Stanislav Barek

tschechischer Jazzmusiker (Gitarre) From Wikipedia, the free encyclopedia

Stanislav Barek (* 4. Juli 1955 in Rumburk; † 5. November 2025[1]) war ein tschechischer Musiker (Gitarre, Komposition, Arrangement).

Leben und Wirken

Stanislav Barek studierte Gitarre bei Jiří Jirmal und setzte seine Ausbildung an den Konservatorien in Prag und Teplice unter der Anleitung von Antonín Sádlík, Václav Vítek und Václav Kučera fort. Bereits während seines Studiums unterrichtete er an Volkshochschulen in Nordböhmen und später in Prag. Von 1987 bis 2008 leitete er zudem Gitarrenkurse und Workshops in Deutschland. In den 1980er-Jahren spielte er in Rockbands (Tvůj problém, Milé tváře), in denen er sang und seine eigenen Lieder spielte. Schon bald etablierte er sich jedoch vor allem als Konzertgitarrist. Ende der 1980er-Jahre gründete er mit Nikolaj Krestovský ein Duo für klassische Gitarre, das bald darauf durch eine langjährige Zusammenarbeit mit dem Akustikgitarristen Adib Ghali ersetzt wurde. Gemeinsam spielten sie mit Gitarristen wie Tommy Emmanuel, Peppino D’Agostino und Woody Mann auf der Bühne. Barek verband häufig verschiedene musikalische Welten; so gründete er 2003 mit dem Cellisten Jaroslav „Olin“ Nejezchleba und dem Zitherspieler Michal Müller das Trio Njorek, das sich zunächst mit mährischen und tschechischen Volksliedern beschäftigte.[1]

Ein Jahr später begann er sich mit Flamenco und persischer Musik zu beschäftigen und bildete mit dem iranischen Gitarristen Shahab Tolouie das „Duo Persepolis“. 2005 stieß die griechische Sängerin Martha Elefteriadu dazu, und gemeinsam gründeten sie die Gruppe Arionas, die persisches, griechisches und spanisches Repertoire miteinander verband. Eine andere Verbindung pflegte Barek mit dem Geiger Viktor Mazáček von der Tschechischen Philharmonie. Mit ihm interpretierte er klassische Kompositionen von Purcell, Carulli und Paganini in Arrangements für Gitarre und Violine. Seit der Jahrtausendwende trat Barek auch als Solokünstler auf und erlangte schnell internationale Bekanntheit. Er gab Konzerte in Mexiko, den USA, Japan und regelmäßig in Deutschland. Auch tschechische Volksmusik präsentierte er im Ausland – er nahm nationale Lieder in sein Repertoire auf, die er neben dem Gitarrenspiel auch sang. Bei einem Konzert in Weiden, Bayern 1996 führte er den Beatles-Song Eleanor Rigby in seinem eigenen Arrangement für Gitarre und Sinfonieorchester auf.

Als Gitarrist deckte Barek ein breites Spektrum an Stilen ab, von Ragtime und Blues über Klassik bis hin zu eigenen Kompositionen. Er wurde für seine virtuose Technik bekannt – er spielte ausschließlich mit der linken Hand, verwendete unkonventionelle Stimmungen und integrierte perkussive Elemente. Im Laufe seiner Karriere nahm er mehrere Alben auf oder produzierte sie. So war er etwa für die Entstehung des Albums „Romantic Guitar“ (Jirmals Profilalbum) verantwortlich und veröffentlichte Aufnahmen mit den Gruppen Persepolis und Njorek, für die er 2005 für den Anděl-Preis nominiert wurde. Später veröffentlichte er die Solo-CDs Minimální naděje (2012) und Nokturno (2013). Die beiden Instrumentalarrangements „Ragtime Guitar“ und „Beatlemaniarag“, die Barek mit Adib Ghali aufnahm, fanden im Ausland großen Anklang; das amerikanische Magazin Guitar Player lobte sie für ihre Originalität.[1]

Barek war weiterhin als Lehrer tätig und Autor zweier populärer Gitarrenbücher. Seine Gitarrenschule, „Guitar“ genannt, zählt zu den erfolgreichsten tschechischen Lehrbüchern und erreichte eine Auflage von mehreren zehntausend Exemplaren. Weiterhin verfasste er den Interviewband Journeys of the Czech Guitar und wirkte an der Sammlung „Ragtime Guitar“ (mit Arrangements von Ragtime-Stücken von Scott Joplin und Jaroslav Ježek) sowie an der Überarbeitung von Matteo Carcassis klassischen Etüden mit.[1] 1997 gründete er das genreübergreifende Festival Kytara napříč žánry, das sich nach und nach zu einem international renommierten Schaufenster für Gitarristen verschiedenster Stilrichtungen entwickelte.[2] Dank dieses Festivals wurden auch Stars wie Paco de Lucía, Tommy Emmanuel und John McLaughlin dem tschechischen und internationalen Publikum vorgestellt.[1]

Barek legte auch Wert auf die Förderung junger Talente – das Festival bot Musikstudenten Auftrittsmöglichkeiten, und 2013 war er Mitbegründer eines Wettbewerbs für Gitarristen anderer Genres als der Klassik beim Verband der Autoren und Interpreten. Er initiierte außerdem mehrere Konzertprojekte: So würdigte etwa „Legenden der tschechischen Gitarre“ (2005) die Gitarrenmeister Jiří Jirmal und Milan Zelenka. Von 2004 bis 2010 wirkte er an der Reihe „Rebellische Damen der tschechischen Musik“ mit, die Musikerinnen der tschechischen Szene vorstellte.[1]

Diskographische Hinweise

  • Stanislav Barek & Adib Ghali – Beatlemania Rag (1995)
  • Jiří Jirmal, Rudolf Dašek, Stanislav Barek, Petr Dvorský, Vladimír Žižka, Prague Guitar Quartet – Romantic Guitar (2000)
  • Stanislav Barek & Adib Ghali – Ragtime Guitar (2004)
  • Stanislav Barek – Stanislav Barek & Friends (2016)

Einzelnachweise

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