Strobilos
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Strobilos (griechisch Στρόβιλος, auch Aspat oder Çıfıt Kalesi) war eine oströmische Festung und ein Flottenstützpunkt an der südwestlichen Küste Anatoliens, gegenüber der Insel Kos und unweit der Stadt Bodrum in der heutigen Türkei.

Name und Etymologie
Der Ort Strobilos (griechisch: Στρόβιλος, „Zapfen“ oder „Kegel“) erhielt seinen Namen von dem konusförmigen Hügel, geologisch betrachtet ein Vulkan des Kykladenbogens mit dazitisch-andesitische Lavaextrusionen aus dem Pleistozän, der sich markant aus dem Meer erhebt.[1] Die früheste bekannte Bezeichnung Stróbilos stammt aus dem 8. Jahrhundert.[2] Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich der Name mehrfach:
Der Ort wurde als Cühudluk Limanı („Jüdischer Hafen“, von cühudluk, türkisch für „jüdischer Platz“) im Werk des Piri Reis, dem Kitab-ı Bahriye (1525) erwähnt. Auch Isravolos bzw. Sıravalos tauchen als Namen in den Verwaltungsregistern des Muhasebe-i Vilayet-i Anadolu Defteri (1530) auf. Im 17. Jahrhundert wird der Ort bei Evliya Çelebi als Aspat erwähnt, während im frühen 20. Jahrhundert der Name Çıfıt Kalesi („Judenburg“) auf Richard Kieperts Karte von Kleinasien (1904) erscheint.[3] Der im Volksmund noch überlieferte Name Çıfıt Kalesi oder Sıravolos wurde damit als historische Bezeichnung wiederbelebt, während der Name Strobilos, oder auf Türkisch Kozalak, durch die auffällige Form des Hügels inspiriert wurde.[4]
Geschichte
Die Rolle von Strobilos war in erster Linie militärischer Natur: Sie besaß keinen Bischofssitz und war somit vermutlich kein bedeutendes Bevölkerungszentrum, aber dennoch eine bedeutsame Siedlung. Im Jahr 724 machte sich Sankt Willibald auf seiner Pilgerreise ins Heilige Land, nach einem Besuch von Ephesus und von Phygela aus entlang der Küste auf den Weg „ad urbem Strobolem in montem excelsum“ und setzte von dort seine Reise nach Patara in Lykien fort.[5] Im 9. Jahrhundert wurde Theophylaktos der Bekenner von Nikomedia, ein Vertreter der orthodoxen Reaktion auf den Ikonoklasmus des Leo V., im Jahr 815 nach Strobilos verbannt, wo er die restlichen dreißig Jahre seines Lebens verbrachte. Diese frühesten Erwähnungen zeigen, dass Strobilos als starke und abgelegene Festung angesehen wurde, geeignet sowohl als Zufluchtsort als auch als Ort des Exils, dabei aber nicht weit von der Hauptseeverbindung zwischen der Hauptstadt und dem Mittelmeer entfernt lag.[6]
Während der mittelbyzantinischen Periode war Strobilos offensichtlich ein militärischer Stützpunkt und ein wichtiger Knotenpunkt in den Küstenverteidigungen des Themasystems. Zugleich diente es als Verwaltungszentrum, Sitz eines Archonten, dessen Aufgaben offenbar die Überwachung und Verteidigung der Küste sowie das Eintreiben von Zollabgaben umfassten.[7] Dementsprechend erscheint die Stadt unter den Städten und Festungen des Kibyrrhaeotischen Themas im De Thematibus (Περὶ θεμάτων Ἀνατολῆς καὶ Δύσεως) des Konstantin Porphyrogennetos. Im Jahr 1079 gründete eine Maria, Schwester eines Adligen Namens Konstantinus Kavalloures, auf ihrem Besitz in der Stadt ein Kloster zu Ehren von Johannes dem Täufer. Dieses Kloster erhielt rasch kirchliche Unabhängigkeit sowie Befreiungen von einer Vielzahl von Verpflichtungen und Steuern durch dem oströmischen Kaiser Nicephorus Botaniates, ein Umstand, der darauf hindeutet, dass die lokalen Adeligen Einfluss am Hof in Konstantinopel besaßen.[8]
Die Siedlung wurde im 11. Jahrhundert von umherstreifenden Turkomanen geplündert aber schon im Jahr 1082 gewährte Alexios Komnenos den Venezianern das Recht, frei im gesamten Reich zu handeln, insbesondere in einer Liste von Häfen, in der Strobilos neben Attalea, Chios und Ephesus genannt wird. In den Zugeständnissen von Alexios III. im Jahr 1198 erscheint Strobilos in einer Liste von Inseln, zusammen mit Samos, Rhodos, Kos und Kreta. Da Strobilos nur unter wenigen Orten in Kleinasien hervorgehoben wird, scheint es, dass die Siedlung als ein der wichtiger Hafen des Reiches galt. In seinem geographischen Werk von 1154 erwähnt Idrisi „Astroboli, eine kleine, dicht besiedelte Stadt am Meer zwischen dem Golf von Macre [Telmessus in Lykien, heute Fethiye] und Sampson“ [der byzantinische Name für Priene]. Als Konstantinopel 1204 an den Vierten Kreuzzug fiel, wurde Strobilos den Lateinern (Franken) zugeteilt und erscheint in der Partitio Romaniae. Die Lateiner dehnten ihre Herrschaft de-facto jedoch nie so weit aus, und die Stadt gelangte unter die Kontrolle der Laskariden. Strobilos behielt seine fortdauernde kommerzielle Bedeutung und wird durch ein Dokument aus der Regierungszeit des Johann Vatatzes belegt, in dem sie als Skala, also als Anlegeplatz, zusammen mit Milet und Ephesus erwähnt wird. Die oströmische Herrschaft überdauerte jedoch nicht lange. Bis 1269 musste die südliche karische Küste aufgegeben werden. Strobilos, die Halbinsel von Knidos und die Rhodische Peraea konnten nicht länger gehalten werden und wurden schnell zu Stützpunkten türkischer Piraten.[9]