Sturmtief Elli
Sturm im Winter 2026 in Deutschland
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Das Sturmtief Elli (auch Tief Elli oder Wintersturmtief Elli genannt) war ein kräftiges Wintertief, das Anfang Januar 2026 weite Teile Mitteleuropas beeinflusste. In Deutschland führte das Tief zu verbreitetem Schneefall und Glatteis sowie zu Zugausfällen, Schulschließungen und erheblichen Verkehrsbehinderungen, insbesondere im Norden und Nordosten.[1] International wurde das System in Großbritannien und Frankreich unter den Namen Storm Goretti bzw. la tempête Goretti geführt, wo es starke Winde, weitreichende Stromausfälle sowie erhebliche Reise- und Infrastrukturstörungen verursachte.[2]


Meteorologische Entwicklung und Zugbahn
Anfang Januar 2026 entstand über dem Nordatlantik ein kräftiges Wintertief, das sich in Richtung Mitteleuropa verlagerte und sich im Verlauf des 8. und 9. Januar 2026 weiter intensivierte. Besonders westlich Europas gewann das Tief an Stärke, bevor es sich rasch ostwärts verlagerte. Gleichzeitig etablierte sich über dem Nordatlantik und Grönland ein blockierendes Hochdruckgebiet, das die zonale Westwindströmung abschwächte und polare Kaltluft weit nach Süden lenkte; zusammen mit den tiefen Luftdruckwerten führte dies zu einer markanten Winterwetterlage in Mitteleuropa.[3]
Das Tief durchlief eine ausgeprägte Tiefdruckentwicklung (Bombogenese), bei der der Luftdruck an der Südküste Großbritanniens auf rund 967 hPa sank, während er über Mitteleuropa bei etwa 980 hPa lag. Analysen zeigen, dass der Druck innerhalb von 24 Stunden um mehr als 36 hPa fiel, was die explosive Dynamik des Systems verdeutlicht. In den späteren Stunden führten die sehr scharfen Druckgradienten zu besonders starken Windfeldern, mit regionalen Böen von über 150 km/h sowie Spitzenwerten bis 213 km/h entlang der englischen und französischen Kanalküste.[4][5]
Die Kaltluft aus dem Norden traf auf feuchte Atlantikluft, wodurch sich ausgeprägte Frontensysteme bildeten. Die Warmfront brachte langanhaltenden Schneefall, der in den nördlichen und westlichen Bundesländern Deutschlands, darunter Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, die stärksten Schneemengen verursachte. In Süd- und Mitteldeutschland fielen die Schneemengen geringer aus. In den höheren Mittelgebirgen lagen die Schneemengen deutlich höher, teilweise bis zu 30 cm, und durch den Wind bildeten sich vor allem an exponierten Stellen markante Schneeverwehungen.
Im weiteren Verlauf zog eine Kaltfront über das Land und sorgte für wechselhafte, windige Verhältnisse. Während der Ostverlagerung verstärkte schließlich die Okklusionsfront die Niederschläge und Böen über zentrale und östliche Regionen. Die Fronten bewegten sich überwiegend von Westen nach Osten mit einer Geschwindigkeit von etwa 30 bis 50 km/h und erstreckten sich über weite Teile Mitteleuropas. Durch die starke Temperaturdifferenz zwischen kalter Polarluft und milder Atlantikluft kam es zu ausgeprägten Schneefällen, die in den nördlichen Regionen bis zu 20 cm erreichten, während die Böen auf freiem Feld in exponierten Lagen Spitzenwerte von 90 bis 100 km/h erzielten. In höheren Lagen und in Küstenregionen traten lokal Böen bis 120 km/h auf, und durch gefrierenden Regen kam es an manchen Orten zu vereisten Straßen.[6][7] Vor dem Eintreffen des Tiefs hatten die Wetterdienste in mehreren Ländern Warnungen herausgegeben, mit örtlichen Prognosen von bis zu 30 cm Schneefall und Böen von etwa 160 km/h. Auch in Teilen Englands und Wales kam es zu Einschränkungen im Bahn- und Flugverkehr.[8]
Die großräumige Wetterlage war geprägt von einem Trog über Nordeuropa, der kalte Luftmassen nach Süden lenkte, sowie von einem Hochdruckblock über Grönland, der die Ostverlagerung des Tiefs begünstigte und eine leicht südlichere Zugbahn zur Folge hatte. Der Jetstream unterstützte den schnellen, ostwärts gerichteten Zug des Systems. Während des Durchzugs führten die winterlichen Bedingungen in Westeuropa auch zu Auswirkungen wie umfangreichen Stromausfällen, Flug- und Zugausfällen sowie Verkehrsbehinderungen in mehreren Ländern, darunter Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, Belgien und Luxemburg.[9][10]
Das Tief zog schließlich weiter ostwärts über Deutschland und anschließend nach Osteuropa, wobei besonders die nördlichen und mittleren Regionen Deutschlands ausgedehnte Schneefälle, Böen und örtliche Glätte erlebten, während südlichere Bereiche insgesamt weniger betroffen waren. Auch in anderen mitteleuropäischen Staaten traten Schneefälle, Böen und Verkehrsbehinderungen auf; in Tschechien kam es zu Straßensperrungen und Verspätungen im öffentlichen Verkehr, während in Polen und den Niederlanden insbesondere die Küstenregionen von Schneeverwehungen und Böen betroffen waren.[11]
In der Folge nahm die Dynamik des Tiefs ab, da die Temperaturunterschiede zwischen den Luftmassen geringer wurden und der Einfluss des blockierenden Hochdruckgebiets zunahm. In den Tagen danach stellte sich in Mitteleuropa eine kühle, aber stabile Hochdrucklage ein. Das Tief ging allmählich in eine weniger wetterwirksame Druckstruktur über und wurde international unter dem Namen Storm Goretti beziehungsweise in Frankreich als la tempête Goretti geführt.[3]
Zusätzlich dokumentieren meteorologische Analysen die stündliche Druckentwicklung und Dynamik: Der Druck fiel lokal innerhalb von zwölf Stunden um bis zu 38 hPa, begleitet von Böen von 160 bis 170 km/h an exponierten Stationen in Frankreich und im Vereinigten Königreich. Dies unterstreicht die außergewöhnliche Intensität des Systems und die regionale Variabilität der Wettererscheinungen.[12]
Ausbreitung und Auswirkungen
Europa
Am 6. und 7. Januar 2026 erreichte das Tiefdrucksystem zunächst den Alpenraum. In der Schweiz und in Österreich kam es vor allem in höheren und exponierten Lagen zu kräftigen Schneefällen, stürmischen Winden, Glatteisbildung und regionalen Verkehrsbehinderungen.[13][14] Auch in weiteren Teilen Westeuropas führte das Tief, das dort unter dem Namen Storm Goretti bekannt war, zu starken Winden, Schneefällen sowie regional zu Stromausfällen und erheblichen Verkehrsunterbrechungen.[2][15]
In Großbritannien, Irland und weiteren Teilen Nordeuropas führten die Sturmböen und winterlichen Bedingungen zu weitreichenden Reise- und Verkehrsunterbrechungen. Zahlreiche Bahnstrecken waren betroffen, Flughäfen meldeten Flugausfälle und Verspätungen, und örtliche Straßenabschnitte mussten zeitweise gesperrt werden. In Irland wurden im Vorfeld gelbe Wetterwarnungen für mehrere Grafschaften ausgegeben, die vor starken Winden, Schnee und schwierigen Fahrbedingungen warnten.[16] Im Vereinigten Königreich gaben die Behörden für Schottland, Nord‑ und Nordost‑England, Wales und Nordirland gelbe beziehungsweise orangefarbene Warnungen für Schnee, Eis und starken Wind heraus. Zudem kam es regional zu Schulschließungen, und zahlreiche Bahnlinien, Flughäfen und Schulen waren infolge der winterlichen Bedingungen beeinträchtigt.[15][17]
In Frankreich waren vor allem die nördlichen und westlichen Regionen von starken Winden und Schneefällen betroffen. Behörden gaben Warnungen vor Orkanböen und winterlichen Straßenverhältnissen heraus, und lokale Energieversorger meldeten zahlreiche Stromausfälle. Auch in Teilen der Benelux-Staaten kam es zu Einschränkungen im Bahn- und Straßenverkehr aufgrund der winterlichen Lage.[2]
Deutschland
In Deutschland führte Sturmtief Elli verbreitet zu winterlichen Witterungsbedingungen mit Schneefall, Schneeverwehungen und Glatteis. Besonders betroffen waren Teile von Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern, wo es regional zu erheblichen Verkehrsbehinderungen kam. Auch in weiteren Landesteilen traten zeitweise winterliche Straßenverhältnisse auf.[1][18][19] Die winterlichen Bedingungen führten insbesondere im Straßen- und Schienenverkehr zu Einschränkungen. Zahlreiche Zugverbindungen fielen aus oder waren verspätet, zudem kam es lokal zu Behinderungen im Flug- und Busverkehr. In mehreren Bundesländern blieben Schulen vorsorglich geschlossen.[1][20]
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gab im Vorfeld und während des Ereignisses umfangreiche amtliche Warnungen heraus, die regional bis zur Warnstufe Rot reichten. Die Warnungen bezogen sich vor allem auf die Gefahr durch starken Schneefall, Schneeverwehungen, Glatteis und stürmische Böen. In Norddeutschland, vorwiegend in Schleswig-Holstein und im Raum Hamburg, wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu etwa 95 km/h gemessen. Die Neuschneemengen lagen verbreitet bei mehreren Zentimetern, regional teils bei 10 bis 15 cm.[21][22]
Berlin und weite Teile Brandenburgs lagen am Rand des Hauptniederschlagsgebiets. Dort blieben stärkere Schneefälle weitgehend aus, sodass einige amtliche Warnungen im weiteren Verlauf wieder aufgehoben wurden. Dennoch kam es auch in der Region zeitweise zu Glätte und Verkehrseinschränkungen.[23]
Meteorologische Bewertung und Analyse
Die Meteorologen bewerteten Sturmtief Elli bzw. Storm Goretti als ein ausgeprägtes Wintersturmereignis mit starken Windgeschwindigkeiten sowie verbreiteten winterlichen Witterungsbedingungen in weiten Teilen Europa.[24] Das britische Met Office charakterisierte Storm Goretti als ein starkes Wintersturmereignis mit verbreiteten Wettergefahren, darunter starker Wind, erhebliche Schneefälle und Regen, die große Teile Großbritanniens und angrenzender Regionen erfassten. Diese Wetterlage wurde als „multi-hazard event“ beschrieben, bei dem mehrere Gefahren gleichzeitig auftreten und eine koordinierte Warnkommunikation besonders wichtig ist. Besonders in Südwestengland, etwa auf den Isles of Scilly und in Cornwall, wurden rote Windwarnungen ausgegeben – die höchste Warnstufe des Met Office – und Windböen von bis zu etwa 160 km/h (≈ 100 mph) gemessen, was außergewöhnlich hohe Windgeschwindigkeiten für ein winterliches Tiefdrucksystem darstellt.[25]
Auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) ordnete das Ereignis als meteorologisch komplex ein. Der DWD meldete umfangreiche Warnungen vor starken Schneefällen, stürmischen Böen, Glatteis und damit verbundenen Verkehrsbehinderungen in weiten Teilen Deutschlands, insbesondere im Norden und Nordosten. Warnstufen wurden unter anderem für Schneeverwehungen und gefährliche Straßenverhältnisse herausgegeben, und es kam zu erheblichen Beeinträchtigungen im Straßen- und Schienenverkehr.[26] Die Auswirkungen von Storm Goretti erstreckten sich auch auf andere europäische Regionen. In Frankreich und Großbritannien wurden teils Windgeschwindigkeiten von über 150 km/h registriert, die zu erheblichen Beeinträchtigungen im Alltags- und Reiseverkehr führten.[27]
Benennung und Nomenklatur
Die Bezeichnung Tief Elli wurde für das Wetterereignis Anfang Januar 2026 in deutschsprachigen Medien sowie in amtlichen Warnmeldungen verwendet. Der Name stammt aus der Aktion Wetterpate der Freien Universität Berlin, bei der Tiefdruckgebiete in geraden Jahren weibliche Vornamen erhalten, die im Vorfeld von Patinnen und Paten vergeben werden.[28]
Parallel dazu wurde dasselbe Tiefdrucksystem im britisch-irischen Benennungssystem als Storm Goretti geführt. Diese internationale Bezeichnung dient vor allem der grenzüberschreitenden Warn- und Medienkommunikation in Großbritannien und Irland und wird für besonders wetterwirksame Tiefdruckgebiete vergeben, die dort relevante Sturmgefahren verursachen oder erwarten lassen.[29]
Weblinks
- Rückblick auf Sturmtief ELLI. Deutscher Wetterdienst, 10. Januar 2026.