Erinnerung an den Zimmermann Johann Gebhard, der die Kirche wesentlich mitgestaltet hat. Foto September 2025..
Der Kirchturm entstand 1552 an der Westseite der Kirche und brannte 1729 ab, wobei auch das Pfarrhaus Feuerbeschädigungen erlitt. Er bekam 1731 die vom Zimmermeister Johann Gebhard aus Trebsen erbaute Zwiebelhaube. An Johann Gebhard erinnert eine kleine Tafel in der Kirche.
Der Innenraum des Gotteshauses wurde nach 1700 barock ausgestattet. Eine Besonderheit ist das großformatige ovale Deckengemälde von 1701 mit der Himmelfahrt des Elia; Schöpfer dieses Kunstwerks war Johann Nikolaus Wilke.
Zu sehen sind zahlreiche Epitaphe, so etwa die aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts stammende Reliefgrabplatte der Judita von Trebissen, figürliche Grabmäler von Patronsherren und Pfarrfamilien und ein lebensgroßes Kruzifix (um 1500).
Die Glasmalereien im Altarraum von 1912 zeigen den Auferstandenen sowie die Stifter-Fabrikantenfamilie Wiede. Die einstige Sakristei beherbergt ein Kriegergedächtnis mit einer Pieta von 1923 und mit einem Glasmalereifenster von 1953.
Die Platte (Mensa) des Altars gehörte seit 1686 zur Klosterkirche Grimma und ist seit den 1990er Jahren in der Evangelisch-lutherischen Stadtkirche zu Trebsen zuhause.[1]
Blick zu Altar und Kanzel
Blick vom Altar zu Kanzel und Empore mit Orgel
Deckengemälde „Himmelfahrt des Elia“ von 1701
Orgel
Orgel von Hermann Eule
Die erste Orgel gab es in der Zeit um 1600, im Jahr 1833 baute Beyer aus Großzschocher ein neues Instrument ein.[2]
Das Geläut konnte erst 1950 mit zwei Bronzeglocken aus der Glockengießerei Schilling in Apolda wieder vervollständigt werden; sie haben die Schlagtöne es′ (unterer Durchmesser 1200 mm; ca. 975 kg) und g′ (unterer Durchmesser 1050 mm; ca. 490 kg).[5]
Außenbereich
Auf dem Pfarrhof sind das Diakonat aus dem 16. Jahrhundert mit Doppelportal aus Rochlitzer Porphyrtuff und das Pfarrhaus aus dem 16. und 18. Jahrhundert mit Sitznischenportal (um 1520) zu sehen.[6]
Verschiedenes
Sonnenuhr an der Stadtkirche Trebsen
Die einseitig gebaute zweite Empore hat die architektonische Besonderheit, dass sie an der Kirchendecke befestigt ist – und nicht wie sonst üblich auf Bodensäulen ruht. Auf dieser Empore stehen die ursprünglichen Männerbänke ohne Rückenlehnen von 1755: Die Männer saßen damals in Kirchen oben, die Frauen unten – mit Gerade-aus-Blick zu Kanzel und Altar sowie mit Rückenlehnen an den Bänken.
Eine Besonderheit ist die Sonnenuhr, deren Anschaffung in der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs belegt ist. Sie trägt – stark verwittert – die Aufschrift: „Meine Zeit steht in deinen Händen“ (Psalm 31,16).
Die ehemalige Sakristei, vom Altarraum links, wurde als Gedächtniskapelle eingerichtet. Unter dem kleinen Buntglasfenster wird an die Gefallenen des Krieges 1870–71 erinnert. Unter den Namen der Gefallenen des 2. Weltkrieges befindet sich eine Pieta[7] von 1923.
In der Kirche hat sich eine Piscina erhalten. Früher diente sie z.B. zum Ausschütten des Wassers der Taufe. Das ist ein Hinweis darauf, dass diese Kirche sehr alt ist. Piscinas sind im Laufe der Jahrhunderte selten erhalten geblieben.
Die Stadtkirche Trebsen ist eine Station des Lutherwegs.[8]Blick in die Gedächtniskapelle. Foto September 2025..Unter der Tafel mit den Namen der Soldaten, die Opfer des 2. Weltkrieges wurden, befindet sich eine Pieta. Foto September 2025..Piscina in der Kirche. Foto September 2025..Der Sakralbau ist unter der Nummer 08966137 auf der Liste der Kulturdenkmale in Trebsen/Mulde eingetragen.[9]
Lutz Heydieck: Der Landkreis Leipzig – Historischer Führer. Sax-Verlag Beucha Markkleeberg, 2014.
Stadtkirche Trebsen. Texte: Heiko Jadatz, Walter Schormann. Fotos: Frank Schmidt. Hrsg. im Auftrag der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Trebsen-Neichen. 32 Seiten, Format A5, mit Literaturverzeichnis. Sax-Verlag, Beucha 2005, ISBN 978-3-934544-80-2.
Walter Schormann: Die Stadtkirche Trebsen. S. 307–319 in: Zur Kirchen- und Siedlungsgeschichte des Leipziger Raumes. Hrsg. Lutz Heydick, Sax-Verlag, Beucha 2001, ISBN 978-3-934544-22-2.
Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen II, Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz. Deutscher Kunstverlag München Berlin, 1998.