Spätmoderne
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Spätmoderne ist ein Epochenbegriff zur Charakterisierung der aktuellen gesellschaftlichen Lebensbedingungen und -verhältnisse. Im Gegensatz zum Begriff Postmoderne wird davon ausgegangen, dass die Gegenwart als eine Konsequenz der Moderne zu verstehen ist. Bekanntester soziologischer Vertreter dieser Auffassung ist Anthony Giddens.[1] Spätmoderne Gesellschaften, so Giddens, sind geprägt von der Erweiterung und Entwicklung der gleichen sozialen Kräfte, die frühere Formen des modernen gesellschaftlichen Lebens strukturiert haben. Es sei aber ein Verlust von traditionellen Bindungen festzustellen, wodurch der Einzelne (und nicht mehr die Allgemeinheit) zum neuen Zentrum von Handlungsfähigkeit und Verantwortung werde.[2] Diese Entwicklung führt laut Andreas Reckwitz zu einer „singularisierten Lebensführung“, die ein Streben nach Einzigartigkeit, nach außerordentlichen Leistungen beinhalte. Doch nicht nur Individuen, sondern ganze soziale Klassen und Milieus, Communitys und Städte, Kollektive und Nationen stünden unter dem Zwang, sich in der Spätmoderne als etwas „Besonderes“ zu präsentieren.[3]
Literatur
- Anthony Giddens: Kritische Theorie der Spätmoderne. Passagen-Verlag. Wien 1992, ISBN 978-3-900767-78-5.
- Thomas Assheuer: Die Moderne ist vorbei. Aber was kommt danach? Warum Wissenschaftler wieder von Postdemokratie und Spätkapitalismus reden. Eine Handreichung. In: Die Zeit, 31/2012, 26. Juli 2012.
- Andreas Reckwitz: Die Gesellschaft der Singularitäten. Zum Strukturwandel der Moderne. Suhrkamp Verlag, Berlin 2017. ISBN 978-3-518-58706-5.