Swiss Foundation Code
Best-Practice-Governance-Kodex für gemeinnützige Förderstiftungen in der Schweiz
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Der Swiss Foundation Code (SFC) ist ein freiwilliger Governance-Kodex für gemeinnützige Förderstiftungen in der Schweiz. Er bietet einen praxisorientierten Rahmen aus Grundsätzen und Empfehlungen zur verantwortungsvollen Führung und Selbstregulierung von Stiftungen und gilt als zentrales Orientierungsmittel im Schweizer Stiftungssektor.
Entstehung
Der Swiss Foundation Code wurde 2005 erstmals veröffentlicht und von Swissfoundations – dem Verband der Schweizer Förderstiftungen – initiiert. Ziel war die Entwicklung eines praxisnahen Kodex, um die Professionalität und Glaubwürdigkeit des Stiftungsmanagements zu stärken. Die Entwicklung des SFC war eine Reaktion auf die Lancierung des Swiss Code of Best Practices für börsenkotierte Unternehmen. Zeitgleich entstand der Swiss NPO-Code, der jedoch 2016 in die Richtlinien des ZEWO-Gütesiegels aufgegangen ist. Für jede neue Ausgabe des SFC wurden auf Basis von Anhörungen und Expertengruppen neue und relevante Entwicklungen für die Führung von Stiftungen eingearbeitet. Im Jahr 2005 wurde die erste Ausgabe veröffentlicht, bis 2021 folgten drei weitere. Die Herausgeber der vierten Ausgabe sind Thomas Sprecher, Philipp Egger und Georg von Schnurbein.[1]
Zweck und Aufbau
Der Swiss Foundation Code dient als Instrument der Selbstregulierung und unterstützt Verantwortliche in Stiftungen mit praxisnahen Empfehlungen jenseits gesetzlicher Mindeststandards. Der SFC wird dabei nicht als strikte Checkliste verstanden, sondern als Orientierungsrahmen für gute Stiftungsführung.
Er umfasst in der aktuellen Ausgabe:
- 4 Grundsätze der Foundation Governance
- 28 kommentierte Empfehlungen zu zentralen Themenbereichen wie Gründung, Führung, Finanzierung und Wirkungsorientierung.
Inhalte und Grundsätze
Der SFC beruht auf vier Grundsätzen, die handlungsleitend für gutes Stiftungshandeln sind. Sie stehen in einem gegenseitigen Wirkungszusammenhang, d. h. alle vier Grundsätze sind gleichermassen einzuhalten. Die vier Grundsätze lauten:[1]
- Wirksamkeit – wirksame und effiziente Umsetzung des Stiftungszwecks
- Checks and Balances – für wichtige Entscheidungen und Abläufe besteht ein ausgewogenes Verhältnis von Führung und Kontrolle
- Transparenz – Stiftungen sind offen für Austausch mit Stakeholdern und informieren aktiv
- Gesellschaftliche Verantwortung – Stiftungen entwickeln ihre Organisation und Aktivitäten gemäss den Anforderungen der Zeit
Der SFC gliedert seine Empfehlungen in thematische Blöcke, die sich an den Schlüsselfunktionen der Stiftungsführung orientieren:
- Gründung
- Führung
- Förderung
- Finanzen
Wesentlich für das Verständnis der Führung und Governance der Stiftung im SFC ist die Idee der Stiftung als "Wirkungseinheit", d. h. alle Aktivitäten der Stiftungen müssen im Einklang mit dem Stiftungszweck stehen und einen Beitrag zu dessen Verwirklichung beitragen. Insbesondere darf mit dem Stiftungsvermögen keine Rendite mit Anlagen erwirtschaftet werden, die im Widerspruch zum Stiftungszweck stehen.[2]
Der SFC ist in vier Sprachen (Deutsch, Französisch, Italienisch, Englisch) erschienen und als Buch im Stämpfli Verlag erhältlich. Daneben ist der SFC als PDF auf der Homepage von SwissFoundations verfügbar oder kann mit Hilfe einer KI-basierten Suchfunktion genutzt werden.
Rezeption und Bedeutung
Der Swiss Foundation Code gilt heute als zentrale Richtlinie für Nonprofit-Governance in der Schweiz und geniesst Anerkennung in Wissenschaft und Praxis.[3] Er wird von vielen Schweizer Stiftungen als Selbstregulierungsinstrument genutzt und Schweizer Stiftungsaufsichten und -berater beziehen sich regelmässig auf den SFC. Beispielsweise nutzt die Eidgenössische Stiftungsaufsicht (ESA) den SFC als eine Grundlage für ihren Chatbot.[4] Grosse Schweizer Stiftungen wie die Christoph Merian Stiftung, die Gebert Rüf Stiftung, die Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte oder die Ernst Göhner Stiftung geben in ihren Jahresberichten an, sich an den Inhalten des SFC zu orientieren.
Auch internationale Akteure betrachten ihn teilweise als Beispiel für gute philanthropische Praxis. So wurde der SFC als Vorbild für die Entwicklung eigener Governance-Kodizes für Stiftungen in Österreich und Tschechien genutzt.[5][6] Kritiker weisen darauf hin, dass die freiwillige Natur des Kodex bedeutet, dass seine Einhaltung nicht verbindlich ist und von Stiftung zu Stiftung variiert.[7]
Rechtsnatur
Der Swiss Foundation Code ist rechtlich nicht verbindlich (Soft Law). Er ergänzt die gesetzlichen Bestimmungen des schweizerischen Stiftungsrechts, insbesondere jene des Zivilgesetzbuches, ohne selbst Gesetzescharakter zu besitzen.
Weblinks
- Swiss Foundation Code, swissfoundations.ch