Sulfolobus

Gattung der Familie Sulfolobaceae From Wikipedia, the free encyclopedia

Sulfolobus ist eine Gattung von hyperthermophilen Archaea aus der Familie Sulfolobaceae im Reich Thermoproteati.[1][2][A. 1] Einige Vertreter sind darüber hinaus acidophil. Die Gattung wurde 1972 von Thomas D. Brock, einem US-amerikanischen Mikrobiologen, in der Zeitschrift Archiv für Mikrobiologie erstbeschrieben.[3] Sulfolobus-Arten wachsen in vulkanischen Quellen, wobei das optimale Wachstum bei einem pH-Wert von 2 bis 3 und Temperaturen von 75 bis 80 °C stattfindet, weshalb sie als acidophil bzw. thermophil gelten. Sulfolobus-Zellen sind unregelmäßig geformt und begeißelt. Vo der Gattung Sulfolobus wurde 2018 von Sakai & Kurosawa die neue Gattung Saccharo­lobus abgespalten;[4] und die Spezies Sulfolobus tokodaii wurde in diesem Jahr von Tsuboi et al. in die bereits bestehende Gattung Sulfuri­sphaera verschoben. Alle drei Gattungen, Sulfolobus, Saccharolobus und Sulfurisphaera gehören zur selben Familie Sulfolobaceae.[1][5][6]

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Sulfolobus

Eine Sulfolobus-Zelle, mit zwei
freigesetzten STSV1-Viren. Balken: 1 µm

Systematik
Reich: TACK (Thermoproteati)
Stamm: Thermoproteota
Klasse: Thermoprotei
Ordnung: Sulfolobales
Familie: Sulfolobaceae
Gattung: Sulfolobus
Wissenschaftlicher Name
Sulfolobus
Brock (1972)
Schließen
Ein ungefähres Bild der lappigen Form von Archaeen der Gattung Sulfo­lobus.

Merkmale

Die Gattung Sulfolobus zeichnet sich durch die folgenden prägnanten Merkmale aus:

  1. kugelförmige Zellen, die häufig Lappen bilden
  2. fakultativ autotroph auf Schwefel oder einfachen organischen Verbindungen
  3. Zellwand ohne Peptidoglycan
  4. säureliebend, mit einem optimalen pH-Wert von 2–3, verträgt aber einen Bereich von 0.9 bis 5.8
  5. wärmeliebend mit einem Optimum von 70 bis 75 °C (Bereich 55 bis 80 °C)

Mittels eines Cäsiumchlorid-Gradienten wurde der GC-Gehalt des Erbgutes mit 60–68 % bestimmt.

Systematik

Artenliste mit Auswahl an Stämmen (ggf. MAGs bzw. 16S rRNA-Zugriffsnummern), Stand 14. Juli 2025:

Gattung Sulfolobus Brock et al. 1972(L,N,G)[3]

  • Spezies Sulfolobus acidocaldarius Brock et al. 1972(L,N,G)[3]
    • Stamm DSM 639(L,N,G) alias ATCC 33909, IFO 15157, JCM 8929, NBRC 15157 oder D14876(L,N)
    • Stamm N8(N,G)
    • Stamme Ron12/I(N) alias Ron12;I(G)
    • Stämme GG12-C01-05; GG12-C01-05; NG05B_C06_13; …(G)
  • Spezies Sulfolobus acidocaldarius_A(G)[A. 2]
    • Stamm SUSAZ(N,G)
  • Spezies „Sulfolobus ambivalensZillig et al. 1985(L)[7]
  • Spezies „Sulfolobus beitou“ – unveröffentlicht (Hung 2007 & Feng 2022)(N)
    • Stämme 4-HJ; DBS(N)
  • Spezies „Sulfolobus islandicusZillig et al. 1994(L,N)[8] [„Saccharolobus islandicus(Zillig et al. 1994) Counts et al. 2021(L,N)][A. 3]
  • Spezies „Sulfolobus mongibelliSokolova et al. 2012(N)
    • Stamm SYET(N)
  • Spezies „Sulfolobus neozealandicusArnold et al. 2000(L,N)[A. 4][9]
    • Stämme 4/2; 23/4(N)
  • Spezies „Sulfolobus tengchongensisXiang et al. 2003(L,N)[10] [inkl. Sulfolobus sp. RT8-4(N)] – wird vom Sulfolobus-Virus STSV1 parasitiert
    • Stamm CGMCC 1.3345 alias RT8-4 oder AY135637(L,N)
  • Spezies „Sulfolobus thuringiensisFuchs et al. 1996(N)
    • Stamm Ron12/I alias X90485(N)
  • Spezies „Sulfolobus vallisabyssus“ – unveröffentlicht (Hung 2007)(N)
    • Stamm F alias EF660336(N)
  • Spezies Sulfolobus yangmingensis Jan et al. 1999(L,N)[11]
    • Stamm YM1 alias AB010957(L,N)[11]
  • Spezies Sulfolobus sp. A20-N-F6 – unveröffentlicht (Yun et al. 2018)(N)
    • Stamm A20-N-F6(N)
  • Spezies Sulfolobus sp. A20-N-F8 – unveröffentlicht (Yun et al. 2018)(N)
    • Stamm A20-N-F8(N)
  • Spezies Sulfolobus sp. A20-N-G8 – unveröffentlicht (Yun et al. 2018)(N)
    • Stamm A20-N-G8(N)

(G) – Genome Taxonomy Database(G)[12]
(L) – List of Prokaryotic names with Standing in Nomenclature(L)[1]
(N) – Taxonomie des National Center for Biotechnology Information(N)[13]

Anm.: Der erstgenannte „Stamm“ (bzw. DNA-Sequenz, MAG) ist die Referenz.

Viren

Arten der Gattung Sulfolobus werden von einer Reihe sehr vielgestaltiger Viren parasitiert. Neben dem „Sulfolobus-Virus STSV1“ (vorgeschlagen als Mitglied der spindelförmigen Bicaudaviridae) sind dies u. a. folgende (mit Stand 14. Juli 2025 noch nicht offiziell bestätigte und klassifizierte) Viren:

Anmerkungen

  1. Die Genome Taxonomy Database (GTDB) verweist die Ordnung Sulfolobales in eine eigene Klasse Thermoprotei_A (manchmal auch als Sulfolobia bezeichnet).
  2. In der GTDB abgetrennt von Sulfolobus acidocaldarius; in der NCBI-Taxonomie nicht
  3. Die Spezies gilt in der NCBI-Taxonomie al nach Saccharolobus verschoben, nicht aber in der LPSN
  4. Von der Spezies sind bisher nur Plasmide sequenziert.(N)
Commons: Sulfolobus – Sammlung von Bildern

Quellen

Related Articles

Wikiwand AI