Stephan Jaeggi
Schweizer Komponist und Dirigent
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Leben
Jaeggi wuchs in einer Grossfamilie (10 Geschwister) auf. Mit 13 Jahren spielte er Klarinette in der Harmoniemusikgesellschaft, einem 1820 gegründeten Blasorchester, in Fulenbach. Zunächst machte er auf Wunsch seiner Eltern eine Mechanikerlehre im Betrieb seines Onkels. Danach folgte von 1922 bis 1926 sein Musikstudium am Konservatorium Basel. Seine Lehrer dort waren Georg Haeser (1865–1945), Gustav Güldenstein (1888–1972) und Felix Weingartner (1863–1942). Im Jahr 1923 absolvierte er auch seine Rekrutenschule in der Militärmusik und im folgenden Jahr die Unteroffiziersschule.
Nach dem Abschluss des Musikstudiums wurde er von diversen Blasorchestern als Dirigent verpflichtet. Von 1924 bis 1926 war er Dirigent beim Blasorchester Musikverein «Konkordia» in Wolfwil. Ebenfalls ab 1924 wirkte er bis 1942 als Dirigent der Musikgesellschaft in Hägendorf-Rickenbach. 1924 wurde er Dirigent des Regimentspiels 50. Anschliessend war er Dirigent der Blasorchester Konkordia der Uhrenfabrik Langendorf (1925–1926), Kadettenmusik Olten (1926–1928), Stadtmusik Solothurn (1929–1946), Musikgesellschaft Kappel, Kanton Solothurn (1932 ca. für ein halbes Jahr), bei Helvetia in Grenchen (1932–)1933, Stadtmusik Burgdorf (1947–1957) und der Kadettenmusik Burgdorf (1947–1957).
Im Jahr 1927 erreichte Jaeggi mit dem Blasorchester Musikgesellschaft Hägendorf-Rickenbach beim Eidgenössischen Musikfest in La Chaux-de-Fonds einen ersten Rang in der 3. Klasse. Das Orchester spielte beim folgenden Eidgenössischen Musikfest in Bern 1931 bereits in der 2. Klasse und erreichte einen 2. Platz. Mit der Stadtmusik Sion belegte er in Bern beim gleichen Musikfest den ersten Rang in der 1. Klasse. 1933 übernahm er im Alter von 30 Jahren als Nachfolger von Carl Friedemann die Stadtmusik in Bern, die damit erstmals in ihrer Geschichte von einem Schweizer Dirigenten geleitet wurde. Mit diesem Orchester erzielte er große Erfolge.
Stephan Jaeggi starb im Alter von 54 Jahren am 9. Juli 1957 in Bern an plötzlichem Herzversagen.
Kompositorisches Werk
Seine ersten Kompositionen schrieb Jaeggi noch während seiner Lehre im Betrieb seines Onkels, nämlich eine Liederkomposition Zum 1. August und den Festmarsch zum 100-jährigen Jubiläum des Blasorchesters Musikgesellschaft Fulenbach. 1922 folgte die programmatische Fantasie Titanic, die, wie kaum ein anderes Werk, an seinen Namen geknüpft ist und ihm den musikalischen Durchbruch ermöglichte. Die Uraufführung erfolgte am 26. November 1922 durch die Stadtmusik Olten.
Jaeggi entwickelt in seinen Kompositionen einen ausgesprochenen Sinn für Melodik und war harmonisch dem Stil der deutschen Romantik verbunden, wobei er nie die Tonalität verliess. Kennzeichnend waren die harmonischen Chromatismen, unaufgelöste Dissonanzen, überraschende Kadenzvarianten sowie die gleichzeitige Hoch- und Tiefalteration eines Akkordtones. Er bevorzugte die in Klassik und Romantik verwendeten Formen, verliess rhythmisch nie die konventionellen Metren, trotz vorhandener Kenntnis der zeitgenössischen Tendenzen.
Geprägt von der Perfektion der französischen Militär-Blasorchester und der Komposition Dyonisiaques von Florent Schmitt sowie der von Gustav Holst und Ralph Vaughan Williams und Percy Aldridge Grainger geschaffenen Originalkompositionen war er ein eifriger Verfechter der Schaffung von originaler Blasorchestermusik.
Ferner arbeitete er kontinuierlich daran, die Besetzung seiner Stadtmusik Bern zu vergrössern und in Richtung der französischen Militärorchester zu verändern. Zunächst hat er den Klarinettensatz erheblich erweitert (mehr B-Klarinetten und zusätzlich Alt- sowie Bass-Klarinette eingeführt) und die Spielweise infolge weicherer Tongebung zu verfeinern. Auch die Blechbläser mussten ihre Spielweise ändern, weniger martialisch und kraftvoll. Die Kontrabässe zur sonoren Untermalung wurden erweitert; bei Bedarf wurde eine Harfe eingesetzt. Wegen erheblicher Widerstände im Orchester wurde es ihm nicht möglich, ein volles Saxophon-Register zu implementieren.
Werke
Werke für Blasorchester
- 1920 Festmarsch zum 100-jährigen Jubiläum der Musikgesellschaft Fulenbach
- 1921: Treu Vaterland
- 1922: Titanic programmatische Fantasie
- 1923: Jubel Ouvertüre, opus 7
- 1923: Heimatzauber Konzertwalzer
- 1923: Rheinwellen Konzertwalzer
- 1924: Nidwaldens Schreckenstage dramatische Fantasie
- 1929: Karnevals Rückzug Ouvertüre
- 1930: Menschen von heute Ouvertüre
- 1930: Die geheimnisvolle Maske Ouvertüre
- 1935: Festliche Ouvertüre
- 1939: Serenade in As-Dur
- 1939: General-Guisan-Marsch
- 1947: Jugend voran! inoffizielle Hymne der Solennität Burgdorf
- 1947: Impromptu opus 39
- 1947: Konzertouvertüre
- 1948: Hymnus
- 1948: Im Frühjahr Sinfonische Skizze
- 1948: Romantische Ouvertüre in B
- 1948: Engiadina Sinfonische Dichtung
- 1953: Hie Bern – Hie Eidgenossenschaft Musik zum Festspiel
- 1953: Intrada festiva
- 1953: Ode an die Musik
- 1954: Ouvertüre in Es
- 1956: Ouvertüre in F
- 1956: Die Fahnenburg Präludium
- Bärgsunntig im Bärnerland
- Bergruf Vorspiel
- Canzonetta
- Carinthia Melodie für Solo-Trompete und Blasorchester
- Kleine Ouvertüre im klassischen Stil
- Konzert-Ouvertüre
- Preludio Ticino
- Söldnertanz
- Aargauer Feuerwehrmarsch
- Allewyl guet Schuss
- Berner Stadtschützen-Marsch
- Bundesrat Obrecht-Marsch
- Bundesrat Petitpierre
- Burgfanfaren Marsch
- Bärner Land, Grüss Gott
- Carinthia-Melodie
- Feierlicher Marsch
- Fronleichnamsfest
- Die Geheimnisvolle Maske
- Gemmi-Marsch
- Gruss an das Worblental
- Obwaldner Marsch
Chormusik
- 1949 Der Herdenreihen Melodie
Literatur
- Hermann Berger: Wie der General Guisan-Marsch entstand. In: Oltner Neujahrsblätter, Bd. 19, 1961, S. 80–83.
- Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945. CD-ROM-Lexikon, Kiel 2009, 2. Auflage, S. 3619f. online
Weblinks
- Gemeinde Fulenbach: Stephan Jaeggi, Komponist und Dirigent (1903–1957), Biografisches, u. a. zur Entstehung des General-Guisan-Marsches.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Jaeggi, Stephan |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Komponist und Dirigent |
| GEBURTSDATUM | 28. Mai 1903 |
| GEBURTSORT | Fulenbach |
| STERBEDATUM | 9. Juli 1957 |
| STERBEORT | Bern |