Stadtkirche Walsrode

Kirchengebäude in Niedersachsen From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Stadtkirche Walsrode mit dem Patrozinium „St. Johannes der Täufer“ ist eine Evangelisch-lutherische Kirche in Walsrode. Die spätklassizistische Saalkirche von 1848–1850 bezieht einen Westturm von 1786 ein. Einige Stücke der Kirchenausstattung wurden aus den Vorgängerkirchen übernommen.

Stadtkirche in Walsrode und das Denkmal auf dem Vorplatz

Geschichte

Es gab mindestens drei Vorgängerkirchen. Im 10. Jahrhundert erfolgte die Klostergründung. Ein Kirche, die als Pfarr- und Klosterkirche diente, ist im 12. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Für das 13. Jahrhundert ist eine romanische Pfeilerbasilika archäologisch nachgewiesen. Aufgrund eines Brandes im Jahr 1482 wurde der Großteil des Kirchengebäudes neu erbaut, nur das südliche Querschiff blieb erhalten. 1496 wurde die gotische Hallenkirche geweiht, die 1842 einem Brand weitgehend zum Opfer fiel. Sie wurde 1846 wegen Baufälligkeit bis auf den Südchor abgerissen.

Die heutige St.-Johannis-der-Täufer-Kirche ist ein großes helles Kirchengebäude im klassizistischen Stil, das in den Jahren 1848–1850 durch den Konsistorialbaumeister Ludwig Hellner errichtet wurde und fast unverändert bis heute erhalten ist.[1] Einzelne Gebäudeteile und Kunstgegenstände sind aus den Vorgängerkirchen erhalten. Älter als das Kirchenschiff sind der Turm (1786) und die Marienglocke (1437).[2]

Unmittelbar an die gemeinsame Südwand des Nonnenchores grenzt die kleinere Klosterkirche an, die durch eine Tür und gemeinsame Fenster mit der Pfarrkirche verbunden ist.[1]

Ausstattung

Blick auf den Altar
Innenraum

Die dreiteiligen Ostfenster haben gotische Glasmalereien von 1483. Der Patron Johannes der Täufer und Benedikt von Nursia flankieren die Kreuzigungsszene.[2]

Im Altarraum finden sich das Walsroder Kruzifix, entstanden um 1500 aus der Schule des Holzschnitzers Hans Brüggemann, und Holzskulpturen der vier Evangelisten, die vermutlich von Cord Heinrich Bartels, Celle, um 1702 geschaffen wurden.[2] Im Altarraum wird auch die Kurfürstenbibel (von 1768) gezeigt. Sie stammt vom Buchbindermeister Georg Heinrich Wächter aus Hannover, der sie als sein Meisterstück neu einband und sie anlässlich seiner Hochzeit 1843 mit Johanna Marie Luise Meyer in Walsrode der Gemeinde schenkte.[3]

An der Wand zum Turm befinden sich die Epitaphe von Gabriel Meyer und Rudophus Lodemann. Gabriel Meyer wurde 1608 in Walsrode geboren.[3] Er übernahm 1640 das Pastorenamt in Walsrode und verstarb 1679. Er war der Nachfolger der drei Pastoren aus der Kelp-Familie. Superintendent Rudolphus Lodemann wurde 1639 in Celle geboren. Er kam 1680 als Nachfolger von Gabriel Meyer nach Walsrode und verstarb 1714. Durch seine Aufzeichnungen ist manches über die Walsroder Kirchengemeinde bekannt.[2]

Orgel

Denkmalorgel von Eduard Meyer

Eduard Meyer aus Hannover baute 1849 für die Stadtkirche eine Orgel, die über 26 Register auf zwei Manualen und Pedal verfügte. 1917 mussten die Prospektpfeifen zu Kriegszwecken abgeliefert werden. 1930 und 1954 erfolgten Dispositionsänderungen durch P. Furtwängler & Hammer. Martin Haspelmath restaurierte die größte erhaltene Meyer-Orgel 1972–1974 wieder auf ihren ursprünglichen Zustand.[4] Die Gebrüder Hillebrand führten 2004–2005 eine weitere Restaurierung durch, bauten ein Cornett ein und erneuerten die Pedalkoppel und den Tremulanten. Die Disposition ist konservativ konzipiert und lautet wie folgt:[3]

I Hauptwerk CD–f3
01.Principal (Prospekt) 008′ 0(n)
02.Principal (ab c0)16′
03.Bourdon[A 1]16′
04.Quintatön08′
05.Rohrflöte08′
06.Octave04′
07.Gemshorn04′
08.Quinte03′
09.Octave02′
10.Mixtur IV02′
11.Trompete08′(n)
II Unterwerk CD–f3
12.Principal (Prospekt)08′(n)
13.Hohlflöte[A 1]08′
14.Gambe[A 2]08′
15.Gedact[A 3]08′
16.Octave04′
17.Spitzflöte04′
18.Waldflöte02′
19.Cornett II–IV2230(n)
Pedal C–f1
20.Violon[A 1]16′
21.Subbass[A 1]16′
22.Octavbass[A 1] 008′
23.Bourdon[A 1]08′
24.Octavbass04′
25.Posaune[A 4]16′ 0(n)
26.Trompete08′(n)
  • Koppeln: II/I, I/P
  • Tremulant
  • Anmerkungen
(n) = nachträgliches Register
  1. Holz.
  2. trichterförmig.
  3. Holz/Metall.
  4. Holzbecher.

Glocken

Eisenglocke der Stadtkirche Walsrode von 1947–2012

Die älteste Glocke, die Maria, stammt von 1437. Die zweite Glocke wurde 1942 zu Kriegszwecken eingeschmolzen. Schon 1947 erhielt die Kirche eine neue Glocke, allerdings nicht aus Bronze, sondern aus Eisen. Diese Glocke war Ende des 20. Jahrhunderts abgängig und drohte herunterzufallen. Daraufhin wurde vom Kirchenvorstand mithilfe vieler Spender bei der Glockengießerei Bachert in Karlsruhe eine neue Glocke in Auftrag gegeben. Ihre Inschrift lautet:

„Gott, schenk uns Zeit aus deiner Ewigkeit – Zeit zum Glauben, Zeit zum Hoffen, Zeit zum Lieben.[2]

Vor dem 1. Advent 2012 wurde die rostige Eisenglocke abgenommen, sie steht nun hinter der Kirche. Auch die rostigen Turmschlagglocken aus der Laterne wurden abgenommen und durch eine neue Glocke ersetzt.[3]

Aufgrund von Spenden konnten 2013 auch zwei neue bronzene Turmschlagglocken gegossen und in die Laterne aufgezogen werden.[3]

Literatur

Einzelnachweise

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