Sung Tieu

vietnamesisch-deutsche bildende Künstlerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Sung Tieu (geboren 1987 in Hải Dương, Vietnam) ist eine in Berlin lebende bildende Künstlerin. Kennzeichnend für ihr Werk ist der Einsatz unterschiedlicher Medien wie Installation, Sound und Text, Video und Performance. Tieu wurde von der Kuratorin Kathleen Reinhardt zusammen mit der Künstlerin Henrike Naumann für die Gestaltung des Deutschen Pavillons auf der 61. Biennale di Venezia 2026 benannt.[1]

Sung Tieu (2020)

Leben und Werk

Sung Tieu wurde 1987 im vietnamesischen Hải Dương geboren. Sie kam 1992 mit ihrer Mutter über die tschechische Grenze nach Sachsen, wo die Mutter Asyl beantragte. Ihr Vater hatte drei Jahre zuvor Vertragsarbeit in einem Stahlwerk in Freital gefunden, das damals noch zur DDR gehörte.[2] 1994 zog die Familie nach Berlin-Lichtenberg und lebte bis 1997 in einem Wohnblock in der Gehrenseestraße. Dort wurden seit 1982 hauptsächlich DDR-Vertragsarbeitende und Asylsuchende aus Vietnam untergebracht.[3] 2007 nahm Tieu die deutsche Staatsbürgerschaft an.[4]

Nach ihrem Studium an der Hochschule für bildende Künste Hamburg (2009–2013) erwarb Tieu einen Abschluss am Goldsmiths College der University of London und absolvierte das Postgraduate Programme der Royal Academy of Arts, London.

In ihrer künstlerischen Praxis beschäftigt sich Tieu mit Migration, bürokratischen und institutionellen Machtstrukturen sowie insbesondere der Perspektive von vietnamesischen Vertragsarbeitern in der DDR und der Diaspora.[5][6] Grundlage ihrer Arbeiten sind intensive Recherche und künstlerische Forschung.

Sie arbeitet medienübergreifend und verbindet in großformatigen Installationen Sound, Video, Objekte, Dokumente, Zeichnungen,[7] öffentliche Interventionen und Performance[8]; daneben entwickelt Tieu auch konzeptionelle Kunstwerke. Für die Realisierung einer Ausstellung im Jahr 2025 am KW Institute for Contemporary Art in Berlin stellte sie die Bedingung, dass der Verkaufserlös ihrer Arbeit Declaration of Donation die fünfjährige Mitgliedschaft der chinesischen Kuratorin und Theoretikerin Mi You im Trägerverein der KW finanziert. Ziel war es, den Trägerverein diverser zu gestalten und zugleich Mechanismen der Ausgrenzung sowie die Intransparenz institutioneller Prozesse zu kritisieren.[9][10]

Sung Tieu wird von der Berliner Kunstgalerie Trautwein Herleth vertreten.[11]

Ausstellungen (Auswahl)

Auszeichnungen

Literatur

  • Pamela N. Corey, Kathleen Ditzig, Cédric Fauq, Damian Lentini: Sung Tieu – Oath against Minimalism. Spector Books, Haus der Kunst, Nottingham Contemporary 2020, ISBN 978-3-95905-413-3
  • Lynn Kost: Sung Tieu: One Thousand Times. Kunst Museum Winterthur, Snoeck Verlag, Köln 2023, ISBN 978-3-86442-426-7

Einzelnachweise

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