sänger. So natürlich und preiswürdig uns dies jetzt erscheint, so gewagt und für den augenblicklichen Erfolg nachtheilig war es zu einer Zeit, wo jene Opernbesucher, welche sich früher an Bononcini und sodann an der Bettler-Oper ergötzt hatten, mehr und mehr der neu-italienischen Richtung zuströmten.“
Winton Dean hatte 1958 auf dramatische Schwächen in der Oper hingewiesen, einschließlich des verzögerten Eintrittes von Sosarme in die Geschichte und seines minimalen Einflusses auf das Geschehen, ebenso auf seine schwache Charakter-Entwicklung. Er hat auch eingeräumt, dass die Qualität der musikalischen Inspiration sich innerhalb dieser Grenzen bewegt.[51] Fast 50 Jahre später schrieb Dean allerdings, dass
“[…] Sosarme does more honour to Handel as an musician than as a dramatist […] The characters […] sing exquisite music […] The variety of resource in rhythm, melody, harmony and design is as striking as in any of the operas; all three duets and the final coro are of exceptional merit. Yet Sosarme remains too close to the received idea of opera seria as a string of unmatched pearls.”
„Sosarme macht dem Musiker Händel mehr Ehre, als dem Dramatiker. […] Die Darsteller […] haben erlesene Musik zu singen […] Die erfinderische Vielfalt in Bezug auf Rhythmus, Melodie, Harmonie und Gestaltung ist so bemerkenswert wie in einigen seiner Opern. Alle drei Duette und der Schlusschor sind herausragende Kompositionen. Aber Sosarme bleibt zu sehr der ursprünglichen Idee der ‚Opera seria‘ verpflichtet, als einer Abfolge unvergleichlicher musikalischer Perlen.“
Diskografie
Sosarme
- L’Oiseau-Lyre OLS 124-6 (1954): Alfred Deller (Sosarme), William Herbert (Haliate), Margaret Ritchie (Elmira), Nancy Evans (Erenice), Helen Watts (Melo), Ian Wallace (Altomaro), John Kentish (Argone)
- The Saint Cecilia Orchestra; Dir. Anthony Lewis (146 min)
- Muza SX 2089/90 (1981): Marcin Szczycinski (Sosarme), Piotr Kusiewicz (Haliate), Malgorzata Armanowska (Elmira), Ewa Werka (Erenice), Jadwiga Rappé (Melo), Marek Gasztecki (Altomaro), Piotr Kusiewicz (Argone)
- Polnisches Radio- und Fernseh-Kammerorchester Posen (Poznań); Dir. Agnieszka Duczmal
- Newport 85575 (1993): D’Anna Fortunato (Sosarme), John Aler (Haliate), Julianne Baird (Elmira), Jennifer Lane (Erenice), Drew Minter (Melo), Nathaniel Watson (Altomaro), Raymond Pellerin (Argone)
- Amor Artis Orchestra; Dir. Johannes Somary (129 min)
Fernando
- Virgin Classics 00946548326 (2005): Lawrence Zazzo (Fernando), Filippo Adami (Dionisio), Veronica Cangemi (Elvida), Marianna Pizzolato (Isabella), Max Emanuel Cenčić (Sancio), Antonio Abete (Altomaro), Neal Banerjee (Alfonso)
- Il complesso barocco; Dir. Alan Curtis (149 min)
Literatur
- Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (unveränderter Nachdruck: Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-0610-4).
- Friedrich Chrysander: G. F. Händel. Zweiter Band. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1860
- Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-268-3 (englisch).
- Winton Dean: Handel’s Sosarme, a Puzzle Opera. In: Essays on Opera. Oxford University Press, 1993, ISBN 0-19-816384-3 (englisch).
- Christopher Hogwood: Georg Friedrich Händel. Eine Biographie (= Insel-Taschenbuch 2655). Aus dem Englischen von Bettina Obrecht. Insel Verlag, Frankfurt am Main/Leipzig 2000, ISBN 3-458-34355-5.
- Paul Henry Lang: Georg Friedrich Händel. Sein Leben, sein Stil und seine Stellung im englischen Geistes- und Kulturleben. Bärenreiter-Verlag, Basel 1979, ISBN 3-7618-0567-5.
- Silke Leopold: Händel. Die Opern. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2009, ISBN 978-3-7618-1991-3.
- Albert Scheibler: Sämtliche 53 Bühnenwerke des Georg Friedrich Händel. Opern-Führer. Edition Köln, Lohmar/Rheinland 1995, ISBN 3-928010-05-0.
- Christine Siegert: Sosarme, Re di Media (HWV 30). In: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 241–249.
Weblinks
- Partitur von Sosarme (Händel-Werkausgabe, hrsg. v. Friedrich Chrysander, Leipzig 1880)
- Sosarme: Noten und Audiodateien im International Music Score Library Project
- Libretto (italienisch) (PDF; 707 kB) von Sosarme
- Libretto (dreisprachig) (PDF; 312 kB) – italienisch, deutsche Übersetzung von Philipp Harnoncourt, englisches „Wordbook“ von 1732
- Burney über Sosarme
- Weitere Angaben zu Sosarme
- detaillierte Angaben zu Sosarme (französisch)
- Handlung und Hintergrund von Sosarme (englisch)
