Stolzit
Wolframat Mineral
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Stolzit, auch unter verschiedenen, veralteten, bergmännischen Bezeichnungen wie Scheelbleierz, Wolframbleierz[8], Scheelbleispat(h) und Scheelsaures Blei[7] bekannt, ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfate, Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate“ mit der chemischen Zusammensetzung Pb(WO4)[2] und damit chemisch gesehen Bleiwolframat. Als dessen tetragonale Modifikation wird die Formel präziser auch mit β-Pb[WO4][3] angegeben.
| Stolzit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Symbol |
Sz[1] |
| Chemische Formel | |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Sulfate (einschließlich Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate) |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VI/F.01 VI/G.01-040[4] 7.GA.05 48.01.03.02 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | tetragonal |
| Kristallklasse; Symbol | tetragonal-dipyramidal; 4/m[5] |
| Raumgruppe | I41/a (Nr. 88)[3] |
| Gitterparameter | a = 5,50 Å; c = 12,12 Å[3] |
| Formeleinheiten | Z = 4[3] |
| Häufige Kristallflächen | {111}, {101}, {011}, {112}, {001}[6] |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 2,5 bis 3[6] |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 8,34; berechnet: 8,408[6] |
| Spaltbarkeit | gut nach {001}; undeutlich nach {011}[6] |
| Bruch; Tenazität | muschelig bis uneben; spröde[6] |
| Farbe | rötlichbraun bis braun, rauchgrau, gelblichgrau bis zitronengelb, auch grün, orange oder rot[6] |
| Strichfarbe | weiß[6] |
| Transparenz | durchsichtig bis durchscheinend |
| Glanz | Harzglanz bis schwacher Diamantglanz[6] |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nω = 2,270[7] nε = 2,180 bis 2,190[7] |
| Doppelbrechung | δ = 0,090[7] |
| Optischer Charakter | einachsig negativ |
Stolzit entwickelt meist dicktafelige bis kurzsäulige oder spitze, dipyramidale Kristalle, aber auch garbenförmige bis kugelige Aggregate von graugelber, brauner, orangegelber, roter oder grüner Farbe. Die Kristallflächen zeigen einen harz- bis diamantähnlichen Glanz.
Etymologie und Geschichte

Erstmals erwähnt wird das Mineral 1820 durch August Breithaupt in seiner Publikation Kurze Charakteristik des Mineral-Systems, der es als tetragonalen (Scheel-)Bleispath bezeichnet.[9] Seinen bis heute gültigen Namen Stolzit erhielt das Mineral 1845 durch Wilhelm Ritter von Haidinger, der es nach dem tschechischen Arzt und Mineraliensammler Johann Anton Stolz (1778–1855) aus Teplice[10] benannte. Dieser widmete einen Großteil seines Lebens dem Studium der Minerale und stellte das erste Exemplar von Stolzit für wissenschaftliche Untersuchungen zur Verfügung.[7]
Als Typlokalität gilt der Ort Cínovec (deutsch: Böhmisch Zinnwald) in Tschechien nahe der deutsch-tschechischen Grenze bzw. der nahegelegene, deutsche Ort Zinnwald-Georgenfeld im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.[11]
Das Typmaterial des Minerals wird in der Mineralogischen Sammlung der Technischen Universität Bergakademie Freiberg in Deutschland unter der Inventarnummer 17596 aufbewahrt.[12][13]
Da der Stolzit bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Stolzit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet.[2] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Stolzit lautet „Sz“.[1]
Klassifikation
In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Stolzit zur Mineralklasse der „Sulfate (einschließlich Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate)“ und dort zur Abteilung „Molybdate und Wolframate“, wo er gemeinsam mit Powellit und Scheelit sowie im Anhang mit Sedovit und Wulfenit in der „Scheelit-Reihe“ mit der Systemnummer VI/F.01 steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VI/G.01-040. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Molybdate [MoO4]2− und Wolframate [WO4]2−, Polywolframate“, wo Stolzit zusammen mit Paraniit-(Y), Powellit, Scheelit, Suseinargiuit und Wulfenit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VI/G.01 bildet.[4]
Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[14] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Stolzit in die Abteilung „Molybdate und Wolframate“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit zusätzlicher Anionen und Kristallwasser. Das Mineral ist hier in der Unterabteilung „Ohne zusätzliche Anionen oder H2O“ zu finden, wo es zusammen mit Fergusonit-(Ce), Fergusonit-(Nd), Fergusonit-(Y), Powellit, Scheelit und Wulfenit die „Scheelitgruppe“ mit der Systemnummer 7.GA.05 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Stolzit die System- und Mineralnummer 48.01.03.02. Das entspricht im Gegensatz zu den Strunz-basierten Systematiken der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Molybdate und Wolframate“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Molybdate und Wolframate mit A XO4“ in der Gruppe „Wulfenit-Reihe“, in der auch Wulfenit eingeordnet ist.
Kristallstruktur
Stolzit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem in der Raumgruppe I41/a (Raumgruppen-Nr. 88) mit den Gitterparametern a = 5,50 Å und c = 12,12 Å sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]
Stolzit kristallisiert isomorph zu Wulfenit (Pb[MoO4]) und Scheelit (Ca[WO4]), bildet also identische Kristallformen aus.
Modifikationen und Varietäten
Bildung und Fundorte
Stolzit ist ein typisches Sekundärmineral, das durch Verwitterung aus primären Bleimineralen in Anwesenheit von wolframhaltigen Lösungen entsteht. Als Begleitminerale können unter anderem Anglesit, Cerussit, Mimetesit, Pyromorphit und Raspit auftreten.[6]
Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Stolzitfunde ist unter anderem die Sainte-Lucie Mine bei Saint-Léger-de-Peyre im französischen Département Lozère, wo Kristalle von bis zu 6 Zentimeter Größe zutage traten. Bis zu 2,5 Zentimeter große Kristalle und Kristallnadeln kennt man aus Broken Hill im australischen Bundesstaat New South Wales und Tsumeb in Namibia.[15]
In Deutschland konnte das Mineral bisher in mehreren Gruben im Schwarzwald wie unter anderem der Grube Clara bei Oberwolfach in Baden-Württemberg, im Steinbruch Steinerleinbach bei Röhrnbach in Bayern, bei Straßberg (Harzgerode) in Sachsen-Anhalt sowie in mehreren Gruben bei Altenberg, Bad Gottleuba-Berggießhübel, Clausnitz und Halsbrücke im sächsischen Erzgebirge entdeckt werden.
In Österreich fand man Stolzit erstmals im Stüblbau (Hangendlager Nordfeld und Südfeld) zu Schellgaden (Gemeinde Muhr) in Salzburg, wo er in der Scheelitvererzung in idiomorphen Kristallen vorkommt. Daneben soll Stolzit auch in einer Goldschlacke im Hüttwinkltal in der Gemeinde Rauris in Salzburg, aufgetreten sein.[16][17] Auch im Bleiberger Erzrevier in der gleichnamigen Marktgemeinde in Kärnten soll Stolzit gefunden worden sein.[18] Dem Gegenüber stehen allerdings mehrere Studien der geochemischen Charakteristik in der Bleiberg-Kreuther Blei-Zink-Lagerstätte durch Erich Schroll (1923–2008),[19] die als Hauptelemente erwartbar vor allem Blei und Zink sowie Calcium, Magnesium, Barium, Silicium und Fluor ausweisen, das für den Stolzit nötige Wolfram jedoch nicht einmal bei den Spurenelementen.[20][21]
Der bisher einzige bekannte Fundort in der Schweiz ist Tête Noire im Val Trient im Kanton Wallis.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Brasilien, Bulgarien, China, Griechenland, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, Mexiko, Neuseeland, Nigeria, Norwegen, Peru, Portugal, Russland, Schweden, Spanien, der Slowakei, Thailand, Tschechien, Ungarn, im Vereinigten Königreich (UK) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[22]
- Farblose, tafelige Stolzitkristalle aus dem Bergwerk San Nicolás, Valle de la Serena, Badajoz, Extremadura, Spanien (Sichtfeld: 1,6 mm)
- Hellgelber Stolzitkristall aus der Sainte-Lucie Mine, Frankreich (Größe: 5,3 cm × 5,4 cm × 2,1 cm)
- Tafelige, hellgelbe Stolzitkristalle und prismatischer, dunkeloranger Raspitkristall aus Broken Hill, New South Wales, Australien
- Stolzit-Kristalle auf Muttergestein aus dem Darwin District, Inyo County, California, USA (Größe: 27 × 27 × 26 mm)
Siehe auch
Literatur
- W. Haidinger: Handbuch der Bestimmenden Mineralogie. Braumüller und Seidel, Wien 1845, S. 504, Zweite Klasse: Geogenide. II. Ordnung. Baryte. VII. Bleibaryt. 7. Dystomer. Stolzit (digitale-sammlungen.de [abgerufen am 15. Februar 2026]).
- C. Hlawatsch: Ueber den Stolzit und ein neues Mineral »Raspit« von Brokenhill. In: Annalen des Naturhistorischen Museums in Wien. Band 12, 1897, S. 33–41 (zobodat.at [PDF; 929 kB; abgerufen am 15. Februar 2026]).
- Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 620 (Stolzit bzw. Scheelbleierz).
Weblinks
- Stolzit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- IMA Database of Mineral Properties – Stolzite. In: rruff.net. RRUFF Project (englisch).
- Stolzite search results. In: rruff.net. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF) (englisch).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – MineralNamee. In: rruff.net. (englisch).
