Stiftung Edith Maryon
Stiftung in Basel, Schweiz
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Die Stiftung «Edith Maryon» zur Förderung sozialer Wohn- und Arbeitsstätten ist eine anthroposophisch orientierte, im Jahr 1990 gegründete Non-Profit-Organisation, die sich den gemeinnützigen Umgang mit Grund und Boden und Liegenschaften zum Ziel gesetzt hat. Die Stiftung übernimmt Immobilien aller Art (und Nutzungsart), damit sie auf Dauer der Spekulation entzogen sind. Sie stellt die Liegenschaften Dritten zur Verfügung zur Verwirklichung sozial innovativer und nachhaltiger Projekte. Die geografischen Tätigkeitsschwerpunkte der Stiftung sind die Nordwestschweiz (Basel und Umgebung) und Berlin.
| Stiftung Edith Maryon | |
|---|---|
| Rechtsform | privatrechtliche Stiftung |
| Gründung | 1990 |
| Gründer | John Ermel, Christoph Langscheid, Michael Riggenbach |
| Sitz | Basel, Schweiz |
| Zweck | Förderung und Errichtung sozialer Wohn- und Arbeitsstätten |
| Vorsitz | Rembert Biemond (Präsident des Stiftungsrats) |
| Geschäftsführung | Christoph Langscheid (Vorsitz), Klaudia Agbaba, Klaus Jensen, Ulrich Kriese |
| Bilanzsumme | 343 Mio. CHF (2024)[1] |
| Beschäftigte | 19 (2025)[2] |
| Website | Maryon.ch |
Geschichte
Die Stiftung Edith Maryon wurde 1990 von Christoph Langscheid, John Ermel und Michael Riggenbach mit einem Startkapital von 12'000 Schweizer Franken gegründet. Sie gilt als Pionierin des Mission und Impact Investing, spezialisiert auf Immobilien bzw. Grund und Boden.[3] Im Wohnbereich sind oft Elemente der Cohousing-Idee verwirklicht.[4] Benannt ist die Stiftung nach der englischen Bildhauerin Edith Maryon aufgrund deren Engagements u. a. für den sozialen Wohnungsbau. Im Laufe einer Generation ist der Immobilienbesitz auf 166 Projekte[5] angestiegen, zum Teil untergebracht in Tochterunternehmen.[6] Die Bilanzsumme der Stiftung beläuft sich auf 343 Mio. Schweizerfranken (Stand Dez. 2024).[7] Ihr Wachstum hat die Stiftung Edith Maryon im Wesentlichen Schenkungen, Vermächtnissen und zinslosen Darlehen von einer Vielzahl von Privatpersonen zu verdanken.[8] Im Laufe der Jahre hat sich die Stiftung ausserdem zu einer Vergabe- oder Förderstiftung im Bereich Kunst und Kultur entwickelt.[9]
Projekte Schweiz (Auswahl)

- Unternehmen Mitte, Basel (Sitz der Stiftung)
- Hotel Krafft, Basel
- Markthalle Basel
- Kloster Schönthal (Schweiz)
- Rudolf Steiner Schule Basel[10]
- Rudolf Steiner Schule Münchenstein (ehemalige Haas’sche Schriftgiesserei)
- Alte Feuerwehr Viktoria, Bern[11]
- Neuestheater.ch, Dornach
- Hof Bain da Chauenas, Scuol[12]
- Sunnehügel – Haus der Gastfreundschaft, Schüpfheim[13]
Projekte Deutschland (Auswahl)
- ExRotaprint, Berlin
- Ehemaliges Stummfilmkino Delphi, Berlin
- Eine-Welt-Zentrum, Berlin[14]
- Schokoladen, Berlin[15]
- HALLE Tanzbühne, Berlin[16] der cie. toula limnaios
- Landwerk Neuendorf
- KlausHaus, Leipzig[17][18][19]
- Kindl-Areal, Berlin-Neukölln, Projekt VOLLGUT[20]
- Landgut Pretschen, Märkische Heide[21]
- Tuntenhaus Berlin
Wohnhilfen
Unter dem Stichwort Wohnhilfen gewährt die Stiftung seit 2003 Mietkautionsbürgschaften auf der Basis eines Solidaritätsfonds. Insgesamt wurde mehr als 13 000 Haushalten in der Nordwestschweiz zu einem Mietvertrag verholfen, circa 1000 neue Bürgschaften werden jährlich ausgestellt.[22][23] Ausserdem wird in Zusammenarbeit mit der Christoph Merian Stiftung ein Härtefall-Fonds geführt, sowie in Zusammenarbeit mit dem Kanton Basel-Stadt und im Auftrag der Stiftung Wohnraum Basel ein Genossenschaftsanteilfonds[24] verwaltet, um den Zugang zu genossenschaftlichem Wohnen zu erleichtern.[25]
Organisation
Oberstes Stiftungsorgan ist der Stiftungsrat, bestehend aus fünf Personen. Dem Stiftungsrat steht ein Beirat aus 19 Personen beratend zur Seite.[26] Das tägliche Geschäft obliegt einer Geschäftsstelle in Basel mit 19 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (Stand 2025).[27]
Siehe auch
Literatur und Medien
- Land in Sicht. Dokumentarischer Auftragsfilm über die Stiftung Edith Maryon, 48 Min., Schweiz 2024, Buch und Regie: Marcel Scheible, Produktion: Sel et Poivre.[28]
- Daniela Patti und Levente Polyak (Hrsg.): Funding the Cooperative City. Community Finance and the Economy of Civic Spaces. Cooperative City Books, Wien 2017, ISBN 978-3-950440904. Online verfügbar (CC BY-NC-ND 4.0)
- Berliner Liegenschaftsanzeiger (Zeitung der Initiative Stadt-Neudenken), Nr. 1, 5. Mai 2012.
- Frenzel, Veronica: Das ist unser Haus. In: Der Tagesspiegel, Nr. 21330, 12. Mai 2013, S. 24–25
- id22: Institut für kreative Nachhaltigkeit Berlin (Hrsg.): CoHousing Cultures, Handbuch für selbstorganisiertes, gemeinschaftliches und nachhaltiges Wohnen, Berlin 2012. ISBN 978-3-86859-148-4
- Kriese, Ulrich: Die Stiftung Edith Maryon als Projektpartnerin für Gemeinschaftswohnprojekte. In: Erwägungen (Journal der Theologischen Bewegung für Solidarität und Befreiung – TheBe), 29. Jg., Nr. 2/2011 (Juli). S. 17–19.
- Matthee, David und Kriese, Ulrich: Strategien zur Dekommodifizierung von Grund und Boden – das transformative Potenzial der Bodenstiftungen. In: Sozialimpulse. Beiträge zur Transformation in Wirtschaft, Politik, Kultur und Gesellschaft. Nr. 2/2025 (August). S. 4–12.
- Kriese, Ulrich: Bodenrecht und Bodenunrecht: Vom Boden als Gemeingut zum privaten Grundeigentum – und ermutigenden Kräften heute. In: Sozialimpulse. Beiträge zur Transformation in Wirtschaft, Politik, Kultur und Gesellschaft. Nr. 2/2025 (August). S. 20–27.