Arbeitslager

Stätten, an denen Menschen zur Zwangsarbeit festgehalten werden From Wikipedia, the free encyclopedia

Arbeitslager, auch Straflager oder Umerziehungslager genannt, sind Stätten, an denen Menschen zur Zwangsarbeit festgehalten werden, je nach Konzept des Lagers mit oder ohne Entgelt. Die ersten modernen Arbeitslager im 18. Jahrhundert waren britische Strafkolonien. Arbeitslager gibt es in einigen Ländern noch heute.

Ein Mensch kann in ein Arbeitslager aus verschiedenen Gründen gesperrt werden: Auf der einen Seite ist es die Strafe für eine kriminelle Handlung, aber auch unerwünschte politische (vgl. Politischer Gefangener) oder religiöse Betätigung, auf der anderen Seite beutet gleichzeitig der Einweisende die Arbeitskraft des Eingewiesenen aus.

Geschichte

Arbeitslager hat es in der Geschichte in verschiedenen Ausprägungen gegeben:

Großbritannien nutzte zunächst die 13 Kolonien in Nordamerika als Straflager. Nach der amerikanischen Revolution und der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung mussten die Briten einen neuen Ort für die Verbringung ihrer Gefangenen suchen. Die Wahl fiel auf Australien, das die Briten bis 1868 als Sträflingskolonie nutzten. Der historische Hintergrund für die ab dem 18. Jahrhundert zunehmende Anzahl von Straflagern besteht in der europäischen Bevölkerungsexplosion[1], dem damit entstehenden lohnabhängigen Industrieproletariat und der damit verbundenen sozialen Frage[2] und dem Pauperismus.

Am 24. November 1933 wurde im Deutschen Reich durch das Gesetz gegen gefährliche Gewohnheitsverbrecher und über Maßregeln der Besserung und Sicherung die Maßregel Arbeitshaus eingeführt. Neben den heute noch zulässigen Unterbringungen in einem psychiatrischen Krankenhaus, in einer Entziehungsanstalt oder in Sicherungsverwahrung war auch die Unterbringung in einem Arbeitshaus (§ 42d RStGB) vorgesehen.

Neben den deutschen Konzentrationslagern ist hier auch der sowjetische Gulag zu erwähnen, der in den 1950er Jahren seine größte Ausdehnung erreichte.

Beispiele

Das Konzentrationslager Buchenwald am Tag der Befreiung, 16. April 1945
Goldmine bei einem sowjetischen Arbeitslager an der Kolyma

Historisch

Geschichtliche Beispiele sind unter anderem:

Gegenwart

Beispiele aus der heutigen Zeit sind unter anderem:

Siehe auch

Literatur

  • Robert Castel: Die Metamorphosen der sozialen Frage: eine Chronik der Lohnarbeit (= Édition discours, Band 44). 2. Auflage. UVK, Konstanz 2008, ISBN 978-3-86764-067-1 (Originaltitel: Les métamorphoses de la question sociale, une chronique du salariat, 1995, übersetzt von Andreas Pfeuffer).
  • Gunnar Heinsohn, Rolf Knieper, Otto Steiger: Menschenproduktion: allgemeine Bevölkerungstheorie der Neuzeit. Suhrkamp TB 914, Frankfurt am Main 1979; 2. Auflage 1986, ISBN 3-518-10914-6.
  • Simon Erlanger: „Nur ein Durchgangsland“: Arbeitslager und Interniertenheime für Flüchtlinge und Emigranten in der Schweiz 1940–1949. Chronos, Zürich 2006, ISBN 978-3-0340-0743-6 (Dissertation Universität Basel 2006, 278 Seiten, unter dem Titel: Lager und Weiterwanderung).
  • Susanne Schorta: Arbeitslager und Heime für Flüchtlinge und Emigrantinnen in der Schweiz 1939–1945. 1990, OCLC 715795240 (Travail de séminaire dactylographié présenté pour un séminaire d’histoire à l’Université de Berne, été 1990 (Manuscript der Seminararbeit am Historischen Institut der Universität Bern, Sommer 1990), 70 Seiten).
  • Suzanna Jansen: Das Paradies der Armen. Eine Familiengeschichte. Konrad Theiss Verlag, Darmstadt 2016. (Die Autorin rekonstruiert ihre eigene Familiengeschichte bis zurück ins 18. Jahrhundert und entdeckt, dass ihre Vorfahren in einem Arbeitslager aufwuchsen; 262 Seiten.)

Einzelnachweise

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