Stephan Opitz

deutscher Literaturwissenschaftler und Kulturmanager From Wikipedia, the free encyclopedia

Stephan Opitz (* 29. Juni 1951 in Soltau) ist ein deutscher Literaturwissenschaftler und Kulturmanager. Er ist Honorarprofessor für Angewandte Kulturwissenschaft an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.[1]

Leben

Stephan Opitz besuchte von 1962 bis 1966 das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium Stuttgart und ab 1966 das Schillergymnasium Münster, wo er 1970 das Abitur ablegte. Ab dem Wintersemester 1970 studierte er Germanistik, Skandinavistik, Geschichte, Philosophie und Musikwissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Seine akademischen Lehrer waren u. a. Gerhart Baumann, Walter Schmitthenner, Anastasios Giannaras, Hubertus Ohl, Hans Heinrich Eggebrecht und Heinz Klingenberg, der ihn als Doktorvater betreute. 1975 legte er das Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien ab und wurde 1976 im Fach Vergleichende Germanische Sprachwissenschaft und Skandinavistik zum Dr. phil. promoviert.[2] Er war Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes.[3]

Nach der Promotion arbeitete Opitz als freier Mitarbeiter am damaligen Landesmuseum Württemberg in Stuttgart (1976/77) und als wissenschaftlicher Assistent für Germanische Philologie an der Universität Paderborn.[4] In den Jahren 1978 bis 1980 war er Lektor für Deutsch an der Högskolan i Örebro (Universitetsfilialen) in Schweden, die seinerzeit noch Uppsala universitetsfilialen hieß.

1980 übernahm Opitz die Leitung des Fachbereichs Kulturelle Bildung an der Volkshochschule Schorndorf.[5] Im Jahr darauf wurde er als Chef der Volkshochschule im Prediger Kulturzentrum in Schwäbisch Gmünd berufen.[6] 1987 folgte der Wechsel als Direktor und Geschäftsführer der vormaligen Heimvolkshochschule Rendsburg. Mit und aus dieser Institution entwickelte Opitz das bis heute erfolgreiche Nordkolleg Rendsburg mit den Fachbereichen Musik, Literatur und Skandinavienstudien. Er leitete das Nordkolleg bis Ende 1999.[7]

Ende 1999 trat Opitz in den Dienst des Landes Schleswig-Holstein ein. Dort war er bis Juli 2014 Leiter des Referates für kulturelle Grundsatzangelegenheiten sowie stellvertretender Leiter der Kulturabteilung, welche zeitweise in der Staatskanzlei (April 2005 bis September 2009) und in verschiedenen Ministerien des Landes angesiedelt war (von September 2009 bis Juni 2011 im Ministerium für Bildung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein, von Juni 2011 bis Juni 2014 im Ministerium für Justiz, Kultur und Europa).[8] Im Dezember 2009 wurde Opitz zum Honorarprofessor an der Philosophischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel am dortigen Institut für Neuere deutsche Literatur und Medien, Fachgebiet Angewandte Kulturwissenschaft ernannt.[9]

Lehrtätigkeiten

Stephan Opitz war regelmäßig in der akademischen Lehre tätig. Nach einem Fellowship des Harvard German American Workshop for young german professionals, Harvard University, im Frühjahr 1988 führten ihn Lehraufträge und Lehrtätigkeiten an die Hochschule für Musik und Theater Hamburg (Diplomaufbaustudiengang Kulturmanagement), die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (Fachbereich Bibliothekswesen), die Handelshøyskolen BI in Oslo (Fach Interkulturelle Kommunikation) und die Pädagogische Hochschule Ludwigsburg (Institut für Kulturmanagement).

Forschung

Stephan Opitz forschte und publizierte umfangreich im Fach Kulturmanagement und schrieb darauf bezogen regelmäßig in der Süddeutschen Zeitung (bis 2017).[10] Großes Echo fand das kontrovers diskutierte Buch Der Kulturinfarkt (München 2012), das er mit Armin Klein, Dieter Haselbach und Pius Knüsel zusammen verfasste.[11] Gegenwärtig arbeitet Opitz vor allem mit dem von der Arno Schmidt Stiftung betreuten und im Deutschen Literaturarchiv Marbach befindlichen Nachlass Peter Rühmkorfs. Dazu ist an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel die Rühmkorf-Forschungsstelle eingerichtet worden, die Opitz zusammen mit Hans-Edwin Friedrich leitet. Hauptaufgaben der Rühmkorf-Forschungsstelle sind die Texterfassung und -edition des Gesamtwerks von Peter Rühmkorf und deren Veröffentlichung als Oevelgönner Ausgabe (Werkausgabe).[12] Opitz ist Testamentsvollstrecker von Peter Rühmkorf.[13] Er tritt außerdem vielfältig als Rezitator von Gedichten Peter Rühmkorfs auf.[14] Seit 2022 schreibt Opitz zudem regelmäßig über skandinavische Literatur in der FAZ.

Gremien und Mitgliedschaften

Stephan Opitz war und ist in zahlreichen Gremien und Kommissionen aktiv, darunter Mitgliedschaften und Funktionen bei den Landesverbänden der Volkshochschulen, der Literaturkommission des Landes Schleswig-Holstein sowie Mitarbeit in der Adolf-Grimme-Kommission und -Jury ("Serien und Mehrteiler"). Von 2008 bis 2014 war Opitz von der Kultusministerkonferenz für die Bundesländer entsandtes Mitglied des Kuratoriums und des geschäftsführenden Ausschusses der Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung. Er ist Mitglied der Deutschen Schillergesellschaft und der Carl Michael Bellman Sällskapet (Stockholm) sowie weiterer kulturpolitischer Vereinigungen.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Monographien:

  • Südgermanische Runeninschriften im älteren Futhark aus der Merowingerzeit. Freiburg 1977, 2te Auflage 1980, 3te Auflage 1990, ISBN 3-922123-01-5.

Als Herausgeber:

  • Peter Rühmkorf. Jazz&Lyrik. Aufnahmen 1976–2006. Eine Edition der Arno Schmidt Stiftung (Hrsg.) Hamburg 2009, ISBN 3-455-30686-1.
  • "Lass leuchten!" – Peter Rühmkorf zwischen Aufklärung, Romantik und Volksvermögen. Hrsg. zusammen mit J. Bürger, Marbacher Schriften. Neue Folge Bd. 7 Göttingen 2010, ISBN 3-8353-0791-6.
  • Der Kulturinfarkt. Von allem zuviel und überall das Gleiche. München 2012, ISBN 3-8135-0485-9.
  • Peter Rühmkorf. In meinen Kopf passen viele Widersprüche – Über Kollegen. Mit Dichterporträts von F.W. Bernstein (Hrsg. zusammen mit Susanne Fischer) Göttingen 2012, ISBN 3-8353-1171-9.
  • Marcel Reich-Ranicki. Peter Rühmkorf. Der Briefwechsel (Hrsg. zusammen mit Christoph Hilse) Göttingen 2015, ISBN 978-3-8353-1620-1.
  • Peter Rühmkorf. Des Reiches genialste Schandschnauze. Texte und Briefe zu Walther von der Vogelweide (Hrsg.) Göttingen 2017, ISBN 3-8353-3039-X.
  • Peter Rühmkorf Sämtliche Werke I/12. Essays und Monographien 4. Literaturkritik (1953–1962). Hrsg. Stephan Opitz und Barbara Potthast. Göttingen 2022, ISBN 3-8353-5276-8.
  • Peter Rühmkorf Sämtliche Werke I/1. Gedichte 1. (1946–1962). Hrsg. Stephan Opitz, Hans-Edwin Friedrich und Susanne Fischer. Göttingen 2024, ISBN 3-8353-5739-5.
  • Peter Rühmkorf Sämtliche Werke I/2. Gedichte 2. (1963–1988). Hrsg. Stephan Opitz, Hans-Edwin Friedrich und Susanne Fischer. Göttingen 2025, ISBN 3-8353-5942-8.[15]

Einzelnachweise

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