Swartewold
Adelsgeschlecht
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Swartewold (auch Swartewolt, Schwartwald o. ä.) ist der Name eines erloschenen niedersächsischen Uradelsgeschlechts.


Geschichte
Ursprünge
Das Geschlecht stammt aus dem Emsland.[1] Die Familie, die zur Landegger und Quackenbrücker Burgmannschaft gehörte, hatte schon früh auch Beziehungen zu Haselünne. So war Bertram von Swartewold schon 1297 Zeuge einer in Haselünne ausgestellten Urkunde. 1308 erscheinen dort auch die Brüder und Burgmänner Gerhard I. und Friedrich von Swartewold.[2] 1317 tritt der Quakenbrücker Burgmann Bernhard I. von Swartewold mit seiner Frau Alveradis auf.[3]
Nach der Aufgabe der Landesburg des Bistums Münster in Haselünne 1319 erlaubte der Münsteraner Bischof Ludwig II. 1346/47 den Burgmännern, sich innerhalb der Stadt anzusiedeln. Zu den danach erbauten, frühen Burgmannshöfen in Haselünne dürfte auch der Hüntelhof in der Ritterstraße 5 gehört haben, denn im Kern stammt der Hof aus der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts. Es wird gemeinhin angenommen, dass die Erbauer dieses Hofs aus der Familie von Swartewold stammten.
Bernhard-Linie zu Hersum und Burg Hesepe
1350 wurde der Knappe Bernhard II. von Swartewold vom Osnabrücker Bischof Johann II. Hut († 1366) mit zwei Höfen und einer Mühle in Hersum belehnt. 1352 verkaufte Bernhard II. von Swartewold „der Alte“ mit seinen Kindern Bernhard III., Hermann, Gerd und Mette vor dem Richter in Haselünne eine Rente aus zwei Erben im Kirchspiel Holte. Bernhard III. von Swartewold „der Junge“ und seine Schwester Ludgard, Kinder von Bernhard II. von Swartewold „dem Alten“, gehörten 1354 zu den Begründern der Vikarie St. Nicolaus und Maria Magdalena in der Haselünner Pfarrkirche. 1358 erscheint Bernhard III. von Swartewold „der Junge“ als Haselünner Burgmann. Damals gehörte er zum lokalen Gerichtskollegium, zusammen mit seinen Burgmännerkollegen zu Landegge und Haselünne. Bernhard IV. von Swartewold, Sohn von Bernhard III. von Swartewold, wurde 1402 und 1412 mit den Höfen und der Mühle in Hersum belehnt, sein Sohn Bernhard V. 1422 und 1424. Sein anderer Sohn hieß Diedrich. Durch seine Gattin Stenseke gelangte Bernhard V. auch in den Besitz der Burg Hesepe im Hochstift Osnabrück und wanderte dorthin aus. 1429 verkaufte der Knappe Bernd/Bernhard V. von Swartewold mit seiner Gattin Stenseke und seiner Tochter Else das Erbe tot Kemnade für 28 Mark. 1442 erhielt Bruder Diedrich von Swartewold die Lehen für die unmündigen Töchter seines inzwischen verstorbenen Bruders, Grete und Stenseke von Swartewold. Grete verheiratete sich mit Johann von Stempel, der 1446 nach Diedrichs Verzicht mit Haus und Wohnung zu Hesepe belehnt wurde, ebenso 1458 mit Haus und Burg zu Holginck anders geheten Hesepe. Nach ihm erhielt seine Witwe Grete Haus und Burg zu Holginck für ihren Lebensunterhalt. 1492 verkaufte sie mit Zustimmung ihrer Schwestertocher Grete und deren Ehemann Johann von Velpe die Burg, die sie als „von ihrer Mutter geerbt“ bezeichnete. Der oben erwähnte Diedrich von Swartewold dagegen findet sich 1446 unter den Haselünner Burgmännern und 1450 als Beisitzer im Gericht zu Haselünne. 1460 erscheint er als verstorben.[2][3]
Gerhard-Linie zum Korffschen Hof und Burgmannshof Steintorstraße 11
Gerhard II. von Swartewold war 1364 Vormund der Kinder des verstorbenen Knappen Otto von Korff, für die er in jenem Jahr den Korffschen Hof in Haselünne als Lehen vom Bischof von Münster empfing. Denselben Hof als Lehen empfing 1379 Johann von Swartewold und nach diesem Gerhard III. von Swartewolt, wohl der Sohn von Gerhard II. 1401 gehörte der Korffsche Hof dem Otto von Korff genannt von Swartewold, der einem späteren Siegelbild zufolge der Familie Swartewold angehörte, wohl durch Heirat einer Korffschen Erbtochter namens Mechtild an den Hof gelangt war und den Beinamen angenommen hatte. Otto von Swartewold (urkundlich bis 1438) und Mechtild von Korff hatten 1402 drei Kinder namens Kunne, Otto und Else. 1442 war der Korffsche Hof im Besitz von Otto von Monnich.[2]
1382 kaufte der bereits erwähnte Gerhard III. von Swartewold, inzwischen „der Alte“ genannt, vom Knappen Martin Gloyesten dessen vor dem Steintor in Haselünne gelegene Vornherberge, wobei ein Bernd von Swartewold als Zeuge auftrat. Diese Vornherberge (Steintorstraße 11) wurde nun Burgmannshof dieser Linie der Swartewold. 1389 wurde vom Münsteraner Bischof Heidenreich Wolf von Lüdinghausen († 1392) Gerhards III. Erbe Hundehof in Haselünne, das er zuvor als Lehen besessen hatte, befreit. 1395 verkaufte Gerhard III. von Swartewold „der Alte“ mit seiner Frau Lyse und seinen Kindern Bernhard, Matthäus, Nicolaus, Gerhard IV., Else, Lücke (später verheiratet mit einem Bernhard von Beesten; 1476 war sie Witwe) und Grete ein Stück Land auf dem Westeresch in Haselünne. 1402 stifteten die Eheleute mit anderen den Altar der Hl. Jungfrau Maria in der Pfarrkirche Haselünne. Zuletzt erscheint Gerhard III. von Swartewold „der Alte“ 1404, als er dem Kirchenrat in Herzlake einen Kotten in Velsen verkaufte. Lyse, die Ehefrau Gerhards III. von Swartewold „dem Alten“, war vermutlich aus dem in dieser Zeit ausgehenden Adelsgeschlecht Thuine, da sie 1393 mit einem Teil des Osthofs in Thuine in der Grafschaft Lingen, dem alten Lehngut der Thuine, beleibzüchtigt wurde, der über sie an Gerhard III. von Swartewold gefallen sein dürfte. 1401 hatte Letzterer von Otto von Thuine weiteren Besitz gekauft. Von Gerhards III. Söhnen war Bernhard von Swartewold 1394 Beisitzer im Gericht Haselünne. Er erscheint noch 1405, hat aber wohl keine Nachkommen hinterlassen. Gerhards III. Sohn Gerhard IV. von Swartewold (der Jüngere) war 1399 Gefolgsmann des Münsteraner Bischofs Otto IV. von Hoya († 1424) in dessen Kampf gegen den Grafen Nikolaus II. von Tecklenburg († 1426) und erscheint noch 1436. Er war mit einer Petronella verheiratet und hinterließ einen Sohn Bernd, der eine Lise ehelichte. Mit ihrer Tochter Lise von Swartewold, die Cord von Bevern heiratete, starb dieser Familienzweig aus. Als Witwe stiftete Lise 1470 zusammen mit ihrer Tante 2. Grades Else von Swartewold, Witwe des Emsländer Amtmanns Gerlach von Pyl (erscheint 1458 als †), 1438 und 1445 Beisitzer um Gericht zu Meppen, eine Memorie für ihren Ehemann in der Pfarrkirche zu Haselünne. Gerhards III. Sohn Matthias wurde Erbe des väterlichen Burgmannshofs und des Guts Thuine. Mit seiner Gattin Heyberg verkaufte er 1404 eine Rente. 1418 wurde er vom Münsteraner Bischof Otto IV. von Hoya mit dem kleinen Zehnten zu Haselünne und dem Thuiner Zehnten belehnt. Von 1411 bis 1424 kommt er wiederholt als Mitglied des Haselünner Stadtrats vor. Nach seinem Tod um 1426 teilten seine Kinder den väterlichen Besitz untereinander. Sohn Gerhard V. von Swartewold erhielt das Gut Thuine. Der Burgmannshof ging auf seine oben bereits erwähnte Tochter Else von Swartewold über, die diesen Burgmannshof ihrem Ehemann Gerlach von Pyl zubrauchte. Auch ein Teil des Gutes Tuine kam über Else an die von Pyl. Witwe Else übergab um 1470 gemeinsam mit ihrem Sohn Hermann und ihrer Nichte Lise, Witwe des Cord von Bevern, dem Kirchenrat in Meppen ein Erbe in Hesepe, ein Haus in Meppen und einen Speicher auf dem Meppener Kirchhof für eine Memorie für Elses Eltern, Lises Eltern, ihre Großeltern und ihre verstorbenen Ehemänner Gerlach von Pyl und Cord von Bevern sowie die Schenkgeber und weitere Familienmitglieder. Gerhard V. von Swartewold (urkundlich bis 1456), 1436 mit dem Hof in Thuine, dem Osthof, der Koldewage und dem Langenhorst belehnt, war in zweiter Ehe ab 1447 mit Godele von Budde zu Hange verheiratet. Sein mit Druda von Cappel verheirateter Sohn Gerd/Gerhard VI. von Swartewold wurde 1458 und 1467 mit den väterlichen Gütern belehnt. Die Eheleute hatten zwei Töchter, Lyse und Grete von Swartewold. Lyse war in erster Ehe mit Gerlach von Pyl, dem Sohn des oben genannten Amtmanns Gerlach von Pyl, Ehemann von Lyses Großtante Else von Swartewold, verheiratet. In zweiter Ehe heiratete Lyse den 1419 zur märkischen Ritterschaft zählenden Dietrich IX. von Horne, Herr auf Haus Marck. Ihre Schwester Grete von Swartewold war verheiratet mit Wolter von Snetlage zu Lonne (1485 Knappe; † nach 1510), 1509 Drost und Amtmann zu Fürstenau. 1476 waren die Schwestern Lyse und Grete von Swartewold verstorben.[2]
Im Mannesstamm starb das Geschlecht aber schon mit dem Tod ihres Vaters Gerd/Gerhard VI. von Swartewold um 1461 aus. Die letzte Geborene von Swartewold wiederum war Grete von Swartewold zu Hesepe, die noch 1492 urkundlich erscheint. Max von Spießen berichtet, dass das Geschlecht vor 1500 erlosch.[1]
Persönlichkeiten
- Friedrich von Swartewold (urkundlich 1352), Magister und Hauslehrer am Hof König Ludwigs von Ungarn; 1352 Domherr zu Münster[4]
- Nikolaus von Swartewold (urkundlich 1365), Kanoniker am Alten Dom zu Münster[5]
- Bernhard Swartewolt († vor August 1413), Domherr zu Münster
- Hermann von Swartewold (urkundlich 1424–1446), Domherr zu Münster und Minden[6]
Wappen
Blasonierung: In Blau ein silberner springender Ziegenbock. Auf dem blau-silbern bewulsteten Helm mit blau-silbernen Helmdecken ein wachsender Bock zwischen zwei blauen Flügeln.[1]
Literatur
- Rudolf vom Bruch: Die Rittersitze des Fürstentums Osnabrück. Osnabrück 1965, S. 279, 282 und 369.
- Rudolf vom Bruch: Die Rittersitze des Emslandes. Münster 1988, S. 72 f., 77 f., 88 ff., 142, 144 f. und 147 f.
- Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Wappengrafiken von Adolf Matthias Hildebrandt, Band 1, Görlitz 1901–1903, S. 117 (hhu.de); Band 2, Görlitz 1903, Tfl. 291 (hhu.de).