Stammstrecke

in einem Verkehrssystem die Strecke, die typischerweise in der Anfangszeit des Verkehrssystems zuerst gebaut wurde und zum Kern seines Verkehrsnetzes wurde From Wikipedia, the free encyclopedia

Eine Stammstrecke ist in einem Verkehrssystem ein von mehreren oder allen Linien eines Netzes gemeinsam befahrener Abschnitt mit mindestens zwei Haltestellen. Meist befindet sich dieser Korridor in zentraler Lage, zum Beispiel in der Innenstadt einer Großstadt. An einem oder beiden Enden der Stammstrecke verzweigen sich die Linien in verschiedene Richtungen, meist in die Stadtteile und Vororte einer Agglomeration. Historisch beschreibt der Begriff Stammstrecke die erstgebaute Eisenbahnstrecke eines Eisenbahnunternehmens.

Skizze verdeutlicht beispielhaft die Lage einer Stammstrecke zwischen Station A und B in einem Verkehrsystem.

Bedeutung

Im öffentlichen Personennahverkehrs-System ist die Stammstrecke ein von mehreren oder allen Linien eines Netzes gemeinsam befahrener Abschnitt mit mindestens zwei Haltestellen.

Stammt der Begriff ursprünglich aus der Eisenbahn, so findet er teilweise – mindestens im Marketing – heute auch Anwendung bei reinen Busbetrieben. Insbesondere wenn die Stammstrecke tariflich (z. B. Kurzstreckentarif oder kostenlose Beförderung auf der Stammstrecke) oder infrastrukturell (Busspur bis Bus Rapid Transit) vom restlichen Netz unterscheidbar ist, setzt sich diese Begrifflichkeit teilweise auch in der lokalen Alltagssprache durch.

Historisch beschreibt der Begriff Stammstrecke die erstgebaute Eisenbahnstrecke eines Eisenbahnunternehmens. Alternativ spricht man hierbei auch von einer Ursprungsstrecke oder Kernstrecke. So ist beispielsweise die Albtalbahn die Keimzelle des heutigen Netzes der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft. Ein weiteres historisches Beispiel ist die Stammstrecke der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft.

Vorteile

Stammstrecken erscheinen aufgrund der dichten Taktüberlagerungen oftmals für Fahrgäste attraktiv. Zudem bieten Haltestellen auf dieser durch die Streckenäste meist Direktverbindungen in zahlreiche Richtungen. Netze mit Stammstrecken bieten meist eine flexible Liniengestaltung und bestehen oft aus Durchmesserlinien.

Nachteile

Einfädelungspunkte und eine hohe Streckenauslastung infolge der Linienbündelung können Herausforderungen für Stammstrecken darstellen. Netze mit Stammstrecken gelten als störungsanfällig, da Probleme auf dieser sich leicht auf das gesamte Netz auswirken können.[1]

S-Bahn-Netze

Deutschland

S-Bahn-Netze im deutschsprachigen Raum – insbesondere jene, welche seit den 1970er Jahren in Westdeutschland eröffnet wurden – haben oft eine Tunnelstrecke, welche einen historischen Kopfbahnhof um Durchgangsgleise erweitert. Diese Strecke nimmt daher oft alle oder die meisten Linien des S-Bahn-Verkehrs auf. Auch in anderen S-Bahn-Netzen findet sich teilweise eine Tendenz zu einer oder mehreren Stammstrecken, auch wenn diese teilweise Produkt längerer Entwicklung nach Einführung der S-Bahn und nicht deren historischer Startpunkt sind.

Liste
Weitere Informationen S-Bahn, Linien ...
S-Bahn Stammstrecke Linien Streckenführung Eröffnung Länge (km) Bahnhöfe Takt (in Min.)
(HVZ NVZ SVZ)
S-Bahn Berlin Nordsüd-S-Bahn S1 S2 NordbahnhofAnhalter Bahnhof: NordbahnhofOranienburger StraßeFriedrichstraßeBrandenburger TorPotsdamer PlatzAnhalter Bahnhof
1936–1939 5,9 6 050710 5
S-Bahn Berlin Stadtbahn S3 S5S7S9 OstbahnhofCharlottenburg: OstbahnhofJannowitzbrückeAlexanderplatzHackescher MarktFriedrichstraßeHauptbahnhofBellevueTiergartenZoologischer GartenSavignyplatzCharlottenburg
1882 11,2 11 050710 5
S-Bahn Hamburg Verbindungsbahn S2 S5S7 HolstenstraßeHauptbahnhof: HolstenstraßeSternschanzeDammtorHauptbahnhof
1893 4,4 4 050710
S-Bahn Hamburg City-S-Bahn S1 S3S7 AltonaHauptbahnhof: AltonaKönigsstraßeReeperbahnLandungsbrückenStadthausbrückeJungfernstiegHauptbahnhof
1979 6,2 7 050710
S-Bahn Köln Stammstrecke S 6 S 11 S 12 S 19 RB 25 HansaringMesse/Deutz: HansaringHauptbahnhofMesse/Deutz
1990 3 050710
S-Bahn Mitteldeutschland City-Tunnel Leipzig S 1 S 2 S 3 S 4 S 5 S 5X Leipzig HauptbahnhofLeipzig MDR: HauptbahnhofMarktWilhelm-Leuschner-PlatzBayerischer BahnhofMDR
2013 2,4 5 050710
S-Bahn München Erste Stammstrecke S1 S2 S3 S4 S5 S6 S8 München-PasingMünchen Ost: München-PasingLaimHirschgartenDonnersberger BrückeHackerbrückeHauptbahnhofKarlsplatzMarienplatzIsartorRosenheimer PlatzMünchen Ost
1972 11,4 11 0507102
S-Bahn München Zweite Stammstrecke S1 S6 S 18X S 21X S 23X S 24X München-LaimMünchen – Leuchtenbergring: LaimHauptbahnhofMarienhofMünchen OstMünchen Leuchtenbergring
In Bau 10,1 5 050710
S-Bahn Rhein-Main City-Tunnel Frankfurt S1 S2 S3 S4 S5 S6 S8 S9 HauptbahnhofOstendstraße: HauptbahnhofTaunusanlageHauptwacheKonstablerwacheOstendstraße
1978–1983 3,8 5 050710
S-Bahn Stuttgart Verbindungsbahn HauptbahnhofVaihingen: (Mittnachtstraße (In Bau)-) HauptbahnhofStadtmitteFeuerseeSchwabstraße (-UniversitätÖsterfeldVaihingen)
1978 (- 1985) 2,6 (8,1) 4 (5) 050710
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Österreich

S-Bahn Wien

Die S-Bahn Wien besitzt eine Stammstrecke zwischen Bahnhof Floridsdorf und Bahnhof Meidling. Seit 2017 hat sie analog zu U-Bahn-Linien eine Kennfarbe, nämlich altrosa.

Schweiz

S-Bahn Léman

Die neue Bahnstrecke Cornavin–Eaux-Vives–Annemasse (Eröffnung Dezember 2019) ist die Stammstrecke der neuen schweizerisch-französischen S-Bahn Léman entlang dem Genfersee zwischen LausanneGenfAnnemasseÉvian-les-BainsAnnecySaint-Gervais-les-Bains

S-Bahn Zürich

Auch wenn nicht so benannt, ist die 1990 eröffnete Strecke Bahnhof StadelhofenHirschengrabentunnelHauptbahnhof Zürich (Tiefbahnhof Museumsstrasse)Bahnhof Hardbrücke die Stammstrecke der S-Bahn Zürich.

Die Durchmesserlinie Altstetten–Zürich HB–Oerlikon ist die zweite Stammstrecke der S-Bahn Zürich.

U- und Stadtbahnen

Deutschland

In Deutschland haben alle Stadtbahnen außer der Stadtbahn Bochum, da diese nur eine Linie besitzt, Stammstrecken. Während die U-Bahn München drei Stammstrecken besitzt, bündeln sich auf je einer Strecke der U-Bahnen in Berlin, Hamburg und Nürnberg zwei Linien. Alle anderen Linien dieser haben ihre eigene Strecke und besitzen somit keine Stammstrecke.

Die Stadtbahnen in Bielefeld, Essen und Bonn besitzen eine Stammstrecke, Düsseldorf und Stuttgart zwei, Dortmund drei und Frankfurt, Hannover und Köln vier.

Weitere Informationen System, Linien ...
System Stammstrecke Linien Streckenführung Eröffnung Länge Bahnhöfe Takt (in Min.)
(HVZ NVZ SVZ)
Stadtbahn Bielefeld Stammstrecke 1234 HauptbahnhofRathaus: HauptbahnhofJahnplatz – Rathaus
1991[2][3] 3 050710 5
Stadtbahn Bonn Stammstrecke 16 63 66 67 68 Bonn HauptbahnhofOlof-Palme-Allee: Bonn HauptbahnhofUniversität/Markt – Juridicum – Bundesrechnungshof/Auswärtiges Amt – Museum Koenig – Heussallee/Museumsmeile – Ollenhauerstraße – Olof-Palme-Allee
1975[4] 8 0507103⅓ 3⅓ 5
Stadtbahn Dortmund Stammstrecke 1 U 41 U 45 U 47 U 49 LeopoldstraßeMärkische Straße / Westfalenpark: LeopoldstraßeHauptbahnhofKampstraßeStadtgartenDO StadthausMarkgrafenstraßeMärkische Straße / Westfalenpark
1984[5] 8 050710 5
Stadtbahn Dortmund Stammstrecke 2 U 42 U 46 BrunnenstraßeStadtgarten: BrunnenstraßeBrügmannplatzReinholdikirche -Stadtgarten
1992[5] 4 0507105 5 10
Stadtbahn Dortmund Stammstrecke 3 U 43 U 44 Dorstfeld BetriebshofReinholdikirche: Dorstfeld Betriebshof – Wittener Straße – Ottostraße – Ofenstraße – Heinrichstraße – UnionstraßeWestentorKampstraßeReinoldikirche
2008[5] 9 0507103⅓ 3⅓ 5
Stadtbahn Düsseldorf Innenstadttunnel U 70 U 75 U 76 U 77 U 78 U 79 Heinrich-Heine AlleeHauptbahnhof: Heinrich-Heine-AlleeSteinstraße/KönigsalleeOststraßeHauptbahnhof
1988[6] 4 0507101⅓/2 2
Stadtbahn Düsseldorf Wehrhahn-Linie U 71 U 72 U 73 U 83 WehrhahnDüsseldorf-Bilk: Wehrhahn – Pempelforter StraßeSchadowstraßeHeinrich-Heine-AlleeBenrather StraßeGraf-Adolf-PlatzKirchplatzDüsseldorf-Bilk
2016 8 0507103⅓ 3⅓ 5
Stadtbahn Essen Stammstrecke U11 U17 U18 Berliner PlatzHauptbahnhof: Berliner PlatzHirschlandplatzHauptbahnhof
1981 3 0507103⅓ 3⅓ 5
U-Bahn Frankfurt A
S1
S2
S3
S8
HeddernheimSüdbahnhof
Stadtbahn: HeddernheimEschersheimDornbuschTunnel: West-/NordendHauptwacheWilly-Brandt-Pl.Schweizer Pl.Südbahnhof
1968–1984 8,0 km 14 020405 3⅓ 5
U-Bahn Frankfurt B S4
S5
KonstablerwacheHauptbahnhof
Tunnel: Scheffelstraße
1974–1978 2,3 km 4 020305 5–10
U-Bahn Frankfurt C S6
S7
IndustriehofZoo
Tunnel: IndustriehofBockenh. WarteHauptwacheKonstablerwacheZoo
1986 5,4 km 9 030510 5 10
U-Bahn Frankfurt D IV (A1)
S9 GinnheimAbzweig Kalbach
Hochbahn: GinnheimRömerstadtTunnel: NordwestzentrumStadtbahn: Heddernh. Landstr.NiederurselRiedbergBonamesNieder-Eschbach
(1968–)2010 4 km 9 07101515 15 30
U-Bahn Frankfurt D I S4 HauptbahnhofBockenheimer Warte
Tunnel: HauptbahnhofFesthalle/MesseBockenheimer Warte
2001 1,7 km 3 0507105 10–20
Stadtbahn Hannover A-Strecke 3

7 9 13 12

(Noltemeyerbrücke-) HauptbahnhofWaterloo: (Noltemeyerbrücke – Klingerstraße – Spannhagengarten – Pelikanstraße – Vier Grenzen – Lorzingstraße – Lister Platz – Sedanstraße/Lister Meile -) HauptbahnhofKröpcke – Markthalle/Landtag – Waterloo
1976[7] 4 (12) 0507102 2 3
Stadtbahn Hannover B-Strecke 1 2 8 DragonerstraßeBothmerstraße: Dragonerstraße – Vahrenwalder Platz – Werderstraße – HauptbahnhofKröpckeAegidientorplatz – Schlägerstraße – Geibelstraße – Altenbeker Damm – Döhrener Turm – Fiedelerstraße – Peiner Straße – Bothmerstraße
1979–1982[8] 13 0507103⅓ 3⅓ 5
Stadtbahn Hannover C-Strecke 4 5 6 11 SteintorBraunschweiger Platz: SteintorKröpckeAegidientorplatzMarienstraßeBraunschweiger Platz
1989[9] 5 050710
Stadtbahn Hannover D-Strecke 10 17 GoetheplatzHauptbahnhof: Goetheplatz – Steintor – Hauptbahnhof/ZOB
2017[10] 3 050710 15
U-Bahn München Stammstrecke 1 U3 U6 Münchner FreiheitImplerstraße: Münchner FreiheitGiselastraßeUniversitätOdeonsplatzMarienplatzSendlinger TorGoetheplatzPoccistraßeImplerstraße
1971[11] 9 050710 5 10
U-Bahn München Stammstrecke 2 U1 U2 U7 U8 HauptbahnhofKolumbusplatz: HauptbahnhofSendlinger TorFraunhoferstraßeKolumbusplatz
1980[11] 4 0507102 5 10
U-Bahn München Stammstrecke 3 U4 U5 Max-Weber PlatzWestendstraße: Max-Weber-PlatzLehelOdeonsplatzKarlsplatzHauptbahnhofTheresienwieseSchwanthalerhöheHeimeranplatzWestendstraße
1984[11] 9 050710 5 10
Stadtbahn Stuttgart Tallängslinien U1 U2 U4 U9 U11 U14 StaatsgalerieStöckach: StaatsgalerieNeckartor – Stöckach
3 0507102 2
Stadtbahn Stuttgart Talquerlinien U5 U6 U7 U12 U15 HauptbahnhofOlgaeck: Hauptbahnhof – Schlossplatz – Charlottenplatz – Olgaeck
4 0507102/2½
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Straßenbahnen

Deutschland

Straßenbahn Braunschweig

Straßenbahn Kassel

  • In der Innenstadt verläuft die Stammstrecke der Straßenbahn Kassel zwischen der Haltestelle „Am Stern“ und dem Rathaus. Sie wird von zwei Regiotram-Linien und sechs Tramlinien bedient.

Straßenbahn Würzburg

  • Die Stammstrecke der Straßenbahn Würzburg verläuft vom Hauptbahnhof bis zum Sanderring und wird zumindest abschnittweise von allen Linien befahren.

Österreich

Straßenbahn Graz

  • Der Abschnitt zwischen den Haltestellen Jakominiplatz und Hauptplatz/Congress wird von allen regulären Tageslinien der Straßenbahn Graz befahren.

Straßenbahn Linz

Schnellfahrstrecke Hannover–Berlin

Auf der Schnellfahrstrecke Hannover–Berlin werden die nur teilweise elektrifizierten Gleise, welche vom Regional- und Güterverkehr parallel zu den beiden Hochgeschwindigkeitsgleisen genutzt werden, als Stammstrecke bezeichnet. Ihre Kilometrierung entspricht der Kilometrierung der Schnellfahrstrecke minus 100.

Einzelnachweise

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