Sovereign Tech Agency

Tochtergesellschaft der Bundesagentur für Sprunginnovationen From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Sovereign Tech Agency ist eine Tochtergesellschaft der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND). Sie wird im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) betrieben und unterstützt die Entwicklung und den Erhalt von Open-Source-Software. Er ging hervor aus dem Souvereign Tech Fund mit gleicher Aufgabenstellung, der im November 2024 in die neugegründete Agency eingegliedert wurde.[1][2] Die ersten Mittel wurden im Mai 2022 durch den Bundestag bewilligt.[3][4] Seit 2025 wird die Souvereign Tech Agency als ein Modellprojekt für die Institutionalisierung der Förderung von Open Source-Infrastruktur auf EU-Ebene betrachtet.[5]

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Zweck der Förderung

Gemäß dem Bundeshaushaltsplan zielt das Programm darauf ab, offene Basistechnologien zu fördern und abzusichern.[6] Es soll das Open-Source-Ökosystem widerstandsfähiger gegen externe Angriffe machen und so die Cybersicherheit sowie die Resilienz der deutschen Wirtschaft stärken. Die Initiative setzt eine Forderung der Bundesregierung um.[7] Zudem adressiert sie das klassische Trittbrettfahrerproblem, mit dem viele Open-Source-Projekte konfrontiert sind.[8]

Die Förderung ist zeitlich befristet und auf spezifische Herausforderungen oder Sicherheitsvulnerabilitäten ausgerichtet.[9][10]

Finanzierung und Organisation

Im Jahr 2022 verfügte das Programm über ein Budget von 13 Millionen Euro,[11] das 2023 auf rund 22 Millionen Euro anstieg. 2024 standen 17 Millionen Euro zur Verfügung,[12] für 2025 waren 29 Millionen Euro vorgesehen.[13]

Die Geschäftsführung besteht aus:

  • Adriana Groh, ehemals beim Prototype Fund der Open Knowledge Foundation[14]
  • Luisa von Beust (Co-Geschäftsführerin), zuvor für verschiedene Wirtschaftsunternehmen tätig.
  • Fiona Krakenbürger, zuvor beim Open Technology Fund tätig [15][16]

2025 wurde die Souvereign Tech Agency GmbH gegründet, welche mit dem Ziel der Entwicklung, Verbesserung und Pflege offener digitaler Technologien und der Stärkung des Open-Source-Ökosystems ins Lobbyregister des deutschen Bundestags eingetragen wurde.[17]

Aktuelle Programme

Die Sovereign Tech Agency operiert über verschiedene spezialisierte Programmsäulen, um die Sicherheit und Stabilität digitaler Infrastrukturen zu fördern:

  • Sovereign Tech Fund: Das Kernprogramm tätigt gezielte Investitionen in offene Softwarekomponenten, die für die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft in Deutschland und Europa als grundlegend eingestuft werden. Der Fokus liegt dabei auf tief liegender Basis-Infrastruktur, um sektorübergreifende Skaleneffekte für Nachnutzer, insbesondere Start-ups und KMU, zu erzielen.
  • Sovereign Tech Resilience: Dieses Programm verfolgt einen präventiven Ansatz zum Schutz kritischer digitaler Infrastruktur. Neben der Identifizierung und Behebung von Sicherheitslücken (z. B. durch Bug-Bounty-Programme) soll die proaktive Widerstandsfähigkeit von Open-Source-Projekten gegen unentdeckte Schwachstellen erhöht werden.
  • Sovereign Tech Fellowship: Mit dem „Maintainer-in-Residence“-Modell unterstützt die Agentur ausgewählte Experten des Open-Source-Ökosystems. Ziel ist es, die oft unbezahlte Arbeit an kritischem Code finanziell abzusichern und die personelle Nachhaltigkeit hinter wichtigen Technologien zu stärken.
  • Sovereign Tech Challenge: Dieses Modell nutzt Wettbewerbe, um innovative Lösungen für strukturelle Herausforderungen im Open-Source-Bereich zu finden. Dies umfasst die Weiterentwicklung von Komponenten für Zukunftstechnologien sowie die Absicherung bestehender technologischer Abhängigkeiten.

Unterstützte Open-Source-Projekte

Bis April 2025 erhielten unter anderem folgende Projekte eine Förderung:[18][19]

Rezeption

Bereits der Souvereign Tech Fund wurde in seiner Form als weltweit einmaliges System betrachtet, mit dem die Wartung kritischer Open Source-Programme verbessert werde.[41] In Österreich wurde er als Vorbild für staatliche Maßnahmen zur Stärkung digitaler Souveränität angeführt.[42] In der spanischen El Pais wurde die Verbreitung von Open Source in 70-90% aller Programme als Begründung für die Bedeutung einer Institution wie dem STA für die Computersicherheit angeführt.[43]

Die Hans Böckler-Stiftung beschrieb 2025 die STA in einer Studie als beispielhafte Initiative zur Sicherstellung einer souveränen digitalen Infrastruktur und attestierte ihr Wirksamkeit auf Ebenen von der konkreten Softwareentwicklung bis hinauf zur europäischen digitalen Infrastruktur.[44]

Mit der Gründung des europäischen Konsortiums Digital Commons EDIC (European Digital Infrastructure Consortium) wurde auf europäischer Ebene eine Organisation zur Förderung von offenen Technologien und souveränen digitalen Infrastrukturen geschaffen, die von deutscher Seite aus durch die Souvereign Tech Agency mit ihrer Expertise unterstützt wird. Teilnehmende Länder sind bislang Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande.[45]

Die europäische Kommission betrachtet die Organisation als Referenzmodell für die Förderung von Open Source-Infrastruktur. Die erfolgreiche Etablierung und die darauffolgende Arbeit werde durch eine Sammlung klar festgelegter, guter Vorgehensweisen unterstützt und stoße auf Interesse sowohl bei EU-Mitgliedsstaaten wie auch auf EU-Ebene selbst.[5]

Eine vom OpenForum Europe, Fraunhofer ISI und dem European University Institute beauftragte Studie[46] betrachtet den deutschen Souvereign Tech Fund und seine Entwicklung zur Souvereign Tech Agency als Vorbild für eine finanziell deutlich besser ausgestattete Institution auf EU-Ebene und schlägt vor, dass „...die Einführung eines Souvereign Tech Fund auf EU-Ebene eng dem Vorbild des deutschen STF folgen sollte, mit nur kleinen Unterschieden in Bezug auf Betonungen und strategischer Positionierung.“[47]

Das Bündnis F5, bestehend aus AlgorithmWatch, Gesellschaft für Freiheitsrechte, Open Knowledge Foundation Deutschland, Reporter ohne Grenzen und Wikimedia Deutschland nennt die Souvereign Tech Agency unter den „guten Ansätzen“, die es in der EU zur Reduktion der Abhängigkeit von insbesondere US-amerikanischen Techkonzernen gebe, kritisiert aber ebenfalls die zu niedrige finanzielle Ausstattung.[48]

Siehe auch

Einzelnachweise und Anmerkungen

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