Stemme S10

Motorsegelflugzeug From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Stemme S10 ist ein eigenstartfähiges Segelflugzeug mit Hilfsmotor des deutschen Herstellers Stemme.

Schnelle Fakten
Stemme S10
Stemme S10-VT
TypMotorsegler
Entwurfsland

Deutschland Bundesrepublik BR Deutschland

Hersteller Stemme
Erstflug 7. Juli 1986
Produktionszeit

1986 –

Stückzahl 260 (Stand: 2019)
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Geschichte

Der Prototyp der Stemme S10 startete 1986 in Braunschweig zu seinem Erstflug und wurde 1987 auf der AERO in Friedrichshafen in seiner endgültigen Form zum ersten Mal präsentiert. Im Jahr 1990 wurde die Musterzulassung erteilt und die erste Serienversion ausgeliefert. 1994 erhielt die S10-V mit Verstellpropeller ihre Musterzulassung.[1] Im Jahr 1999 nutzte das Mountain Wave Project (MWP) eine Stemme S10-VT für ihre erste Forschungsexpedition in den Anden. Neben zahlreichen Messflügen gelang ein erster Rekordflug bis nach Feuerland (1546 km).[2][3] In den Folgejahren konnten mit der Maschine weitere Weltrekorde im Streckensegelflug erzielt werden. Höhepunkt war ein Flug am 26. November 2000, als Klaus Ohlmann in 14 Stunden eine freie Strecke über drei Wendepunkte von 2463 Kilometern zurücklegte.[4] Im Rahmen einer zweiten MWP-Messkampagne im Jahr 2006 gelangen mit einer zur Forschungsplattform ausgerüsteten S10-VT (BATprobe) über der Tupungato-Aconcagua-Region erste wissenschaftliche Turbulenzmessungen über den Anden bis 12.500 m Höhe.[5] Im Oktober 2013 startete die MWP Expedition NEPAL 2013/2014 mit dem Forschungsflugzeug Stemme S-10 VTX der FH Aachen, die über zwei Wingpods verfügte, um Instrumente bzw. Messtechnik sowie eine DLR Spezialkamera (MACS) aufnehmen zu können.[6]. Anfang 2014 gelang beim MWP-Teilprojekt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) erstmals eine genaue 3D-Kartierung von Gletscher-Gebieten am Mount Everest, um Rettungseinsätze zu erleichtern und die Entwicklung der Gletscher im Zuge des Klimawandels besser verfolgen zu können. Weiterhin erfolgten Teilprojekte mit Aerosol-Messungen in Nepal, höhenphysiologische Messungen bei den Piloten[7] und Datenerhebungen zu Windströmungen im Kali Gandaki Tal.[8] Dazu wurden zwei Stemme mit zwölf Zwischenstopps in 45 Flugstunden über 10.000 Kilometer ohne Zwischenfälle von Berlin nach Kathmandu geflogen. Bei den Flügen in Nepal wurden Höhen bis über 9.200 Meter erreicht.[9]

In der zweiteiligen Filmreportage des RBB " Von Strausberg zum Mount Everest - Forschungsabenteuer im Hightech-Segler " wurden die Einsatzmöglichkeiten der Stemme S10 in extremen Umwelten anschaulich demonstriert.[10]

Bis Ende 2019 wurden etwa 260 dieser Maschinen in den verschiedenen Varianten hergestellt.[11] Die Stemme S10 gehört als Segelflugzeug in die offene Wettbewerbsklasse und hat einen Index von 110 auf der Segelflug-Indexliste.

Konstruktion

Bei dem Flugzeug handelt es sich um einen einmotorigen zweisitzigen Schulterdecker in FVK-Bauweise mit konventionellem T-Leitwerk, dessen Tragflächen mit Wölbklappen und Schempp-Hirth-Bremsklappen an der Oberseite und Winglets ausgerüstet und von einer Person faltbar ausgeführt sind. Die Piloten sitzen nebeneinander. Das Hauptfahrwerk ist elektrisch einziehbar, das Spornrad gesteuert. Die Propeller der V und VT Versionen ist elektrisch verstellbar, der Motor der VT-Version hat einen Turbolader.

Der Propeller faltet sich bei Nichtbenutzung unter der auch Propellerdom genannten Bugverkleidung zusammen, die in Längsrichtung verschiebbar gestaltet ist und so einen umlaufenden Spalt für den Propeller freigibt bzw. schließt. Der Propeller wird über eine Fernwelle und ein Untersetzungsgetriebe von einem hinter dem Cockpit eingebauten Verbrennungsmotor angetrieben. Viele Exemplare haben ein Solarzellenfeld zum Nachladen der Avionikbatterie während des Fluges.

Versionen

Stemme S10-VT des Mountain Wave Project vor dem Vulkan Lanín
  • S10: Basismodell, Limbach L 2400, einfahrbarer Festpropeller, 23 m Spannweite (Produktion eingestellt)
  • S10-V: Limbach L 2400, einfahrbarer Verstellpropeller, 23 m Spannweite (Produktion eingestellt)
  • S10-VT (ab 1998): Rotax 914F2/S1, einfahrbarer Verstellpropeller, 23 m Spannweite (Produktion eingestellt)
  • S10-VTX: Luftarbeitsflugzeug auf Basis der S10-VT, für Forschungs- und Testflüge mit Außenlastbehältern (max. 60 kg je Seite) an der Tragflügelunterseite ausgerüstet. Sind diese montiert verringert sich die Höchstgeschwindigkeit auf 180 km/h.
  • S12: überarbeitete Version der S10-VT mit erhöhter Spannweite und Abflugmasse. Die Musterzulassung wurde 2016 erteilt.[12]

In den USA wurde die S10 auch mit dem Beinamen „Chrysalis“ bezeichnet. Zwei als TG-11A bezeichnete Stemme S10V wurden von 1995 bis 2002 von der U.S. Air Force Academy als Streckenflugtrainer und bei Flugschauen eingesetzt.[13] Der ICAO Aircraft Type Designator für alle S10-Versionen ist S10S.[14]

Technische Daten

Weitere Informationen Kenngröße, S10 / S10-V ...
Kenngröße S10 / S10-V[15] S10-VT (Herstellerangabe) S12 (Herstellerangabe)
Besatzung1 + 1 (nebeneinander)
Streckung28,231,5
Länge8,42 m
Höhe1,80 m1,75 m
Spannweite23,00 m25 m / 21,7 m
Spannweite (gefaltet)11,20 m11,40 m
Flügelfläche18,74 m²19,95 m² / 18,6 m²
Spurweite1,15 m
Radstand5,40 m
max. Startmasse850 kg900 kg
Leermasse645 kg690 kg
Gleitzahl50 bei 107 km/h53 / 50
Geringstes Sinken0,56 m/s
max. Steiggeschwindigkeit4,14 m/s4,21 m/s
Reisegeschwindigkeit228 km/h auf Meereshöhe
ökonomische Reisegeschwindigkeit180 km/h
Höchstgeschwindigkeit270 km/h
Dienstgipfelhöhe9100 m
max. Reichweite1720 km1759 km
Triebwerk 1 × Limbach L 2400 EB1.AD 1 × Rotax 914 F2/S1 Turbo
Tankvolumen2 × 45 l (optional 2 × 60 l)2 × 60 l
Startleistung85,8 kW bei 5800/min (5 min)
Dauerleistung82 kW bei 5500/min
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Siehe auch

Commons: Stemme S10 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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