Słobity
Siedlung in Polen
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Słobity (deutsch Schlobitten) ist ein Dorf in der Gmina Wilczęta (Landgemeinde Deutschendorf) im Powiat Braniewski (Kreis Braunsberg) der Woiwodschaft Ermland-Masuren in Polen.
| Słobity | ||
|---|---|---|
| ? | ||
| Basisdaten | ||
| Staat: | ||
| Woiwodschaft: | Ermland-Masuren | |
| Powiat: | Braniewo | |
| Gmina: | Wilczęta | |
| Geographische Lage: | 54° 9′ N, 19° 47′ O | |
| Einwohner: | 417 (2021[1]) | |
| Postleitzahl: | 14-405 | |
| Telefonvorwahl: | (+48) 55 | |
| Kfz-Kennzeichen: | NBR | |
| Wirtschaft und Verkehr | ||
| Straße: | (Pasłęk–) Robity/DW 505–Łukszty–Słobity-Stacja → Słobity | |
| Młynarska Wola/DW 509–Janiki Pasłęckie ↔ Jankówko–Gładysze | ||
| Cieszyniec/DW 513–Karwity → Słobity | ||
| Eisenbahn: | Bahnstrecke Malbork–Braniewo Bahnstation Słobity-Stacja | |
| Nächster int. Flughafen: | Danzig | |
Geographie
Słobity liegt im ehemaligen Ostpreußen, in der Landschaft Ermland-Masuren, etwa 13 Kilometer nordöstlich der früheren Kreisstadt Pasłęk (Preußisch Holland) und 27 Kilometer südlich der heutigen Kreismetropole Braniewo (Braunsberg).
Geschichte

Ortsgeschichte
Der Ortsname wird von der altpreußischen Familie Slobithe oder Slobuthe hergeleitet, die in Urkunden genannt worden ist.[2] Im 14. Jahrhundert hieß der ursprünglich prußische Ort Slabitten.[3]
Im 15. Jahrhundert war Diederich von Marwitz der Besitzer von Schlobitten gewesen. Es wird angenommen, dass seine Tochter Anna den Johann Landgreff geehelicht hatte, der im Jahr 1500 als Besitzer von Schlobitten, Scharnitten, Ruskeim, Hensels, Neumark und Fürstenau bezeichnet wird. Ihr Sohn Hartwig galt noch 1553 als Herr dieser Güter. Letzterer verstarb 1553 und hinterließ eine Witwe Anna und eine noch unmündige Tochter Elisabeth, die sich als Erbin der Güter betrachtete. Zwar unternahm sie den Versuch, als Erbin bestätigt zu werden, jedoch ohne Erfolg.[2]
Peter von Donaw (1483–1553)[4] hatte unter Einsatz seines Privatvermögens am Reiterkrieg (1519–1521) des Deutschordensstaats gegen Polen teilgenommen, dabei materielle Einbußen erlitten und war deshalb 1520 von Herzog Albrecht mit einem Schadloshaltungsbrief[5] ausgestattet worden. Durch eine Anordnung vom 30. Dezember 1525 wurde Peter von Donaw in den Besitz von Hof und Haus Schlobitten versetzt. In den darauf folgenden Jahren hat Peter von Donaw die erlittenen Verluste kompensiert und ist ein wohlhabender Großgrundbesitzer, der aus seinem Vermögen sogar dem Herzogshaus Kredite in beachtlicher Höhe gewähren kann. Auf seinem Schloss Mohrungen schrieb er eigenhändig ein an seine Nachkommen (acht Söhne, eine Tochter namens Sophia) gerichtetes Memorandum nieder,[6] in dem er folgende Güter als sein Eigentum bezeichnet: 1. Deutschendorf (84 1/2 Huben), 2. Lauca (60 Huben), 3. Eberssbach, 4. Newen-Markt, 5. Hermessdorff, 6. Schlobitten (20 Huben, der Hof 10 Huben), 7. Klein-Scharnitten, 8. Herrendorff, 9. Furstenau, 10. Karnitten, 11. Gross-Scharnitten, 12. Hensels. Seiner Aufstellung zufolge standen ihm außerdem Leistungen aus zehn anderen Dörfern des Amtes Mohrungen zu.
Um 1785 gehörte das Konglomerat der großen und wichtigen Dohnaschen Güter, einschließlich Schlobitten, zu den 310 adligen Gütern des Mohrunger Kreises.[7] Herrschaftlicher Sitz des Schlobittenschen Majorats war das Rittergut Schlobitten mit dem gleichnamigen Kirchdorf, dem gleichnamigen Vorwerk und dem ansehnlichen Schloss, das eine wertvolle Familienbibliothek beherbergte.[7] Dazu gehörten das Kirchdorf Herrndorf, wo sich eine Wasser- und Windmühle besonderer Bauart befand, sechs andere Bauerndörfer und fünf Vorwerke, die sämtlich im Kreis Preußisch Holland lagen.[7]
Am 28. Mai 1874 wurde Schlobitten Amtsdorf und damit namensgebend für einen Amtsbezirk im ostpreußischen Kreis Preußisch Holland, Regierungsbezirk Königsberg.[8] Zu ihm gehörten anfangs sieben, am Ende noch vier Orte:
| Deutscher Name | Polnischer Name | Anmerkungen |
|---|---|---|
| Giebitten | Gibity | 1928 zu Bunden |
| Guhrenwalde | Górski Las | 1928 nach Luxethen bzw. Schlobitten |
| Herrndorf | Młynarska Wola | |
| Jonikam | Janiki Pasłęckie | |
| Karwitten | Karwity | |
| Monbrunsdorf | Broniszewo | 1939 nach Herrndorf eingegliedert |
| Schlobitten | Słobity | |
| ab 1908: | ||
| Davids | Dawidy | 1928 zu Bunden |
| Erlau | Olszówka | 1928 nach Sumpf eingemeindet |
| Guhren | Góry | 1928 zu Schlobitten |
| Nikolaiken | Mikołajki | 1928 zu Schlobitten |
| Schönfeld b. Mühlhausen | Krasinek | 1928 zu Schlobitten |
Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Schlobitten eine evangelische Kirche, ein Schloss des Fürsten Dohna-Schlobitten und eine Ziegelbrennerei.[9] Um 1922 waren in Schlobitten zwei Gutsbezirke, beide im Besitz der Familie Dohna-Schlobitten. Das Fideikommissgut Schlobitten (Flächeninhalt 987 ha, davon 539 ha Ackerland, 104 ha Wiesen und 320 ha Holzungen) mit den acht Vorwerken Schlobitten (218 ha), Guhren (512 ha), Nikolaiken (450 ha), Schönfeld b. Mühlhausen (634 ha), Brünneckshof (530 ha), Stöpen (116 ha) und Davids (212 ha) gehörte Alexander Fürst zu Dohna-Schlobitten in Schlobitten; das Gut Erlau (108 ha) einschließlich Guhrenwalde und Bunden, Abbau (170 ha) besaß Marie Mathilde Fürstin zu Dohna-Schlobitten.[10]
Schlobitten gehörte bis ins Jahr 1945 zum Landkreis Preußisch Holland im Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, und war Sitz des Amtsbezirks Schlobitten.[11]
Im Frühjahr 1945, zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Region von der Roten Armee besetzt. Anschließend wurde die südliche Hälfte Ostpreußens mit dem in Słobity umbenannten Ort Teil Polens.
Demographie
| Jahr | Einwohnerzahl | Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1780 | – | 38 Feuerstellen (Haushaltungen), davon 32 auf dem adligen Gut und Dorf Schlobitten und sechs auf dem zugehörigen Vorwerk Schlobitten[12] |
| 1818 | 329 | davon 266 im Dorf und 63 auf dem Vorwerk[13] |
| 1858 | 442 | davon 265 (262 Evangelische, 3 Katholiken) auf dem Rittergut (Flächeninhalt 5485 Morgen) und 177 (168 Evangelische, neun Katholiken) auf dem zugehörigen Vorwerk (Flächeninhalt 2135 Morgen)[14] |
| 1864 | 544 | am 3. Dezember, davon 271 im Gemeindebezirk und 273 im Gutsbezirk[15] |
| 1867 | 583 | am 3. Dezember, davon 174 im Kirchdorf und 409 auf dem Rittergut[16] |
| 1871 | 599 | am 1. Dezember, davon 167 im Kirchdorf (162 Evangelische, 5 Katholiken) und 432 (420 Evangelische, 12 Katholiken) auf dem Rittergut[16] |
| 1905 | 600 | [9] |
| 1910 | 559 | am 1. Dezember[17][18] |
| 1933 | 715 | [19] |
| 1939 | 681 | [19] |
Religion
Kirchengebäude
Bereits vor 1586 gab es in Schlobitten eine Kirche.[20] An ihrer Stelle wurde 1872 eine neue Kirche errichtet: ein Bauwerk im neugotischen Stil mit Turm.[21] Sie verfügte über einen hellen und freundlich wirkenden Innenraum mit einfacher Ausstattung. Altar und Kanzel waren neugotisch. Zwei Altarflügel stammten von 1606 und waren mit den Wappen der Stifter Achatius zu Dohna und seiner Ehefrau Barbara von Wernsdorfversehen.[20] Den Prospekt der Orgel von Janzen in Danzig schmückten Werke des Bildhauers König in Königsberg (Preußen).[21] Am einem großen Kruzifix war der Christuskörper eine italienische Arbeit aus Elfenbein.
Bis 1945 war die Schlobitter Kirche ein evangelisches Gotteshaus. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von der römisch-katholischen Kirche übernommen, die sie den veränderten liturgischen Bräuchen auch baulich anpasste. Sie ist der Zmartwychwstania Pańskiego („Auferstehung des Herrn“) gewidmet und seit 1987 Pfarrkirche.[22]
Evangelische Kirche
Die evangelische Kirchengemeinde in Schlobitten wurde vor 1586 gegründet.[23] In jenem Jahr wurde die erste Kirche errichtet. Bis zum Jahre 1604 war das große Gutsdorf eine Filialgemeinde der Stadtpfarrei Mühlhausen i. Ostpr. (polnisch Młynary). Schlobitten wurde dann mit Herrndorf (polnisch Młynarska Wola) eine „Vereinigte Kirchengemeinde“, wobei Herrndorf der Pfarrsitz war.[24] Von hier aus amtierten von 1604 bis 1945 ununterbrochen die evangelischen Geistlichen.
Schlobitten gehörte demnach ab 1604 zum evangelischen Kirchspiel von Herrndorf, das erst seit 1594 bestand,[25] und war ursprünglich zu Mühlhausen eingepfarrt. 1872 wurde eine neue Kirche im gotischen Stil erbaut. Sie enthielt Altarbilder von Pfannschmidt.[26][27]
Im Jahre 1925 gehörten zu den vereinigten Kirchengemeinden Herrndorf-Schlobitten 1.480 Gemeindeglieder.[23] Von ihnen entfielen 720 auf den Sprengel Schlobitten. Das Kirchenpatronat hatte der Fürst zu Dohna-Schlobitten inne.
Kirchspielorte bis 1945:
Zum Kirchensprengel Schlobitten gehörten die vier Orte:[23] Guhren (polnisch Góry), Jonikam (Janiki Pasłęckie), Muttersegen (Karpówek) und Schlobitten (Słobity).
Römisch-katholische Kirche
Seitens der katholischen Kirche wurde das bisher evangelische Gotteshaus in Anspruch genommen. Hier fanden regelmäßige Gottesdienste statt, und zum 12. April 1987 errichtete hier der ermländische Bischof Edmund Piszcz eine eigene Pfarrei.[22] Sie ist dem Dekanat Pasłęk I zugeordnet und gehört zur Diözese Elbląg.
Pfarreiorte sind:
| Polnischer Name | Deutscher Name | Polnischer Name | Deutscher Name | |
|---|---|---|---|---|
| Bronki | Breunken | Józefowo | NN.[28] | |
| Góry | Guhren | Karwiny | Karwinden | |
| Janiki Pasłęckie | Jonikam | Stojpy | Stöpen |
Schloss


Peter Dohnas Sohn, Achatius I. (1533–1601), ließ das vorhandene mittelalterliche Herrenhaus um 1589 herstellen und ausbauen und nahm dort seinen Wohnsitz. In diesem Haus logierte 1611 auch Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg bei seiner Durchreise nach Königsberg. Der im Ingenieur- und Festungsbauwesen geschulte Sohn des Grafen Achatius, Abraham II. Burggraf und Graf zu Dohna (1579–1631), ließ schließlich 1621–1624 – vermutlich neben dem alten Herrensitz – ein vollkommen neues Schloss auf H-förmigem Grundriss im Spätrenaissancestil erbauen, von dem eine alte Ansicht auf einem Dohna’schen Stammbaum überliefert ist und für das er selbst sehr genaue Entwurfszeichnungen (Grundrisse und Schnitt) angefertigt hatte. Nach der Verwüstung und Ausplünderung des Schlosses während des schwedisch-polnischen Krieges 1629 ließ Abraham es erneut herstellen. Es war ein zweigeschossiger massiver Putzbau mit Kellergeschoss und den für die Renaissance typischen Zwerchhäusern mit dreizonigen Schweifgiebeln, die zwei Etagen aufwiesen. 1627 erfolgte in der nördlichen Flucht des Schlosses, in östlicher Richtung und nur wenig abgesetzt vom Hauptbau die Errichtung eines galerieartigen, eingeschossigen Bibliotheksgebäudes (33 m lang und 6 m tief), das im Jahr 1893 bereits 23.000 Bände enthielt.[29] Die langgestreckte Galerie wurde von Kreuzgratgewölben überspannt. Der Neubau des Schlosses im Barockstil wurde von Alexander zu Dohna (1661–1728) beauftragt. Der Bau zog sich von 1696 bis 1736 hin. Die Architekten waren Jean Baptiste Broebes (1660–1720) und Johann Caspar Hindersin (1667–1738).
Das fertige Schloss war ein ostpreußisches Königsschloss mit der Aufgabe, dem preußischen König auf seinen Reisen als Unterkunft zu dienen.
1945 wurde das Schloss durch Brandstiftung nach Einmarsch der Roten Armee zerstört.[30] Heute stehen nur noch die Umfassungsmauern des Gebäudes.
Verkehr
Nahe dem Ort verläuft die ehemalige Bahnstrecke Elbing-Güldenboden-Königsberg der einstigen preußischen Staatsbahn.[9][17]
Der ehemalige Bahnhof in Słobity-Stacja liegt an der heute nicht mehr regulär befahrenen Bahnstrecke Malbork–Braniewo und war Beginn der nicht mehr existierenden Bahnstrecke Schlobitten–Bischdorf.
Persönlichkeiten
- Alexander I. zu Dohna-Schlobitten (1661–1728), Generalfeldmarschall, Oberhofmeister und Gouverneur des Prinzen Friedrich Wilhelm, Ahnherr des Hauses Schlobitten
- Alexander Fabian zu Dohna-Schlobitten (1781–1850), Oberstleutnant
- Friedrich Karl Emil zu Dohna-Schlobitten (1784–1859), Feldmarschall
- August Ventzki (1856–1922), Ingenieur, Erfinder und Unternehmer
- Bernhard Kaewel (1862–1917), Bürgermeister von Ruhrort, Oberbürgermeister von Schweidnitz
- Alfred Oehlke (1862–1932), Journalist und Zeitungsverleger
Literatur
- Christian Krollmann: Schlobitter Erinnerungen an das Jahr 1807. In: Oberländische Geschichtsblätter, Heft 9. Königsberg 1907, S. 1–13.
- Christian Krollmann: König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise in Schlobitten 1802. In: Oberländische Geschichtsblätter, Band 3 (Heft 11–15). Königsberg 1909–1913.
- Alexander Fürst zu Dohna, Christine Mertens, Carl Grommelt, Lothar Graf zu Dohna, Christian Krollmann: Das Dohnasche Schloss Schlobitten in Ostpreußen. 2. Auflage. W. Kohlhammer-Verlag, Stuttgart 1965 (Bau- und Kunstdenkmäler des deutschen Ostens. Reihe B, 5).
- Friedrich Graf zu Dohna-Schlobitten: Der Weg des Schlobitter Inventars seit 1943. In: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Schönhausen. Rokoko und Kalter Krieg. Die bewegte Geschichte eines Schlosses und seines Gartens. Potsdam 2009, S. 146–148.
