Stuart Valins
US-amerikanischer Sozialpsychologe, Psychotherapeut und Professor
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Stuart Valins (* 1939; † 20. Juli 2022 in Setauket-East Setauket) war ein US-amerikanischer Sozialpsychologe und emeritierter Professor an der Stony Brook University.[1]
Leben
Er promovierte (Ph.D.) 1964 an der Columbia University. Zuerst war er an der University of North Carolina at Chapel Hill tätig. Danach war er 50 Jahre lang Professor für Psychologie an der Stony Brook University (SUNY). Daneben war er als Klinischer Psychologie und Psychotherapeut in Forest Hills tätig.[2]
Werk
Sein bedeutendster wissenschaftlicher Beitrag bezieht sich auf den nach ihm benannten Valins-Effekt: In seinem Experiment von 1966 zeigte er, dass allein der Glaube an eine körperliche Erregung (z. B. durch manipuliertes Herzschlag-Feedback) ausreicht, um emotionale Bewertungen zu beeinflussen. Dies modifizierte die bis dahin gängige Zwei-Faktoren-Theorie der Emotion von Stanley Schachter, da er nachweisen konnte, dass tatsächliche physiologische Erregung nicht zwingend notwendig ist, sondern es reicht die kognitive Repräsentation (Meinung) über die eigene Erregung für das Entstehen von Emotionen. In seiner Studie sahen die Versuchspersonen zehn Dias von halbnackten Frauen und hörten dabei Geräusche, die angeblich deren Herzschläge darstellten. Eine Gruppe von Versuchspersonen hörte bei fünf Dias einen deutlichen Anstieg der „Herzfrequenz“, bei den anderen fünf blieb sie unverändert; eine zweite Gruppe hörte bei fünf Dias einen deutlichen Abfall der simulierten Herzfrequenz, bei den anderen fünf blieb sie unverändert. Im Vergleich zu den Dias, bei denen die Versuchspersonen keine Veränderung der simulierten Herzfrequenz wahrnahmen, wurden die Dias, bei denen sie eine deutliche Veränderung (Anstieg oder Abfall) wahrnahmen, sowohl während des eigentlichen Experiments als auch in einem vier bis fünf Wochen später durchgeführten, getarnten Interview als signifikant attraktiver bewertet und signifikant häufiger als Belohnung für die Teilnahme am Experiment ausgewählt.
Ein zweiter Schwerpunkt seiner Arbeit bezog sich auf die Schnittmenge Architektur und Sozialverhalten: Zusammen mit Andrew Baum untersuchte er, wie räumliche Gestaltung (insbesondere in Studentenwohnheimen) das Empfinden von Dichte und Crowding sowie sozialen Stress beeinflusst. Ihr Werk „Architecture and Social Behavior: Psychological Studies of Social Density Crowding gilt als Klassiker der Umweltpsychologie.
Er war auch Mitherausgeber des Werks „Attribution: Perceiving the Causes of Behavior“, das grundlegende Konzepte zur Attributionstheorie enthält und beschreibt, wie Menschen die Ursachen ihres eigenen Verhaltens und das anderer interpretieren.
Privates
Er war mit seiner Frau Mona 63 Jahre verheiratet war; aus der Ehe stammten seine beiden Kinder Avery und Eric. Seine Schwester Susan und sein Bruder Robert haben ihn überlebt, als er im Alter von 83 Jahren verstarb.
Publikationen (Auswahl)
- Monografien
- Mit Andrew Baum: Architecture and Social Behavior: Psychological Studies of Social Density (Routledge Revivals). Routledge, Oxfordshire 2024, ISBN 978-1032906805.
- Urban Environment. Lawrence Erlbaum, Mahwah 1978, ISBN 978-0470265451.
- Herausgeberschaften
- Mit Edward E. Jones; David E. Kanouse; Harold H. Kelley; Richard E. Nisbett; Bernard Weiner (Hrsg.): Attribution: Perceiving the causes of behaviors. Lawrence Erlbaum: Hillsdale, NJ 1987, ISBN 978-0382250262.
- Mit Andrew Baum; J. E. Singer: „Advances in Environmental Psychology“ (Buchreihe). Psychology Press, Hove 1978, ISBN 978-1134916580.
- Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge
- Mit Andrew Baum: Persistent Effects of the Environment: Stress and Social Interaction in the Laboratory. In: Andrew Baum; Stuart Valins: Architecture and Social Behavior: Psychological Studies of Social Density (Routledge Revivals). Routledge, Oxfordshire 2024, ISBN 978-1032906805.
- Persistent effects of information about internal reactions: Ineffectiveness of debriefing. In: Integr. psych. behav. , 2005, 40, S. 161–165.
- Mit Richard E. Nisbett: Perceiving the causes of one's own behavior. In: E. E. Jones; D. E. Kanouse; H. H. Kelley; R. E. Nisbett: S. Valins; B. Weiner (Hrsg.): Attribution: Perceiving the causes of behavior (S. 63–78). Hillsdale, NJ 1987, ISBN 978-0382250262.
- Mit Andrew Baum: Architectural Mediation of Residential Density and Control: Crowding and The Regulation Of Social Contact. In: Advances in Experimental Social Psychology, 1979, 12, S. 131–175.
- Mit A. Baum; R. E. Harpin: The Role of Group Phenomena in the Experience of Crowding. In: Environment and Behavior, 1975, 7 (2), S. 185–198.
- Mit Andrew Baum: Residential Group Size, Social Interaction, and Crowding. In: Environment and Behavior, 1973, 5 (4), S. 421–439.
- Mit G. C. Davison: Maintenance of self-attributed and drug-attributed behavior change. In: Journal of Personality and Social Psychology, 1969, 11 (1), S. 25–33.
- Mit Stephen Reisman; Chester A. Insko: Triadic consistency and false heart-rate feedback. In: Journal of Personality, 1970, 38 (4), S. 629–640.
- Emotionality and information concerning internal reactions. In: Journal of Personality and Social Psychology, 1967, 6 (4), S. 458–463.
- Mit Alice A. Ray: Effects of cognitive desensitization on avoidance behavior. In: Journal of Personality and Social Psychology, 1967, 7(4), S. 345–350.
- Cognitive Effects of False Heart-Rate Feedback. In: Journal of Personality and Social Psychology, 1966, 4, S. 400–408.
Weblinks
- Misattribution of Arousal auf YouTube, abgerufen am 22. März 2926.