Sympathikolyse

pharmakologische Blockade des Sympathikus From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Sympathikolyse ist ein Verfahren zur zeitweiligen oder andauernden Ausschaltung der sympathischen Innervierung. Es wird u. a. zur Verbesserung der Durchblutung in den Beinen oder Armen angewandt.

Sympathikolyse unter CT-Kontrolle. Der Patient liegt auf dem Bauch. Im oberen Bild ist die Injektionsnadel mit der Spitze hinter der Aorta erkennbar. Das untere Bild zeigt die Kontrolle der Verteilung des mit Kontrastmittel markierten Lysebolus.

Der Sympathikus bewirkt im Gleichgewicht der vegetativen Systeme die Engstellung der Blutgefäße, daher ist nach seiner Ausschaltung in vielen Fällen eine Gefäßerweiterung (Vasodilatation) zu erzielen. Verschlossene Gefäße werden nicht wieder eröffnet, aber die Kollateralen werden besser durchblutet.

Anwendungsgebiete

Hauptindikation ist die pAVK im klinischen Stadium III und IVa, wenn die kleinen, nicht rekonstruierbaren Gefäße für das Problem wesentlich sind.[1] Eine Cochrane-Metaanalyse von 2016 fand allerdings keine Studien, die zum Wirkungsnachweis geeignet wären.[2]

Weitere Indikationen sind

Kontraindikationen

Nur bei intakten zuführenden Arterien wird die Durchblutung dann stark erhöht. Wenn auch die zentralen Arterien fixiert verengt sind, kann es im Gegenteil zu Druckabfall, und bei Unterschreiten des Venendrucks sogar zu Minderversorgung des Gewebes kommen. Die Sympathikuswirkung ist außerdem an der Haut stärker als in den Muskeln, da die Hautgefäße mehr Rezeptoren aufweisen. Daher ist die Sympathikolyse meist nicht zur Behandlung einer Mehretagen-Durchblutungsstörung geeignet. Ein Blutdruck <50 mm Hg auf Knöchelhöhe gilt als Kontraindikation. Weitere Kontraindikationen sind Diabetes mit Polyneuropathie und Systemerkrankungen mit Gefäßbeteiligung wie Sklerodermie.

Technik

  • Einzelne oder mehrere sympathischen Ganglien können chirurgisch entfernt werden, heute oft in mikroinvasiver und videoassistierter Technik. Dies geschieht an der Brustwirbelsäule (für den Arm) oder vor der Lendenwirbelsäule (für das Bein). Unerwünschte Wirkungen können sein: Schmerzen, Erythromelalgie, Horner-Syndrom nach der Brustoperation, Erektionsstörung nach dem Eingriff in der Lumbalregion, Verletzungen angrenzender Strukturen wie Arterien oder Harnleitern.
  • Ausschaltung der Ganglien durch Injektion von Alkohol oder Phenol gemischt mit einem örtlichen Betäubungsmittel. Die Lage der Nadel wird durch computertomographische Aufnahmen überwacht. Unerwünschte Wirkungen sind ähnlich wie bei den operativen Eingriffen, allerdings seltener. Komplikationen werden mit ca. 2 % angegeben, Symptombesserung mit 38–32 %.
  • Auch an anderen Stellen des Körpers kann das sympathische Nervengeflecht blockiert werden. Der an den großen Bauchgefäßen liegende sympathische Plexus kann z. B. in örtlicher Betäubung unter Steuerung im Computertomogramm durch Injektion von konzentriertem Alkohol ausgeschaltet werden (Verfahren der interventionellen Radiologie).
  • Zur Verbesserung der Durchblutung an den oberen Extremitäten kann die Leitungsanästhesie des Ganglion stellatum vorgenommen werden. Durch diese Blockade kommt es neben einer Vasodilatation im gesamten Einzugsgebiet zu einer verminderten Schweißsekretion (Anhidrosis) und einem Horner-Syndrom. Letzteres ist ein Zeichen für die erfolgreiche Durchführung der Blockade. Die vorübergehende Stellatumblockade wird z. B. zur Therapie eines fortgeschrittenen komplexen regionalen Schmerzsyndromes durchgeführt. Eine chirurgische Ausschaltung des Ganglion stellatum ist das letzte Mittel der Wahl bei einem Morbus Raynaud.

Literatur

  • Horst Rieger, Werner Schoop: Klinische Angiologie. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-662-08104-4, S. 370–373.

Einzelnachweise

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