Suchań
Stadt in Polen
From Wikipedia, the free encyclopedia
Suchań (deutsch Zachan) ist eine Kleinstadt in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Die Stadt ist Sitz der Stadt-und-Land-Gemeinde Gmina Suchań und gehört mit dieser zum Powiat Stargardzki (Stargarder Kreis).
| Suchań | ||
|---|---|---|
| Basisdaten | ||
| Staat: | ||
| Woiwodschaft: | Westpommern | |
| Powiat: | Stargard | |
| Gmina: | Suchań | |
| Fläche: | 3,57 km² | |
| Geographische Lage: | 53° 17′ N, 15° 19′ O | |
| Einwohner: | ||
| Postleitzahl: | 73-132 | |
| Telefonvorwahl: | (+48) 91 | |
| Kfz-Kennzeichen: | ZST | |
| Wirtschaft und Verkehr | ||
| Straße: | DK 10 Lubieszyn ↔ Płońsk | |
| DW 160 Suchań ↔ Miedzichowo | ||
| Eisenbahn: | PKP-Linie Ulikowo ↔ Piła, Bahnstation: Tarnowo Pomorskie | |
| Nächster int. Flughafen: | Flughafen Stettin-Goleniów | |
Geographische Lage
Der Ort liegt in Hinterpommern, am Krebsbach, einem Nebenfluss der Ina, etwa 21 Kilometer östlich der Stadt Stargard. Durch den Ort hindurch führt die Landesstraße 10 (droga krajowa 10) Stettin–Bromberg.
Geschichte


In einer Urkunde aus dem Jahre 1269 wird erstmals eine „villa Zukan“ erwähnt. Anfänglich war die Ortschaft eine Tafelgut der Herzöge von Pommern, die hier im nahe gelegenen Buchenwald, der Hagen genannt, wegen der Reiherbeize ein Jagdschloss hatten.[1] Zu dieser Zeit lag der pommersche Herzog Barnim I. mit dem Johanniterorden über Schuldforderungen gegen ihn im Streit. Der Orden erhob Anspruch auf mehrere Städte, zu denen auch Zachan gehörte. Schließlich gelang es den Johannitern, mit Hilfe des Papstes Zachan in ihren Besitz zu bringen.
Wann Zachan Stadtrecht erhielt, ist unsicher, einige Quellen nennen das Jahr 1487. Sie richteten 1312 dort einen Komtursitz (Verwaltungssitz) ein. Ebenfalls bereits im ausgehenden 13. Jahrhundert hatten die Herren von Güntersberg ihren Hauptsitz in Ravenstein, einem heutigen Stadtteil von Zuchan eingenommen. Im Jahre 1545 wechselte Zachan seinen Eigentümer, es wurde von dem Hofmarschall Wolf Borcke erworben. 1596 wurde die Stadt durch Feuer fast vollständig eingeäschert.[1] Nach einger Zeit kam die Stadt wieder durch Kauf an die Herzöge von Pommern; 1646 war sie die Residenz der Witwe des Herzogs Ulrich von Pommern, Herzogin Hedwig, der sie zum Leibgedinge angewiesen worden war.[1] Es gab dann erneut einen Eigentumswechsel, als 1654 die Familie von Schwerin mit Zachan belehnt wurde. Ihr gehörte die Stadt bis 1709, als die Stände des Herzogtums Pommern die Stadt wieder einlösten, worauf sie anfangs dem königl. Amt Saatzig, dann aber dem Amt Dölitz zugeordnet wurde.[1]
1784 wird in einer Ortsbeschreibung Zachan als „eine offene zu dem königlichen Amte Dölitz gehörige Mediatstadt“ erwähnt. Es heißt außerdem, dass damals Zachan 109 zum größten Teil strohgedeckte Häuser und 550 Einwohner hatte. Neben den üblichen Gewerken entstand eine bedeutende Leinenweberei.[2]
Nachdem das pommersche Herrscherhaus ausgestorben war, kam Hinterpommern, zu dem auch Zachan gehörte, an die Mark Brandenburg. Es wurde in den Saatziger Kreis eingegliedert, aus dem nach der preußischen Verwaltungsreform von 1818 der Kreis Saatzig mit der Kreisstadt Stargard wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Zachan eine evangelische Kirche, ein Rettungshaus, eine Bierbrauerei sowie Mühlen und Sägewerke.
Anfang der 1930er Jahre hatte die Gemarkung der Stadt Zachan einen Flächeninhalt von 18,4 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen standen zusammen 250 bewohnte Wohnhäuser an fünf verschiedenen Wohnorten:[3]
- Bergrad
- Fährzoll
- Kolonie Zachan
- Stadtgut Zachan
- Zachan
Um 1935 gab es in Zachan vier Gasthöfe, zwei Bankgeschäfte, eine Bierbrauerei, vier Gemischtwarenläden, zwei Getreidehandlungen, zwei Holzsägewerke, zwei Mühlen, sieben Viehhandlungen und zahlreiche Einzelhandelsgeschäfte, Handwerksbetriebe und Dienstleister.[4]
Im Jahr 1945 gehörte die Stadt Zachan zum Kreis Saatzig im Regierungsbezirk Stettin der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt zu 50 % zerstört. Nach der Besetzung durch die Rote Armee wurde die Stadt unter polnische Verwaltung gestellt. Es begann die Zuwanderung von Polen, vorwiegend aus den im Rahmen der „Westverschiebung Polens“ an die Sowjetunion gefallenen Gebieten östlich der Curzon-Linie. In der Folgezeit wurden die deutschen Bewohner der Stadt Zachan von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben. Zachan wurde in Suchań umbenannt.
Demographie
| Jahr | Einwohner | Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1784 | 550 | |
| 1802 | 623 | Stadt in einer sehr fruchtbaren Gegend[5] |
| 1810 | 610 | [5] |
| 1816 | 659 | davon 647 Evangelische und zwölf Juden;[5] nach anderen Angaben 655 Einwohner[6] |
| 1817 | 655 | Stadt mit einer Mutterkirche[7][1] |
| 1821 | 703 | [5] |
| 1905 | 1384 | [8] |
| 1910 | 1343 | am 1. Dezember, Stadt mit einer evangelischen Pfarrkirche, einem Krankenhaus, einem Elektrizitätswerk, zwei Bankgeschäften, Krammärkten, einer Brauerei, einer Färberei, Mühlen und Webereien[9] |
| 1925 | 1299 | darunter 9 Katholiken und 22 Juden[3][10] |
| 1933 | 1370 | [10][11] |
| 1939 | 1302 | [10] |
Im Jahr 2009 lebten hier ca. 4300 Personen.
Sehenswürdigkeiten
Auf dem Anger steht die spätmittelalterliche, aus Findlingen erbaute Kirche. In ihrem Innern befindet sich ein vier Meter hoher Renaissancealtar mit reichen Verzierungen aus dem Jahre 1618.
Söhne und Töchter der Stadt
- Karl Gustav von Hille (vor 1590–1647), deutscher Hofbeamter und Schriftsteller
- Michael Friedrich Quade (1682–1757), deutscher evangelischer Theologe und Schulmann
- Paul Gennrich (1865–1946), deutscher evangelischer Theologe und Generalsuperintendent
- Martin Lindow (1880–1967), deutscher Astronom
- Friedrich-Carl zur Megede (1921–2003), deutscher Jurist, Präsident des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main
Literatur
- Zachan, Stadt, unweit der Ihna, Kreis Saatzig, Regierungsbezirk Stettin, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Zachan (meyersgaz.org).
- Paul Schulz (Hrsg.): Der Kreis Saatzig und die kreisfreie Stadt Stargard – Ein pommersches Heimatbuch. Rautenberg, Leer 1984, ISBN 3-7921-0307-9.
- Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern – Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 558; Textarchiv – Internet Archive.
- Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstentums Rügen. II. Teil, 4. Band. Anklam 1868, S. 410–429; Textarchiv – Internet Archive.
- Martin Zeiller: Zachan. In: Matthäus Merian (Hrsg.): Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae (= Topographia Germaniae. Band 13). 1. Auflage. Matthaeus Merians Erben, Frankfurt am Main 1652, S. 128 (Volltext [Wikisource]).
Weblinks
- Stadt Zachan (Territorial.de)
- Die Stadt Zachan im ehemaligen Kreis Saatzig in Pommern ( vom 5. Juli 2016 im Internet Archive) (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011).
- Zachan beim Heimatkreis Saatzig
