Steinbrunn

Marktgemeinde im Bezirk Eisenstadt-Umgebung, Burgenland From Wikipedia, the free encyclopedia

Steinbrunn (kroatisch Štikapron, ungarisch Büdöskut)[1] ist eine Gemeinde mit 2996 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2025) im Burgenland im Bezirk Eisenstadt-Umgebung in Österreich. Im Ort gibt es zahlreiche Angehörige der burgenlandkroatischen Volksgruppe.

Schnelle Fakten Marktgemeinde, Wappen ...
Marktgemeinde
Steinbrunn
Štikapron
WappenÖsterreichkarte
Wappen von SteinbrunnŠtikapron
Steinbrunn (Österreich)
Steinbrunn (Österreich)
Basisdaten
Staat: Osterreich Österreich
Land: Burgenland Burgenland
Politischer Bezirk: Eisenstadt-Umgebung
Kfz-Kennzeichen: EU
Fläche: 15,36 km²
Koordinaten: 47° 50′ N, 16° 25′ O
Höhe: 241 m ü. A.
Einwohner: 2.996 (1. Jän. 2025)
Bevölkerungsdichte: 195 Einw. pro km²
Postleitzahlen: 2491, 7035
Gemeindekennziffer: 1 03 16
Adresse der Gemeinde-
verwaltung:
Obere Hauptstraße 1
7035 Steinbrunn
Website: www.steinbrunn.at
Politik
Bürgermeisterin: Isabella Radatz-Grauszer (SPÖ)
Gemeinderat: (Wahljahr: 2022)
(23 Mitglieder)
14
8
1
14 8 1 
Insgesamt 23 Sitze
Lage von Steinbrunn
Štikapron im Bezirk Eisenstadt-Umgebung
Lage der Gemeinde Steinbrunn im Bezirk Eisenstadt-Umgebung (anklickbare Karte)HornsteinLorettoRust
Lage der Gemeinde Steinbrunn im Bezirk Eisenstadt-Umgebung (anklickbare Karte)
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Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
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Geografie

Geografische Lage

Die Marktgemeinde liegt im nördlichen Burgenland nahe der Landeshauptstadt Eisenstadt und ist deckungsgleich mit der gleichnamigen Katastralgemeinde. Neben der Marktgemeinde bestehen an Ortschaften: Neue Siedlung (Dorf) sowie Wochenendsiedlung (Dorf).[2]

Nachbargemeinden

An Steinbrunn grenzen folgende Gemeinden:

Neufeld an der Leitha Hornstein
Zillingdorf Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Müllendorf
Zillingtal

Geschichte

Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg.

Später unter den Römern lag das heutige Steinbrunn dann in der Provinz Pannonia.

Der Ort wurde mehrmals durch Kriege zerstört, 1555 wurde er durch die ansiedelnden Kroaten wieder aufgebaut.

Steinbrunn noch als „Stinkenbrunn“ (Mitte links) um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)

Im Jahre 1810 begann man mit dem Braunkohleabbau im Tagebau. Für diesen Zweck entstand der Ortsteil Neue Siedlung. Jährlich betrug die Fördermenge 600 Tonnen. Zu dieser Zeit waren im Bergwerk 128 Frauen und Kinder beschäftigt. Genauere Angaben über die Arbeiterzahl gibt es aber nicht. Ende des 19. Jahrhunderts stieg die Bevölkerung auf über 2000 Personen. 1905 begann die Elektrifizierung des Bergwerkes. 20 Jahre später hatte man im ganzen Ort Strom.

Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Büdöskút verwendet werden. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes). Die Gemeinde war sehr durch die zwei Weltkriege, die Wirtschaftskrise, den Austrofaschismus und den Nationalismus gekennzeichnet (thematisiert im Roman Die Dämonen von Heimito von Doderer). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde mit dem Wiederaufbau des Ortes begonnen. Zu dieser Zeit war er sehr landwirtschaftlich geprägt.

Die große Umgestaltung wurde durch den Bürgermeister Friedrich Robak eingeleitet. Der vor dem Zweiten Weltkrieg eingestellte Braunkohleabbau wurde im Bereich der Neuen Siedlung wieder aufgenommen, doch nach einigen Jahren wieder aufgegeben. Es entstanden ein Sandwerk (1965),[3] eine Wäschefabrik, eine Kartonagenfabrik und ein Betonwerk. Ein Höhepunkt war die Errichtung eines für Österreich ersten Gemeinschaftshauses, in dem eine Wäscherei, Brausen und Warmbäder, Kühlanlagen, Fernsehraum, eine Bücherei sowie ein Saal mit Küche eingerichtet war.

Um 1960 wurde auch das seit der Zwischenkriegszeit nicht mehr betriebene und schon mit Grundwasser gefüllte Bergwerk Steinbrunn-Zillingdorf in ein Strandbad mit Erholungszentrum umgewandelt. Auf der Steinbrunner Seite des Sees, durch den die Landesgrenze zwischen Niederösterreich und dem Burgenland verläuft, entstand der neue Ortsteil „Steinbrunner See“.

1971 wurde Steinbrunn mit der Nachbargemeinde Zillingtal aufgrund des Gemeindestrukturverbesserungsgesetzes[4][5] zusammengeschlossen. 20 Jahre später wurde diese Zusammenlegung wieder aufgehoben.[6] 1976 wurde die Volksschule neu errichtet. 1977 erfolgte der Neubau des Rathauses.

Am 16. Juni 2006 erfolgte die Markterhebung.[7]

Geschichte des Ortsnamens

Der Ortsname ist zum ersten Mal 1271, und zwar in der ungarischen Form Byzuskut erwähnt, die sich in der Folge zum heutigen Büdöskút (wörtlich „stinkende Quelle“) entwickelte. 1344 ist erstmals die deutsche Form des Namens bezeugt, aus der das spätere Stinkenbrunn wurde (mit mhd. prunn, „Quelle“). Beide Namensformen rühren von einer auf Gemeindegebiet befindlichen, übel riechenden Mineralquelle her. Der Volksmund, der die Umstände der merkwürdigen Namensgebung nicht mehr kannte, deutete den Ortsnamen später so, dass einst bei einem Gewitter ein Feuerdrache in den Ortsbrunnen gefallen und das Wasser verdorben habe.

Der deutsche Name wurde von den im 16. Jahrhundert zugewanderten Kroaten als Štikapron übernommen.

Auf Wunsch der Bevölkerung wurde der amtliche Ortsname per 1. Jänner 1959 in die unverfänglichere Form Steinbrunn geändert.[8][9]

Bevölkerungsentwicklung

Steinbrunn: Einwohnerzahlen von 1869 bis 2025
Jahr  Einwohner
1869
 
1.502
1880
 
1.566
1890
 
1.782
1900
 
1.762
1910
 
1.386
1923
 
1.593
1934
 
1.494
1939
 
1.334
1951
 
1.294
1961
 
1.260
1971
 
1.286
1981
 
1.375
1991
 
1.566
2001
 
1.884
2011
 
2.370
2021
 
2.990
2025
 
2.996
Quelle(n): Statistik Austria, Gebietsstand 1.1.2021

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Pfarrkirche Steinbrunn
Ehemaliges Jagdschloss Stinkenbrunn

Wirtschaft und Infrastruktur

Im Ortsteil Neue Siedlung befindet sich das burgenländische Landessportzentrum VIVA.

Seit August 2018 ist der Steinbrunner See Austragungsort eines Triathlons und Aquathlons, welcher von den Vereinen Trim Team Austria (Steinbrunn) und Top Team Tri Niederösterreich (Biedermannsdorf) in Kooperation organisiert wird.[11] Der Bewerb erfreut sich, mit seinem Highlight „der Mauer von Steinbrunn“, über tolle Beliebtheitswerte in der Sportszene.

Politik

Gemeinderat

Gemeinderatswahl 2022
 %
60
50
40
30
20
10
0
58,74
(+11,59)
33,62
(n. k.)
3,95
(−1,36)
3,68
(n. k.)
n. k.
(−39,61)
20172022
Gemeindeamt Steinbrunn

Der Gemeinderat umfasst aufgrund der Einwohnerzahl insgesamt 23 Mitglieder.

Weitere Informationen Partei, Sti. ...
Ergebnisse der Gemeinderatswahlen seit 1997
Partei 2022[12] 2017[13] 2012[14] 2007[15] 2002[16] 1997[16]
Sti. % M. Sti.%M. Sti.%M. Sti.%M. Sti.%M. Sti.%M.
SPÖ 1085 58,74 14 82647,1511 83354,5913 90060,9315 92469,7415 72962,1513
Team 621 33,62 8 nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert
FPÖ 73 3,95 1 935,311 1227,991 704,741 463,470 21318,164
LSB 68 3,68 0 nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert
ÖVP nicht kandidiert 69439,619 57137,429 41628,176 35526,796 23119,694
LSP nicht kandidiert 1397,932 nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert
Grüne nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert 654,401 nicht kandidiert nicht kandidiert
LBL nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert 261,761 nicht kandidiert nicht kandidiert
Wahlberechtigte 2962 2522 2319 2049 1818 1520
Wahlbeteiligung 68,06 % 75,10 % 72,57 % 75,99 % 78,11 % 82,76 %
Schließen

Bürgermeister

  • 1946–1980: Friedrich Robak (SPÖ)
  • 1980–1985: Herwald Bauer (SPÖ)
  • 1985–1997: Franz Laszakovits (SPÖ)
  • 1997–2017: Klaus Mezgolits (SPÖ)
  • 2017–2022: Thomas Kittelmann (ÖVP)
  • seit 2022: Isabella Radatz-Grauszer (SPÖ)

Wappen

Das Wappen von Steinbrunn ist diagonal zweigeteilt. Die linke obere Hälfte zeigt weiße Wellen und die gelbe Sonne auf rotem Grund. Die Wellen stehen für den Steinbrunner See, die Sonne soll das warme Klima der Gemeinde andeuten. Die rechte untere Hälfte zeigt eine rote Weintraube auf gelbem Grund und erinnert daran, dass früher zahlreiche Einwohner einen Weingarten hatten.[17]

Persönlichkeiten

  • Bernhard Raimann (* 1997), American-Football-Spieler
  • Astrid Eisenkopf (1984) Landeshauptmannstellvertreterin
  • Andreas Wirth (1983) Landes- und Bundesinnungsmeister, Präsident der Wirtschaftskammer Burgenland
  • Gerhard Frasz (1938–2004) Bundesratspräsident, II Landtagspräsident
  • Friedrich Robak (1913–1994), Bürgermeister und Nationalratsabgeordneter
  • Klaus Mezgolits (1962) Bürgermeister, Landtagsabgeordneter, Bezirkshauptmann

Literatur

  • Franz Probst, Fred Sinowatz: Dorfgemeinschaftshaus Stinkenbrunn. Gemeinde Stinkenbrunn, Stinkenbrunn 1958, OBV.
  • Festschrift 700 Jahre Steinbrunn-Zillingtal. Gemeinde Steinbrunn-Zillingtal (Hrsg.), Steinbrunn-Zillingtal 1971, OBV.
  • Angelika Kern: 2.2 Steinbrunn, 2.2.1 Geschichte. In: Langobardenzeitliche Siedlungsstrukturen im Burgenland anhand zweier Fallbeispiele. Diplomarbeit. Universität Wien, Wien 2013. – Volltext online (PDF; 23 MB).

Einzelnachweise

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