Sägerochen

Familie der Ordnung Pristiformes From Wikipedia, the free encyclopedia

Sägerochen (Pristidae (Gr.: „pristis“ = Säge)), oft auch Sägefische genannt und von den Sägehaien zu unterscheiden, sind Rochen, die einen eher gestreckten, haiähnlichen Körper haben. Ihr auffallendstes Merkmal ist die „Säge“, ein knorpeliger, seitlich mit Zähnen besetzter Auswuchs des Kopfes, der mehr als 25 % der Gesamtlänge der Fische ausmachen kann. Die Säge dient dem Beutefang. Dazu schwimmen die Tiere in Fischschwärme und schlagen dann mit der Säge hin und her, um anschließend die verletzten Opfer zu fressen. Weiterhin wird sie benutzt, um in schlammigem Boden nach Weich- und Krebstieren zu wühlen. Die Säge dient auch als Sinnesorgan für elektromagnetische Signale, um Beutetiere aufzuspüren.

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Sägerochen

Der Sägerochen Pristis pristis im Georgia Aquarium in Atlanta.

Systematik
ohne Rang: Kiefermäuler (Gnathostomata)
Überklasse: Knorpelfische (Chondrichthyes)
Klasse: Plattenkiemer (Elasmobranchii)
Teilklasse: Rochen (Batomorphi)
Ordnung: Rhinopristiformes
Familie: Sägerochen
Wissenschaftlicher Name
Pristidae
Bonaparte, 1838
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Merkmale

Sägerochen sind große Rochen und erreichen ausgewachsen eine Länge von 2,4 bis 5, nach einigen Berichten sogar 6 bis 8 Metern. Nur Pristis clavata bleibt mit 1,40 Meter eher klein. Der Körper ist leicht abgeflacht und haiartig. Der Schwanzstiel ist sehr kräftig, seitlich abgeflacht und verfügt über seitliche Kiele. Der Übergang vom Körper zum Schwanzstiel verläuft allmählich. Der Körper ist mit kleinen Placoidschuppen bedeckt. Größere Stacheln sind weder auf der Körperoberseite noch auf dem Schwanzstiel vorhanden. Der Kopf ist abgeflacht und trägt die namensgebende „Säge“, ein stark verlängertes, flaches Rostrum, das zu beiden Seiten mit je einer Reihe von sägezahnartigen gleichförmigen Zähnen besetzt ist. Die Zähne sitzen in tiefen Sockeln, wachsen ständig weiter und werden bei Verlust durch nachwachsende ersetzt. Die Säge ist vor allem ein Sinnesorgan, um Beutetiere aufzuspüren, und dient daneben dazu, durch Stochern im Boden Nahrung aufzuscheuchen oder Schwarmfische durch wildes Hin- und Herschlagen bewegungsunfähig zu machen oder zu töten. Die Augen auf der Kopfoberseite befinden sich weit vor den Spritzlöchern. Auf der Kopfunterseite befinden sich auf jeder Seite fünf Kiemenspalten etwa auf Höhe der Mitte der Brustflossenbasis. Kiemenreusenstrahlen fehlen. Das Maul an der Kopfunterseite steht quer, ist gerade und ohne Gruben, Falten oder ähnliche Merkmale. Die Nasenöffnungen liegen vor dem Maul, stehen weit auseinander und sind deutlich vom Maul getrennt. Die vorderen Nasenklappen sind kurz, nicht miteinander verbunden und erreichen auch nicht das Maul. Die Kieferzähne sind sehr klein, von runder oder ovaler Form und ohne irgendwelche Spitzen. Sie sitzen in 60 oder mehr Reihen in jedem Kiefer, sind uniform und nicht plattenartig.

Die Brustflossen sind im Vergleich zu denen anderer Rochen relativ klein und nicht mit dem Rumpf zu einer Körperscheibe verwachsen. Sie setzen an den hinteren Kopfseiten hinter dem Maul an und enden deutlich vor dem Beginn der Bauchflossenbasis. Die Bauchflossen sind dreieckig und nicht in zwei Loben geteilt. Auf der Oberseite befinden sich zwei große und gleich große Rückenflossen, die sichelförmig oder dreieckig sein können. Sie stehen weit auseinander: die erste vor oder über der Bauchflossenbasis, die zweite auf dem Schwanzstiel. Die Schwanzflosse ist groß und ähnelt der der Haie. Sie ist asymmetrisch (heterocerk), die Wirbelsäule verläuft in der Schwanzflosse nach oben und stützt den oberen Lobus. Der untere Lobus kann mehr oder weniger gut entwickelt sein oder auch ganz fehlen. Sägerochen sind oberseits von gelblicher, brauner, grünlicher oder graubrauner Farbe, der Bauch ist weißlich. Weder auf dem Körper noch auf den Flossen finden sich Zeichnungen oder Markierungen irgendwelcher Art.

Sägerochen können nur mit Sägehaien (Pristiophoridae) verwechselt werden, die ebenfalls ein sägeartiges Rostrum haben. Diese leben jedoch eher in tieferen Meeresregionen und gemäßigten Breiten. Ihre Kiemenöffnungen befinden sich an den Kopfseiten und vor den Brustflossenbasen. Ihr Körper ist weniger abgeflacht, die Sägezähne am Rostrum sind kleiner und auch dessen Unterseite ist mit einer Reihe kleiner Zähne besetzt. In der Mitte des Sägehairostrums findet sich an den Seiten ein Paar langer Barteln.

Weitere Informationen Vergleich von Sägerochen und, Merkmale ...
Vergleich von Sägerochen und Sägehaien
Pristis pristis
Japanischer Sägehai
Merkmale Sägerochen (Pristidae) Sägehaie (Pristiophoridae)
Kiemen: ventral (Kopfunterseite) lateral (Kopfseiten)
Barteln: keine Barteln ein Bartelpaar in der Mitte der Säge
Zähne an der Seite der Säge: gleich groß abwechselnd klein und groß
Habitat: küstennahes Flachwasser in größeren Tiefen der Schelfmeere
Größe: mittelgroß bis groß: 1,4 bis 7,50 m relativ klein bis mittelgroß: 60 cm bis 1,70 m
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Pristis zijsron im Aquarium Genua
Ober- und Unterseite des Rostrums eines australischen Sägerochens.

Vorkommen

Sägerochen leben in tropischen Bereichen des Atlantiks und des Indopazifiks in Küstennähe. Fünf Arten leben an der nördlichen Küste Australiens. Manche Arten gehen auch in die Brackwasserzonen und schwimmen mehrere hundert Kilometer in die Unterläufe großer Flüsse Südostasiens, Neuguineas, Australiens und des Amazonas. Pristis microdon ist in Australien als Süßwassersägerochen bekannt. Große Populationen von Pristis perotteti waren aus dem Nicaraguasee bekannt, wo sie in den 70er Jahren durch kommerziellen Fang wahrscheinlich ausgerottet wurden. Erst 2006 wurden Sägerochen und der Bullenhai (Carcharhinus leucas) in Nicaragua unter Schutz gestellt.

Der Gewöhnliche Sägefisch (Pristis pristis) kommt auch in subtropischen Gewässern vor, z. B. im westlichen Mittelmeer oder im kühleren Ostpazifik vom Golf von Kalifornien bis nach Ecuador.

Ernährung

Sägerochen sind langsam schwimmende Fische, die ihre aus Wirbellosen und kleinen Fischen bestehende Nahrung vor allem in Bodennähe aufnehmen. Schwarmfische werden durch schnelle seitliche Schläge mit der Säge getötet oder verletzt und dann gefressen.

Fortpflanzung

Sägerochen sind eilebendgebärend (ovovivipar). Sie können mehr als 20 Junge bekommen. Die Säge ist bei der Geburt noch weich und wird erst hart, wenn der bei der Geburt sehr große Dottersack aufgebraucht ist.

Systematik

Schon 1758 wurde der erste Sägefisch durch den Begründer der binären Nomenklatur Carl von Linné in seiner Systema Naturæ als Squalus pristis (heute Pristis pristis) beschrieben. Die Familie der Sägerochen (Pristidae) wurde 1838 durch den Biologen Charles Lucien Bonaparte aufgestellt. Meist werden die Pristidae heute einer eigenständigen Ordnung (Pristiformes) innerhalb der Rochen zugeordnet. Phylogenetisch stehen die Sägerochen jedoch tief innerhalb einer Klade von verschiedenen Geigenrochengattungen. Die Geigenrochen werden dadurch zu einem paraphyletischen Taxon.[1] Einer neuen, Säge- und Geigenrochen umfassenden Ordnung wurde der Name Rhinopristiformes gegeben.[2]

Weitere Informationen Die systematische Stellung der Sägerochen innerhalb einer großen Geigenrochenklade nach Aschliman u. a. (2012), Die innere Systematik der Sägerochen nach Faria u. a. (2012) ...
Die systematische Stellung der Sägerochen innerhalb einer großen Geigenrochenklade nach Aschliman u. a. (2012)[1] Die innere Systematik der Sägerochen nach Faria u. a. (2012)[3]
  Rochen (Batoidea)  

 Rajiformes


   

 Zitterrochenartige (Torpediniformes)


   

 Trygonorrhinidae


   
  Rhinopristiformes 

 Rhinobatos


   


 Sägerochen (Pristidae)


   

 Glaucostegidae



   

 Rhinidae




   

 Stechrochenartige (Myliobatiformes)






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  Sägerochen (Pristidae)  
  Anoxypristis 

 Spitzkopf-Sägerochen (Anoxypristis cuspidata)


  Pristis 


 Zwergsägerochen (Pristis clavata)


   

 Schmalzahn-Sägerochen (Pristis pectinata)


   

 Langkamm-Sägerochen (Pristis zijsron)




   

 Gewöhnlicher Sägefisch (Pristis pristis)




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Es gibt zwei Gattungen, davon ist eine monotypisch, und fünf Arten:[3]

Weitere Informationen Gattung, Wissenschaftlicher Name ...
Gattung Wissenschaftlicher Name Trivialname IUCN status Verbreitung
Anoxypristis Anoxypristis cuspidata
(Latham, 1794)[4]
Spitzkopf-Sägerochen Stark gefährdet[5] Rotes Meer, Persischer Golf und Indopazifik nördlich bis zum südlichen Japan, südlich bis zum nördlichen Australien und östlich bis in den westlichen Zentralpazifik.
Pristis Pristis clavata
Garman, 1906[6]
Zwergsägerochen Stark gefährdet[7] Westlicher Indopazifik vom Golf von Bengalen über Indonesien bis zum östlichen, tropischen Australien.
Pristis pectinata
Latham, 1794[8]
Schmalzahn-Sägerochen Vom Aussterben bedroht[9] Tropischer und subtropischer Atlantik, möglicherweise auch im Mittelmeer.
Pristis pristis
(Linnaeus, 1758)[10]
Gewöhnlicher Sägefisch Vom Aussterben bedroht[11] Weltweit in den Tropen und Subtropen, auch im westlichen Mittelmeer. Im Nicaraguasee, in westafrikanischen Flüssen, im Kongo und im Sambesi auch im Süßwasser.
Pristis zijsron
Bleeker, 1851[12]
Langkamm-Sägerochen Vom Aussterben bedroht[13] Rotes Meer, Persischer Golf und Indopazifik bis zum östlichen, tropischen Australien.
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Stammesgeschichte und Fossilbericht

Libanopristis hiram, ein Sclerorhynchide aus der Oberkreide des Libanon.

Fossil treten Sägerochen gesichert ab dem Eozän auf, darunter bereits die beiden rezenten Gattungen Anoxypristis und Pristis. Nur fossil bekannt ist die Gattung Propristis, die in eozänen Ablagerungen West-Afrikas und Nordamerikas gefunden wurde. Ein sehr früher Sägerochen ist möglicherweise Peyeria aus dem Cenoman des östlichen Nordafrika, aber seine Zuordnung zu den Pristiden ist umstritten.

Rein fossile Vertreter und äußerlich den Sägerochen stark ähnelnd sind die sogenannten Pseudosägerochen (Sclerorhynchidae). Diese Gruppe gilt als die Schwestergruppe einer Klade aus Sägerochen und anderen Rochenfamilien, das heißt, die Sägerochen sind wahrscheinlich mit anderen Rochenfamilien enger verwandt als mit den Pseudosägerochen und der „Sägerochen-Habitus“ hat sich in beiden Familien unabhängig voneinander entwickelt (konvergente Evolution).[14][15] Die Pseudosägerochen lebten von der Oberkreide bis ins Paläozän und wurden vor allem in den USA gefunden. Exemplare von Libanopristis, Micropristis und Sclerorhynchus stammen aus dem Libanon.[16]

Es wird vermutet, dass die Sägerochen erst deshalb im Paläogen eine höhere Diversität entwickeln konnten, weil die heute von ihnen besetzte ökologische Nische bis dahin durch die Pseudosägerochen besetzt war.

Gefährdung

Alle Sägerochenarten sind weltweit vom Aussterben bedroht und stehen auf der Roten Liste (IUCN). Sie werden vor allem als Beifang gefischt, verheddern sich schnell mit ihrer Säge in Netzen und haben nicht die Möglichkeit, sich alleine zu befreien. Außerdem werden Sägen noch immer als Trophäen gesammelt und für die traditionelle chinesische Medizin verwendet, weil ihnen heilende Wirkung zugesprochen wird. Um ein erhöhtes Bewusstsein für die weltweite Gefährdung der Sägerochenarten zu schaffen, wurde 2017 von der American Associations of Zoos and Aquariums und der Sawfish Conservation Society der 17. Oktober zum Tag des Sägefischs („Sawfish Day“) ernannt.[17]

Film

  • Sägefische – Neptuns vergessene Kinder. Dokumentation, 2008, 43 Min., Regie: Florian Guthknecht, Produktion: Bayerischer Rundfunk, Inhaltsangabe von arte. Dokumentation über Sägefische an der Nordküste Australiens und ein Projekt, sie vor dem Aussterben zu bewahren.
  • Der auf den Turm von U 96 gemalte lachende Sägefisch wurde durch den Film Das Boot berühmt.

Quellen

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