Stefan Luft
deutscher Politikwissenschaftler
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Stefan Luft (* 1961 in Hannover) ist ein deutscher Politikwissenschaftler und arbeitet als Privatdozent an der Universität Bremen.
Leben und Wirken
Luft lebt in Bremen. Er wurde in Hannover geboren[1] und wuchs in Coburg in Oberfranken auf. Er erhielt 1980 das Abitur am Gymnasium Ernestinum in Coburg[2] und studierte Geschichte und Politikwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er 1992 auch promoviert wurde. Im Anschluss war er für die Konrad-Adenauer-Stiftung in der Begabtenförderung tätig. Von 1995 bis 1999 war er Pressesprecher und persönlicher Referent des Innensenators Ralf Borttscheller (CDU) in der Freien Hansestadt Bremen, von 1999 bis 2004 stellvertretender Sprecher des Senats der Freien Hansestadt Bremen, dabei 1999 bis 2003 Sprecher für Finanzsenator Hartmut Perschau (CDU), 2003 bis 2004 Sprecher für Wirtschafts- und Häfensenator Perschau. Er war CSU-Mitglied, trat aber 2004 aus.[3] Im selben Jahr wechselte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Universität Bremen und habilitierte sich dort 2008 zum Thema "Staat und Migration. Zur Steuerbarkeit von Zuwanderung und Integration." 2009/2010 übte er einen Lehrauftrag an der Universität der Bundeswehr München aus.
Stefan Luft ist verheiratet und hat vier Töchter.
Forschungsschwerpunkt
Zu seinen Schwerpunkten in Forschung und Lehre zählt Regierungslehre und Politikfeldanalyse. Er publizierte in erster Linie zu den Themen Flucht und Migration und ist dabei neben wissenschaftlichen Veröffentlichungen auch durch Beiträge in Zeitungen und Beteiligungen im Rundfunk im öffentlichen Diskurs präsent. In neuerer Zeit veröffentlichte er verstärkt zur Sicherheits- und Entspannungspolitik. Auch zu Fragen der Entspannungspolitik war er Gast von Fernsehrunden. In der Phoenix Runde „Zwischen Rüstung und Diplomatie - Wie kann die NATO den Frieden sichern?“[4] am 10. Juli 2024 mit Anke Plättner war Stefan Luft beispielsweise neben Cathryn Clüver Ashbrook, dem Militärökonomen der ETH Zürich, Marcus Keupp und dem polnischen Journalisten Jan Opielka als Vertreter einer anderen Meinung geladen. Darüber hinaus zählen zu seinen Forschungsthemen auch Föderalismus, Kommunal-, Lobby- und Medienpolitik.
Rezeption
Den Veröffentlichungen von Stefan Luft wird in der Regel eine sachliche Herangehensweise an hoch emotionale Themen bescheinigt. Zu dem Buch "Die Flüchtlingskrise. Ursachen, Konflikte, Folgen." heißt es: "Durch den Umstand, dass Luft in der Rubrik Wissen im Verlag C. H. Beck publiziert, ergibt sich eine Herausforderung, die für diese Reihe unumgänglich ist: einen komplexen Sachverhalt so umfangreich darzustellen wie nötig, damit ein vertiefender Einstieg in die Thematik möglich wird, und diesen dabei zugleich so essenziell darzustellen wie möglich. Dabei arbeitet der Autor beruhigend sachlich und differenzierend..."[5] Zu der Veröffentlichung Mit Russland. Für einen Politikwechsel, die von Günter Verheugen eingeleitet wird, heißt es: "Die in kultivierter Sprache, wohltuend nüchtern formulierenden, kenntnisreich und durchaus nicht uniform argumentierenden Autoren haben hier ein Buch vorgelegt, dass dem interessierten Lese Publikum gut begründete Argumente an die Hand gibt und zur Weiterbeschäftigung animiert. "[6] Eine konstruktive Herangehensweise bescheinigt eine weitere Besprechung: "Das Buch "Mit Russland" bietet nicht nur eine Bestandsaufnahme, sondern auch Lösungsansätze. Der Titel ist fast wie ein Ratgeber: Europa ist krank, das Problem erkannt, hier ist das Rezept. Die Autoren plädieren für eine 180 Grad-Kehrtwende zur 'Zeitenwende': nicht Aufrüstung und Krieg, sondern Neubesinnung auf Werte und Friedenslösungen. "[7]
Umgekehrt wird das Buch in einem Gastkommentar der Direktorin der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, Susanne Schattenberg, anlässlich einer geplanten Lesung in Bremen in der taz kritisiert:
„[Es] geht darin überhaupt nicht um Russland, sondern um „den Westen“ und die angebliche Aggressivität der Nato, die angebliche Kriegsvorbereitung Deutschlands und um Ostmitteleuropa, das angeblich von seiner Gewaltgeschichte in die Irre, genauer gesagt in die Arme der USA getrieben worden wäre. Dabei habe es das „Östliche“ verloren, das es so dringend bräuchte, um heute als Friedensbrücke nach Russland zu dienen. Dass es überhaupt nicht um Russland geht und seinen Krieg und dass der Überfall auf die Ukraine, die Kriegsverbrechen, auch nicht die innenpolitische Lage, die systematische Ausschaltung aller kritischen Medien, das Verbot aller NGOs und der Repressionsapparat als solche kaum benannt werden, ist insofern logisch: Keiner der drei Autoren ist Russlandexperte oder hat sich mit russischer Geschichte oder Politik auseinandergesetzt – geschweige denn Putins 25-jährige Herrschaft analysiert. […] Im Kreml dürfte man über dieses Buch begeistert sein; in Deutschland ist es brandgefährlich, weil es Putins Lügen salonfähig macht.“[8]
In einem begleitenden Artikel wirft der Autor der taz, Benno Schirrmeister, den drei Autoren vor: „Der Rückgriff auf Daten, Fakten, Empirie oder oppositionelle Stimmen aus Russland, der Ukraine und Belarus wird geradezu ängstlich vermieden.“[9] Sowohl die taz als auch die BILD hatten zuvor den Bremer Innensenator angegriffen, weil er in der geplanten Lesung ein Grußwort sprechen wollte.[10]
Ehrenämter
Stefan Luft hat zahlreiche Ehrenämter übernommen. 2000–2012 war er Mitglied im Landesrundfunkausschuss der Freien Hansestadt Bremen in Radio Bremen, 2008–2011 gehörte er als Sachverständiger der Enquete – Kommission des Landtags Rheinland-Pfalz „Integration und Migration in Rheinland-Pfalz“ an; von 2010 bis 2013 war er als ständiger Sachverständiger der Enquete – Kommission des hessischen Landtags Hessischer Landtag „Migration und Integration“ tätig. In demselben Zeitraum war er auch ein Jury Mitglied der Kulturstiftung des Bundes im Bereich Allgemeine Projektförderung. Luft ist Gründungsmitglied des „Netzwerk Wissenschaftsfreiheit“, das seit 2021 besteht. Seit Oktober 2024 ist er der erste Vorsitzende des gemeinnützigen Bremer Vereins „Mauern öffnen“[11]. Er ist Vertrauensdozent für die Bischöfliche Studienförderung Cusanuswerk; am Institut für Politikwissenschaft der Universität Bremen nimmt er die Aufgabe des BAföG Beauftragten Bundesausbildungsförderungsgesetz wahr.
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Leben und Schreiben für den Pietismus. Der Kampf des pietistischen Ehepaares Johanna Eleonora und Johann Wilhelm Petersen gegen die lutherische Orthodoxie. Nordhausen: Traugott Bautz 1994.
- Die Dynamik der Desintegration. Zum Stand der Ausländerintegration in deutschen Großstädten. München: Akad. für Politik und Zeitgeschehen 2002, .
- Mechanismen, Manipulation, Mißbrauch. Ausländerpolitik und Ausländerintegration in Deutschland. Köln 2002.[12]
- Ausländerpolitik in Deutschland. Mechanismen, Manipulation, Missbrauch. Gräfelfing: Resch ²2003.[13]
- Abschied von Multikulti. Wege aus der Integrationskrise. Gräfelfing: Resch 2006, 2. Aufl. 2007[14].
- Internationale Migration. Zwischen „braindrain“, Entwicklungshilfe und Steuerungsversuchen. Hrsg. von der Hanns-Seidel-Stiftung und dem Institut für Internationale Begegnung und Zusammenarbeit. München 2008 (Argumente und Materialien der Entwicklungszusammenarbeit 3).
- Staat und Migration. Zur Steuerbarkeit von Zuwanderung und Integration. Frankfurt und New York: Campus 2009.[15]
- Wie funktioniert Integration? Mechanismen und Prozesse. München: Akad. für Politik und Zeitgeschehen 2009.[16]
- Die Flüchtlingskrise: Ursachen, Konflikte, Folgen. München: C.H. Beck 2016 (C.H. Beck Wissen 2857). ISBN 978-3-406-69072-3[17]
- Flucht nach Europa. Ursachen, Konflikte, Folgen. Bonn : Bundeszentrale für Politische Bildung 2016 (Bundeszentrale für Politische Bildung: Schriftenreihe Band 1721).[18]
- Ukrainekrieg. Warum Europa eine neue Entspannungspolitik braucht (Hrsg. zus. mit Sandra Kostner). Westend Verlag, Frankfurt am Main 2023. ISBN 978-3-949925115
- Mit Russland. Für einen Politikwechsel (Hrsg. zus. mit Jan Opielka und Jürgen Wendler). Westend Verlag, Neu-Isenburg 2025. ISBN 978-3-98791-125-5
Literatur
- Vita: Dr. phil. habil. Stefan Luft. In: Marcel Freihorst: Die Stimme von Stefan Luft. In: Junger Schlüssel. Das Magazin der JU Bremen & Bremerhaven. 1, 2013, S. 10.