Strauch-Efeu

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Der Strauch-Efeu ist eine vegetativ vermehrte Altersform des Gemeinen Efeus oder (seltener) auch anderer Arten aus der Gattung Hedera (Efeu) innerhalb der Familie der Araliengewächse (Araliaceae). Der Strauch-Efeu ist ein immergrüner, kleiner bis mittelhoher, aufrecht wachsender Zierstrauch, der sich nicht kletternd oder kriechend ausbreitet und schon als Jungpflanze blüht und fruchtet. Er eignet sich auch für kleinere Gärten und zeichnet sich durch einen hohen ökologischen Wert aus.

Habitus

Ein Strauch-Efeu ist ein zyklophysischer[1] Klon einer heteroblastischen[2][3] Pflanzenart und fällt damit nach Artikel 2.7. des Internationalen Codes der Nomenklatur der Kulturpflanzen unter die Definition eines Kultivars/Sorte. Strauch-Efeu-Kultivare weisen mit Ausnahme ihres strauchförmigen Wuchses alle Merkmale der Altersform ihrer jeweiligen Mutterpflanze auf, die sexuell reproduzierte Exemplare frühestens etwa 10 Jahre nach ihrer Keimung entwickeln.[2]

Geschichte

Der Strauch-Efeu und seine gärtnerische Produktion sind keine neueren Erfindungen des Pflanzenhandels, sondern sie waren Botanikern und Gärtnern auch schon in vorhergehenden Jahrhunderten bekannt. Im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Strauch-Efeu botanisch als Varietät oder Form des Gemeinen Efeus beschrieben[4]; unter diesen Bezeichnungen sind sie heute als Synonyme von Hedera helix f. helix eingestuft.[5]

Sorten/Kultivare

Der Strauch-Efeu ist insbesondere bei Hobbygärtnern, teilweise aber auch bei professionellen Gartengestaltern nur wenig bekannt, wird in Baumschulen und Gartenmärkten oft nicht im Standard-Sortiment geführt und auch nur sehr wenig beworben. Im deutschsprachigen Raum beschränkt sich das heutige Angebot (Stand März 2026) im Handel fast ausschließlich auf Sorten des Gemeinen Efeus (Hedera helix):

  • Hedera helix 'Arborescens': im Handel vorherrschende Strauch-Efeu-Sorte der autonymen Form Hedera helix f. helix; erreicht bis ca. 2 m Durchmesser und Höhe.
  • Hedera helix f. poetarum (Nicotra) McAll. & A.Rutherf. (Poeten-Efeu): Diese in der Türkei und im Kaukasus heimische, gelbfrüchtige Wildform[6] wird im deutschsprachigen Raum fast ausschließlich als Strauch-Efeu kultiviert; sie erreicht bis ca. 1,5 m Durchmesser und Höhe.
  • Hedera helix 'Arbori Compact': schwachwüchsige Sorte mit grünen, herzförmigen Blättern; erreicht bis ca. 1,2 m Durchmesser und Höhe.[7]
  • Hedera helix 'Ice Cream' (= Hedera helix 'Cavendishii Latina'): schwachwüchsige buntlaubige Sorte; erreicht nach 10 bis 20 Jahren bis ca. 1 m Durchmesser und Höhe.[8]

Die nationale französische Efeusammlung dagegen listet insgesamt 29 Strauch-Efeu-Sorten auf, davon 18 vom Gemeinen Efeu, eine vom Nordafrikanischen Efeu (Hedera algeriensis), sieben vom Irischen Efeu (Hedera hibernica), eine vom Spanischen Efeu (Hedera iberica), eine vom Nepal-Efeu (Hedera nepalensis) und eine vom Japanischen Efeu (Hedera rhombea).[9]

Eine besondere Verwendung hat in Frankreich offenbar eine schwachwüchsige Sorte mit kleineren, hellgrünen Blättern gefunden, die mittlerweile als robusterer Ersatz für den nicht nur unter dem Buchsbaumzünsler leidenden Gewöhnlichen Buchsbaum eingesetzt wird.[10]

Nähere Beschreibung am Beispiel der Sorte 'Arborescens'

Die Sorte 'Arborescens' spielt im überschaubaren Handelsvolumen mit Strauch-Efeu die dominierende Rolle und wird nicht selten als dessen Inbegriff angesehen. Daher stehen für sie im Vergleich zu anderen Sorten deutlich mehr und belastbarere Informationen zur Verfügung, sodass im Folgenden an ihrem Beispiel detaillierter die Merkmale und Eigenschaften von Strauch-Efeu beschrieben werden. Andere Sorten können insbesondere hinsichtlich Winterhärte, sonstiger Standortansprüche und Wuchshöhe sowie ihres ökologischen Wertes deutlich davon abweichen.

Merkmale

Der Strauch-Efeu 'Arborescens' weist mit Ausnahme seines strauchförmigen Wuchses alle Merkmale der Altersform der autonymen Wildform des Gemeinen Efeus Hedera helix f. helix auf. Die Laubblätter sind wechselständig angeordnet und in Blattstiel und -spreite gegliedert. Die Blattspreiten sind eiförmig bis rhombisch und nicht gelappt und erreichen eine Länge von 6 bis 10 Zentimetern. Die Blattoberseiten sind glänzend dunkelgrün, oft mit helleren Blattadern; die Blattunterseiten sind heller. Manchmal färben sich die Blattspreiten im Spätsommer hellgrün bis gelblich, die Blattoberseiten können im Winter auch eine purpurfarbene Färbung annehmen. Es sind keine Nebenblätter vorhanden. Die Sprossachsen sind rundlich, aufrecht und wurzellos.

Blüte

Die Blüten erscheinen im Herbst bis Frühwinter, sie sind zwittrig, vormännlich, radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Sie sind mit kurzen, filzig mit Sternhaaren besetzten Blütenstielen in einfachen Dolden angeordnet; die Blüten der Seitendolden sind oft männlich. Die fünf unscheinbaren Kelchblätter sind dreieckig, braun und zur Fruchtzeit noch vorhanden. Die fünf Kronblätter sind auf der Außenseite braun, auf der Innenseite gelblichgrün und fallen nach der Blütezeit ab. Die fünf Staubblätter sind kreisförmig angeordnet um den gelbgrünlichen Diskus als Nektarium auf der Oberseite des unterständigen Fruchtknotens.[11]

Die Früchte reifen im Ausgang des Winters/Frühjahr des Folgejahres und sind zunächst grün, zur Reifezeit bläulich- oder grünlich-schwarz. Die Früchte werden je nach Literatur als „Beeren“ oder als „Steinfrüchte mit 3–5 pergamentartigen Steinkernen“ bezeichnet.[11]

Standortansprüche, gärtnerische Eigenschaften

Der Strauch-Efeu 'Arborescens' ist eine sehr anspruchslose, robuste und pflegeleichte Pflanze: Er kommt mit mehr oder minder nährstoff- und humusreicher Gartenerde und verschiedenen anderen, möglichst durchlässigen Bodentypen gut zurecht; Staunässe sollte vermieden werden. An den Boden-pH-Wert stellt er keine Ansprüche, der Boden darf auch gerne kalkhaltig sein.

Die Pflanze bevorzugt schattige bis halbschattige Standorte. Sie bildet eine Herzwurzel[12] aus und ist nach etwa dreijähriger Etablierung an ihrem Standort auch relativ trockenheitsresistent; an sonnigeren Standorten auf trockenen Böden sind bei längerer Dürre aber Wassergaben vorteilhaft. Als Winterhärte wird meist die USDA-Klimazone 6 (bis −23 °C)[12], teilweise sogar 4 (bis −34 °C) angegeben.[13]

Der Strauch-Efeu 'Arborescens' ist eher schwachwüchsig und benötigt daher keinen regelmäßigen Rückschnitt; Schnittmaßnahmen können bei frostfreiem Wetter zu beliebiger Zeit durchgeführt werden. Er verträgt starke Verschattung und den Wurzel-Konkurrenzdruck benachbarter Pflanzen; damit eignet er sich zur vitalen Bepflanzung schattiger Problemzonen im Garten und zur Unterpflanzung höherer Gehölze. Auch als Kübelpflanze für Balkon und Terrasse kann er eingesetzt werden.[12]

Früchte

Unter gartengestalterischen Aspekten sind beim Strauch-Efeu ebenso wie beim Gemeinen Efeu die ungewöhnlichen Zeiten ihrer Blüte und des auch floristisch begehrten Beerenschmucks hervorzuheben. Gemeiner Efeu gehört zu den am häufigsten verwendeten Gartenpflanzen und hat zu Unrecht das Image einer „Friedhofspflanze“.[14]

Während sich der Gemeine Efeu wie die meisten Efeu-Arten und -Sorten in ihrer jugendlichen Form leicht auch durch Laien als Stecklinge oder Absenker vermehren lassen, wurzeln Stecklinge der Altersform dagegen meist deutlich schlechter, was sich durch eine Behandlung mit Wuchshormonen (Auxine) verbessern lässt.

Ökologischer Wert

Efeu-Seidenbiene
Admiral

Der Strauch-Efeu 'Arborescens' und die wilde autonyme Altersform Hedera helix f. helix des Gemeinen Efeus sind genetisch identische und lediglich hinsichtlich ihres Habitus unterschiedliche Ausprägungsformen des gleichen heimischen Wildstrauches. Damit gelten die synökologischen Fakten des Gemeinen Efeus weitestgehend auch für diesen Strauch-Efeu.

Der Gemeine Efeu wird üblicherweise als selbstinkompatibel beschrieben[15], der demnach einer Fremdbestäubung z. B. durch Insekten bedarf und zu den vorwiegend insektenbestäubten Pflanzen gezählt wird. Seine Blüten sind einfach und für Insekten aller Größen und Rüssellängen leicht zugänglich aufgebaut. Die Ergiebigkeit der Blüten wird angegeben mit einem Wert von 3 (viel) sowohl für den Pollenwert wie auch den Nektarwert.[12][16]

Besonders wertvoll für die Insektenwelt sind die Blüten des Strauch-Efeus 'Arborescens' durch ihren sehr späten Blühzeitraum von September bis teilweise in den November hinein, der innerhalb der mitteleuropäischen Flora eine Besonderheit darstellt und mit seinem Beginn phänologisch die Mitte des Frühherbstes markiert.[17] In dieser Zeit herrscht sowohl im Siedlungsraum wie auch in der freien Natur für Insekten vielfach Nahrungsmangel, sodass der Strauch-Efeu eine wichtige Nahrungsquelle für Honigbienen, verschiedene Wildbienen- und Hummelarten, Wespen und Schwebfliegen darstellt. Die Efeu-Seidenbiene hat sich sogar ausschließlich auf Efeu-Pollen für die Aufzucht ihrer Brut spezialisiert (Monolektie).[18][19] Von den Schmetterlingen besuchen z. B. der Admiral, der Faulbaum-Bläuling und der C-Falter die Blüten. Diese späte Insektennahrung kann das spätsommerliche Zusammenbrechen von Hummelvölkern merklich hinausschieben, so dass die Völker noch weiterhin Jungköniginnen hervorbringen können. Überlebenswichtig kann sie auch für zahlreiche in Adultform überwinternde Insekten sein, damit diese wohlgenährt in den Winterschlaf gehen können.

Nicht nur die Blüten, sondern auch das Blattwerk hat einen hohen ökologischen Wert für die Insektenwelt, indem es zum Beispiel der Achat-Eule, dem Faulbaum-Bläuling und dem Nachtschwalbenschwanz als Raupenfutterpflanze dient.[12][20]

Die Früchte werden zwischen Januar und April reif. Sie werden u. a. von verschiedenen heimischen Arten der Echten Drosseln, dem Star, dem Gartenrotschwanz, der Mönchsgrasmücke und dem Rotkehlchen gefressen, die auf diese Weise für eine ornithochore bzw. endochore Ausbreitung der Samen sorgen.[21][22]

Biodiversitätsorientierte gärtnerische Verwendung

Kommunen, Umweltbehörden und Naturschutzverbände appellieren immer wieder an Gartenbesitzer, ihre Gärten naturnäher zu gestalten und zu bepflanzen, um sie damit zu kleinen ökologischen Trittsteinen im Siedlungsraum zu entwickeln, die im Verbund mit anderen nahegelegenen Biotopen durchaus eine artenschutzförderliche Wirkung entfalten können. Dabei wird in der Regel der Einsatz heimischer Wildsträucher propagiert, die aber u. a. mit ihrem Erscheinungsbild (Dornenbesatz, Habitus, Wuchsstärke) bei drei von fünf soziokulturellen Gärtnertypen[23] auf wenig bis keine Akzeptanz stoßen.

Der Strauch-Efeu 'Arborescens' kombiniert seinen ökologischen Wert als Wildstrauch mit einem auch für kleine Gärten geeigneten Habitus und einem attraktiven Erscheinungsbild sowie einer gärtnerischen Anspruchslosigkeit und Pflegeleichtigkeit. Er ist bislang im deutschsprachigen Raum für den gärtnerischen Einsatz in privaten und öffentlichen Gärten sehr wenig bekannt und eingesetzt und hat damit zusätzlich den Charakter des Außergewöhnlichen. Mit diesen Eigenschaften kann er allen fünf soziokulturellen Gärtnertypen gerecht werden. Zusammen mit einigen weiteren Pflanzenarten mit ähnlichen Eigenschaftsprofilen wie z. B. dem ähnlich spät blühenden Sieben-Söhne-Strauch, der Kalifornischen Heckenkirsche und Diervilla-Sträuchern kann er als „Türöffner“-Gehölz helfen, die bisherige Akzeptanzbarriere und Stagnation bei den Bemühungen zu insektenfreundlicher Gartengestaltung zu überwinden.

Eine Studie hat allerdings offenbart, dass die bisherige Kommunikation zu insektenfreundlicher Gartengestaltung nur sehr eingeschränkt Wirkung zeigt: Selbst dafür sensibilisierte Laien haben oft große Schwierigkeiten, Gartenpflanzen korrekt zu bestimmen, ihren ökologischen Wert richtig einzuschätzen und folgerichtige Kaufentscheidungen zu treffen. Die Studie empfiehlt daher u. a. „anfassbare und erlebbare“ Schaupflanzungen in botanischen Gärten und öffentlichen Grünanlagen mit entsprechenden Infotafeln zu ihrem ökologischen Wert.[24]

Commons: Strauch-Efeu 'Arborescens' – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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