Szarocin
Dorf in Polen
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Szarocin (deutsch Pfaffendorf) ist ein Ortsteil der Landgemeinde Kamienna Góra (Landeshut) im Powiat Kamiennogórski der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen.
| Szarocin | ||
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| ? Hilfe zu Wappen |
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| Basisdaten | ||
| Staat: | ||
| Woiwodschaft: | Niederschlesien | |
| Powiat: | Kamienna Góra | |
| Gmina: | Kamienna Góra | |
| Geographische Lage: | 50° 46′ N, 15° 55′ O | |
| Einwohner: | ||
| Telefonvorwahl: | (+48) 75 | |
| Kfz-Kennzeichen: | DKA | |
| Wirtschaft und Verkehr | ||
| Straße: | Kamienna Góra – Kowary | |
| Nächster int. Flughafen: | Breslau | |

Geographie
Szarocin liegt im Riesengebirge, acht Kilometer südwestlich von Kamienna Góra (Landeshut). Nachbarorte sind Rędziny (Röhrsdorf) im Norden, Raszów (Reußendorf) und Pisarzowice (Schreibendorf) im Nordosten, Przedwojów (Reichhennesdorf) im Osten, Janiszów (Johnsdorf) und Stara Białka (Altweißbach) im Südosten, Miszkowice (Michelsdorf) und Jarkowice (Hermsdorf) im Süden, Ogorzelec (Städtisch Dittersbach) und Leszczyniec (Haselbach) im Westen und Kowary (Schmiedeberg im Riesengebirge) im Nordwesten.
Geschichte
Pfaffendorf wurde erstmals 1292 in der Stiftungsurkunde des Klosters Grüssau als „Sorotindorff“ erwähnt. Es gehörte zu den 14 Dörfern, die zusammen mit der Stadt Liebau dem Kloster mit allen Abgaben, Rechten und Pflichten übertragen wurden und den Grundstock des Stiftslandes bildeten. Später kam für „Sorotindorff“ die Bezeichnung „Pfafindorff“ auf, aus der sich die Schreibweise „Pfaffendorf“ entwickelte. Um 1350 wurde Pfaffendorf dem herzoglichen Kastellan Conrad von Czirn (Tschirn) in (Bolken)Hayn überlassen und fiel nach dessen Tod wieder an das Kloster zurück.[1]
In Pfaffendorf entwickelte sich ein ritterschaftliches Erb- und Lehngut. 1606 waren die Gebrüder Horn Besitzer der Gutsherrschaft. Später vollzog sich in der Grundherrschaft mehrfach ein schneller Besitzeswechsel. Zunächst kam die junge briefadelige Familie Ducius von Wallenberg, an den 1697 zu Wien nobilitierten Melchior von Wallenberg (* 1659; † 1727). Er war Inhaber mehrerer Güter und gräfllich schaffgottscher Hauptmann.[2] Dann gelangte der Besitz an die uradeligen des Christoph von Seidlitz. Von ihm zeugte ein steinernes Wappen am Herrenhaus. Die wenig bekannte Familie von Leckow folgte später. Sie waren 50 Jahre die Gutsherren. Bis 1838/1839 bewirtschaftete J. C. Alberti das örtliche Gut und zog danach nach Schmiedeberg, er übergab zuvor 50 Reichstaler für die Armen.[3] Daraufhin trat Frau von Schmidthals, geborene Brandt von Lindau-Schmerwitz, als Gutsfrau in Erscheinung. Mitte des 19. Jahrhunderts kaufte der wegen seiner Verdienste an den Fürsten Blücher 1819 geadelte Regierungsrat Karl von Heinen (* 1777; † 1852), verheiratet mit und Maria von Dickmann und Secherau (* 1792; † 1844), mehrere Rittergüter, so auch Pfaffendorf.[4] Ihm beerbte der wohl bekannteste Pfaffendorfer, sein Sohn, der Kammerherr Gustav von Heinen, verheiratet mit Elise von Thielen-Schreibendorf. Zur Zeit der Familie von Heinen beinhaltete Gut Pfaffendorf 440 ha. Teile des Rittergutes waren teilweise in Parzellen verpachtet.[5] Der Gutsherr war zugleich Amtsvorsteher der Region.[6] Erbin als Gutsherrin, das Ehepaar von Heinen hatte eine jungverstorbene Tochter Marie, wurde Elise von Heinen (* 1829; † 1917).[7] Die Besitzungen der Elise von Heinen in Schreibendorf gingen an die Familie Schack. Das Gut in Pfaffendorf wiederum übernahm das von Heinensches Adel. Fräuleinstift. Als Kurator agierte Hauptmann Friedrich Freiherr von Rotenhan auf Schloss Buchwald. Dessen Sohn Werner Freiherr von Rotenhan betreute das eigene Gut. Rentmeister war Kapitänleutnant a. D. Lückhoff, unterstützt von Förster Lebrecht. 1937 betrug die Gesamtfläche des Gutes 450 ha, davon 97 ha Acker, 20 ha Wiesen, 9 ha Weide, 20 ha Wiesen, 3 ha Park, 1 ha Garten, 1 ha Wasser. 2 ha gehörten zur Forstpflanzungsschule, 1 ha zum Hof. Pächter der Landwirtschaft war Amtsvorsteher Richard Wilde. Die Gastwirtschafthaft und das Logierhaus Zur Brauerei wurden von Erich Tschichel gepachtet. Im Wesentlichen wird diese dörfliche Aufteilung bis 1945 geblieben sein.[8]
Politische Historie
Nach dem Tod des Herzogs Bolko II. von Schweidnitz 1368 fielen die Herrschaftsgebiete von Schweidnitz-Jauer erbrechtlich an die Krone Böhmen, wobei Bolkos II. Witwe Agnes von Habsburg bis zu ihrem Tod 1392 ein Nießbrauch zustand.
Nach dem Ersten Schlesischen Krieg fiel Pfaffendorf zusammen mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen.
Nach der Neugliederung Preußens 1815 gehörte Pfaffendorf zur Provinz Schlesien und war ab 1816 dem Landkreis Landeshut eingegliedert, mit dem es bis 1945 verbunden blieb. Seit 1874 gehörte Pfaffendorf zusammen mit den Landgemeinden Bertholdsdorf, Rauske und Sasterhausen und den gleichnamigen Gutsbezirken zum Amtsbezirk Bertholsdorf.[9] Von wirtschaftlicher Bedeutung waren neben der Gutswirtschaft eine Brauerei sowie der Tourismus. 1939 lebten 715 Einwohner in Pfaffendorf.
Als Folge des Zweiten Weltkriegs fiel Pfaffendorf 1945 wie fast ganz Schlesien an Polen und wurde in Szarocin umbenannt. Die deutsche Bevölkerung wurde, soweit sie nicht vorher geflohen war, vertrieben. Die neu angesiedelten Bewohner waren teilweise Zwangsumgesiedelte aus Ostpolen, das an die Sowjetunion gefallen war. 1975–1998 gehörte Pisarzowice zur Woiwodschaft Jelenia Góra.
Sehenswürdigkeiten
- Das Barockschloss wurde Anfang des 17. Jahrhunderts aus einem Renaissance-Gutshaus umgebaut. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde es erweitert. Es ist ein zweigeschossiger Bau mit Walmdach. In den Erdgeschossräumen befinden sich Stuckreliefs.
- Die Barockfiguren im Park wurden im 19. Jahrhundert aus dem Schlosspark Blasdorf hierher überführt.
Literatur
- Alexander Duncker (Hrsg.): Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der preußischen Monarchie nebst den Königlichen Familien-, Haus-Fideicommiss- und Schatull-Gütern in naturgetreuen, künstlerisch ausgeführten, farbigen Darstellungen nebst begleitendem Text. Band 6, Selbstverlag, Berlin 1863/1864, Textblatt 355. Pfaffendorf.
- Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen. Schlesien. Deutscher Kunstverlag, München u. a. 2005, ISBN 3-422-03109-X, S. 899.
Archivalien (Auszug)
- Pfaffendorf: Heinensches adliges Fräuleinstift im Schloss Pfaffendorf., In: GStA PK I. HA Rep. 89, Nr. 24029 (vorab Rep. 89, H XX Schlesien Nr. 8.)
- 1873: Pfaffendorf mit den Pertinenzgütern: Alt- und Neu-Weisbach, Nieder-Haselbach (Zinsgüter ohne Areal) 1687 Morgen (davon 542 Acker, 158 Wiesen , 985 Wald , 2 Wasser) Grundsteuer 922.
Weblinks
- Deutsche Digitale Bibliothek/Herder-Institut Marburg (Lahn): Bildmotive Schloss Pfaffendorf
- Pfaffendorf (Szarocin)- Ortsgeschichte (Verfasser: Hella Tegeler)
- Amtsbezirk Pfaffendorf
- Gemeindeverzeichnis 1908
- Historische Ansichten
- Historische und aktuelle Aufnahmen sowie geographische Lage
- Zeittafel Landkreis Landeshut
